Bass Hersteller_MusicMan
Test
7
28.01.2010

PRAXIS

Der erste Eindruck nach Öffnen des Hardshell-Koffers veranlasst zu einem deutlichen: „WOW“ ! Neben der bestechenden Optik und der ungewöhnlichen Korpusform fällt natürlich vor allem die extrovertierte Tonabnehmerbestückung ins Auge. Auch die vier Druckschalter verfehlen nicht ihre beeindruckende Wirkung. Hier ist also tatsächlich Einiges anders ...

 

Dass es sich bei dem Music Man 25th Anniversary Bass nicht unbedingt um ein Fliegengewicht handelt, wird schon beim ersten Anfassen deutlich, aber die Auswahl der Hölzer ließe auch nichts anderes zu. Im Sitzen liegt der Bass perfekt am Körper. Man kann ihn ohne Gurt fantastisch spielen, ohne dass er den kleinsten Versuch unternehmen würde, aus der Balance zu fallen oder vom Oberschenkel abzurutschen. Die an der Oberseite nach hinten abgeschrägte Decke bietet dem Unterarm eine bequeme Auflage und sorgt für ein komfortables Handling, vor allem beim Plektrumspiel oder Slappen. Hängt der Bass am Gurt, spürt man ebenfalls keine nennenswerte Kopflastigkeit. Eine Folge des außergewöhnlichen Designs ist, dass der Hals etwas weiter herausragt, als man es von Bässen mit einem längeren oberen Cutaway gewohnt ist. Hängt der Bass also normal am Gurt, so sitzen die Bünde ein wenig weiter nach links versetzt. Entsprechend muss man sich etwa einen oder zwei Bünde weiter in diese Richtung strecken, um die gewünschten Töne zu erreichen. Das erfordert eine minimale anfängliche Umgewöhnung, speziell, wenn man nicht auf das Griffbrett sieht und blind spielen muss, wie beispielsweise beim Blattspiel. Es ist eine simple Folge des verlagerten Aufhängepunktes am vorderen Ende des Korpus, denn bei einem kürzeren Cutaway verlagert sich die Position des Korpus zwangsläufig einige Zentimeter nach links.

 

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist das allerdings kein Thema mehr und die Bespielbarkeit bleibt zu hundert Prozent erhalten. Sehr angenehm ist der naturbehandelte Hals, der dem Spieler „echten Holzkontakt“ gestattet. Alles in allem bietet das Instrument Edelbass-Ambiente. Die Hardware ist hochwertig, die Potis drehen sich sahnig, ebenso die Mechaniken. Bei der Brücke hätte man meiner Ansicht nach vielleicht eher in Richtung Innovation abweichen können, denn im Gegensatz zum bestehenden System, bei dem die Saiten durch ein Loch gefädelt werden müssen, hätte eine Vorrichtung zum schnellen Einhaken der Ballends nicht geschadet. Allerdings gibt es auch Gegner dieser Quickchange-Aufhängungen, weil die Ballends gerne beim Montieren wieder aus den Ösen springen. So ist und bleibt dieses Thema auch weiterhin Geschmackssache.Aber jetzt zum Wichtigsten, dem Sound!Verwendet man den Bass rein passiv, dann sind ausschließlich das Volumenpoti und der passive Tonregler im Signalweg. Hier kann man einen guten Eindruck gewinnen, wie die Tonabnehmer an sich klingen. Schon im passiven Modus hat der 25th Anniversary Einiges zu bieten. Das passive Tonpoti wirkt ein wenig dezenter, als man es beispielsweise von Fenderbässen gewohnt ist. Auch wenn man es komplett schließt, verschwinden nicht alle Höhen. Dagegen bekommen die Mitten einen dezenten Kick.

 

Die folgenden Beispiele zeigen den Sound aller Tonabnehmerkombinationen im passiven Modus:

 

Clip I.    passives Tonpoti auf

Clip II.    passives Tonpoti komplett zu

Reihenfolge:  (Bezeichnung: 1 = Humbucker, 2 = Singlecoil Mitte, 3 = Singlecoil Hals)

1 (parallel)
1 (seriell)
2
3
1+2
1+3
2+3
1+2+3

Wie bereits erwähnt, gestaltet sich die Wahl der Tonabnehmer simpel und intuitiv, weil jedem der drei ein Druckschalter zugeordnet ist. So lassen sich blitzschnell alle beliebigen Kombinationen abrufen. Sind alle Taster deaktiviert, hört man den Steg-Humbucker alleine, allerdings mit der Besonderheit, dass die beiden Spulen in Reihe geschaltet sind. Ist der Bridgetonabnehmer regulär geschaltet, dann arbeiten beide Spulen parallel. Im folgenden Beispiel hört man nacheinander zunächst den Bridge-Humbucker in Parallelschaltung, danach in serieller Schaltung, beide aktiv.

Im Aktivbetrieb verrichtet die Vierband-Klangregelung ihren Dienst, während das passive Tonpoti deaktiviert bleibt. Diese Variante ist ebenfalls ungewöhnlich, da bei den meisten mir bekannten Schaltungen die Funktion der passiven Tonblende auch im Aktivbetrieb erhalten bleibt. Im Fall des 25th Anniversary finde ich die vorhandene Schaltvariante aber sehr reizvoll. Zum einen verfügt der Bass über einen sehr effektiven Treble-Regler, mit dessen Hilfe man durchaus die Wirkung der passiven Tonblende simulieren kann, zum anderen ermöglicht es diese Schaltung, noch variabler zwischen Passiv- und Aktivmodus agieren zu können.

Der Vierband-EQ ist ein wahres Pracht- und Powerpaket. Zwei 9-Volt-Batterien versorgen die Elektronik mit 18 Volt und eröffnen einen sehr umfangreichen Frequenz-Regelbereich in höchster Klanggüte. War der Sound im Passivbetrieb schon beeindruckend, so entpuppt sich der Bass im Aktivbetrieb erst recht als Wundertüte.

Viele werden sich fragen, ob man diesem Bass auch einen ganz traditionellen Stingray-Sound entlocken kann. Die simple Antwort lautet: Ja.

Schon mit dem Stegtonabnehmer allein kommt man in Verbindung mit der Klangregelung recht weit.

Das volle Potential zeigt sich allerdings erst bei der Verwendung der beiden Singlecoil-Tonabnehmer. Der Mitteltonabnehmer bietet einen erstklassigen Growlsound, der jedem Precision-Bass vollkommen ebenbürtig, in Verbindung mit der Klangregelung jedoch weitaus vielseitiger ist. Hier gefällt mir vor allem die aggressive Note, die man dadurch dem Pickup verleihen kann.

Das Sahnehäubchen ist der Hals-Singlecoil. Sowohl die Wahl eines solchen Pickups als auch seine Platzierung am Halsende ist perfekt. Damit kann man einerseits dem Bass den Vintagesound alter Fender Telecaster oder Gibson SG-Typen entlocken, aber mit mehr Definition. Da im folgenden Beispiel zusätzlich noch die aktiven Höhen voll geboostet sind, hört man gleichzeitig das Maximum möglicher Einstreugeräusche. Ein Beweis dafür, wie gut die Humcancelling-Singlecoils selbst bei größtmöglichem Treble-Boost noch arbeiten.

Durch die vielen Möglichkeiten, die sich aus den verschiedenen Pickup-Konstellationen ergeben, kann man die Soundsuche schon fast wissenschaftlich betreiben. Es gibt nahezu keinen Klang, der nicht irgendwie machbar wäre. Auch im Slap-Stil kommt man hier zu tollen Ergebnissen. Es folgen einige Beispiele mit unterschiedlichen Tonabnehmerkombinationen, alle im Aktivmodus:

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