Test
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11.12.2015

Pioneer DDJ-RX Test

DJ-Controller

Rekordbox Performance-Tool

Pioneer DJ macht Dampf: Erst veröffentlichen sie die neue Rekordbox Performance Software, dann folgen unmittelbar die passenden Controller DDJ-RX und DDJ-RZ. Der Vorteil für den Konsumenten liegt auf der Hand. Wer mit einem, im Gegensatz zum 6000 Euro teuren DJM/CDJ-Setup vergleichsweise günstigen Rekordbox-Controller startet, kann seine Daten dennoch auf den Flaggschiff-Playern nutzen, wenn der Bekanntheitsgrad steigt und die Bookings auf einen niederprasseln. Ein „Upgrade“ auf die Club-Line ist jederzeit möglich, ohne gleich die ganze Vorarbeit in die Tonne zu werfen. Außerdem stehen einem mit dem RX nebst Laptop zahlreiche Performance-Tools und Effekte zum Live-Remixen zur Verfügung. Mal schauen, was das Tag-Team Pioneer Rekordbox DJ und DDJ-RX für 1049 Euro zu bieten hat...

Details

Zum Lieferumfang zählen neben der Konsole noch ein Handbuch, Netzteil und USB-Kabel sowie eine Lizenz für Rekordbox DJ (Einzelpreis: 139 Euro), eine Software mit bis zu vier Decks, Effekten und Performance-Tools, die sich zukünftig via Plug-in-Zukauf noch erweitern lassen wird. Zur Grundausrüstung zählen unter anderem ein Sampler, Slicer, Cues, diverse Effektbataillone und Loop-Tools, wie man sie in ähnlicher Art aus gängigen DJ-Programmen kennt. Hinzu kommt eine ausgefeilte Musikverwaltung.

Um das Programm ans Laufen zu bekommen, benötigt ihr entweder Windows 7 oder 8 mit 32 Bit, einen 2.0 GHz Core2Duo oder Core i3, i5, i7 mit 1,07 GHz sowie 2 GB RAM. 64-Bit-Systeme erfordern einen 2,4 GHz Core2Duo oder Core i3, i5, i7 1,07 GHz mit 4 GB RAM. Das Gleiche gilt für Macs von OSX 10.6 – 10.10.

Hardware

Aufmerksamen Bonedo-Lesern sollte nicht entgangen sein, dass der Pioneer DDJ-RX auf dem DDJ-SX2 basiert und somit bereits das dritte Modell dieser Baureihe ist. Dementsprechend gibt es leichte kosmetische Korrekturen gegenüber dem zuvor genannten Serato Controller, zugeschnitten auf Rekordbox DJ.

Unverändert geblieben sind das rocksolide Design, die Pioneer-typische Qualität der Bedienelemente und das großzügige, intuitiv zugängliche Oberflächen-Layout, das dem DJ reichlich Platz zum Arbeiten anbietet. Zudem stellt das Gerät ein Standalone-Mischpult für vier alternativ zu den Software-Decks nutzbare externe Signalquellen (2x Phono/Line, 2x CD/Mike).

Front- und Backpanel

Die Mikrofoneingänge verfügen über eine Talkover-Funktion mit 20-dB-Dämpfung. Anzuschließen wären die Gerätschaften allesamt auf der Rückseite, wo auch zwei Master-Ausgänge (XLR und Cinch), der Booth-Out über 6,3 Millimeter Klinke, die USB-Buchse und die Stromversorgung ihre Zelte aufgeschlagen haben. Gegen Langfinger schützt eine Kensington-Aussparung.

Frontseitig stößt man rechts auf zwei Kopfhöreranschlüsse als Mini- und Standardklinke, begleitet von zwei großen, gummierten und entsprechend griffigen Cuemix- und Lautstärkereglern. Auf der anderen Seite sitzt das ebenso mächtige Curve-Poti zum Anpassen der Crossfader-Flankensteilheit und in der Mitte logieren die Input-Switches für die Zuspieler. Klar, beim Clubmixer sind die hinten am Kopf zu finden, was für manch einen etwas gewöhnungsbedürftig sein könnte, aber Hand aufs Herz: Wer arbeitet heutzutage während der Performance schon im ständigen Wechsel zwischen CDs, Turntables und Software-Decks auf allen Kanälen? Die meisten Laptop-DJs jedenfalls nicht.

Oben angekommen ...

... treffen wir auf gängiges Industrie-Layout mit zwei seitlich angelegten Decksektionen und einem zentralen Mixer, dessen Channel-Strips mit je einem Gain-Regler (+9 dB), Dreiband-EQ (-26/+6 dB, optional Isolatoren), bipolaren Kanalfilter und 45-Millimeter-Linefader ausgerüstet sind. Dazu gesellen sich Tasten zum Laden, Sortieren und Vorhören von Tracks, zum manuellen Tempo-Einklopfen und zum (De)aktivieren der Effekte. Außerdem lässt sich hier das Talkover einschalten, die Faderstart-Funktion für die Decks auslösen und die Crossfader-Zuweisung festlegen (A, B, Through). Die Scratcher unter den DJs dürfte interessieren, dass der Crossfader-Lag in Schritten von 0,1 Millimetern zwischen 0,5 und 5,7 Millimetern einstellbar ist (Standard: 1 Millimeter).

Die mittlere Horizontale hingegen bietet gegenüber dem SX2 einige Neuerungen, so etwa einen verkürzten Sampler-Volume-Fader, der den nötigen Raum für die hinzu gekommenen Funktionstasten zum Synchronisieren, Vorhören, Tempo-Tappen und Master-Deklarieren lässt.

Den Platz räumen musste auch das Cuemix-Poti zugunsten von vier Color-FX-Tasten, die auch ohne Rechneranbindung Effekte auf externe Zuspieler realisieren. Ein Detail, das man hier wissen sollte:

Es gibt zu den vier Color-FX Noise, Crush, Filter und Pitch noch eine User-Bank, bestehend aus Space, Sweep, Dub Echo und Gate Comp. Beachtet hierbei, wenn ihr mit externen Zuspielern und Software-Decks arbeitet, dass eine individuelle CFX-Belegung für eure Software-Decks keinen Einfluss auf die „analog“ verfügbaren FX hat. Bedeutet: Solltet ihr ein Dub Echo auf CFX1 für das Rekordbox-Deck gelegt haben, ist hier für Phono/Line/Mic nach wie vor Noise am Start.

Es folgen die Lautstärkeregler für Booth und den dämpfbaren Master (0, -3, -6 dB), abzulesen an dem zugehörigen Pegelmeter, das lediglich aus fünf Segmenten besteht. Besser sieht es da in den Kanälen aus, denn mit den zehngliedrigen Channel-Metern lassen sich die Zuspieler, ganz gleich ob analog oder digital, schon ganz gut aufeinander abstimmen.

Auf der 12-Uhr-Position ist der Browser mit seinem Tastengefolge zu finden. Ein Trio, das sich der Navigation in der Verzeichnisstruktur, dem Anwählen eines Bereichs und dem Einreihen von Tracks in die Warteliste verschrieben hat. Eine praktische Funktion, wenn man einen Titel nicht sofort, sondern später zu spielen gedenkt. Zu erwähnen ist hier noch die Möglichkeit, via Shift „Related Tracks“ anzuzeigen, also Titel, die anhand von diversen Auswahlkriterien wie BPM und Genre zusammenpassen. Fein säuberlich in einer zweiten „Playlist“ aufgereiht.

Oben logieren die Effektregler, darunter die Hand und Augen schmeichelnden, aluminiumbesetzten Jogwheels, die für mein Dafürhalten hinsichtlich ihrer Haptik und ihres visuellen Feedbacks nach wie vor mit die besten sind. Zudem lässt sich die Empfindlichkeit des Touch-Sensors und das Backspin-Verhalten festlegen. Es gibt fünf Beleuchtungsschemata, On-Air und Slip-Statusmeldung etc. Umringt werden sie von diversen selbsterklärenden Tasten wie Vinyl, Reverse, Slip, Shift, Grid zum Anpassen des Taktrasters und Decks (1, 3 und 2, 4). Wer diesbezüglich informativen Nachholbedarf hat, dem sei mein Test zum DDJ-SX2 und der Rekordbox Test von Marcus Schmahl empfohlen. Rechts neben den Tellern sind die 100 Millimeter langen Pitchfader zu finden.

An prominenter Position im nicht weniger prominenten Look präsentiert sich die Transportsteuerung. Ihr schließen sich acht, je nach Modus unterschiedlich beleuchtete Performance-Pads und ein Schleifenbaukasten an, die euch folgende Funktionen offerieren.

Performance-Pads

Hotcue: zum Anlegen und löschen von acht Hotcues.

Beat Jump: zum Vor- und Zurückspringen im Takt anhand eines sich verdoppelnden Taktmaßes von 1/32 bis 32 Beats (voreingestellt 1 bis 8).

Sampler: acht Slots und vier Bänke (via Parameter-Tasten), wahlweise mit Anschlagdynamik für die Lautstärke.

Slicer: unterteilt einen wahlweise geloopten oder fortlaufenden Track-Abschnitt in acht spielbare Teile mit einstellbarer Länge und Quantisierung.

Pad-FX: lösen zugewiesene Effekte aus.

Loops

Der Schleifenbaukasten lässt euch Autoloops setzen, (de)aktivieren, in der Länge teilen, verdoppeln und verschieben. Außerdem manuelle Loops anlegen, retriggern, reloopen und verlassen sowie Flanken via Jogwheel anpassen. Gängiges Prozedere und in der Praxis ohne Fehl und Tadel einzusetzen. Praktisch hier: „Active Loop“ aktiviert den nächsten Loop, sodass der Track hineinlaufen kann.

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