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Test
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14.08.2015

Praxis

Tastatur

Nektar preist die Tastatur der Panorama-Serie in den höchsten Tönen – und tatsächlich finde ich das Spielgefühl für ein Controller Keyboard recht gut. Die Tastatur in Klavieroptik ist mit Gegengewichten ausgestattet, was sich durchaus positiv bemerkbar macht. Der Anschlag lässt sich gut kontrollieren und das berüchtigte „Wäscheklammergefühl“ stellt sich hier weniger ein als bei reinen Feder-Tastaturen. Eine gewisse Schwammigkeit bleibt jedoch – die Authentizität einer Hammermechanik sollte man nicht erwarten und gerade bei leichtem Anschlag empfinde ich den Widerstand als etwas gewöhnungsbedürftig. Greift man dagegen beherzt in die Tasten, so machen sich einige Geräusche bemerkbar. Verwöhnte pianistische Ansprüche wird das Panorama also nicht befriedigen können. Für ein Controller Keyboard kann man sich aber überhaupt nicht beschweren, eher im Gegenteil.

Internal Mode

Im Internal-Mode arbeitet das Panorama wie ein herkömmliches Controller Keyboard. Die Fader, Drehknöpfe und Buttons können hier frei mit MIDI-CC-Nummern belegt und an die jeweils zu steuernde Software oder den Klangerzeuger angepasst werden. Außerdem stehen vier Tastaturzonen zur Verfügung, die jeweils eigenen MIDI-Kanälen zugewiesen werden können. Transposition und Programmwechselbefehl lassen sich pro Zone einstellen. Auch kann für jede Zone bestimmt werden, ob Pitchbend-, Modulation-, Aftertouch-, Sustain- und Expression-Befehle gesendet werden. Damit verfügt das Panorama über recht umfangreiche Masterkeyboard-Funktionen, die es auch für den Live-Einsatz ohne DAW interessant machen. Die Zuweisung von CC-Nummern oder anderen Befehlen zu den Bedienelementen geht einfach und schnell von der Hand. Im Setup-Menü muss man nur den betreffenden Fader oder Regler bewegen und kann dann mit dem Datenrad MIDI-Kanal, Controllerbefehl und Regelbereich einstellen. Zum Speichern von Konfigurationen stehen 20 Plätze zur Verfügung.

Nektar Panorama und Reason

Propellerheads Reason war beim Erscheinen des Panorama die erste DAW, die umfangreich unterstützt wurde. Nach der Installation des Panorama-Treibers muss man noch in Reason den Mixer Mode per „Surface Locking“ an die Master-Sektion koppeln, dann ist das Panorama startklar.

Im Mixer Mode stellt das Display die neun Fader grafisch dar, wobei praktischerweise sowohl der eingestellte Wert als auch die derzeitige Faderposition angezeigt werden. So weiß man sofort, in welche Richtung man den Fader bewegen muss, um den Wert abzuholen. Über die Taster unterhalb des Displays gelangt man in weitere Menüs für die EQ-, Dynamik- und Send-Abteilungen des ausgewählten Mixer-Kanals. Hier kann man dann mit den Drehreglern auf der rechten Seite Einstellungen vornehmen. Das alles funktioniert direkt „out of the box“, ohne dass man Controller zuweisen oder Funktionen definieren müsste. Auch die Einstellungen der Effekte lassen sich vom Panorama aus fernbedienen. Dafür muss für den betreffenden Effekt allerdings ein Track angelegt sein. Die Bearbeitung des Effekts wird dann im Instrument-Mode vorgenommen.

Im Instrument-Mode können die Reason-Klangerzeuger wie Subtractor, Thor und Malström über das Panorama programmiert und bedient werden. In der Standardansicht wird der Name des gewählten Presets auf der selektierten Spur angezeigt. Mit den Patch-Tastern kann man durch die Sounds steppen. Bei den langen Preset-Listen der Synthesizer wird man aber zur Soundauswahl in der Regel doch auf die komfortableren Auswahllisten am Computerbildschirm zurückgreifen. Die acht Drehregler sind je nach Instrument den wichtigsten Parametern zugewiesen, sodass man zum Beispiel mal eben am Filter schrauben kann, ohne tief in die Menüs einsteigen zu müssen. Je nach Instrument stehen von hier ausgehend verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um tiefer in die Programmierung des Klangerzeugers einzusteigen. Bei den Synthesizern wie Thor, Subtractor und Malström lässt sich über einen der Taster unter dem Display ein Menü öffnen, über das man zu den einzelnen Seiten für Oszillatoren, Filter, Envelopes und so weiter gelangt. Die entsprechenden Parameter werden dann auf die Drehregler und/oder Fader gelegt. Beim Kong gibt es stattdessen umfangreiche Mapping-Möglichkeiten für die Pads und eine Drum-Mix-Page. Der Instrument-Mode des Panorama ist also speziell auf jeden einzelnen der Reason-Klangerzeuger abgestimmt und bildet die jeweiligen Möglichkeiten Hardware-seitig ab.

Übrigens unterstützt das Panorama auch den Rewire-Betrieb von Reason mit einer der anderen DAWs. Nutzt man zum Beispiel Cubase als Haupt-DAW und hat Reason per Rewire eingebunden, so kann man mit einer Tastenkombination einfach umschalten und beide Programme mit dem Panorama steuern.

Nektar Panorama und Cubase

Um das Panorama in Cubase oder Nuendo einzusetzen, installiert man die entsprechende Software-Anbindung und bringt ggf. die Firmware des Keyboards auf den neuesten Stand, wofür ein kleines Tool mit installiert wird. Danach muss man noch in den Geräte-Einstellungen von Cubase einige Häkchen bei den verschiedenen MIDI-Ports des Panorama setzen bzw. entfernen, was in der Anleitung beschrieben ist. Allerdings wichen die Beschriftungen der Ports bei mir von den Bezeichnungen und dem Screenshot in der Anleitung ab. Mit ein wenig gesundem Menschenverstand klappte es aber trotzdem auf Anhieb.

Der Mixer Mode funktioniert wie erwartet. Die Fader, Pan- bzw. Send-Regler sowie Mute-/Solo-/Rec-/Select-Buttons arbeiteten auf Anhieb korrekt und werden zusätzlich im Display dargestellt, auch hier mit gleichzeitiger Anzeige der Fader-Positionen und der tatsächlich eingestellten Werte. Über die Soft-Buttons lassen sich Unterseiten für EQ, Inserts, FX Sends, eine Detailansicht der gewählten Spur und die Quick Controls aufrufen. Zurück gelangt man jeweils durch Druck auf den Mixer-Button. Im Insert-Menü kann man den linken Soft-Button (hier: „Plug-in“) gedrückt halten und mit dem Datenrad durch alle verfügbaren Effekt-Plug-ins scrollen. So lassen sich Insert-Effekte schnell hinzufügen, ohne dass man auch nur einen Blick auf den Computerbildschirm werfen müsste. Das ist alles gut durchdacht und klappt wie am Schnürchen, wenn man sich einmal an die grundlegende Menüstruktur des Panorama gewöhnt hat. Mehrere gleichnamige Spuren bzw. Mixer-Tracks bringen das Panorama allerdings aus dem Konzept – man sollte also stets darauf achten, jeder Spur einen eigenen, aussagekräftigen Namen zu geben.

Der Instrument Mode erlaubt die weitreichende Fernsteuerung sämtlicher Cubase Instrumenten-Plug-ins. Auch für viele verbreitete Software-Instrumente anderer Anbieter enthält das Panorama vorgefertigte Mappings, sodass man in vielen Fällen nichts mehr selbst konfigurieren muss. Im Test hat das beispielsweise mit einigen Plug-ins von Arturia und Native Instruments reibungslos geklappt. Eine Liste der kompatiblen VSTi ist auf der Website von Nektar verfügbar. Für alle bisher nicht direkt unterstützten Plug-ins gibt es einen Lernmodus, mit dem man dem Panorama die Parameter des Instruments beibringen kann. Leider ist es aber nicht möglich, direkt am Keyboard ein Instrumenten-Plug-in auszuwählen (oder ich war schlicht zu blöd dafür) – dafür muss man dann doch zum Computer wechseln. Mit den Patch-Buttons kann man durch die Presets der Plug-ins blättern. Je nach Plug-in stehen verschiedene Display-Seiten bereit, über die man Zugriff auf nahezu alle Parameter hat. Envelopes lassen sich mit den Fadern einstellen, was in Verbindung mit der Darstellung auf dem Display eine sehr „greifbare“ Bedienung ermöglicht. 

Nektar Panorama und Logic

Die seit gut einem Jahr erhältliche Integration für Logic ab Version 9 wurde frisch um zusätzliche Features erweitert. Für diesen Test stand mir eine Beta-Version der neuesten Entwicklungsstufe 1.02 zur Verfügung. Neu hinzugekommen sind unter anderem Mappings für die Logic Instrumente, sodass nun auch in Logic eine ähnlich umfassende Kontrolle wie in Reason und Cubase möglich ist. Die Installation läuft dabei noch reibungsloser als bei den anderen DAWs, denn man muss nur die Setup-Datei für die Logic-Anbindung ausführen – weitere Einstellungen sind nicht nötig. Das Panorama wird automatisch in Logic als Bedienoberfläche angemeldet, die Zuweisung von MIDI-Ports etc. entfällt.

Der Mixer Mode birgt keine Überraschungen und funktioniert fast genauso wie in Cubase und Reason. Fader, Pan oder Sends sowie Solo/Mute/Rec/Select sind stets im direkten Zugriff. Für EQ, Sends und Inserts gibt es jeweils Untermenüs, die Einstellung erfolgt mit den Drehreglern auf der rechten Seite. Leider ist es mit dem Panorama in Logic im Gegensatz zu Cubase aber nicht möglich, Insert-Effekte direkt am Keyboard hinzuzufügen. Man muss das Effekt-Plug-in am Rechner einsetzen und kann es dann über das Keyboard bedienen.

Die neue Version der Logic-Integration unterstützt auch den Instrument Mode mit Mappings für alle Logic-Instrumente (und natürlich die bislang unterstützten Drittanbieter-Plug-ins). Auch das funktionierte im Test reibungslos, genauso wie die Verwendung der Logic Smart Controls. So manches Logic-Instrument macht mit dem Controller gleich viel mehr Spaß – beispielsweise die Vintage B3, bei der die Fader als Drawbars dienen und auch viele andere Funktionen der Orgel fernsteuerbar sind.

Im Transport Mode kann man sehr unkompliziert Locator- und Drop In/Out-Punkte setzen – das klappt in Logic unkomplizierter als in Cubase. Ebenfalls sehr praktisch: Ein Druck auf den Soft-Button „Marker“ aktiviert einen Modus, in dem man mit den Pads Marker direkt ansteuern kann.

In der neuesten Version bietet die Logic-Integration des Nektar Panorama jetzt also einen vergleichbaren Funktionsumfang wie die Anbindungen an Cubase und Reason. Damit bildet das Panorama eine der derzeit umfassendsten Controller-Lösungen für die DAW und wird endgültig auch für Logic-Anwender interessant. Übrigens funktioniert die enge Anbindung auch mit dem Ableger MainStage, was Keyboarder freuen dürfte, die Laptops auf der Bühne einsetzen.

Bedienung

Es dauert durchaus eine Weile, bis man sich auf dem Panorama blind zurecht findet. Die vielen verschiedenen Untermenüs und Displayseiten können anfangs verwirrend wirken, weil alles ziemlich ähnlich aussieht. Vor allem bei der Bedienung von EQs muss man schon genau hinsehen, um das richtige Band zu erwischen, ähnlich verhält es sich bei Software Synthesizern mit vielen speziellen Parametern. Ein paar zusätzliche Farben auf dem Display wären hier vielleicht ganz hilfreich gewesen. Manchmal ist die Struktur auch nicht ganz logisch – so gibt es in einigen Menüs Exit-Buttons, während man andere Seiten nur durch Druck auf einen der vier Modus-Taster wieder verlassen kann.

Das Konzept, die Bedienung mehrerer sehr komplexer Softwareprogramme nahezu vollständig über ein Controller Keyboard zu ermöglichen, geht dennoch in weiten Teilen auf. Tatsächlich erlaubt das Panorama die Fernbedienung aller wichtiger Funktionen der kompatiblen DAWs und Software-Instrumente wie kaum ein zweites Controller Keyboard. Neben dem AKAI Advance bietet es die engste Verknüpfung eines Controller Keyboards mit Software-Instrumenten, die mir derzeit bekannt ist. Man muss sich allerdings darauf einstellen, dass es deshalb eben auch etwas komplizierter und tiefgründiger geraten ist.

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