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Test
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30.11.2012

Novation MiniNova Test

Synthesizer

Der Herausforderer

Drei-Oktaven-Minitastatur, Schwanenhalsmikro, großer Drehknopf in der Mitte mit Sounds nach Genre sortiert, acht leuchtende Taster, fünf Potis zum Tweaken. Alles klar, ein microKORG! Aber seit wann gibt es den in blau? Und wieso steht da Novation drauf? Ist es vielleicht gar kein microKORG???

Nein, es ist kein microKORG. Es ist ein MiniNova. Nachdem Novation mit dem UltraNova schon im Reich des Korg R3, Alesis Micron und Akai MINIAK gewildert hat, wird nun ein echter Platzhirsch herausgefordert, führt doch der microKORG schon seit Jahren beständig die Synthesizer-Bestsellerliste an. Um den Amtsinhaber abzulösen, hat Novation seinem Kandidaten auch einige Trümpfe mitgegeben: die 18-stimmige Tonerzeugung des UltraNova mit drei Oszillatoren pro Stimme, ein schickes Gehäuse und einen Vocoder mit Vocal Tune Funktion. Ob das reicht oder ob MiniNova als der Mitt Romney der Synthesizerwelt enden wird, wollen wir herausfinden.

Details

Äußerlichkeiten
In Sachen Abmessungen und Gewicht entspricht der MiniNova mit 560x250x75mm und 2,52 kg weitgehend dem microKORG. Er sieht super aus, und noch etwas wird nach dem Auspacken ziemlich schnell klar: Der Herausforderer ist hochwertig verarbeitet. Während beim microKORG wie auch bei vielen anderen Synths im unteren Preissegment die Potis einfach nur auf der Platine festgelötet sind und durch Löcher im Gehäuse herausragen, sind die MiniNova-Potis mit einem Metallblech, welches unter dem Kunststoffgehäuse sitzt, verschraubt. Dadurch sind sie wesentlich robuster. Ich weiß, wovon ich spreche, da ich gerade durch einmal fallen lassen zwei Potis meines microKORG XL gehimmelt habe, wohingegen mir ein Kollege, der einen MiniNova besitzt, erzählte, dass dieser gerade einen ähnlichen Sturz unbeschadet überstanden hat.

Die Potis fühlen sich außerdem super an, ebenso wie die Gummipads. Da bekommt man sofort Lust zu drücken und zu schrauben! Doch bevor wir uns über die Sounds hermachen, noch ein schneller Blick auf die Rückseite.

Hier freue ich mich über die Sustainpedal-Buchse, denn diese habe ich bei meinen microKORGs immer vermisst. Man spielt ja wahrscheinlich keine virtuosen Klavierkonzerte auf einer so kleinen (wenn auch gar nicht schlechten) Tastatur, aber ab und zu muss man vielleicht mal eine Fläche festhalten, während man seine Hände gerade woanders braucht. Nach Äußerlichkeiten hat der Kandidat also schon mal die Nase vorn.

Sound Select
Widmen wir uns nun dem nächsten Thema, der Soundanwahl. Für mich als Live-Keyboarder ein sehr wichtiger Punkt, der mir gerade bei virtuell-analogen Synths immer wieder Anlass zur Kritik gibt. So gibt es zum Beispiel beim UltraNova nur Plus/Minus-Buttons und ein Rad, um durch die Sounds zu steppen. Man stelle sich nun vor, man müsste innerhalb eines Songs von Preset A1 nach C64 springen.

Offenbar haben sich die Leute bei Novation zu diesem Thema Gedanken gemacht, denn der MiniNova hat eine Favoriten-Funktion. Drückt man gleichzeitig den „Favorite“-Taster und eines der acht nummerierten Pads, so wird eines der acht zuvor dort abgelegten Programme aufgerufen. Das ist immerhin schon mal ein Fortschritt gegenüber dem UltraNova, wenn auch acht Favoriten ziemlich wenig sind. Außerdem ist es ungünstig, dass „Favorite“ und das Pad gleichzeitig gedrückt werden müssen. Bis Programm sechs schafft man das noch mit einer Hand, aber für sieben und acht werden beide Hände gebraucht, sofern man nicht Art Tatum oder Dirk Nowitzki heißt. Und zwei Hände benutzt der Live-Keyboarder nicht gerne, nur um ein Programm umzuschalten. Dafür hat er in der Regel zu viel anderen Kram zu tun.

Es ist ja auch ganz schön, dass die Pads so groß und Grobmotoriker-freundlich sind, aber sie hätten auch gerne kleiner sein dürfen und dafür doppelt so viele. Das hätte sowohl Vorteile bei der Programmanwahl, als auch bei der Arpeggiator-Steuerung gehabt, wozu diese Pads in erster Linie dienen, doch dazu später mehr.

Jenseits der Favoriten geschieht die Programmanwahl über den Type/Genre-Knopf und das gerasterte Dial sowie Plus/Minus-Buttons. Jedem Preset ist ein „Type“ und ein „Genre“ zugeordnet. So findet man einen Hiphop Lead Sound sowohl unter Type „Lead“ als auch im Genre „Hiphop“. Außerdem kann man sich entscheiden, ob die Sounds nach Nummern oder alphabetisch geordnet werden sollen. Das ist alles gut gemeint und erleichtert die Suche nach dem passenden Werkssound. Allerdings: Wer braucht in ein paar Jahren noch das Genre „Dubstep“, und warum ist das Vibraphon unter HipHop einsortiert? Und warum finden wir „Eurozone“ unter Rock/Pop?

Für einen Keyboarder, der sowieso erst mal alle Werkssounds löscht, sein eigenes Zeug programmiert und dann live schnell abrufen möchte, ist dieses ganze System ziemlich gewöhnungsbedürftig bis unbrauchbar. Viel nützlicher wäre es gewesen, den Type/Genre-Knopf als Bankwahl und die acht Pads als Program Changer nutzen zu können. Der alte microKORG macht es vor: Er sortiert zwar auch seine Werkssounds nach Kategorien, aber hat man diese irgendwann durch sein eigenes Material ersetzt, kann man die Kategorien ignorieren und den Select-Knopf einfach als Bankwahl verwenden. Mit der Kombination aus Bankwahl und acht Program Change Buttons kommt man dann ziemlich schnell an seine Sounds.

Diese Runde geht somit klar an den Amtsinhaber.

Tweak
Also, zur Programmanwahl sind die acht Pads ja leider nicht vorgesehen. Dafür haben sie zwei andere Funktionen, von denen vor allem „Animate“ interessant ist. Es lassen sich in der Modulationsmatrix Verknüpfungen festlegen, so dass jedem Pad ein Parameter zugeordnet werden kann. Diese Parameter sind dann natürlich nicht stufenlos kontrollierbar wie mit einem normalen Poti-Controller, aber da sich die Intensität der Parameterveränderung voreinstellen lässt, kann man für bestimmte Tweak-Einsätze ganz gut damit arbeiten (z.B. Noise on/off, Osc2 Semitone 0/+12, Distortion on/off etc.). Drückt man ein Pad gleichzeitig mit der „Hold“-Taste, lässt sich der Zustand toggeln, er bleibt also auch bestehen, nachdem man die Taste wieder losgelassen hat. Die Farbe, in der das Pad leuchtet, zeigt den aktuellen Zustand an.

Für stufenlose Parameterkontrolle gibt es ja noch 5 Potis. Ein großes, das fest mit dem Filter verknüpft ist, und vier flexible. Diese sind mit jeweils vier Parametern fest verbunden, wählbar über einen Schieberegler mit sechs Positionen. Die verbleibenden 2 Positionen sind frei belegbar. Wie der MiniNova mit Unterschieden zwischen gespeichertem Wert und Poti-Position umgeht, lässt sich übrigens einstellen: Entweder springt der Wert beim Drehen auf die Poti-Einstellung, oder man muss ihn mit dem Regler „abholen“.

Insgesamt lassen sich also recht viele Parameter kontrollieren, und der Freund des Live-Tweakens wird hier auf seine Kosten kommen, auch wenn das beim UltraNova mit seinen acht Potis und dem langen Display, das immer die Belegung anzeigt, noch eine ganze Ecke schicker ist. Denn die Belegung der MiniNova-Bedienelemente muss man letztendlich für jedes Programm auswendig wissen. Erst wenn ein Poti bewegt wird, zeigt das Display, was gerade passiert. Aber gegenüber dem microKORG sind die Tweak-Funktionen schon ganz schön umfangreich, und so muss man Novation auch zu diesem Bereich gratulieren.

Arpeggiator
Wie bei allen Synths in diesem Segment ist natürlich auch wieder der unvermeidliche Arpeggiator an Bord. Auch zu dessen Steuerung dienen die acht Pads. Mit diesen kann man nämlich im „Arpeggiate“-Mode einzelne Zählzeiten des Taktes an- und abschalten. Läuft der Arpeggiator, so blinken die Pads und zeigen alle Achtel eines Taktes an. Schaltet man einzelne Zählzeiten an und ab, ergeben sich rhythmische Motive. Ein ganz nettes Feature, aber natürlich nichts Neues. Das konnte der alte microKORG auch schon. Man könnte auch sagen: Es ist einfach abgeguckt.

Leider hat man sich beim Abgucken auch einen fetten Fehler eingefangen: Es gibt nämlich auch hier keinen Tap-Tempo-Knopf. Offenbar haben die Leute von Novation meinen UltraNova Test auf bonedo nicht gelesen, denn auch da habe ich schon den fehlenden Tap-Knopf vermisst. Leider wird auch das damals empfohlene Tap-Tempo-Pedal von Ploytec nicht mehr gebaut. Bleibt also nur ein iPhone mit MIDI-Interface und der entsprechenden App als Notlösung. (Übrigens gibt es auch einen Program Change Helfer, zu finden in der iPhone-App „MIDI Tool Box“. Damit lässt sich das Problem der schwierigen Soundanwahl lösen, ein MIDI-Interface vorausgesetzt.)

Im Übrigen: Auch hier wäre – wie beim Thema Program Change – die doppelte Anzahl an (entsprechend kleineren) Pads sinnvoll gewesen, denn dann hätte man wie beim Korg Radias jedes Sechzehntel eines Taktes direkt ansteuern können. Aber lassen wir angesichts des günstigen Preises mal die Kirche im Dorf.

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