Test
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12.02.2018

Nura Nuraphone Test

Mobilkopfhörer mit individuellem Soundprofil

Headphones mit otoakustischem „Fingerabdruck“ eurer Ohren!

Der Nuraphone ist ein absolut innovativer Bluetooth-Kopfhörer von Down Under, welcher durch ein Kickstarter-Projekt finanziert wurde. Der Clou: Durch die Aufnahme und Analyse otoakustischer Emissionen (OAE) wird eine individuelle Wiedergabe auf den Benutzer zugeschnitten. 

Der mattschwarze Kopfhörer ist das momentan einzige Produkt des in Melbourne ansässigen Herstellers Nura (Gründung 2015) und wird ausschließlich über den Online-Shop der eigenen Webseite vertrieben. Wir sind natürlich sehr neugierig, wie diese durchaus berechtigte Idee – aufgrund unzähliger Ursachen kann das Hörempfinden von Mensch zu Mensch tatsächlich sehr unterschiedlich sein – vom Nuraphone in die Praxis umgesetzt wird.

Details

Bauweise

Der Nuraphone ist ein dynamischer Kopfhörer in geschlossener Bauweise mit ohrumschließenden Ohrmuscheln, welche allerdings die Besonderheit eines zusätzlich integrierten In-Ear Stöpsels aufweisen. Der Hersteller bezeichnet diese ausgefallenen Konstruktion als „Dual Layer Sound Isolation“, welche tatsächlich bemerkenswerte Dämmeigenschaften besitzt. Das simple Gehäuse des Kopfhörers weist keine weiteren Raffinessen auf, ist nicht klappbar und wiegt ohne Kabel 329g.

Verarbeitung / Optik

Der optisch stilvoll-puristische Kopfhörer von Nura ist durch einen Metall-/Aluminium-dominierten Materialmix bemerkenswert robust und weist keinerlei Verarbeitungsmängel auf. Die Ohrpolster (inklusive der wechselbaren Stöpsel) sowie die Polsterung des Kopfbügels sind aus Silikon gefertigt. Aufgrund der potentiellen Beschädigungsgefahr war ich noch nie ein Freund von freiliegenden Kabeln bei Kopfhörern. Beim Nuraphone sind diese jedoch stabil ummantelt und sitzen zudem vertrauenserweckend fest in den Ohrmuscheln, sodass man den Kopfhörer wahrscheinlich bedenkenlos im Rucksack transportieren kann (obwohl eine Transportbox vorhanden ist). Insgesamt entspricht die Verarbeitungsqualität des australischen Kopfhörers absolut meiner Erwartungshaltung an ein Modell, für das man mehr als 300 Euro auf den Tisch legen muss. 

Mitgelieferte Kabel und Co.

Der Nuraphone wird in einem stabilen und optisch attraktiven Case mit Magnetverschluss geliefert. Weiterhin an Bord ist lediglich ein ca. 1,25 m langes USB-A-Ladekabel, welches in einer weiteren kleinen Gummi-Box aufbewahrt wird, die magnetisch im Transport-Case des Kopfhörers befestigt werden kann – praktisch! Optional erhältlich sind eine Reihe weiterer Kabeloptionen, die beim Hersteller für satte 19,95 US$ bis 39,95 US$ (Lightning-Anschluss mit Remote) geordert werden können. Erst die optionalen USB-Varianten (A, C, Micro-USB) sowie das Lightning-Kabel ermöglichen eine Audioübertragung ohne Nutzung einer Bluetooth-Verbindung, was selbstverständlich auch für das analoge Anschlusskabel (3,5 mm Miniklinke) gilt. Weiterhin können zusätzliche Stöpsel (Nuraphone tips) bestellt werde. Die App NURA , die zur Konfiguration des Kopfhörers notwendig ist, wird kostenlos in den entsprechenden App-Stores angeboten.

Technik (OAE, Immersion, Bluetooth)

Konkrete Angaben zu den Audiowerten des Nuraphone sucht man vergeblich, was bei Bluetooth- bzw. Mobilkopfhörern aber auch kein seltenes Phänomen ist. Ausreichend technischen Gesprächsstoff bietet der innovative Kopfhörer aber auch so allemal.

OAE

Das auffälligste Merkmal des Nura Nuraphone ist seine automatische Anpassung der Wiedergabe, welche auf der Messung der otoakustischen Emissionen (OAE) unserer Ohren basiert. Meines Wissens, also ohne tiefere Recherche, handelt es sich hierbei um das Alleinstellungsmerkmal des australischen Kopfhörers. Aber was bedeutet das konkret und wie funktioniert so etwas? OAE sind Signale, welche vom Innenohr ausgehen, wobei man zwischen stimulierten und spontanen OAE unterscheidet, deren extreme Form der Tinnitus ist. Die OAE-Messung mit dem Nuraphone erfolgt anhand verschiedener „Testtöne“, die das rechte und linke Ohr getrennt stimulieren. Vielleicht kann man es sich am besten so vorstellen, dass hierdurch eine Reflektion oder Rückkopplung ausgelöst wird, welche Rückschlüsse über die individuelle und frequenzselektive Empfindlichkeit erlaubt und welche hieraus resultierenden Wiedergabeanpassungen zur Optimierung erforderlich sind. Die klangliche Anpassung basiert beim Nuraphone auf einem Mittelwert beider Ohren und erfolgt auf linkem und rechtem Wandler identisch. Das resultierende Profil kann abgespeichert und auch deaktiviert werden, wobei – soviel vorweg – die Wiedergabe im „Generic Mode“ (ohne Anpassung) sehr unbefriedigend und zum Musikgenuss quasi unbrauchbar ist.

Immersion Mode

Der Immersion Mode, welcher auf der Nura-Homepage sehr emotional und blumig beschrieben wird („Immerse Yourself“, „We feel music“, usw.) ist eigentlich nichts weiter als eine regelbare Bassanhebung. Zusätzlich zum automatisch generierten Profil ist es allerdings absolut erfreulich, dass man diesen „Geschmacks-Parameter“ nach eigenem Belieben separat einstellen kann.

Bluetooth

Dass die Audioübertragung per Bluetooth häufig mit Einschränkungen und Qualitätseinbußen einhergeht, sollte unter Audio-affinen Benutzern bekannt sein. Dennoch muss ich einräumen, dass ich mich mit dem Thema Bluetooth-Audio bisher nur oberflächlich auseinandergesetzt habe. Beim Nuraphone sind mir allerdings Unterschiede in der Wiedergabe per Kabel und Bluetooth (iPhone) aufgefallen, sodass ich zu dieser „Nebensache“ (aus Sicht vieler Musikkonsumenten) einige Punkte anzumerken habe. Entscheidend für die Qualität der Audioübertragung ist der verwendete Codec. Angaben hierüber sucht man bei einigen Herstellern vergeblich. Auf der Homepage von Nura hingegen erfährt man, dass der Nuraphone die Standards aptX audio und aptX HD audio von Qualcomm verwendet, die als äußerst hochwertig gelten und sogar eine verlustfreie Übertragung bis 48kHz und 24Bit ermöglichen. Allerdings kommt von dieser Qualität bei Nutzern von iOS-Geräten nicht viel an, da dieser konkrete Standard offenbar nicht unterstützt wird und das Signal aufgrund einer zusätzlichen Datenkompression qualitätsgemindert die Ohren des Benutzers erreicht. Wenn man Wert auf die optimale Wiedergabequalität im Bluetooth-Betrieb legt, sollte man also einen entsprechenden Player (Android, macOS Sierra, sonstige aptX-kompatible Player) verwenden. Mehr zum Thema Klang folgt später im Praxisteil dieses Testberichts.

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