Gitarre Hersteller_MusicMan
Test
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30.08.2018

Praxis

Die Music Man Valentine Tremolo trägt sich aufgrund des ergonomisch geformten Korpus sehr komfortabel am Gurt wie auch im Sitzen. Sie pendelt sich in der Waagerechten ein und lässt sich dank des für meinen Geschmack wirklich sensationellen Halses ausgesprochen leicht bespielen. Zudem kommt sie perfekt eingestellt aus dem Koffer, und wenn jetzt der eine oder andere meint, dass man das bei einem Preis von runden 2500 Euro auch durchaus erwarten kann - stimmt! Das entspricht aber nach meiner Erfahrung häufig nicht der Realität. Mit ihrer Mensur von 648 mm besitzt sie klassische Fender-Maße.

Der Hals liegt super-komfortabel in meiner Hand, was natürlich Geschmacksache ist, aber ich mag Hälse, die genügend Holz bieten, dabei aber nicht klobig ausfallen. Dazu kommt das tolle Spielgefühl des lediglich mit Öl und Wachs behandelten Holzes.

Schon trocken angespielt zeigt sich die Valentine Tremolo knackig bei den Anschlägen und drahtig im Klangbild. Die angeschlagenen Töne schwingen lange und gleichmäßig aus und ich bin gespannt, ob sich dies auch am Amp fortsetzt.

Für die Verstärkung kommt wie immer ein Marshall JVM 410 Topteil zum Einsatz, an das ich eine 2 x 12" Box angeschlossen habe, die mit Vintage 30 Speakern bestückt ist und mit einem SM57 abgenommen wird. Alle Audiofiles werden natürlich nicht weiter bearbeitet.

Los geht es mit dem cleanen Kanal des Marshalls, wobei ich alle Positionen des Dreiwegschalters anspiele und mit dem Hals-Pickup beginne.

Mit ihren drei Pickup-Schaltungen deckt die Valentine ein recht breites Klangspektrum ab, dabei zeigt sich der Hals-Doppelspuler bauchig warm, die Zwischenposition knackig und der Steg-Singlecoil bissig mit einer wohldosierten Portion Mitten, die genügend Durchsetzungsvermögen besitzen.

Die folgenden beiden Beispiele sollen die Arbeitsweise des Coil-Splits aufzeigen. Ich beginne mit dem Hals-PU und spiele ihn erst im Normalbetrieb, im zweiten Durchgang dann gesplittet. Dasselbe wiederhole ich mit der Mittelposition des Dreiwegschalters, der ja beide Tonabnehmer zusammenschaltet.

Dank des Coil-Splittings erweitert sich das Klangspektrum der Valentine erheblich, vor allem der Hals-Pickup liefert einen knackigen, mit genügend Höhen ausgestatteten Singlecoil-Sound, der mir ausgesprochen gut gefällt. Auch die Zwischenposition erlebt eine Klang-Metamorphose, die jedoch nicht ganz so vordergründig erscheint wie beim Hals-PU.

Natürlich interessiert mich auch die Arbeitsweise des 20dB Boosters. Hier spiele ich alle drei Positionen durch und beginne wieder am Hals. Zuerst ohne, dann mit dem aktivierten Booster. Für jede Position habe ich ein eigenes Audiofile erzeugt.

Der Boost macht ordentlich Druck und zwingt den clean eigestellten Amp bei härteren Anschlägen in die Knie. Eine gute Option, wie ich finde!

Ich schalte nun in den Crunch-Kanal des Marshalls und spiele wieder alle drei Positionen des Dreiwegschalters an. Los geht es wie immer mit der Halsposition.

Die Valentine Tremolo liefert in der Hals- wie in der Zwischenposition knackige und klar akzentuierte Sounds, die mit einer großen Portion Anschlags-Knack ans Werk gehen - erstaunlich, denn der Hals-Pickup ist ja ein reinrassiger Doppelspuler. Der Kollege am Steg zeigt sich gewohnt mittig schlank und zeigt sich von der bissigen Sorte, dabei geht er ausgesprochen antrittsschnell vor, sprich, die Attacks sind deutlich vernehmbar.

Wie sich der Booster im Crunch-Kanal zeigt, sollen die folgenden Beispiele verdeutlichen. Für jede Position des Dreiwegschalters habe ich ein eigenes Audiofile erstellt, im zweiten Durchgang ist der Booster zu hören. Natürlich starte ich wieder mit der Hals-Position.

Es dürfte wohl niemanden verwundern, dass mit dem aktivierten Booster auch der Zerrgrad erhöht wird und die Valentine aus dem eher moderaten Crunch ein recht breites Rockbrett macht. Dabei bleiben aber in jeder Position die grundsätzlichen Klangeigenschaften erhalten. Die Attacks verlieren nicht an Kraft und auch die Durchsichtigkeit der Akkorde bleibt erhalten, sehr gut!

Für die Coil-Splitting-Beispiele wiederhole ich die Prozedur, die bereits bei den Beispielen mit dem cleanen Kanal des Amps zum Einsatz kam. Erst ist der Pickup normal, dann gesplittet zu hören. Ich beginne wieder mit dem Hals-Humbucker und spiele im zweiten Beispiel dann die Zwischenposition an.

Der Unterschied zwischen dem normal- und dem Coil-Split-Betrieb ist am zerrenden Amp für meinen Geschmack nicht ganz so deutlich herauszuhören wie bei den cleanen Beispielen. Das Höhenbild öffnet sich leicht und der Sound erscheint mir etwas glasiger.

Womit wir auch schon im Heavy-Kanal des Amps angelangt wären. Ich starte wieder mit allen drei Positionen des Pickup-Wahlschalters, beginnend am Hals.

Auch der stark zerrenden Amp macht der Valentine Tremolo keine Angst, ganz im Gegenteil! Sie liefert überzeugende Sounds in allen drei Positionen des Pickup-Selectors, wobei ihr hier die schnellen und vor allem klar hörbaren Attacks in die Karten spielen. Für meinen Geschmack lassen sich alle drei Optionen ausgesprochen gut im musikalischen Kontext einsetzen.

Auch hier interessiert mich die Wirkungsweise des Coil-Splits, daher spiele ich wieder die Hals- und die Zwischenposition in einem eigenen Audiobeispiel an und aktiviere den Coil-Split jeweils im zweiten Durchgang.

Wie im Crunch-Kanal des Marshalls ist der Unterschied vor allem spürbar. Das Höhenbild öffnet sich und auch die Durchsichtigkeit der gespielten Akkorde erhöht sich.

Was der Booster zu leisten vermag, zeigen die folgenden Beispiele. Ich aktiviere ihn jeweils im zweiten Durchgang, jede PickupPosition besitzt ihr eigenes Audiofile und es geht wieder mit dem Hals-Pickup los.

Natürlich erhöht sich die Verzerrung beim Aktivieren des Boosts, die Attacks stehen aber wie ein Fels in der Brandung. Gerade die Zwischenposition geht ausgesprochen frisch ans Werk und liefert ebenso wie die Stegposition einen beeindruckenden, knackigen Rock-Sound.

Bevor es zum Fazit geht, spiele ich noch ein kurzes Lead-File und schalte ab der zweiten Hälfte vom Hals- zum Steg-Pickup. Dabei verwende ich auch das Tremolo.

Das Tremolo lässt ein feinfühliges Eingreifen zu und zeigt sich recht verstimmungsfrei. Da es auf dem Korpus aufliegt, ist natürlich nur ein Verändern der Tonhöhe nach unten möglich.

Die Gitarre liefert auch im Solo Spiel überzeugende Resultate und kann mit ihrer direkten Ansprache und frischen Klang überzeugen.

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