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Test
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04.04.2013

Ocean Audio 500 I/P & O/P Test

Input- und Output-Module

Wie aus einer Lunchbox ein Mini-Mischer werden kann…

Wir haben die beiden Ocean-Audio-Module 500 I/P und 500 O/P getestet! Mischpultlösungen für den 500-Standard sind immer noch rar gesät. Zwar bietet der Markt bereits einige Lösungen, aber diese haben doch eher Spezialisten-Charakter. Malcolm Toft und Ocean Audio könnten dies nun ändern. Einige Hersteller bieten bereits 500-Frames mit zusätzlichen Routing- und Summing-Optionen an, beispielsweise Radial mit dem Workhorse. Auch gibt es bereits einen voll ausgewachsenen Mischpult-Frame, der mit 500-Kassetten bestückt werden kann – und muss. Allerdings kostet die Tree Audio Konsole bereits leer, ohne jegliche Modulbestückung, so viel wie ein Mittelklassewagen deutscher Premium-Hersteller. Es handelt sich hier zweifelsohne um ein leckeres Stück Class-A-Technik, viel Verbreitung dürfte das Pult aus naheliegenden Gründen dennoch nicht finden.

Es scheint, als ob Malcolm Toft mit seiner neuen Firma Ocean Audio diese Lücke nun schließen kann. Und das kommt sicherlich nicht von ungefähr, ist der britische Designer doch ein absolutes Urgestein unter den Mischpult-Erfindern, der seinen technischen Grundstein um 1970 mit der legendären Trident A Range Konsole legte. Viele Generationen von Mischpulten (u.a. Trident 80B und MTA, Malcolm Toft Associates, wobei es sich um den direkten Vorläufer der Ocean-Audio-Kassetten handelt), Musikstilen und Engineers später, scheint die Zeit nun endgültig reif für ausgefeilte Mixing- und Summing-Lösungen für den 500-Standard. Dabei sind Tofts aktuellste Designs tatsächlich geeignet, den Mixdown im 500-Frame aus der absoluten Nischenecke herauszuholen. Und das ist wohl auch überfällig, bieten andere Modulsysteme wie diejenigen von SSL und Tonelux solche Möglichkeiten doch schon längst.

Dabei fährt Ocean Audio zweigleisig. Auf der Musikmesse 2013 wird „The Ark“ das Licht der Welt erblicken, eine bereits eifrig diskutierte Konsole, dessen endgültiges Feature-Set Malcolm Toft wohl erst in den Frankfurter Hallen lüften wird. Soviel ist schon jetzt bekannt: Der Frame wird in der Basisversion über 16 Kanäle verfügen, insgesamt 40 Module aufnehmen können und grundsätzliche Routing-Funktionen bereits an Bord haben – zu einem Preis, der sehr deutlich unter dem von Tree Audio liegen dürfte.

Einige dieser Routing-Funktionen, die jedes Mischpult in der einen oder anderen Form ausmachen, bietet Toft allerdings schon jetzt in Form von zwei 500-Modulen an, die aus jedem beliebigen 500-Träger einen Mischer/Summierer machen können, dessen maximale Kanalzahl lediglich von der Anzahl der verfügbaren Modul-Slots begrenzt wird. Ein vollwertiges Mischpult kann man auf diese Weise nicht zwingend ersetzen, aber dennoch geht der Funktionsumfang über das, was bislang auf dem Markt ist, deutlich hinaus. Wahrscheinlich ist solch eine Lösung in der Praxis am ehesten für ein hybrides Analog-Summing-Rig interessant. In diesem Zusammenhang erscheinen die Routing-Optionen wiederum äußerst interessant.

Details

I/P und O/P müssen kombiniert werden

Ocean Audios 500-Summing-System besteht im Kern aus zwei Modulen, die miteinander kombiniert werden können und müssen. Einer frei wählbaren Anzahl von Input-Modulen (500 I/P) steht das Output-Modul (500 O/P) gegenüber, das die Funktion der Master- und Monitorsektion übernimmt und aufgrund des dazu erforderlichen Funktionsumfanges als einziges der bislang erhältlichen Ocean-Audio-Module zwei Slots breit ist.

Eigene Verbindung erweitert API-Standard

Da der 500-Standard zwar einen Ein- und Ausgang pro Slot vorsieht, aber keine Verbindungen unter den Slots, musste eine andere Lösung her. Und die ist recht einfach: Sämtliche I/P-Module und das O/P-Modul, die zusammen die Mixer-Einheit ergeben, müssen in benachbarten Slots liegen, sie werden dann im Daisy-Chain-Verfahren mit Ribbon-Kabeln untereinander verbunden. Übertragen werden auf diese Weise die Audiokanäle selbst, die Aux-Sends und auch die Steuer-Informationen für die Schaltlogik etwa von Solo und Mute, doch dazu gleich mehr.

Mixer-Input ohne Mic Pre

Das Input-Modul 500 I/P bietet im Grunde all die Funktionen eines typischen Mischpult-Eingangs. Es muss allerdings ohne dedizierten Mic-Pre auskommen, denn dafür hat Ocean Audio mit dem 500 Mic ja einen Spezialisten im Angebot. Als Line-Input kommt 500 I/P aber mit einer Ausstattung daher, die den Rahmen bislang erhältlicher 500-Mixsysteme sprengt und die in der Praxis in vielen Anwendungssituationen mehr als genügen dürfte. Ein 19“-Frame mit zehn Slots könnte beispielsweise acht I/P-Kassetten und das Master-Modul aufnehmen – und solch ein System benötigt ganz gewiss nicht ein ein rundes Dutzend Aux-Sends.

Einfacher EQ im 500 I/P

Aber nun der Reihe nach: 500 I/P bietet zunächst einen simplen Zweiband-EQ. Dieser besteht aus zwei Shelving-Filtern mit einer Amplitude von ±15 dB, welche als Baxandall-Filter etwa an den Eckfrequenzen 80 Hz und 12 kHz ansetzen. Die Potis besitzen eine Mittenrastung, aber trotzdem kann der EQ mit einem zusätzlichen Schalter inklusive Status-LED komplett aus dem Signalweg genommen werden. Das ist ein Profi-Feature, das den audiophilen Anwender freut, der bemüht ist, die Signalwege immer so kurz wie eben möglich zu halten. Ein Panpot sowie Mute- und Solo-Schalter komplettieren die grundsätzlichen Routing-Funktionen, die aus dem 500 I/P bereits einen vollwertigen Pult-Input machen. Auch letztere Schalter werden durch LEDs unterstützt, so dass man auch visuell über alle Schaltfunktionen stets auf dem Laufenden bleibt. Eine einzige LED gibt Aufschluss darüber, ob am Eingang ein Pegel anliegt. Das ist nicht üppig, aber für eine etwaige Routing-Fehlersuche bereits sehr hilfreich. Wie es sich für einen Kanalzug gehört, gibt es auch einen Output-Fader, den wir ganz oben auf der Frontplatte finden.

Aux Sends

Das I/P-Modul verfügt über eine ziemlich üppig ausgestattete Aux-Sektion. Diese umfasst insgesamt vier Aux-Sends, die jeweils unterschiedliche Funktionen übernehmen können. Aux 1 und 2 sind Mono-Sends, wobei Aux 1 zwischen Pre und Post umgeschaltet werden kann. Aux 3 und 4 hingegen treten als Stereo-Paar auf; sie verfügen über ein gemeinsames Send-Level-Poti, dazu aber auch über ein Panpot. Auch dieser Stereo-Auxweg kann Pre und Post geschaltet werden. "Post" bedeutet in diesem Modul, dass der Abgriff hinter Output-Level und Mute liegt; auch "Pre" liegt aber hinter dem EQ.

Monitor- und Main Out dank doppelter Modulbreite

Die Eingangskanäle laufen via Ribbon-Kabel allesamt im 500-O/P-Modul zusammen. Dieses bietet Potis für Master- und Monitorpegel sowie für den relativen Pegel des Solo-Busses. Dazu gesellt sich ein Kopfhörerausgang, dessen Pegel ebenfalls individuell justiert werden kann. Da das Modul zwei Slots breit ist, befinden sich auf der Rückseite dann zwei Anschlusspaare – eines für den Main-Out, das andere für das Monitor-Signal. Der Kopfhörerausgang kann allerdings ebenfalls als alternativer Monitor-Output genutzt werden.

Keine Aux-Returns

Der größte Teil der Frontplatte bleibt für die Aux-Master-Sektion reserviert. Diese umfasst die vier Aux-Send-Master-Potis genau so wie die vier frontseitigen Aux-Ausgänge, die in Form von symmetrischen Klinkenbuchsen ausgeführt wurden. Zusätzliche Kabel auf der Frontseite – das ist natürlich nicht ganz so elegant, lässt sich aber im 500-Frame nicht anders lösen. Aus naheliegenden Gründen verfügt das Mastermodul über keine Aux-Return-Sektion, diese hätte schlicht und ergreifend keinen Platz gefunden. Wir haben bei Ocean Audio nachgefragt: Gegenwärtig ist kein dediziertes Aux-Return-Modul in der konkreten Planung, aber auch aufgrund unserer Nachfrage überlegt der Hersteller nun, ein solches zu konzipieren.

12-Segment-Metering

Das Metering des Mix-Busses besteht aus zwei LED-Ketten mit jeweils 12 Segmenten. Das ist mehr als ausreichend, und außerdem schlicht und ergreifend schön anzusehen – wie übrigens die gesamte Modulreihe, deren graue Frontplatten und bunten Potis in ihrem Understatement durchaus etwas hermachen.

TL072 in beiden Modulen am Werk

In technischer Hinsicht verlassen sich sowohl 500 I/P als auch 500 O/P auf die gleichen technischen Merkmale, die wir schon von Micpreamp und EQ kennen, und die letztlich eine behutsame Weiterentwicklung der Trident-80B-Technik darstellen. Malcolm Toft hat die aktiven Stufen der IC-basierten Schaltungen mit TL072-OpAmps realisiert, wobei die Ein- und Ausgänge der Mixermodule allesamt elektronisch symmetriert werden. Für Audio-Übertrager wäre hier schlicht kein Platz, weder rein physisch in den Modulen, noch im Produktionsbudget der recht erschwinglichen Kassetten.

Preisbewusst und servicefreundlich

Die I/P- und O/P-Module verfügen nicht über geschlossene Gehäuse. Dabei kommt 500 O/P als Sandwich aus nicht weniger als vier Platinen daher, welche randvoll mit Bauteilen in klassischer, servicefreundlicher Through-the-hole-Technik bestückt sind. Auch die OpAmps sitzen allesamt in Sockeln und wurden nicht direkt mit den Platinen verlötet – alte Schule eben...

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