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18.02.2019

Pearl Session Studio Select Drumset & Snare Test

Vierteiliger Kesselsatz plus optionale Snare Drum

Mittelklasse mit Profi-Erscheinung

Wer Ahorn sagt, muss auch Birke sagen, oder zumindest Birke-Mischkessel. So ist es seit längerer Zeit Tradition im Portfolio der japanischen Trommelschmiede Pearl. Die neuen Session Studio Select Drums sind im mittleren Preissegment angesiedelt und bilden mit ähnlicher Ausstattung und Kesselkonfigurationen quasi die Geschwister zur hauseigenen Masters Maple Complete Serie

In den späten 90er Jahren war mein erstes „amtliches“ Set ein gebrauchtes Pearl Session Schlagzeug in Sunburst-Lackierung, mit einer 22“ x 16“ Bass Drum und langen, allesamt hängenden Tom-Kesseln. Damals bestand die Mixtur aus Birkenholz und philippinischem Mahagoni, und ich erinnere mich noch an den gut handhabbaren, druckvoll-kompakten Sound. So bin ich jetzt sehr gespannt, wie ein Session Set 20 Jahre später klingt.

Details

Zum Test haben wir von Pearl Europe ein vierteiliges Shellset bekommen, bestehend aus einer 22“ x 16“ Bass Drum (ungebohrt), zwei Toms in den Größen 10“ x 7“ und 12“ x 8“, sowie einem 16“ x 16“ großen Floor Tom. Dazu bekamen wir eine optional erhältliche Session Studio Select Snare in 14“ x 5,5“ geschickt. Die Kessel sind sechslagig und 5,4 Millimeter stark und bestehen, wie eingangs beschrieben, aus einer Mischung aus Birkenholz und afrikanischem Mahagoni. Letzteres findet sich in vielen Vintage Drums, zum Beispiel bei den 60er Jahre Ludwig 3-ply Kesseln, und passt somit gut zum warm klingenden “Vintage-Anstrich“, den Pearl dem neuen Session Set im Marketing anheftet. Fakt ist aber auch, dass in den letzten Jahren durch das Cites Abkommen eine breite Diskussion unter Instrumentenherstellern und  Konsumenten über Tropenhölzer entstanden ist. Holzarten wie Bubinga, das lange Zeit das neue Trendholz im Schlagzeubau war, verschwinden zunehmend aus den Produktkatalogen. Pearl’s in Westafrika beheimatete Khaya Mahagoni-Quelle ist davon nicht betroffen. Dass hier Tropenholz verbaut wird, sollte man vor dem Kauf trotzdem im Hinterkopf haben.

Unser Testset ist mit einer Delmar USA Folie beklebt, einer etwas vergilbt aussehenden Marine Pearl Folie, die passend auf den Namen „Nicotine Pearl“ (Gesundheit!) getauft ist. Neben drei Folien stehen für die Session Select Trommeln auch drei lackierte Finishes zur Auswahl. Die Folie ist rundherum sauber verklebt, nur an einem Tom ist die Überlappung von Folie und Kesselnaht etwas nachlässig ausgeführt. Das ist aber vor allem ein kleines optisches Manko, was einem zudem nur beim Fellwechsel ins Auge sticht. Die Fellauflagekante verläuft nach einem rundlichen Gegenschnitt zwischen erster und zweiter Lage und fällt dann im 60-Grad Winkel nach innen ab.

Bei den Beschlagteilen schöpft Pearl aus dem Vollen

Die montierte Hardware des Session Sets macht schon beim Aufbau Freude, alles wirkt solide und durchdacht. An dem wenig experimentellen Hardware-Baukasten, aus dem die Firma mehr oder weniger für alle ihre Serien ab der Mittelklasse aufwärts schöpft, merkt man einfach, wie lange Pearl schon am Ball ist. Die beiden Toms sind mit der Optimount Tomhalterungen bestückt, die seit einiger Zeit auch in der Mittelklasse verbaut werden. Alle Spannböckchen sind aus Messing gefertigt und sehr gut verchromt. Als Spannreifen kommen Pearl’s 2,3 Millimeter starke, geflanschte Super Hoop II Ausführungen zum Einsatz, und alle Anbauteile sind natürlich gummiunterlegt. Das Floor Tom hat drei ausreichend lang dimensionierte Beine, die mit Pearls bekannten Air Suspension Feet bestückt sind. Die Bass Drum ist mit den ebenfalls lange etablierten, massiven Teleskopbeinen ausgestattet, mit etwas Zug am den Gummiaufsätzen lassen sich mit einer Drehung Dornen aus- und wieder einklappen. Sehr praktisch! Statt Edelstahl-Stimmschrauben, die es beispielsweise in der hochpreisigen Masters Reserve Serie gibt, kommen normale Stahlausführungen zum Einsatz. Das ist aber auch die einzige Sparmaßnahme, die mir in diesem Punkt auffällt. Wesentlich gravierender ist die Einsparung beim Hardware-Zubehör, leider zu Lasten des Endverbrauchers. Es gibt nämlich keine Tomarme für die kleinen Toms mehr im Lieferumfang. Da die Bass Drum ungebohrt ist, muss man, je nachdem wie penibel man den Look beurteilt, eventuell auch noch die passenden Becken-Kombi-Stative mit einplanen, diese liegen aktuell bei 169 Euro pro Stück. Die Tomhalter zur Anbringung an bereits vorhandene Multiklammern und Stative kosten einzeln ab 45 Euro aufwärts. Das relativiert den recht attraktiven Anschaffungspreis von aktuell 1299 Euro für das vierteilige Shellset dann ein klein wenig. 

Gig-taugliche Befellung und Ausstattung inklusive

Wirklich positiv empfinde ich die Tatsache, dass man bei Pearl in der Ausstattung des reinen Shellsets etwas weiter denkt, als man es von vielen anderen Herstellern gewohnt ist. Die Bass Drum hat bereits ein gelochtes Resonanzfell, ebenso ist ein Dämpfungskissen dabei, welches mit Klett befestigt wird, und ein amtlicher Kratzschutz vor Fußmaschinenspuren am Spannreifen ist ebenfalls installiert.

Bei den Fellen handelt es sich zwar um „günstigere“ Remo UT Varianten anstelle der US-Pendants, allerdings hat man sich beim Session Set für haltbare Pinstripe-Versionen auf den Toms entschieden, und die robusten, vorgedämpften Schlag- und Resonanzfelle an der Bass Drum können den Markenausführungen ebenfalls das Wasser reichen. So ist das Set, vorausgesetzt man hat das passende Gestänge parat - welches uns in diesem Fall von Pearl Europe zum Test zur Verfügung gestellt wird -, bereit für die Bühne.

Die Snare passt nicht nur optisch ins Konzept

Die passende 14“ x 5,5“ Session Select Snare hat einen identisch aufgebauten Kessel. Mit zehn Bridge Type Doppelspannböckchen, dem einfachen, aber leichtgängig laufenden SR-017 Strainer und dem 20-spiraligen Bronzeteppich entspricht sie dem Standard von Pearl Snares in dieser Preisklasse. Auffällig ist sind die relativ breiten und flachen Snarebeds auf der Resonanzfellseite. Die Trommel gibt es auch in den Größen 14“x 6,5“ und 14“ x 8“ zu erwerben. Die Fellbestückung der Snare stammt ebenfalls von Remo UT, auf der Snare ist ein einlagiges, beschichtetes Schlagfell und ein klares Resonanzfell installiert.

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