Test
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05.07.2011

PRAXIS

 

Direktvergleich mit TS808

Die meisten von euch wollen mit Sicherheit den Vergleich zum Original hören, der ja auch vom Hersteller propagiert wird. Also werde ich euch nicht lange auf die Folter spannen und den A/B-Vergleich direkt zu Beginn meines Praxis-Checks durchführen. Als Sparringspartner habe ich mir einen Ibanez TS808 besorgt, der in dieser Form aktuell im Handel erhältlich ist (Straßenpreis ca. 200 Euro). Um einen Einstieg in die Materie zu bekommen, habe ich die Regler beider Pedale in die 12 Uhr Position gebracht.

Wichtig: Die angegebenen Werte in der Tabelle entsprechen der Anzeige am Pedal von 0 bis 10. Die 12 Uhr Position hat dabei den Wert 5.

Gitarre Drive Spectrum Level
Les Paul 5 5 5

Als „1:1-Kopie“ oder „Klon“ des Tube Screamers kann man den ODR-1 definitiv nicht bezeichnen. Wie man hören kann, ist hier ein klarer Soundunterschied vorhanden. Der ODR-1 hat einen etwas komprimierten Klang mit mehr Gain als der Tube Screamer, auch im Tiefmitten-Bereich ist beim ODR-1 mehr Boost vorhanden. Das liegt natürlich an der Position des Spectrum-Reglers, der ja auch diese Frequenzen mit anhebt. Den habe ich jetzt mal komplett zurückgedreht und auch den Zerrgrad etwas zurückgenommen. So bekommt man folgendes Ergebnis.

Gitarre Drive Spectrum Level
Les Paul 2 1 6

Trotz der Veränderung haben wir es immer noch mit einem hohen Bass-Anteil zu tun. Die Höhen werden logischerweise etwas reduziert, aber mit der Les Paul ist nach wie vor noch eine gute Verzerrung am Start.

Wer also hofft, einen Tube Screamer-Sound für etwas mehr als ein Viertel des Originalpreises zu bekommen, den muss ich leider enttäuschen. Dafür klingt der ODR-1 etwas zu wuchtig und komprimiert auch schon sehr stark. Das Original hingegen hat weniger Gain, ist auch bei Humbucker-Gitarren noch dynamischer in der Ansprache und klingt etwas höhenbetonter.

Aber das soll alles keine Wertung sein, sondern lediglich ein Vergleich, denn die Geschmäcker sind zum Glück verschieden und auch der Tube Screamer ist nicht die absolute Messlatte für ein Overdrive-Pedal. Viele interessiert halt der direkte Vergleich, und den haben wir damit abgehandelt. Der TS808 kann jetzt in die Mittagspause und wir widmen uns nun komplett dem ODR-1.

 

ODR-1 und Singlecoil-Gitarren

Eine Jugendsünde fällt mir in diesem Zusammenhang aber noch ein! Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich meinen TS808 in den 80ern verkauft habe, weil er im Team mit meiner Strat nicht genügend Zerre gebracht hat. Dieses Problem hat man mit dem ODR-1 natürlich nicht, denn er hat schon „von Natur aus“ etwas mehr Gain und mit den regelbaren tiefen Mitten kann man eine Singlecoil-Gitarre auch einigermaßen aufblasen. Das hören wir uns gleich mal an.

Gitarre Drive Spectrum Level
Stratocaster 6 7 5

Kein schlechtes Ergebnis, wie ich finde! Der ODR-1 holt tatsächlich aus der eher Output-schwachen Singlecoil-Gitarre eine respektable Verzerrung heraus, und dabei ist auch noch reichlich Headroom vorhanden, denn der Drive-Regler steht erst auf 6. Allerdings sollte man in solchen Situationen etwas vorsichtiger mit dem Spectrum-Regler hantieren, denn bei höheren Werten klingen die tiefen Saiten etwas „wummerig“, besonders, wenn der Halspickup aktiv ist. Da wird das Ganze im tiefen Frequenzbereich doch sehr matschig. Hier ein Beispiel mit dem Halspickup der Strat, zuerst ohne ODR-1, dann mit.

Gitarre Drive Spectrum Level
Stratocaster 3 5 5,5

Gain

Wir gehen jetzt mal systematisch vor und erforschen die verschiedenen Facetten des Drive-Reglers und die damit verbundenen unterschiedlichen Verzerrungsbereiche. Das Ganze gibt es in fünf verschiedenen Einstellungen, Spectrum und Level bleiben dabei permanent in der mittleren Position.

Gitarre Drive Spectrum Level
Stratocaster 2-4-6-8-10 5 5

Der Verzerrungsgrad lässt sich gut dosieren und relativ linear einstellen. Dabei passiert in jedem Setting tatsächlich auch etwas - sehr gut! Leider tritt bei höheren Gain-Einstellungen auch der Bass-Bereich weiter in den Vordergrund, was dann letztendlich zu einer etwas undeutlichen Wiedergabe der tiefen Saiten führt. 

Der maximale Zerrgrad des ODR-1 klingt selbstverständlich mit einer Gitarre mit höherem Output noch eine Spur härter. Hier das Beispiel mit der Les Paul.

Gitarre Drive Spectrum Level
Les Paul 10 5 5

Spectrum

Mithilfe des Spectrum-Reglers lassen sich einige Klangvariationen aus dem Pedal herauskitzeln. Das Ganze funktioniert wesentlich effektiver als ein herkömmlicher Tone-Regler, denn auch der Verzerrungsgrad reagiert auf die jeweilige Einstellung. Nimmt man ihn ganz zurück, ist der Ton sehr weich und zahm - sehr gut für angezerrte Blues-Sounds geeignet.

Gitarre Drive Spectrum Level
Les Paul 5 0 6

Das andere Extrem bekommt man mit voll aufgedrehtem Spectrum. Hier geht es schon fast in die Metal-Ecke, vor allem, wenn der Drive-Regler ebenfalls voll aufgedreht wird.

Gitarre Drive Spectrum Level
SG 10 10 5

Dynamische Ansprache

Kommen wir zur Dynamik. Damit ist gemeint, wie weit sich die Verzerrung mit dem Anschlag oder dem Volume-Regler an der Gitarre steuern lässt. Für viele Gitarristen ist genau das ein wichtiges Kriterium für die Güte eines Overdrive-Pedals. Der ODR-1 liegt in dieser Disziplin im mittleren Bereich. In Schulnoten ausgedrückt würde ich ihm eine 3+ geben. Zwar nimmt die Verzerrung ab, wenn man mit den Fingern anschlägt, der Pegel ist aber trotzdem schon recht hoch. Wenn dann hart mit dem Pick reingehauen wird, fährt das Pedal in die Kompression und es kommt für mein Empfinden zu wenig Power. Der ODR-1 reagiert hier also eher wie ein Distortion-Pedal.

Gitarre Drive Spectrum Level
Stratocaster 7 6 6

In der zweiten Dynamik-Disziplin, wenn der Verzerrungsgrad mit dem Volumen-Regler an der Gitarre gesteuert werden soll, macht der ODR-1 eine gute Figur. Nimmt man den Regler zurück, hat der Ton nur noch eine leichte Verzerrung, dreht man dann auf, gibt es das volle Brett. Beim nächsten Beispiel hört ihr eine Tele zuerst mit Volume fast komplett abgedreht, dann voll auf.

Gitarre Drive Spectrum Level
Telecaster 7 6 6
3 / 4
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