Test
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24.06.2019

Praxis

Verwendungszweck

Aufgrund seiner geschlossenen Bauart stehen dem MrSpeakers Aeon Flow Closed-Back grundsätzlich alle Anwendungsgebiete von Kopfhörern offen. Obwohl der Aeon Flow als HiFi-Kopfhörer deklariert wird, ist er aufgrund seiner tendenziell neutralen Wiedergabeeigenschaften nicht weniger für den Studioeinsatz (auf beiden Seiten der Glasscheibe) geeignet als so manch ein ausgewiesener Profikopfhörer. Sein primärer Anwendungszweck wird jedoch der stationäre sowie mobile Einsatz zum Musikkonsum sein. Mit einer geringen Impedanz von lediglich 14 Ohm kann in zufriedenstellender Lautstärke an mobilen Abspielgeräten betrieben werden, wobei er hier nicht ganz so souverän agiert, wie man es aufgrund der Impedanz erwarten sollte. Des Weiteren reagiert der Aeon klanglich sensibel auf unterschiedliche Zuspieler und profitiert spürbar von hochwertigen Kopfhörerverstärkern.

Tragekomfort

Licht und Schatten in diesem Bewertungskriterium: Der Aeon Flow Closed-Back ist einerseits bemerkenswert komfortabel. Die Verwendung eines flexiblen Kopfbandes anstatt eines starren Bügels, der in vielen Fällen trotz einer guten Polsterung kurz- bis mittelfristig Druckschmerzen erzeugt, ist aus meiner Sicht stets die optimale Lösung. Auch die Ohrmuscheln schmiegen sich meiner Kopfform auf angenehme Weise an und sorgen für einen bemerkenswerten Langzeitkomfort des MrSpeakers Kopfhörers. Problematisch ist andererseits die stufenlose Größenanpassung, die leider keine Möglichkeit einer Fixierung bietet! Was bei vielen AKG Kopfhörern in einer relativ ähnlichen Konstruktion vorbildlich funktioniert, versagt beim Aeon Flow, da die Ohrmuschel dann doch etwas zu schwer sind und während einer Hörsession die Tendenz aufweisen, allmählich nach unten wandern, was wiederholte Anpassungen erfordert. Vielleicht tritt das Problem bei anderen Anwendern/Kopfformen nicht in dieser Tragweite auf, ein Selbstversuch sollte jedem Kaufinteressenten Klarheit verschaffen. 

Klang

Der Aeon Flow Closed-Back von MrSpeakers wurde für diesen Test an den folgenden Kopfhörerausgängen bzw. Verstärkern betrieben:

Lake People G93

SPL Phonitor mini

Apple iPhone SE

UAD Apollo 8

SPL 2Control

Neben diversen akustischen Experimenten (Sinus Sweeps, übliche DAW- Tätigkeiten) habe ich einen stilübergreifenden Mix eigener und fremder Produktionen über den MrSpeakers Kopfhörer angehört und analysiert.

Frequenzgang

Die Wiedergabe des Aeon Flow Closed-Back wirkt vom ersten Ton an recht nüchtern und analytisch, was wahrscheinlich dem Geschmack vieler Klangpuristen entgegenkommt. Im Bassbereich spielt der Magnetostat präzise, aber quantitativ etwas schlank, wobei diese Eigenschaft spürbar vom verwendeten Kopfhörerverstärker beeinflusst wird. Am SPL Phonitor ist die Basswiedergabe etwas wärmer und runder als bei den anderen Zuspielern, die im Test verwendet wurden. Einen richtigen Bassdruck erzeugt der MrSpeakers Kopfhörer aber auch hier nicht, dafür präsentiert er dem Anwender eine einwandfreie Tonalität, die frei von Kompressionsartefakten ist, die man bei so manch einem „aufpumpenden“ Mitbewerber findet. Die Wiedergabe des mittleren Frequenzbereichs ist sehr natürlich und gut ausbalanciert, was Gesangsstimmen angemessen zur Geltung. Im Direktvergleich zu meinen persönlichen „Haupt-Kopfhörern“ AKG K812 (offen) und Adam Audio Studio Pro SP-5 (geschlossen) mangelt es vielleicht marginal an Wärme und Fleisch in den unteren Mitten, worauf man sich aber problemlos einhören kann. Beim allerersten Anspielen des Aeon Flow Closed-Back fiel mir eine etwas zurückhaltende Wiedergabe der oberen Höhen auf. Sollte diese nicht den Geschmack des Anwenders treffen, lässt sich im Handumdrehen Abhilfe schaffen. Über die bereits erwähnten Filz- und Schaumstoffeinlagen des Lieferumfangs lässt sich die Quantität dieses Frequenzbereichs gut dosieren. Tauscht man die vorinstallierten Pads gegen die schwarzen Pads (geringste Dämmwirkung) aus, was ca. 10 Sekunden dauert, erreicht man eine deutlich lebhaftere Höhenabbildung, sofern dies den eigenen Vorlieben entspricht. 

Impulsverhalten und räumliche Abbildung

Der Aeon klingt derart frisch und luftig, dass man nicht wirklich das Gefühl hat, über einen Kopfhörer geschlossener Bauart zu hören. Transienten habe eine ultraschnelle Ansprache und schwingen ebenso knackig aus, auch bei tieffrequenten Impulsen: Mn sieht fast die Lautstärkenhüllkurve vor dem inneren Auge. Auch die Darstellung der Stereobühne gefällt mir ausgesprochen gut und schreit im Gegensatz zu vielen geschlossenen Mitbewerbern nicht danach, einen Verstärker mit Crossfeed zur Optimierung des natürlichen Raumempfindens zu verwenden. Perfekt austariert ist das Verhältnis der (präzisen) Phantommitte zum Seitensignal, was eine angemessene Präsenz von Gesangsstimmen und Melodieinstrumenten gewährleistet.

Sonstiges

Zeitgleich zu diesem Test liegt mir auch der MrSpeakers Aeon Flow in seiner offenen Variante vor. Hier ist positiv anzumerken, dass der Direktvergleich beider Modelle eine starke Familienähnlichkeit und nachvollziehbare Klangphilosophie offenbart, die ich beim direkten Vergleich meines heißgeliebten AKG K812 mit seinem geschlossenen Pendant K872 leider vermisst habe. Der Testbericht zum Aeon Flow Open-Back folgt in Kürze.

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