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29.09.2015

Pioneer DJM-S9 Test

Battlemixer für Serato DJ

Die ultimative Kampfmaschine!

Pioneer DJM-S9, der brandneue Flaggschiff-Battlemixer für Serato DJ, setzt auf zahlreiche Performance-Tools, mit denen er Ranes SL/Sixty-Serie die Stirn zu bieten gedenkt. Der offizielle Nachfolger des legendären DJM-909 besitzt ein duales, für Serato DJ zertifiziertes USB-Audiointerface, große Performance-Pads, diverse Controller und eine stattliche Auswahl an On-Board-Effekten. Ferner ist das Pult voll MIDI-kompatibel und mit Pioneers Eigenentwicklung, dem Magvel Fader Pro bestückt. Der DJM-S9 kostet laut Liste 1799 Euro. Somit ist das Pult um circa 400 Euro günstiger als Ranes TTM57MkII und auch den Sixty Two „unterbietet“ Pioneer um gut 250 Tacken.

Sollte der DJM-S9 in den wichtigsten Testkriterien dem gewohnt hohen Qualitätsstandard von Pioneer gerecht werden, hätte er sicher gute Chancen, auf ein breites Interesse bei den Turntablists dieser Welt zu treffen. Internationale DJ-Größen wie Jazzy Jeff, Eskei83, Babu, Rhettmatic, Melo-D und QBert zeigten sich im Promo-Clip jedenfalls voll des Lobes.  Ein Grund mehr, den neuen Battle-Boliden für euch auf den Bonedo-Prüfstand zu schicken und herauszufinden, was er so alles zu leisten vermag.

Details

Gespannt öffne ich die weiße Pioneer-Kartonage und zum Vorschein kommen der Mixer nebst Kaltgerätekabel und USB-Strippe, Garantiebelege und ein ausführlicher, sehr verständlich verfasster deutschsprachiger Quickstart Guide. Zur Steuerung der virtuellen Decks befinden sich zwei Timecode-CDs in der Box. Vinyls sind leider nicht im Paket enthalten. Für den neuen Magvel Fader Pro stellt Pioneer außerdem drei verschieden harte Gummi-Bumper bereit.

Erster Eindruck

Das Metallchassis des DJM-S9 ist mit Ausnahme des Backpanels und der Fader-Faceplate komplett mit widerstandsfähigen Kunststoffteilen verkleidet. Mir persönlich gefallen zwar „reine“ Metallgehäuse besser, aber das ist sicher eine Frage des Geschmacks. Die Haltbarkeit und Funktionalität wird durch den höheren Kunststoffanteil auf jeden Fall nicht beeinträchtigt und dass es der Proband wirklich „in sich hat“, darauf weist allein schon sein recht stolzes Kampfgewicht von 4,6 Kilo hin.

Fest im Chassis verankert und mehrheitlich vergoldet präsentieren sich die Anschlüsse. Sämtliche Tasten, Drehschalter und Regler des Mischers machen eine gute Figur, besonders auch die Fader mit ihrer sehr stabilen Seitenführung. Der erste Eindruck ist somit äußerst positiv.

Anschlüsse

Jeder Kanal ist mit einem Phono- und Line-Eingang (Stereo-Cinch) ausgestattet. Zwei griffige von oben gut erreichbare Schrauben fixieren die Erdungskabel. Dazu gesellt sich ein Aux-Input. Der Mikrofoneingang, eine XLR/Klinke-Kombibuchse, wurde ebenfalls auf der Geräterückseite platziert und lässt sich zwischen Line- und Mikrofon-Level umschalten, sodass man auch problemlos eine Funkstrecke anstöpseln kann.

Das Mastersignal lässt sich symmetrisch (2x XLR) und unsymmetrisch (Stereo-Cinch) abgreifen und via Schalter um 6 dB oder 12 dB absenken. Der Monitorausgang liegt als symmetrisches Klinkenpärchen vor. Für den digitalen Signalfluss zwischen Pult und Rechner(n) sorgen die beiden USB-Buchsen. Eine Vorrichtung für ein Kensington-Lock schützt das teure Stück vor Langfingern. Schließlich sitzt hier noch die Kaltgerätebuchse nebst Einschaltknopf für den Mixer.  Zwei Ausgänge wurden auf dem Frontpanel untergebracht, nämlich die Standard- und Miniklinkenbuchse für den Kopfhörer. Praktisch, sollte der eigene Headphone-Adapter vergessen worden sein. Ein Unterschied zum Rane TTM57mkII sei an dieser Stelle erwähnt: Die Phono-Eingänge des Pioneer-Mischers lassen sich nicht auf Line-Level umschalten.

Konzipiert wurde der Pioneer DJM-S9 für Serato DJ. Mit dem DJM-S9 könnt ihr bis zu vier virtuelle Decks steuern. Außerdem bietet die DVS-Software jeweils acht Hotcues, Sync-Funktionen, Loops und Effekte, farbige Wellenformdarstellungen, einen Sample-Player mit sechs Slots sowie eine Aufnahmefunktion, um nur einige Features zu nennen. Für meinen Test habe ich Version 1.8 (Beta) installiert. Der Rechner ist ein iMac mit 2,4 GHz Intel Core 2 Duo Prozessor, 4 GB RAM und dem Betriebssystem OS X 10.8.5.

Nach Betätigung des Einschaltknopfes leuchten die Buttons einmal von oben nach unten auf. Anschließend fahren die Performance-Pads im „Las Vegas Style“ einmal ihre komplette Farbpalette ab und der S9 ist einsatzbereit. Applaus für die gelungene Einstimmung. Serato DJ erkennt das Pult natürlich nativ und  innerhalb weniger Augenblicke. Die Software fordert mich auf, den Audiotreiber für das Gerät upzudaten. Mach ich gern und ein paar Klicks später wandert das Update aus dem Netz auf meinen Rechner. Die Installation ist nach den üblichen Ritualen (Lizenzbedingungen und so weiter) schnell erledigt.

Pioneer selbst teilt die Bedienoberfläche des Mischers in sechs Abteilungen auf. Daran werde auch ich mich im folgenden Text orientieren. Die Sektionen heißen Browser-, Deck-, Mixer-, Effekt-, Cue/Kopfhörer- und Mikrofonsektion.

Browser-Sektion

Je ein Push-Encoder mit Back- und Load-Buttons residiert links und rechts oben am Pult. Praktisch, denn zwei Einheiten verbessern den Workflow und die Positionierung sorgt dafür, dass einem diese Bedienelemente bei anderen Tätigkeiten am Pult nicht „in die Quere kommen“.

Deck-Sektion

Die Deck-Sektion gliedert sich auf in die Performance-Pads und die Loop-Sektion. Im Vergleich zum TTM57mkII sind die 16 RGB-Pads für einen Battlemixer ungewöhnlich groß. Und das hat in der Praxis klare Vorteile, denn wer gern mit Pads performt, der sollte diese auch „im Blindflug“ eindeutig treffen können. In diesem Punkt ist der S9 dem TTM57mkII klar überlegen. Was den Workflow angeht, kommt einem die verschiedenfarbige Beleuchtung der Buttons sehr zu Hilfe und sorgt in dunklen Arbeitsumgebungen ebenso für Durchblick.

Features wie Hotcues, Rolls, Sampler und Slicer lassen sich komfortabel über die Pad-Mode-Buttons und Shift anwählen. Außerdem treffe ich hier auf ein LC-Display, das anzeigt, welchen Modus die Tastenmatrix gerade dirigiert und welche Bank gerade ausgewählt ist. Sehr gut gefällt mir auch die ergonomisch perfekte Positionierung der Parameter-Buttons links und rechts oberhalb der Pads. Diese verfügen über einen angenehmen Druckwiderstand und sprechen sehr direkt an. Kein Problem, damit live einen Sample Beat zu performen. Nicht weniger komfortabel ist die Loop-Sektion. Ob manuelle Schleifen, on-the-fly Autoloops, verdoppeln oder halbieren, alles läuft wie geschmiert und auch diese Tasten sind selbstverständlich statusbeleuchtet. Volle Punktzahl für die Deck-Sektionen!

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