Hersteller_Pearl
Test
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03.03.2011

Praxis

Zuerst vielleicht folgende wichtige Information, die alle “Schmiede” und Freunde des gepflegten Rimshots gerne hören werden: Die Pearl ist angenehm stimmstabil. Darüber wird sich auch ihr “Vater” Chad Smith freuen, denn für Anthony Kiedis, den Sänger der Chili Peppers, gilt diese Eigenschaft bekanntlich nur recht eingeschränkt. Außerdem verhält sie sich zu jeder Zeit straight und verlässlich – auch das nicht unbedingt…ach lassen wir das!

Das macht sich natürlich auch klanglich bemerkbar, denn man erhält in eigentlich allen Stimmungen ein ausgewogenes Klangbild. Man muss sie schon mutwillig verstimmen oder am Stimmschlüssel ein absolutes Greenhorn sein, um sie unangenehm singen zu lassen. Was sich in mittleren Stimmungen als typischer, fetter Rocksound präsentiert, wird in tiefen Lagen zunehmend breiter und patschiger. Das Instrument klingt definitiv nach Stahl, rau und dreckig, aber nie blechern oder gar scharf-aggressiv. Will man sich dem Sound mit negativer Attitüde nähern, könnte man ihm eine gewisse Einfalls- und Charakterlosigkeit unterstellen, denn mit ausgeprägtem Ping, komplexen Obertönen oder sonstigen Auffälligkeiten kann die Chad Smith Snare nicht dienen – muss sie aber auch nicht. Sie ist eine einfache, solide Stahltrommel, die einen ebenso einfachen und soliden Stahltrommel-Sound liefert. Dies macht sie allerdings auch in vielen Musikrichtungen einsetzbar.

Bei der Arbeit mit diesem Instrument hatte ich nie das Gefühl, dass mich etwas nervt. Andersherum wird den Besitzer dieser Snare aber auch kaum jemand fragen, wie er denn diesen abgefahrenen Sound hinbekommen hat (außer, man bedient sich durchgeknallter Recording-Tricks). Das Instrument liefert einen Standard, aber einen wirklich “gehobenen”! In hohen Stimmungen werden diese Zusammenhänge deutlicher. Ungedämpft macht es schlicht “Pöng”. Keine übertriebene Crispness, keine aufwendig texturierten Obertöne, keine Besonderheiten – nur eine einfache, gute Stahlsnare. Dementsprechend ist sie nicht so wahnsinnig filigran wie manch anderes Instrument. Das verdeutlicht sie im Audiofile “Dyna”.

Ich habe schon weitaus besser ansprechende Teppiche einstellen dürfen als bei der Pearl, aber es ist noch alles im grasgrünen Bereich. Außerdem dürften Jazzer mit so einem Instrument alleine aufgrund des Namens schon nicht spielen. Der Stimmumfang der CS 1450 ist ordentlich, brettharte Felle und tiefe Schlabberstimmungen sind bis zu einem gewissen Grad nutzbar. Für die Audiofiles wurden nicht die absoluten Extreme gewählt, die Resultate sind aber dennoch ordentlich.

Wenn ihr eine gut verarbeitete Snare sucht, die dem Sound eurer Band(s) nicht unvermeidlich ihren Klangstempel aufzudrücken versucht, dem Live- oder Studio-Engineer stattdessen einen einfach zu handhabenden Sound liefert, gleichzeitig aber auf eurem Kontoauszug keine fiesen Fleischwunden hinterlässt: Die Chad Smith wäre da ein Kandidat! Wer allerdings glaubt, mit dem Kauf einer solchen Snare in seiner Coverband “The Hot Rod Cheddar Hippies” ohne viel Zutun den RHCP-Sound ins Mikrofon treiben zu können, der wird enttäuscht werden. Die Snare ist klasse, aber beileibe kein “Chad-Smith-in-a-box”. Ein Snare-Sound ist bekanntlich mehr als nur eine Trommel, denn neben Fellen, Stimmung und Dämpfung haben noch Mikrofonauswahl und -positionierung, Preamps, EQs, Kompressoren und dergleichen einen entscheidenden Einfluss auf den Sound. Ach ja: Und die Spielweise natürlich… Wenn ein bekannter Trommler seinen Namen für eine Snare hergibt, hat er in erster Linie einer Snare seinen Namen gegeben. Ob dieses Instrument etwas mit ihm oder seinem Sound zu tun hat, steht auf einem anderen Blatt –  genauso, wie die Frage, ob er eine dieser Serien-Snares auch wirklich regelmäßig spielt. Dennoch können bei dieser Vorgehensweise wirklich ordentliche Arbeitsgeräte entstehen, wie dieses Beispiel verdeutlicht.

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