Gitarre Workshop_Folge Workshop_Thema
Workshop
1
16.06.2016

Noten lesen lernen für Gitarristen 5

Die Tonarten – Dur Tonleitern

Noten lesen für Anfänger – Schritt für Schritt erklärt

Wer die letzten beiden Folgen noch vor Augen hat, der wird sich erinnern, dass es darin um die Notation der zwischen den Stammtönen liegenden Noten ging. Bekanntlich erreichen wir dies, indem wir Stammtöne mit Kreuzen erhöhen oder alternativ mit Bs erniedrigen. In der musikalischen Praxis stellen wir fest, dass den allermeisten Musikstücken westlicher Musik die Struktur der Durtonleiter zugrunde liegt, weswegen dieser beim Spielen nach Noten auch besondere Aufmerksamkeit zuteil werden sollte.

Den Aufbau der Durtonleiter beschreibe ich hier nur ganz knapp in wenigen Sätzen. Solltest du dich mit diesem Thema bisher noch nicht beschäftigt haben, empfehle ich dir den Harmonielehreworkshop von Haiko Heinz, der sich diesem Thema in aller Ausführlichkeit widmet.

Jede Durtonleiter besteht aus sieben Tönen und ist nach demselben Schema aufgebaut:

(GT = Ganztonschritt)

(HT = Halbtonschritt)

1 GT 2 GT 3 HT 4 GT 5 GT 6 GT 7 HT 8 (1)


Wir können auf jedem beliebigen Grundton (1) eine Durtonleiter aufbauen, indem wir die restlichen Töne der chromatischen Tonleiter in diesen Abständen entnehmen.

  • Beispiel C-Durtonleiter: C GT D GT E HT F GT G GT A GT H HT C
  • Beispiel D-Durtonleiter: D GT E GT Fis HT G GT A GT H GT Cis HT D
  • Beispiel Es-Durtonleiter: Es GT F GT G HT As GT B GT C GT D HT

Es Eine Durtonleiter besteht also immer aus Ganztonschritten, außer zwischen dem dritten und vierten sowie dem siebten und achten Ton. Der achte Ton entspricht dem ersten Ton, ist jedoch eine Oktave höher.

Die Töne einer Durtonleiter werden dadurch vorgegeben, dass die charakteristischen Abstände (Intervalle) festgelegt sind. Daraus ergibt sich, dass man, außer bei C-Dur, zum Aufschreiben jeder Durtonleiter in Notenschrift Versetzungszeichen benötigt. Stammtöne müssen erhöht oder erniedrigt werden, um auf anderen Tönen als denen der C Durtonleiter aufzubauen. Damit man nun bei einem Stück in D-Dur nicht ständig jedem F und jedem C ein Kreuz voranstellen muss, um diese womöglich jeden Takt aufs Neue zu Fis und Cis zu erhöhen, bedient man sich einer anderen Möglichkeit, nämlich der Kennzeichnung durch sogenannte Vorzeichen.

Diese Vorzeichen gleichen den Versetzungszeichen (# und b). Sie werden jedoch nicht vor der jeweiligen Note, sondern zu Beginn eines Notenbeispiels (nach dem Notenschlüssel) und am Anfang jeder weiteren Zeile notiert. Ein Vorzeichen gilt im Gegensatz zu einem Versetzungszeichen in der Regel für das ganze Stück, nicht nur für eine Note bis zum Taktende. Durch diese Schreibweise mit Vorzeichen sparen wir uns Schreib- und Lesearbeit. Das folgende Beispiel zeigt zur praktischen Veranschaulichung eine Melodie in D-Dur zuerst in der bisherigen Schreibweise mit Versetzungszeichen:

Zur Notation dieser Melodie benötigen wir hier ganze acht Versetzungszeichen.

Bsp. 2 zeigt dieselbe Melodie in der günstigeren Schreibweise mit Vorzeichen.

Die Tonart D-Dur wird durch zwei Kreuze am Anfang des Notenbeispiels (zwischen Notenschlüssel und Taktartzeichen) auf der Höhe der Noten F und C kenntlich gemacht. Und wie gesagt, Kreuze oder Bs am Anfang eines Stückes heißen Vorzeichen. Und für die gelten etwas andere Regeln als für Versetzungszeichen:

Die Kreuze in D-Dur erhöhen jedes F und jedes C nicht nur dieser, sondern auch jeder anderen Oktavlage ( z.B. Fis, fis und fis'). Somit benötigt man für den Ton Fis in den drei möglichen Oktavlagen, die wir bisher kennengelernt haben, nur ein einziges Kreuz, dasselbe gilt für den Ton Cis. Diese beiden Kreuze werden zu Beginn jeder Zeile notiert und gelten für das gesamte Stück.

Jede der zwölf möglichen Tonarten verfügt über eine andere Konstellation von Vorzeichen, die nötig sind, um die Struktur der Durtonleiter mit ihren charakteristischen Ganz- und Halbtonschritten herzustellen.

  • C-Dur: kein Vorzeichen
  • F-Dur: ein B
  • B-Dur: zwei Bs
  • Es-Dur: drei Bs
  • As-Dur: vier Bs
  • Des-Dur: fünf Bs
  • Ges-Dur: sechs Bs
  • G-Dur: ein Kreuz
  • D-Dur: zwei Kreuze
  • A-Dur: drei Kreuze
  • E-Dur: vier Kreuze
  • H-Dur: fünf Kreuze
  • Fis-Dur: sechs Kreuze

Das heißt für uns ganz praktisch: Auch wenn Vorzeichen im Notensystem auf der Höhe der Note, die sie erhöhen oder erniedrigen, platziert sind, können wir alleine anhand der Anzahl der Vorzeichen auf einen Blick die Tonart ermitteln.

Jede Dur-Tonart wird unverwechselbar durch eine bestimmte Zahl an Kreuzen oder Bs gekennzeichnet. Die entsprechenden Moll-Tonarten werden wir in einer der folgenden Workshops unter die Lupe nehmen.

Ges-Dur und Fis-Dur sind von den Tönen her identisch, von der Notation her aber völlig verschieden. Man könnte daher eigentlich eine der beiden "einsparen". Da jedoch in der Praxis beide Schreibweisen Verwendung finden, werden wir gleich im Anschluss beide Tonarten üben. In diesen beiden Tonarten gibt es noch eine weitere Besonderheit: Um vom Grundton Ges unter Berücksichtigung der richtigen Intervalle eine Durtonleiter zu bilden, muss u.a. der dritte Ton H zu B erniedrigt werden. Der vierte Ton C muss ebenfalls erniedrigt werden, wird nun aber nicht als H, sondern als Ces bezeichnet und notiert. Ces ist identisch mit H, in einer Tonart kommen jedoch niemals ein Stammton und seine Erniedrigung gleichzeitig vor. In Fis-Dur muss daher der siebte Ton F als Eis (gesprochen E-is) dargestellt werden.

Die sechs Auflösungszeichen bei der Tonart G-Dur machen hier deutlich, dass die Erniedrigungen der vorhergehenden Tonart Ges-Dur an dieser Stelle wieder aufgehoben sind. Manchmal kommen tatsächlich Tonartwechsel in Stücken vor, die in dieser Weise (Auflösung der vorherigen Vorzeichen und Angabe der neuen Vorzeichen) kenntlich gemacht werden. Die meisten Stücke kommen jedoch ohne Tonartwechsel aus und haben somit von Anfang bis Ende dieselben Vorzeichen.

Zum Merken der Tonarten anhand der Anzahl von Vorzeichen habe ich noch aus dem Musikunterricht in der Schule zwei Merksätze im Gedächtnis behalten, die ich dir an dieser Stelle nicht vorenthalten will:

  • B-Tonarten: Frische Brötchen Essen Asse Des Gesangs.
  • Kreuztonarten: Geh Du Alter Esel Hol Fische!

Der fett gedruckte Anfang jedes Wortes gibt jeweils eine Tonart an. Die Position des Wortes verrät uns die Anzahl der Vorzeichen der jeweiligen Tonart. Wollten wir also die Tonart eines Stückes mit drei Bs ermitteln, müssten wir nur den Merksatz für die B-Tonarten bis zum dritten Wort aufsagen. Damit wüssten wir, dass die Tonart unseres Stückes Es-Dur ist. Ein anderes Beispiel: Wir haben ein Stück mit fünf Kreuzen. Wenn wir den Merksatz für die Kreuztonarten bis zum fünften Wort aufsagen, wissen wir, dass die Tonart H-Dur ist. Es ist also wichtig, uns nicht nur die ersten Buchstaben der Wörter zu merken, da es dann zu Verwechslungen (E mit Es, F mit Fis) kommen könnte.

Ziel der heutigen Folge soll es sein, Notenbeispiele in allen Tonarten spielen zu können. Um es dir nicht ganz so einfach zu machen, gebe ich die Tonarten der Übungsbeispiele nicht an. Du sollst selbst mithilfe der Merksätze herausfinden, um welche Tonart es sich jeweils handelt. Damit du jedoch überprüfen kannst, ob du richtig gelegen hast, findest du am Ende des heutigen Workshops die Tonart-Angaben zu den Beispielen. Im Unterschied zu den vielen kurzen Notenbeispielen der letzten Folgen gibt es diesmal 20 längere Übungen, sozusagen Mini-Stücke. Die Beispiele sind nun nicht mehr nach Gitarrensaiten geordnet, diese Mühe würde sich im "wahren Leben" für uns Gitarristen schließlich auch niemand machen. Wir wollen uns langsam den realistischen Spielbedingungen im Alltag eines Musikers annähern, befinden uns aber vorerst weiterhin ausschließlich im Bereich der ersten Lage, also innerhalb der ersten vier Bünde. Nicht vergessen: Ein Vorzeichen gilt für alle Töne desselben Namens auf allen Saiten. Ist ein Fis vorgezeichnet, so heißt das, jedes F des Stückes in jeder Oktavlage und auf jeder Saite wird zu Fis erhöht! Und noch ein Tipp: Es kann nützlich sein, nach dem Ermitteln der Tonart einmal den jeweiligen Dur-Akkord (oder die Tonleiter) zu spielen, um dein Gehör auf den Klang der Tonart einzustellen. So wirst du falsche Töne klanglich sofort erkennen und verbessern können. Gerade für Leute, die gut nach Gehör spielen können, ist dies eine Hilfe.

Am besten integrierst du das Blattspiel in deinen Übeplan, indem du dir jeden Tag eines der folgenden Notenbeispiele vornimmst, und zwar immer wieder ein anderes. Ziel der Übung ist schließlich nicht die perfekte Beherrschung eines Stückes, sondern das Simulieren des "Ernstfalls", in dem du ein dir unbekanntes Musikstück spontan nach Noten spielen sollst.

Bei aller Aufmerksamkeit für die Tonart eines Stückes solltest du auch die Taktart nicht aus den Augen verlieren. So steht Bsp. 6 mal wieder zur Abwechslung im 3/4-Takt und auch in den weiteren Übungen werden die Taktarten immer wieder variieren.

Zusätzlich zu den Tönen, die durch die entsprechenden Vorzeichen immer erhöht oder erniedrigt werden, kann es auch noch zu Erhöhungen oder Erniedrigungen mitten im Stück mittels Versetzungszeichen kommen. Genauso können vorhandene Vorzeichen für einzelne Noten oder Takte durch Auflösungszeichen aufgehoben werden. Diese Versetzungszeichen gelten dann allerdings wiederum nur für die jeweilige Oktavlage.

Sinnvoll ist diese Notation z.B. dann, wenn ein Stück nur ganz vereinzelt tonartfremde Töne enthält, so wie das folgende Notenbeispiel:

Das war es für dieses Mal, ich wünsche dir viel Erfolg beim Blattspiel-Training!

Auflösung Tonarten:

  • Bsp. 4: F-Dur
  • Bsp. 5: D-Dur
  • Bsp. 6: E-Dur
  • Bsp. 7: G-Dur
  • Bsp. 8: Des-Dur
  • Bsp. 9: Es-Dur
  • Bsp. 10: H-Dur
  • Bsp. 11: F-Dur
  • Bsp. 12: Es-Dur
  • Bsp. 13: B-Dur
  • Bsp. 14: Ges-Dur
  • Bsp. 15: E-Dur
  • Bsp. 16: Des-Dur
  • Bsp. 17: As-Dur
  • Bsp. 18: G-Dur
  • Bsp. 19: B-Dur
  • Bsp. 20: As-Dur
  • Bsp. 21: Fis-Dur
  • Bsp. 22: A-Dur
  • Bsp. 23: Ges-Dur

Verwandte Artikel

User Kommentare