Test
5
17.10.2017

Omnitronic TRM-202 MK3 Test

DJ-Mixer

Rotary for the masses

Rotary-Mixer sind der Hype. Viele DJs entdecken das genüssliche, präzise Mixen mit den großen Potis wieder, genießen den runden analogen Sound und pfeifen auf Crossfader, Digitaleffekte und USB-Anschlüsse. Dazu kommt, dass viele der neuen Rotary-Mixer akribisch in Handarbeit gefertigt werden und auch dadurch eine ganz andere Wertigkeit besitzen, was sich natürlich im Preis niederschlägt. Dass es auch günstiger geht, beweist Omnitronic mit dem neuen TRM-202 MK3: Der durchgängig analoge Rotary-Mixer kostet weniger als einen halben Tausender. Kann und darf Rotary-Mixing so preiswert sein?

Details

Der TRM-202 MK3 Rotary-Mixer sieht aus wie die angesagten sündhaft teuren, kleinen Boutique-Mixer. Allerdings steht „Omnitronic“ drauf und das Teil wird zum Preis von nur 449,- Euro erhältlich sein. Ähnlich wie der E&S DJR-200, dem der Testkandidat verdammt ähnlich sieht, ist der TRM-202 MK3 so kompakt, dass DJ ihn gut mitnehmen kann. Nur 235 x 190 x 88 Millimeter groß und gerade mal 2,7 kg schwer bietet er auf zwei Kanälen alles, was Rotary-Fans lieben: durchgängig analogen Aufbau mit klassischen ALPS-Potentiometern (Blue Velvet RK27), große Volume-Regler und Zweiband-EQs in den Kanälen, dazu drei dicke fette Frequenzisolatoren im Master-Bereich. Das Pult bietet Eingänge für zwei Turntables und zwei CD-Player. Beide Phonoeingänge sind rückseitig zwischen Phono- und Line-Impedanz umschaltbar, sodass beispielsweise auch eine DVS-Soundkarte an die Phono-Inputs angeschlossen werden kann, ohne den eigentlichen Line-Eingang dafür opfern zu müssen. Zusätzlich gibt es vorne einen zuggeschützten XLR-Mikrofoneingang.

Auf der Rückseite befinden sich die Master- und Booth-Ausgänge jeweils in XLR und Cinch, dazu gibt es einen separaten Cinch-Record-Out und natürlich vorne einen Kopfhörerausgang. Die Erdungsschräubchen liegen dankenswerterweise in doppelter Ausführung vor, das erspart das Herumfummeln mit zwei Erdungskabeln, denn der TRM-202 ist kein Installationsmixer: Der will auch mal transportiert werden, vorzugsweise im separat erhältlichen eigenen Mini-Flightcase. Pro Kanal kann auf der Mixeroberfläche per Druckschalter zwischen Phono- und Line-Eingang umgeschaltet werden.

Wie viele andere Rotary-Mixer verfügt der TRM-202 MK3 nicht über separate Gain-Regler: Das Volume-Poti ist die einzige Verstärkerstufe im Kanal. Die Kanalvorverstärkung für die Phono-Eingänge kann aber trotzdem mit zwei „PH-Gain-Schrauben“ auf der Mixerrückseite per Schraubenzieher angepasst werden. Die Gain-Schräubchen sind recht leichtgängig und lassen sich zur Not auch mit dem Fingernagel drehen. Und sie bestehen aus Kunststoff, zu oft sollten sie also auch nicht verstellt werden.

Jim Knopf im Rotary-Himmel

Kommen wir zu den Potis: keine Fader weit und breit, nur schöne griffige Regler, soweit das Auge reicht, satte 14 an der Zahl, mit schlichten, klassischen, eingekerbten Kappen wie bei einem Moog-Synthesizer. Sie fühlen sich wertig an und drehen sich zumeist auch so. Standesgemäß verfügt der Dreiband-Isolator über die größten Potis. Sie lassen sich wirklich sahnig drehen und das Auskosten der Soundnuancen im Zusammenspiel der einzelnen Frequenzbänder macht richtig Spaß. Leider sind sie nicht mittengerastert und der Dreiband-Isolator lässt sich auch nicht bypassen. Ein kleines Mü vom Master-EQ schwingt also wohl immer im Sound des Mixers mit.

Der Dreiband-Isolator boostet mit 9 dB. Dabei klingt er immer warm und wohlig, nur in den Extremeinstellungen kann der Sound mal anstrengend wirken. Beim Cutten greift die Kill-Funktion kräftig zu: Sind alle drei Regler nach links gedreht, herrscht Ruhe im Karton. Insgesamt ist der Isolator weniger auf Showeffekte, sondern sehr musikalisch ausgelegt Die Grenzfrequenzen liegen bei 300 Hz und 4000 Hz, sicher nicht nur zufälligerweise genau wie beim sündhaft teueren Edelmixer Electronique Spectacle E&S DJR200.

Wie beim portablen Franzosen sind im TRM-202 MK3 ALPS Drehpotentiometer (Blue Velvet RK27) verbaut worden, allerdings nur für den Dreiband-Isolator und die beiden Volume-Regler im Kanal. Diese sind kleiner als die Isolatorenknöpfe und drehen sich etwas schwerer. Die beiden mittelgerasterten Kanal-EQs für Höhen und Bässe cutten und boosten um jeweils 10 dB. Sie sind nochmals kleiner geraten, drehen sich allerdings sehr viel leichter als die ALPS-bestückten Potis, vor allem der Höhenregler des rechten Kanals an meinem Testgerät. Über solche Unregelmäßigkeiten offenbart sich dann wohl der verglichen mit anderen Rotary-Mixern sehr viel günstigere Preis. Der mittig platzierte Master-Regler ist ebenso groß wie die Kanal-Volume-Regler. Die übrigen Regler für Booth-, Mikrofon- sowie Kopfhörerlautstärke und den stufenlosen Mix zwischen Cue-Weg und Programmsignal sind dann wieder so klein wie die Zweiband-EQs.

Alles schön oldschoolig

Auf der Bedienoberfläche gibt es neben dem Volume-Regler auch einen An/Aus-Druckschalter für das Mikro. DJ kann es also ohne Angst vor Rückkopplungen im zuggesicherten XLR-Eingang in der Vorderfront stecken lassen. Eine grüne LED gibt Auskunft, ob der Mikroeingang aktiviert ist. Der Mikrofonkanal ist laut genug für Durchsagen oder Rap-Einlagen mit einem Kondensatormikrofon und kann das Musikprogramm übertönen. Merkwürdig allerdings, dass er nicht über den Kopfhörer abgehört werden kann, auch nicht, wenn sich der Kopfhörer-Cuemix auf PGM befindet. Unter den beiden Reglern für Kopfhörer-Cuemix und Level befindet sich der Split-Schalter, mit dem das vorzuhörende Signal stets auf die rechte Kopfhörermuschel geschickt wird, das Programmsignal hart auf die linke. Mit dem Cuemix-Regler in Mittelstellung kann DJ so auch ohne Monitorunterstützung beatmatchen. Hier gibt es keine Status-LED.

Zwei etwas kleinere Plastikdruckschalter dienen zur Auswahl des Phono- oder Line-Eingangs in den beiden Kanälen. Leuchtet die korrespondierende gelbe LED, sind die Turntable-Eingänge aktiv. Schließlich gibt es pro Kanal noch je einen Druckschalter zur Anwahl des vorzuhörenden Signals mit grüner LED-Unterstützung. Alle Druckschalter schalten sich recht mechanisch mit einem recht langen Hubweg. Das geht für mich als Oldschool-Referenz aber völlig in Ordnung. Verglichen mit dem Layout des Vorgängers TRM-202 MK2 ist das Design des MK3 sowieso ein Quantensprung.

Im Frontplattendesign nimmt der TRM-202 MK3 klar Bezug auf den E&S DJR-200 und DJR-400, wobei mir der Omnitronic-Ansatz gut gefällt, die Master-Sektion zwischen den Kanalzügen zu platzieren, umrahmt von den beiden LED-Ketten mit zwölf Segmenten. Trotz der vielen Bedienelemente vermittelt der Mixer dadurch einen sehr logischen und aufgeräumten Eindruck. Wie sechs Satelliten umkreisen die Zweiband-EQs, der Mikrofon- und der Booth-Regler das größere Master-Poti, darunter wie ein gekrümmter Planetenhorizont die Kanal-Volume- und Kopfhörersektion, während über allem die Dreifaltigkeit der Isolatoren thront. Und auch die Bauqualität des Mixers soll laut Hersteller noch einmal deutlich besser geworden sein. Dann hören wir doch mal rein!

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare