Gitarre
Workshop
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18.07.2017

Pedal Steel Gitarre – so gelingt der Einstieg

Grundlagen der Pedal Steel Gitarre

Die Pedal Steel Gitarre erklang als nahe Verwandte der Lapsteel-Gitarre zum ersten Mal in den USA der Dreißiger Jahre und folgerichtig kennen wir ihren Klang hauptsächlich aus der amerikanischen Countrymusik. Durch das Bewegen eines Slide- oder Tonebars, einem massiven runden Stück Metall, auf den Saiten über dem Griffbrett wird ähnlich wie bei der Lapsteel der typische Effekt erzeugt. Aber die wenigsten unter uns wissen, wie eine Pedalsteel eigentlich wirklich funktioniert und meist nur von Ferne, wie sie aussieht. Um mit dem Mythos, der dieses Saiteninstrument umgibt, aufzuräumen, stelle ich euch in diesem Workshop die Pedal Steel Gitarre näher vor und zeige euch, wie der erste Einstieg gelingt.

Die Pedal Steel Gitarre besteht im Grund aus einem oder zwei Hälsen, die flach in einem Holz- oder Metallrahmen verbaut sind. Das Instrument wird üblicherweise im Sitzen gespielt, um die diversen Pedale gut bedienen zu können, über die es verfügt. Wie bei der Gitarre auch, haben wir Wirbel zum Stimmen der Saiten, hier sind es aber pro Hals zehn an der Zahl. Diese werden in verschiedenen offenen Stimmungen gespielt. Dazu später mehr. Wie bei der Lapsteel-Gitarre verwenden wir einen Slidebar oder hier Tonebar, mit dem wir uns horizontal oder vertikal auf den Saiten bewegen, während unsere Anschlagshand die Saiten zupft - bei der Steelgitarre, wie sie auch genannt wir, oft noch mit Fingerpicks. Der wesentliche Unterschied zur Lapsteel sind die diversen Fußpedale und Kniehebel, die es uns ermöglichen, auf die Tonhöhe einzelner Saiten aktiv einzuwirken.

Mithilfe eines Tonabnehmers werden die Schwingungen wie bei einer E-Gitarre in elektrische Signale umgewandelt und mit einem Gitarrenamp verstärkt. Gerne wird noch ein Volumenpedal, ein Delay und/oder Hallpedal zwischen Steel und Verstärker geschaltet, um die für dieses Instrument markanten weiten Swells zu erzeugen.

Übrigens: Nicht nur für Countrymusic lässt sich dieses Instrument verwenden. Seit der Entwicklung der Pedal Steel Gitarre findet sie immer wieder ihren Weg auf Pop- und Rock- oder Jazzalben. Hört euch doch mal die folgenden Songs genauer an.

Die Pedal Steel Gitarre in Rock- und Popsongs:

Tiny Dancer - Elton John

Hypnotised - Coldplay

Und sogar bei der Glam-Rock-Band Mötley Crüe lässt es sich Gitarrist Mick Mars nicht nehmen, uns ein Pedal Steel-Solo zu kredenzen:

Without You - Mötley Crüe

 

Stimmung:

Die Hälse der Pedal Steel Gitarre werden in Open Tunings gestimmt. Am gebräuchlichsten sind E9 (B - D - E - F# - G# - B - E - G# - D# - F# ) auf dem ersten Hals und C6 (C - F - A - C -E - G - A - C - E - G) für den zweiten. Das sieht im Folgenden so aus:

Durch die Verwendung der Pedale und Kniehebel - manche Gitarren haben mehr, manche weniger - werden einzelne Saiten in ihrer Tonhöhe verändert. Dadurch sind wir in der Lage, eine Vielzahl von Akkorden zu spielen, ohne den Tonebar großartig zu bewegen. Ein Einsteigermodell, ein sogenanntes "student model" der Pedal Steel Gitarre hat einen Hals, meist für E9-Tuning, drei Fußpedale und einen Kniehebel. Gerade bei Pop- und Rockmusik kommen wir mit dieser Variante schon sehr weit. Wer tiefer eintauchen möchte, der sollte darauf achten, mehr Kniehebel und Pedale an seiner Pedal Steel Gitarre zu haben. Nachfolgend möchte ich euch zeigen, wie ihr erst einmal locker mit Akkorden auf der Steel loslegen und sofort Musik machen könnt.

Pedal Steel Gitarren Workshop

Wir beginnen ohne Tonebar mit den Leersaiten. Allein hier sind eine Vielzahl von Akkorden nur durch die Bedienung der einzelnen Pedale möglich. Wichtig für den Anfang auf der Pedal Steel Gitarre ist, dass ihr euch die Lage der Akkordbilder in der Anschlagshand merkt. Der Einfachheit halber versehen wir dazu unsere zehn Saiten mit Zahlen, angefangen mit der 10 für B. Das Tuning B - D - E - F# - G# - B - E - G# - D# - F# wird also übersetzt in 10 - 9 - 8 - 7 - 6 - 5 - 4 - 3 - 2 - 1 .

In der Anschlagshand benutzen wir für die Akkorde vorzugsweise Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, möglich ist aber auch die Kombination Daumen, Mittel- und Ringfinger und für Vierklänge alle vier Finger. Wie bereits weiter oben erwähnt, verwenden wir bei diesem Instrument auch Fingerpicks, das sind quasi aufsteckbare Plektren für jeden einzelnen Finger, die es in Stahl- und Plastikausführung gibt. Ich empfehle für die Pedal Steel Gitarre die Stahlversion.

E-Dur

Unser erster und einfachster Akkord in Open-E9 ist der E-Dur-Akkord. Den können wir auf den Leersaiten in vier Umkehrungen spielen. Das erste Griffbild dazu ist 10 - 8 - 6 mit den Tönen B - E - G#:

Im Hörbeispiel spiele ich die vier Umkehrungen hintereinander. Benutzt am besten für Griffbild 10 - 8 - 6 die Fingerkombination Daumen - Zeigefinger - Ringfinger. Für die restlichen Umkehrungen solltet ihr selbst entscheiden, was sich für euch am besten anfühlt. Ich selbst spiele am liebsten die anderen drei mit Daumen - Mittelfinger - Ringfinger.

Übt die Pattern in der Zupfhand intensiv, sodass ihr nicht viel darüber nachdenken müsst, welche Saiten ihr anschlagen müsst, um die jeweiligen Umkehrungen zu erreichen. Am besten spielt ihr die Akkordbilder hoch und runter, aber auch wild durcheinander, zum Beispiel erste Umkehrung, dann dritte Umkehrung, vierte Umkehrung und dann zweite Umkehrung usw. Die meisten nun folgenden Akkorde funktionieren nämlich mit den gleichen Griffbildern in der Anschlagshand.

C#-Moll

Die Spannung steigt. Bei diesem Akkord können wir zum ersten Mal ein Pedal benutzen. Auch hier hat man ein System zur Bezeichnung der Pedale und Kniehebel festgelegt, um Akkorde einfach erklären und graphisch darstellen zu können. Von links nach rechts bezeichnen wir die Pedale mit den Buchstaben des Alphabets. Unsere einfache Ausführung mit drei Pedalen bekommt also die Pedale A, B und C zugewiesen.

Das Spannende: Die Pedale haben direkte Einwirkung auf die Tonhöhe einzelner Saiten. Für C#-Moll treten wir das Pedal A. Dadurch werden die B-Saiten unserer Pedal Steel Gitarre auf den Ton C# erhöht. Unser Tuning ist also auf einmal C# - D - E - F# - G# - C# - E - G# - D# - F#. Wenn wir dasselbe Pattern in der Greifhand anwenden, kommen wir folglich zu diesen Umkehrungen.

Im Audiobeispiel hört ihr die Umkehrungen hintereinander.

A-Dur:

Von C#-Moll kommen wir auf der Pedal Steel Gitarre ganz einfach zu A-Dur. Wir haben das Pedal A schon getreten, jetzt nehmen wir noch Pedal B dazu. Dadurch werden unsere G#-Saiten um einen Halbton erhöht und somit zu A. Und wieder einmal können wir die uns bekannten Griffbilder verwenden.

Wie das klingt, hört ihr im folgenden Soundbeispiel.

E-sus

Lösen wir das Pedal A wieder, bleiben aber auf dem Pedal B, ergibt sich folgende Saitenstimmung. B - D - E - F# - A - B - E - A - D# - F#. Wir können hier die regulären Griffbilder benutzen und haben damit einen Esus - Akkord.

Und hier die Akkorde hintereinander.

F# - Moll

Kommen wir nun zum Pedal C. Pedal B lassen wir getreten. Das dritte Fußpedal erhöht nicht nur eine der beiden B-Saiten um einen Ganzton auf C# (Saite 5), sondern auch die obere der E-Saiten (Saite 4) um einen Ganzton auf F#. Damit ergibt sich folgendes Tuning: B - D - E - F# - A - C# - F# - A - D# - F# . Bei diesem Voicing benutzen wir zum ersten Mal ein anderes Griffbild. Wenn wir einen einfachen Dreiklang bilden möchten, gibt es drei Griffbilder:

Als Hörbeispiel:

Nun legen wir den Tonebar auf die Saiten, wichtig dabei: Wie beim Slidegitarre-Spielen muss der Tonebar über dem Bundstrich auf den Saiten liegen, damit die Töne sauber intoniert werden. Indem wir unser Slide in verschiedene Bünde legen, können wir, nur über den Einsatz der Pedale und mithilfe unserer Griffbilder, schon einfache Akkordbewegungen spielen.

Zum Beispiel G - Em - C - D ( I - VI - IV - V).

Wir starten im 3. Bund ohne Pedale. Hier finden wir unser G-Dur in vier Umkehrungen. Im Beispiel spiele ich die Umkehrung mit den Saiten 8 - 6 - 5 (G - B - D). Wie ihr hört, habe ich jetzt auch das Volume-Pedal dazwischengeschaltet, um Wechselgeräusche zu vermeiden und den für das Instrument so typischen Swellsound zu erzeugen.

Für E-Moll bleiben wir im dritten Bund und treten das Pedal A (das D in G-Dur erhöht sich um einen Ganzton auf E) und ich spiele das Griffbild 6 - 5 - 4 (B - E - G). Für C-Dur nehmen wir das Pedal B hinzu. Normalerweise hätten wir im dritten Bund auf Saite 6 und 3 den Ton B, nun erhöhen sich beide um einen Halbton auf C. Ich bleibe im Griffbild 6 - 5 - 4 (C - E - G). Für die Dominante D-Dur, die uns wieder zurück zu G-Dur führt, lassen wir Pedal A und B getreten und bewegen nur den Tonebar zwei Bünde weiter in den 5. Bund. Schon sind wir bei D-Dur gelandet. Im Hörbeispiel bewege ich mich zurück zu G-Dur, der Slidebar geht zurück in den 3. Bund und die Pedale A und B werden gelöst. Wenn ihr die Pedale langsam loslasst, erzeugt ihr einen weiteren schönen Soundeffekt der Pedal Steel Gitarre, wenn die Saiten wieder in ihre Ausgangsstimmung zurückspringen.

In der nächsten Kadenz habe ich nur die 6. Stufe gegen die 2. Stufe in G-Dur getauscht. Sprich: statt C#-moll spiele ich A-Moll. Das erste G-Dur bleibt wie im vorherigen Beispiel Umkehrung 8 - 6 - 5. Für A-Moll springen wir nun aber auf die Pedale B und C, das B wird zu C erhöht und das Pedal C verändert zusätzlich die Tonhöhe von Saite 4 und Saite 5, dadurch wird das G zu A und das D auf Saite 5 zu E. Dann erinnern wir uns, dass wir für diesen Akkord die Umkehrungen 7 - 6 -5 , 6 - 5 - 4 und 5 - 4 - 3 benutzen, im Hörbeispiel verwende ich 7 - 6 - 5 ( A - C - E). A-Dur generiere ich genau wie im vorherigen Beispiel in Bund 3 mit den Pedalen A und B und Umkehrung Nummer 3. Für D-Dur springe ich jetzt in den 10. Bund, lasse alle Pedale los und spiele erst Umkehrung 2 (8 - 6 - 5 / D - F# - A), dann Umkehrung 3 (6 - 5 - 4 / F# - A - D) und trete dann die Pedale A und B, wodurch ich auf der IV. Stufe von D-Dur lande, nämlich G-Dur. Dadurch ergibt sich eine schöne Melodielinie und wir hören wieder den schönen Soundeffekt, wenn sich Saiten nur durch den Zug der Pedale verändern.

Das Schöne an der Stimmung und den Variationen durch die Pedale ist, dass wir die Möglichkeit haben, sowohl horizontal, also den Hals aufwärts, wie vertikal, also an einem Bund entlang nach oben zu spielen. Ich habe euch dazu die skaleneigenen Akkorde von E-Dur aufgenommen. Im ersten Hörbeispiel bewege ich mich mit dem Tonebar horizontal den Hals der Pedal Steel Gitarre hoch, bis ich eine Oktave höher im 12. Bund ankomme.

Skalenakkorde horizontal:

Hier findet ihr die einzelnen Akkorde in Griffbildern. Achtung, der letzte Akkord ist ein D#-moll Akkord mit verminderter 5. Den mit drei Pedalen herzustellen, ist etwas tricky: Ihr tretet Pedal B und C, aber Pedal C nur zu Hälfte, sodass ihr im Griffbild 7 - 6 - 5 die Töne D# - F# - A habt, anstatt mit voll getretenem Pedal D# - F# - A#.

Skalenakkorde vertikal:

Im zweiten Beispiel bewege ich mich nur in zwei Bünden und die meiste Zeit davon auf den Leersaiten. Ich spiele sozusagen vertikal den Hals der Pedal Steel Gitarre hoch. Den Akkord auf der VII. Stufe spiele ich hier auf den Saiten 4 - 3 - 2 (E - A - D#), da fehlt dann zwar unsere Mollterz F, aber wir haben die b5 und auch die b9 unseres halbverminderten Akkords. Alternativ könnt ihr auch versuchen, hier noch das Pedal C um die Hälfte zu treten, wodurch unser Ton E wieder zum F wird. Das hört ihr in Beispiel zwei.

Skalenakkorde vertikal mit b5:

Mit mehr Pedalen und mehr Kniehebeln wird es immer einfacher, auch solche Akkorde auf der Pedal Steel Gitarre erklingen zu lassen. Allerdings fordert es auch mehr Konzentration und Übung, wann und welcher Fuß welches Pedal, und welches Knie welchen Hebel betätigen muss, damit das gewünschte Ergebnis erklingt. Am besten experimentiert man mit einfachen Songs, die man schon kennt. Hört euch die Originalversion an und spielt einfach erst einmal Akkorde mit.

Plant ihr, euch eine Pedal Steel Gitarre anzuschaffen oder habt vielleicht schon eine, dann hoffe ich, dass ich euch mit diesem Workshop einige Grundkenntnisse vermitteln und eure Neugier wecken konnte. Es gibt noch viel Neues zu entdecken auf diesem spannenden Instrument.

Viel Spaß und bis bald!

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