Test
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17.10.2017

Praxis

Ich habe den TRM-202 MK3 seit unserem ersten Hands-on im September nun seit vier Wochen im Einsatz und kann eigentlich nur Gutes berichten. Die Bauqualität ist robust und sauber, wenn auch nicht tadellos perfekt. Gleitet man beispielsweise mit den Fingern am oberen Rand des Mixers entlang, spürt man kleine Unebenheiten. Das sind Schwächen, die sich Boutique-Mixer im absoluten Premium-Bereich nicht leisten dürften, aber die kosten dann auch das Drei-, Vier-, oder Nochmehrfache des kleinen Omnitronic.

Dreiband-Isolator

Wie andere Boutique-Travel-Mixer ist der Testkandidat kompakt genug, um zum Gig mitgenommen zu werden und das Rotary-Mixing macht mit dem TRM-202 MK3 richtig Spaß. Der Dreiband-Isolator gefällt mir dabei besonders gut. Gerade beim Mixen mit House-Music, ja eine der Domänen eines Rotary-Mixers, kann DJ mit dem Höhen-Isolator sehr schön Hi-Hats und Shaker shapen, den ganzen Mix in eine wohlig-warme Wolke tauchen und dann wieder die hohen Frequenzen silbern dazuzaubern. Dabei bleiben Vocals auch bei völligem Höhen-Kill noch präsent und verständlich. Der Höhen-Cut beim Zweiband-EQ klingt da deutlich harscher.

Der tiefe Isolator sorgt bei dezentem Boost für den dezenten Kick in den Allerwertesten, in abgeschmeckter Intensität je nach Platte und der jeweiligen Abmischung des Bassbereichs. Für den kurzzeitigen Drop der Bassdrum ist der Bassregler des Zweiband-EQs effektiver. Der Mittenisolator wiederum eignet sich toll für wellenförmige Fahrten durch das Frequenzspektrum, Vor allem bei reinen Beatpasssagen hat DJ guten Zugriff auf die Präsenz von Snare und Clap im Mix.

Zweiband-Equalizer

Der Zweiband-Equalizer in den Kanälen klingt deutlich schlechter. Er ist okay, um die Bässe im neu dazugemischten Track im Zaun zu halten und die Hi-Hats mit leichter Anhebung in den Fokus zu mischen. Bei vollem Boost zerren die Höhen harsch und die Bässe bratzig, kein Vergleich zum seidigen Klangbild des Dreiband-Isolators, der auch bei extremen Einstellungen immer noch wohlerzogen klingt. Im Mix kann der Zweiband-EQ gute Dienste leisten, um die beiden Platten einander anzupassen, solange man nur cuttet oder höchstens ganz dezent boostet. Sobald der Mix erfolgt ist, lautet aber die Devise: Finger weg vom Kanal-EQ und wohlfühlen mit dem Master-Isolator. Omnitronic hat hier die richtige Gewichtung gefunden und die immerhin fünf ALPS-Potentiometer dort verbaut, wo es anwendungsmäßig am sinnvollsten ist.

Audiobeispiele

In den folgenden Audiobeispielen führe ich den Zweiband-EQ und den Dreiband-Isolator vor. Zuerst erfolgt der Cut ganz langsam bis zur maximal möglichen Absenkung, danach wird der EQ wieder in die Mittelstellung und langsam weiter bis zum maximalen Boost gedreht. Zuletzt wird der Regler wieder in Mittelstellung gebracht. Im sechsten Audiobeispiel werden dann alle drei Isolatorenbänder gemeinsam eingesetzt, die Nuancen im Zusammenspiel der drei Isolatorbänder getestet und der Sound zum Anfang und ganz zum Schluss auch jeweils komplett weggedreht, indem alle drei Pots auf Linksanschlag bewegt werden.

Sicher kann der TRM-202 MK3 nicht völlig seinen geringen Kaufpreis verbergen, dazu fehlt der letzte Schliff an liebevoller Handarbeit und das gewisse Mojo im Sound. Aber man sollte sich auch nicht vom früheren Omnitronic Billig-Image täuschen lassen: Der TRM-202 MK3 ist ein rundum gelungener Rotary-Mixer zum kleinen Preis.

Also, für wen ist der TRM-202 MK3?

Ich sehe ihn als guten und erschwinglichen Bedroom-Mixer für DJs, die gern ins Rotary-Mixing einsteigen wollen. So in etwa wie günstige Pioneer-CDJs oder den XDJ-RX2, die es DJs für kleines Geld ermöglichen, sich mit der Technik der Industriestandard-Geräte für den Club-Gig vorzubereiten. Auch als Backup für High-End-Rotary-Mixer ist der Omnitronic eine gute Wahl. Wenn mal das megateure Boutique-Teil ausfällt, hat man mit dem Omnitronic einen brauchbaren Ersatz zur Hand.

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