Test
5
21.01.2020

Praxis

Eins ist klar: Steht man als Pioneer-User der Flaggschiff-Serien bzw. neuerer Gerätschaften erstmalig am XZ, gleicht das einem Heimspiel. Super Look & Feel. Newbies dürften nach kurzer Eingewöhnungszeit und einem Blick ins Handbuch ebenfalls gut zurechtkommen.

Zu den Externa: 2x Phono, 2x Line, 1x Aux-In: Das ermöglicht euch, vom Plattenspieler über den zusätzlichen und je nach Modell verlinkbaren CDJ/XDJ bis hin zu einem weiteren Device allerhand Gear anzuschließen.

Für den Aux-Input darf die Eingangsverstärkung angehoben werden, was sich empfiehlt, wenn man beispielsweise mit einem Smartphone mit Spotify-Mucke arbeiten möchte. Hier ließe sich natürlich auch ein DJS-1000 als Sample-Schleuder andocken bzw. das Return-Signal einspeisen, das ihr via Send-Out mit dem ausgewählten Beat-FX-Kanal füttert oder was auch immer ihr bevorzugt.

Der Mixer kommt mit einem musikalischen Boost von 6 dB daher, der Cut reicht von -26 bis Kill, je nach Vorauswahl. Der Crossfader ist butterweich, die Pots lassen sich gut drehen. Die Channelfader- und CF-Curves müssen jedoch wie gesagt in der Software umgeschaltet werden.

Der Sound des XZ ist transparent und druckvoll, der Kopfhörerausgang klar und laut. Moderatoren, Wedding/Event-DJs, Rapper und sangeskundige Naturen bekommen für die beiden rückseitig anschließbaren Mikrofone je einen eigenen, zuschaltbaren Signalpfad mit 12 dB Dreiband-EQ ( Hi@10 kHz, MID@2,5 kHz, LOW@100 Hz) und Gain-Regelung nebst CLIP-LED angeboten.

Die via Menü konfigurierbare Talkover-Funktion leistet gute Dienste, siehe dazu auch Audiobeispiele. Der zweifach schaltbare Feedback-Reducer hilft euch, potenzielle Rückkopplungen je nach Umgebung Light oder Heavy zu unterdrücken. Wie gehabt könnt ihr zudem Output-Level, Dämpfungen, Mikrofonausgabe und zahlreiche sonstige Einstellungen für den XDJ vornehmen. Der Utility/Setup-Mode ist ein Mekka für Individualisten.

Auf der gegenüberliegenden Seite erlaubt ein Master-EQ die klangliche Abstimmung des Summensignals über drei Bänder mit -26 / +12 dB. Sehr gut, um sich auf das Event einzuschießen. Das Pegelmeter zählt 12 Schritte von -24 dB bis +15 dB plus Clip LED. Schade, dass es hier keinen Balance-Regler gibt, der im Zusammenspiel mit Vinyl beispielsweise durchaus manchmal gute Dienste leisten kann. Die Booth-Regelung findet sich direkt daneben ein und kann auch vom Master-EQ profitieren. Kommt euch die Aufteilung etwas bekannt vor? Der Prime 4 lässt grüßen. Allerdings hat der XDJ-XZ keinen dedizierten Zone-Output anzubieten. Er hat aber auch keine vier USB-Player-Decks. Was es allerdings gibt, ist eine Auto-Play-Funktion. Liste auswählen, Auto-Play einschalten, Erfrischungsgetränk holen.

Was die Effektkiste angeht, können „analoge“ wie digitale DJs aus dem Vollen schöpfen: 14 Beat-FX und 6 Sound-Color-Effekte sind an Bord, das deckt sich mit dem DJM-900NXS2-Mischpult, wobei die Beat-FX frei via Timing-Drehregler, über Tasten oder via Taktraster (X-Pad) getaktet werden können (siehe auch DJM-900NXS2-Test). Sie lassen sich den Kanälen, CF-Seiten, Master und Mikrofonen (hier sogar beiden Mikrofonen) zuweisen.

Die Kanaleffekte sind anwenderfreundlich parametrisiert, wer die Charakteristik noch etwas abändern möchte, nutzt den Parameterregler dafür. Mit den Beat-FX hat man gleich noch eine zweite Armada am Start, die klanglich überzeugt. Was will man mehr? 

USB-Mediaplayer

CDJ-like kann Musik auch vom USB-Stick abgespielt werden (auch mit erwähnter Auto-Play-Funktion), SSD-Laufwerke wurden im Test ebenfalls unterstützt. Die möglichen Dateiformate sind (MP3, AAC und dazu Wave und AIFF bis 48 kHz/24 Bit, kein Hi-Res, kein FLAC).

Und obwohl hier vier Kanäle „drauf stehen“, können nur die beiden letztgenannten Kanäle vom USB-Stick bespielt werden. Schade. Zwar lässt sich auch Musik ohne vorzeitige rekordbox Analyse abspielen (Stichwort: Ich hab hier mal ’nen Track mitgebracht, kannst du …), aber die volle Palette an Features und Vorzügen gibt’s nur via zuvorigem RB-Export Mode auf den Stick geschrieben, sind erst einmal die Musikalien auf dem Rechneranalysiert, Playlisten gebaut, Titel getaggt und Cue-Punkte sowie Hotcues vergeben. Seit Jahren ein etabliertes Verfahren bei Pioneer und komfortabel.

Am Gerät selbst geht das Einlesen der bereits analysierten Tracks vom USB-Stick und von der SSD recht flott und die Navigation via Push-Encoder, Touchscreen und der Heerschar an Tasten in der Nähe des Displays ist straight-forward und schnell verinnerlicht.  

Der 7-Zoll-Touchscreen ist auf einen guten Meter Abstand adäquat ablesbar und er zeigt euch beim Browsen eure Playlisten und acht Zeilen Tracks an – eigentlich genug, wie ich finde. Im Player-Modus seht ihr dort detaillierte Informationen zu den Decks und den Beat-FX, darunter Wiedergabeposition, die Tonart, BPM und Pitch-Wert, Quantisierung und Sync-Status Effekte, Name, Kanal, Tempo und Timing und Hotcues et cetera. Unterstützend wirkt hier auch das Jog-Display. In der Track-Preview lässt sich mit dem Finger auf Wunsch grob spulen.

Rekordbox

Hier können vier Decks auf vier Kanälen genutzt werden, wobei die Kanäle mit Phono-Eingängen auch DVS akzeptieren (das entsprechende „Plug-in“ kostet 99 Euro). Das Audiointerface arbeitet mit 44,1 kHz und 24 Bit. Ein Wermutstropfen: Pioneer hat – sicherlich auch wegen der nur zwei USB-Player – keinen Deck-Switch in den Player-Sektionen verbaut. Die Decks müssen via Shortcut-Menü und Touchscreen umgeschaltet werden. Kann man so machen, aber intuitiv ist es nicht.

Klasse auch: Ihr könnt die rekordbox dj Features in Kombination mit den Hardware FX nutzen, dabei auf freikonfigurierbare Performance-Pads zugreifen, Samples abfeuern etc. Hinsichtlich der Performance-Modi weicht die Belegung der über das GUI konfigurierbaren Pads vom Standalone-Modus ab. Einher geht, dass ihr einen weiteren Layer nutzen könnt.

Hierfür möchte ich euch auch den Test des DDJ-1000 empfehlen, der sich detailliert mit den vielen Software-Features von rekordbox dj auseinandersetzt und unseren Crashkurs. Ihr müsst euch allerdings entscheiden, ob ihr rbdj oder USB spielt, ein Mixed-Betrieb ist nicht sinnvoll möglich.

Mobile Device

Musik auf dem Smartphone lässt sich durch eine direkte Verbindung über einen der beiden oberseitigen USB-Ports in den Mix integrieren. Im Test gelang das mit der iPhone-App rekordbox ohne Probleme: Automatisch erkannt, Musikzugriff kein Problem, Browsing und Waveforms – alles da und man kann von beiden Geräten aus Musik aus seiner Sammlung in die Decks befördern und das visuelle Status-Update erfolgt innerhalb von 2-3 Sekunden. Etwas seltsam allerdings: Obwohl ich am Smartphone RGB statt blau eingestellt hatte, waren auf dem XDJ blaue Waveforms zugegen. Eine Ablagevorrichtung fürs Smartphone hätte mir auch gut gefallen.

Serato

Damit wären wir nun fast am Ende angelangt, doch zuvor sollte noch erwähnt werden, dass es Anfang 2020 noch ein Firmware-Update geben wird, das den XDJ-XZ Serato-kompatibel macht. Hier dürfte die Controller-Funktionalität Einzug halten und mitunter auch eine DVS-Option. Das dürfte vielerorts Anklang finden.

Mein persönlicher Hauptknackpunkt am XDJ-XZ sind die Einschränkungen für die Player und Inputs am Kanal 1 und 2, selbst wenn mancher Leser oder Nutzer dies mitunter als „einsteigefreundlich“ werten könnte/möchte und anzuführen gedenkt, dass ja zwei zusätzliche CDJs/XDJs via Link den 4 Deck Sync-Reigen bringen können. Oder kommt mitunter noch eine 3000-Euro-Plus-Version, die dann alles erlaubt? Das könnte dann mitunter andere nötige Upgrades nach sich ziehen, wie eine verbesserte CPU-Leistung und ein größeres Display für 4 Decks. Nichtsdestotrotz ist der Pioneer die flexibelste und umfangreichste Komplett-Mixstation des Herstellers und legt die Messlatte für All-In-One-Lösungen im Rekordbox-Kosmos ein Stück höher. Die Konkurrenz schläft allerdings nicht. Dazu möchte ich euch diesen Kaufberater ans Herz legen.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare