Hersteller_Numark
Test
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04.06.2011

PRAXIS

Installation

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, so heißt es im Volksmund. Dabei sind Installation und Inbetriebnahme des vorliegenden Clubrocker-Gespanns gar keine wirkliche Arbeit, denn nach wenigen Klicks hat sich das Programm mit seinem knapp 17 MB auf die Platte geschaufelt und richtet sich, sobald der NS6 angestöpselt wird, automatisch ein. Für die Situation, dass keine kompatible Hardware zugegen ist, können Playlisten, Loops und Cue-Punkte auch im Offline-Player angelegt werden, der die primäre System-Soundkarte zur Audioausgabe nutzt. Neben seinem vorbereitenden Charakter kann der Offline-Player auch als Jukebox dienen. Aufgrund fehlender Werkzeuge zur Tempomanipulation ist es allerdings nicht möglich, ihn als Mix-Zuspieler zu nutzen. Selbstverständlich sollten auch Itch-User ihre Musiksammlung analysieren, bevor es losgeht, damit der Ressourcen-Verbrauch im Live-Betrieb nicht zu hoch ist.

Rums und Bums

Im Inneren des NS6 werkelt ein 24-Bit-Interface bei 44,1 kHz. Der Klang am symmetrischen Masterausgang ist satt und klar und kann auch an den geklonten Cinch und Booth-Ausgängen überzeugen. Numark gibt den Pegel am Stereo-XLR-Out im Übrigen mit +26,3 dBu an, an den Cinch-Ausgängen mit +14,25 dBu. Für die Kopfhörerausgänge werden 19 dBu genannt. Der Frequenzbereich liegt laut Angaben des Herstellers bei 25 Hz – 20 kHz. Zum Vergleich: Pioneer nennt beim DDJ-S1 für Serato am Stereo-XLR-Out 26,3 dBu, an den Cinch-Ausgängen 11,7 dBu. Der Frequenzbereich liegt laut Pioneer bei 20 Hz – 20 kHz.

Die beiden aus elf LEDs bestehenden Meter (neun Einheiten rot, zwei Einheiten weiß) zwischen den EQs zeigen den Masterpegel an und leuchten weiß, falls der DJ im Headroom angelangt ist. Im Programm lässt sich dieser für die Softwaredecks in zwölf Stufen zwischen -24 und + 18 dB einstellen, was nicht nur unmittelbar eine akustische Veränderung hervorruft, sondern auch unverzüglich von den Pegelmetern visualisiert wird. Auswirkungen auf optionale Zuspieler haben diese Einstellungen nicht.

Die Phono-Preamps arbeiten sehr gut - keine Spur von Bassmatsch oder Höhenangst. Der Sound ist sehr druckvoll und transparent. So soll es sein. Nachstehend könnt ihr einen Vergleich zwischen dem NS6, dem MC6000 und dem VMS4 ziehen – allesamt ihres Zeichens MIDI-Mixer-Kombis.

Zudem habe ich für euch einen Song von der Schallplatte mit dem internen Mix-Rekorder aufgezeichnet, dazu den gleichen Song über den Line-in von CD aufgezeichnet und einmal als 320-kBit-MP3 mit den Softwaredecks ausgespielt. Und zuletzt könnt ihr noch den Vergleich zu einem deutlich dumpferen Modell ziehen.

Der NS6 kann auch als Standalone-Mixer ohne Computer arbeiten. Unter diesem Aspekt relativieren sich die 999 Euro Straßenpreis dann doch wieder ein wenig. Selbst wenn also während einer Itch-Performance das Notebook abschmieren sollte, können noch vier Eingangskanäle (4 Line-Ins, 2 Phono-Eingänge, 2 Mike-Ins) in die Bresche springen - für Betreiber kleinerer Clubs oder Bars eine echte Alternative. Zwar muss der DJ zwischen den nieder- und hochohmigen Signalen an der Rückseite umschalten, während der Wechsel zwischen Softwaredeck und externem Zuspieler bei laufendem Itch direkt am Kanal vorgenommen wird. Das geschieht, ohne dass im Betrieb Knacksen oder Performance-Probleme auftreten. Handlich! Kommt beispielsweise ein MC in den Mix, nimmt die Wellenform in der Softwareoberfläche einen grauen Farbton an. Der Track ist quasi hier gemutet, kann aber noch als interne Synchronisationsquelle dienen.

Ein kleiner Wermutstropfen: Im Gemischtbetrieb könnten die Verstärker etwas besser aufeinander abgestimmt sein, denn wenn sich Plattenspieler oder CD-Player am Serato-Spiel beteiligen, ist eine deutliche Pegelüberlegenheit der Externen zu vernehmen, die mittels Gain ausgeglichen werden will.

An der Rückseite sind gleich zwei Mikrofoneingänge platziert. Eine sinnvolle Entscheidung, wenn man bedenkt, dass der DJ meist im Hintergrund agiert und die Sänger, Rapper oder MCs an vorderster Front arbeiten. Die Mikrofonvorverstärker klingen sehr natürlich, das Eigenrauschen ist zudem recht niedrig. Schade finde ich nur, das die Mikrofonwege nicht zusätzlich zur Vierdeck-Performance, sondern nur alternativ zu den Softwaredecks genutzt werden können. Dann steht ihnen natürlich die dreibandige Klangregelung zur Verfügung, aber nicht die Effektsektion. Auch bei den Master-FX sind externe Zuspieler ausgenommen.

In der Praxis gab es im House-Mix auf vier Softwaredecks mit Effekten und Loops bei 5 ms Latenz am MacBook Late 2009 mit 4 GB RAM keine latenzbedingten Knackser zu vernehmen. Das Bundle aus NS6 und Itch läuft stabil und zuverlässig. Sollte es am eigenen Notebook dennoch zu Problemen kommen, weil die Systemperformance eventuell am Limit ist, empfiehlt es sich, die Pufferzeit in der Software zu erhöhen.

 

Serato Itch

Bei Itch ist das Controller-Konkurrenzfeld noch nicht so dicht besiedelt wie bei offenen Software-Architekturen à la Traktor oder VDJ. Vor allem, wenn die Software neue Features bekommt, stehen Käufer älterer Itch-Geräte, die zum Beispiel keine Effekteinheit besitzen (wie der Vestax-VCI-300), aber schon mal im Regen. Es sei denn, sie investieren in ein zusätzliches Effektboard. Im beschriebenen Fall etwa dem VFX-1 (222 Euro). Schön, dass der NS6 in puncto FX-Bedienelementen umfangreich ausgestattet ist.

Noch in diesem Jahr, voraussichtlich im dritten Quartal, steht das lang erwartete Update auf Itch 2.0 an, dass meiner Forderung nach Verschmelzung der beiden Produktreihen endlich etwas näherkommt. Zum Beispiel in puncto grafisches Benutzerinterface kommt es Scratch-Live schon sehr nahe. Zudem sind unter anderem neue Display-Modi, Smart Crates und eine verbesserte Synchronisation sowie der Sampleplayer SP6 mit von der Partie. Was sonst noch an Neuerungen auf uns zukommen könnte, zeigt ein Trailer auf Seratos Website. Ein paar neue Effekte würden in meinen Augen nicht schaden.

Aber nun zurück zum NS6-Bundle. Der NS6 wird mit Serato Itch in der Fassung 1.8.1 ausgeliefert. Die vorliegende spezialisierte Numark-Edition steigt mit vier Softwaredecks in den Ring, die in der Lage sind, Musikdateien in den Formaten AIFF, Apple Lossles, AAC, MP3 Seratos whitelabel.mp3 und OGG-Vorbis abzuspielen. Sie verfügen über eine clicksensitive Wellenansicht und zeigen sämtliche mixrelevanten Informationen zum Song an, außerdem den Playback-Modus, Pitch und Pitchrange oder Cue-Punkte. Fokus-Decks werden mit einem Rahmen und einem virtuellen Plattenteller hervorgehoben.

Die Musikbibliothek nimmt die obere Hälfte des gesamten Screens ein. Titel werden in virtuellen Plattenkisten, den sogenannten Crates, organisiert oder auch in eine temporäre Playlist geschoben. Bereits gespielte Songs landen in der History, die sich als Text, Excel-Datei oder M3U Datei exportieren lässt. Im Browse-Mode hangelt sich der DJ durch Artist, Album, Genre oder BPM. Mittels FILES „browst“ es sich durch Laufwerke und Ordnerstrukturen. Dazu kennt Itch knapp zwanzig ID3-Tags, nur ein Rating-System ist bedauerlicherweise nicht an Bord. Besonders schade ist, dass der DJ auch nicht den Umweg über iTunes gehen kann, denn auch die Apfel-Sternchen werden nicht ausgelesen.

Im unteren Bildschirmteil folgen vier Softwaredecks und die gestapelten, vierstufig skalierbaren Wellenausschnitte. Sie zeigen das Beatgrid und ein mehrfarbiges Frequenzspektrum der geladenen Songs an. Hier repräsentieren blau die Höhen, grün die Mitten und rot die Bässe. Mit den Tasten Plus und Minus auf der Tastatur lassen sich die Wellenformen vergrößern und verkleinern. Wer möchte, kann sich ein monochromes 3-Band-Spektrum anzeigen lassen und auf die rechte oder linke Außenseite verschieben. Schade, dass sie nicht oben eingeblendet werden können. Zwei weitere visuelle Hilfen unterstützen den Mix-Vorgang. Die Beatmatch-Anzeige signalisiert durch übereinanderliegende Transienten Takt-Synchronität, das Fenster darunter weist auf identische Tempi hin.

Workflow - Navigation

Das Befüllen der Decks, Browsen in der Bibliothek und Beladen der Prepare-Listen geschieht bequem von der Konsole aus. Ein Endlosdrehregler mit Klick-Funktion navigiert durch die Fokuslist, der integrierte Auslöser wechselt eben diesen Fokus. FWD und Back dringen in die Hierarchien ein. So steuert der DJ auch durch tiefe Ordnerverschachtelungen einigermaßen komfortabel. Mittels VIEW kann er ferner die Wellenformübersichten zugunsten einer vergrößerten Playlist-Ansicht schrumpfen oder ausblenden. Obendrein sortieren die Tasten auch in Kombination mit Shift nach Song, Artist, Album, Track und BPM. Das ist sehr komfortabel, wenngleich eine Alphabet-Search-Funktion über den nachfolgend erklärten Ribbon auch nicht schlecht gewesen wäre.

Ein weiteres hervorstechendes Feature, welches zuletzt auch von den Pioneer DDJ-Controllern in ähnlicher Form adaptiert wurde, ist Strip-Search. Es ermöglicht die Navigation in einem Song über einen berührungsempfindlichen Ribbon-Controller, der hoch über der Decksektion thront. Die gesamte Wellenform wird quasi auf die Länge des silbrig eingefassten Feldes übertragen, dem eine LED-Kette als zusätzliche Positionsanzeige an die Seite gestellt ist. Der DJ kann durch Aufsetzen und Bewegen des Fingers gezielt in der Wellenform navigieren. Dies ersetzt quasi den physischen Needledrop, also das Auflegen der Plattenspielernadel. Vielleicht ist dies nicht so genau wie das Aufsetzen des Tonarms an eine vorher weiß markierte Stelle - muss aber auch nicht sein, denn dafür gibt es ja schließlich Cuepoints. Wer über ein gutes Schätzungsvermögen verfügt, der kann auch mit Antippen des Ribbons sehr genau in der Wellenübersicht an die gewünschte Position kommen, den Rest erledigt das Jogwheel. Eine wirkliche praktische Sache, die mir persönlich besser gefällt als Encoderspulen.

Workflow – Mixing

Im klassischen Mischpultbetrieb läuft der Mixvorgang genau wie bei einem Standard-Setup ab. Bei Itch ist das jedoch anders: Etwas verwirrend erscheint zunächst, dass die Anordnung der Softwaredecks auf die Screen-Seiten verteilt 1-3-2-4 entspricht, also Deck 1 liegt links über dem Deck 3 - die Waves mit den Beat-Rastern sind jedoch als 3-1-2-4 gestapelt. Gerade im Team-Battle, vor allem, wenn dieser elektronischer Natur ist, kommt das Layout der Stacks positiv zum Tragen, denn es entspricht exakt der Kanalverteilung an der Hardware. Das bedeutet, die erste Wellenform ist dem ersten Kanal zugeteilt, die Nachfolgende dem Zweiten. DJ-A kann folglich auf einer Seite arbeiten, DJ-B auf der anderen (mit den Channels zwei und vier). Praktisch. Oder man spielt mit einem Schema von innen nach außen und orientiert sich in diesem Fall an dem Layout der Softwaredecks. Für mich gut gelöst.

 

Zu den Loop-Sektionen

Im weiß hinterleuchteten Manual-Mode setzen IN und OUT handgemachte Einsprungs- und Endpunkte. Im Auto-Loop-Modus leuchten die Tasten rot auf, sodass schon rein optisch eine eindeutige Funktionskennzeichnung vorliegt. Entsprechend den Beschriftungen setzen eins, zwei, vier oder acht ebenso lange Zyklen. Ist ein Loop aktiv, können die Flanken durch Betätigen von IN/Out mit dem Jogwheel verschoben werden, was auch für einen Auto-Loop gilt, sofern hier zuvor in den manuellen Modus zurückgeschaltet wird. Ein interessantes Feature verbirgt sich hinter dem Select-Button. Er schaltet durch gespeicherte Schleifen (maximal 10), die per Reloop reaktiviert werden können. Egal, für welche Variante sich der DJ entscheidet, mit den Dividern kann er die Längen halbieren oder verdoppeln. Zusätzlich verschiebt Loop-Shift die Schleife um die eigene Länge in die angesteuerte Richtung. Schade ist für mich, dass Loop und Bewegung im Umfang aneinander gekoppelt sind. Bei den Auto-Loops kleiner vier Beats kam es im Test je nach Interaktionsmoment teilweise zum Versatz. Wenn Teilungen kleiner eins stattfinden, muss auch öfters mal nachgesynct werden. Das habe ich auch schon zuverlässiger erlebt, hier sollten die Programmierer noch etwas Codelifting betreiben. Eine Alternative ist der Slip-Modus, der quasi dem Loop-Roll von Scratch live entspricht. Der Song läuft während eines Slip-Loops ungehört im Hintergrund weiter und spielt wieder hörbar an Originalposition ab, wenn der Slip beendet ist. Leider muss man, wie auch schon beim NS7 oder V7, die Shift-Taste für Slips gedrückt halten, was gleichzeitige Effekt-Tweaks ausschließt. Dabei wäre es für die Programmierer doch vielleicht ein Leichtes, „Shift-Lock“ oder „Toggle“ ins Programm zu implementieren, oder?

Synchronisation auf Knopfdruck. Das gibt es bei Serato Scratch Live nicht, bei Itch aber schon. Nach einer Analyse der Audiodatei zeichnet das Programm - beginnend vom Aufschlagtakt anhand des errechneten BPM-Wertes und der Peaks - ein durchnummeriertes Raster über die Wellenform. Dazu werden an den jeweiligen Beats Positionsmarker platziert. Bei der automatischen Synchronisation sind immer die vollen Takte übereinandergelegt, sodass theoretische kein Versatz auftauchen sollte, es sei denn, das Programm hat die eigentliche Eins als Zwei, Drei oder Vier interpretiert, was ich im Test mit Techno, House, Bossa, Mambo und Disco Nummern nicht erlebt habe. Anders kann dies bei Musikstücken mit verschachtelten oder wechselnden Rhythmen aussehen.

Deejays, die Auto-Synchronistion meiden wie der Vampir das Tageslicht, können in hektischen Situationen aber durchaus Gebrauch vom BPM-Meter machen. Dieses ist eine rote LED-Kette, die in der Mitte ein weißes Lämpchen hat, welches die Synchronität der Decks anzeigt. Ist das Tempo abweichend, wandert die LED immer zu dem schnellere Deck hin. Diese Rechnung geht natürlich nur auf, wenn die interne Beat-Analyse die Geschwindigkeit und die korrekte Eins der beteiligten Songs korrekt berechnet hat. Dann jedoch bedarf es im Anschluss nur einer kurzen Pitchbend-Aktion, um die Songs in den Wiegeschritt zu bringen.

Das Master-Tempo stellt sich in Itch auf das zuerst gesyncte Deck ein. Zum Master-Tempo werden dann alle Player synchronisiert. Es gibt also keine zusätzliche Masterdeck-Funktion wie bei Traktor. Ferner ist es nicht möglich, das Tempo der Master-Clock manuell anzugeben. Etwas unglücklich gelöst finde ich die Deaktivierung der Synchronisation mittels Shift. Auch wäre es mir lieber, man könne adhoc einen neuen Taktgeber deklarieren, ohne vorher die beteiligten Decks von der Nabelschnur zu trennen. Das ist natürlich nicht NS6, sondern eher der Software Itch anzulasten.

Effektsektionen Insgesamt hat unsere Testsoftware 12 Soundverbieger im Gepäck, namentlich Phaser, Flanger, Tremolo, Repeater, Reverser, Braker, Crusher, Delay, Echo, Reverb, HPF, LPF. Der FX-Mix geschieht per Dry/Wet-Slider. Für die Effektparameter steht ein Drehregler bereit. Er manipuliert die Roomsize beim Hall, die Resonanz beim Filter oder das Timing beim Breaker bzw. Reverser (hier wird statt dry/wet das Chancenverhältnis gesetzt). Nachstehend habe ich einen Auszug aus dem Repertoire für euch aufgezeichnet. Obwohl die ITCH-Effekte einen verwöhnten Treckerfahrer nicht unbedingt vom Hocker hauen, sind sie sehr einsteigerfreundlich in der Bedienung, was von Numarks NS6 perfekt abgebildet wird.

Was mir nicht so gut gefällt, neben der Anzahl der Effekte und den spartanischen Eingriffsmöglichkeiten auf diese: Eine multiple Zuweisung einer Effekt-Unit auf mehrere Kanäle ist nicht möglich. A und B können jedoch gemeinschaftlich auf einen Song abgefeuert werden. Ergo kann Itch maximal mit zwei effektbehandelten Signalen arbeiten. Alternativ bietet sich noch der Master an, aber wieder im Ausschlussverfahren.

Bevor es nun ans Fazit geht, möchte ich noch erwähnen, dass die Performance in 24-Bit mit dem internen Session-Rekorder aufgezeichnet werden kann.

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