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Test
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08.01.2013

Details

Wie unterscheiden sich die Modelle?

Die beiden PCM-Recorder Olympus LS-12 und LS-14 sind sich ganz augenscheinlich sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich optisch ausschließlich durch die Farbgebung und ein kleines Gitterchen an der Frontseite des LS-14, hinter welchem das zusätzliche Mikrofon seine Wohnung hat. Der teurere Recorder der beiden – das im edleren schwarz gehaltene Gerät – kommt zudem mit einer etwas üppigeren Entourage an Zubehör. Allerdings ist das nicht weltbewegend, handelt es sich doch dabei nur um einen kleinen Clip, der auf der Rückseite der Mobilgeräte festgedreht werden kann (und somit eine Anbringung an Notenpulten und Mikroständern erlaubt) sowie eine kleine Textiltasche mit umlaufendem Reißverschluss zur geschützten Aufbewahrung. Der interne Speicher des LS-12 beträgt mit 2 GB exakt die Hälfte dessen, was im LS-14 zur Verfügung steht. Auch 4 GB können bekanntlich zu wenig sein, daher kann auch direkt auf SD- und SDHC-Karten geschrieben werden. Spätestens, wenn man erwartungsvoll die entsprechenden Fächer öffnet, erfährt man, dass Speicherkarten bei beiden Geräten nicht zum Lieferumfang gehören.

Doch wieder zurück zum sicherlich relevantesten Unterschied, den Mikros. Sowohl beim 12er als auch beim 14er ragen zwei Kleinmembrankapseln wie zwei Hörnchen aus dem Kopf des Gehäuses. Diese sind zueinander im rechten Winkel ausgerichtet und haben zusätzliche seitliche Schallöffnungen – es sind also richtende Mikrofone. Die Dokumentation über deren Spezifikationen ist zwar sehr dünn, doch handelt es sich offenbar um Elektretmikrofone, die die Richtcharakteristik Niere besitzen. Im Manual ist kryptisch anmutend von Mikrofonen mit "akustischem Widerstand" die Rede. Damit kann die schallverzögernde Gaze gemeint sein, die in ihrer Funktion als Laufzeitglied den Kapseln ihre Polar Patterns – also ihre Richtwirkung – verleihen. Über das hier angewendete intensitätsstereofone Verfahren mit zusätzlichen kürzesten Laufzeitunterschieden durch die räumlich nur wenige Zentimeter getrennten Kapseln kann man sehr unterschiedlicher Meinung sein – ich persönlich plädiere bei kompakter Aufstellung von Mikrofonen (oder eben kleiner Bauform derartiger Recorder) für echtes XY oder auch MS, wenn die Ortung und "Klarheit" im Vordergrund steht, oder sogar ein winziges AB mit Druckempfängern, wenn die Signale eher voluminös, also mit hoher Tiefenwirkung und guter Basswiedergabe aufgezeichnet werden sollen.

Das LS-14 geht einen Sonderweg, indem es ein zusätzliches Mittenmikrofon verwendet, welches im Kopfbügel sein Nest hat. Für ein vernünftiges Stereobild ist das nicht notwendig (eher im Gegenteil), allerdings wird es sich hierbei um einen Druckempfänger handeln, der bauartbedingt besonders im Bassbereich eine hohe Qualität liefern kann – und das Mikro lässt sich deaktivieren. Nebenbei: Ein zusätzliches Mitten-Mikrofon ist keine Seltenheit, bei vielen Klassikaufnahmen werden drei Druckempfänger als Hauptmikrofonsystem verwendet (beliebt sind Neumann M50 und Nachfolger), allerdings mit viel größeren Abständen und sicher auch höherer Qualität der Komponenten. Wer sich dafür interessiert: Decca-Tree nennt sich dieses Verfahren.

Sämtliche weitere von außen erkennbare Hardware ist bei beiden Olympus-Tierchen identisch: Neben den zwei oder drei internen Mikrofonen kann auch über die Mic-In-Buchse ein externes Stereomikro angeschlossen werden, das per Menüeintrag auch mit Spannungsversorgung für derartige Kleinmikrofone versorgt werden kann. Eine weitere alternative Quelle ist Line-Level, um etwa bei Gigs, Sets oder Proben über einen  Pultausgang mitzuschneiden. Hinaus mit dem aufgenommenen Material geht es per "Ear" genannter Kopfhörerbuchse, auf direktestem Wege über den kleinen Breitbandlautsprecher (sehr gut zur direkten Kontrolle, zum Vorspielen von Ideen oder für den Gebrauch des LS-12 oder -14 als Diktiergerät, bei dem die Sprachverständlichkeit,  aber nur bedingt die Klangqualität wichtig ist). Der übliche Weg wird aber sein, den internen Speicher oder eine SD-Karte über die USB-Buchse zu leeren. Eine weiter Buchse erlaubt die Verwendung des Empfängers des kabellosen Fernsteuerungskits RS30W.

Unter dem Zubehörgewinde auf der Rückseite liegt die Abdeckung für das Batteriefach. Die gute Nachricht: Es werden zwei handelsübliche AA-Batterien oder -Akkus verwendet. Die schlechte Nachricht: Es gibt keinen Netzteilanschluss. Daher fällt auch eine integrierte Ladefunktion flach. Nun ja, es gibt schlimmeres auf der Welt - zudem sind die Laufzeiten mit maximal 46 (LS-14) und 50 (LS-12) Stunden angegeben. Angeschaltet werden beide Geräte über ihre seitlichen Powerslider, welche dank einer Hold-Funktion versehentliche Bedienungen zu verhindern wissen. Und wie bei so vielen Geräten heutzutage findet sich auch an LS-12 und -14 eine kleine Öse an einer Geräteecke, an der eine Kordel angebracht werden kann.

Ohne Display würde ein mobiler Digitalrecorder wenig Freude verbreiten, beide sind natürlich hintergrundbeleuchtet, aber monochrom. Neben zwei Multifunktions-LEDs gibt es noch eine, welche deutlich zu erwartende Übersteuerungen anzeigt oder im Falle der USB-Verbindung Zugriffsaktivität dokumentiert. Die beiden zusätzlichen Leuchtdioden werden beispielsweise für die integrierte Tuner- und die Metronom-Funktion benötigt. Neben drei Funktionstasten, die im Sinne von Soft-Keys die Auswahl im Display dargestellter Funktionen oder Zusatzmenüs ermöglichen, gibt es Taster für Play, Stop, Record, Löschen, Menüauswahl und ein großes Navigationskreuz mit innenliegender Bestätigungstaste. Über das letztgenannte Element können etwa Aufnahme- und Wiedergabepegel eingestellt werden. Rechts unten befindet sich ein Rädchen, welches auch seitlich bedient werden kann. Hier kann zwischen den Aufnahmemodi Smart, Quick und Manual unterschieden und das Stimmgerät aktiviert werden.

Die Aufzeichnung erfolgt bis zu einer Zeitauflösung von 96 kHz, es können bis zu 24 Bit verschiedener Werte pro Sample aufgezeichnet werden. Als letztliche Datei erhält man beim LS-12 und LS-14 eine unkomprimierte und nichtreduzierte 24Bit/96kHz-Datei, womit auch die Bezeichnung "PCM Recorder" erklärt wäre: PCM steht für Pulse Code Modulation und wird weniger verwendet, um eine Modulationsform zu beschreiben denn in Abgrenzung zu MP3 und ähnlichen Formaten. Es wird WAV, nicht aber AIFF aufgezeichnet. Wer mag, kann natürlich durch Datenkompression und Reduktion die Stellschraube für Datenmenge und Audioqualität nach unten verdrehen und in den Dateiformaten MP3 und WMA speichern.

Jeder der beiden LS ist 13,8 x 5,2 x 2,3 Zentimeter groß und mit 170 Gramm (ohne Batterien) ausreichend leicht, um längere Zeit in der Hand gehalten werden zu können.

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