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Test
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07.04.2015

Moog Werkstatt-01 Test

Analog-Synthesizer als Bausatz

Oszillation am offenen Hertzen mit dem DIY-Moog

Der heutige Testkandidat Moog Werkstatt-01 ist zwar ein waschechter analoger Synthesizer, es handelt sich bei ihm jedoch eher um ein Experimentiergerät als um einen Performance Synthesizer im herkömmlichen Sinne. So verzichtet der Moog Werkstatt-01 zum Beispiel auf Keyboard-Tasten und Schnittstellen wie MIDI oder USB. Und seine (wenigen) Einzelteile muss man vor der Inbetriebnahme selbst zusammenbauen, was wir im Test ausprobiert und geprüft haben.

Der Moog Werkstatt-01 wurde anlässlich des „Moog Fest 2014“ – einem von Moog ins Leben gerufenen Kongress und Workshop – zu Demonstrationszwecken für technisch Interessierte und Versierte konzipiert. Eine Mischung aus Klangerzeuger und Anschauungsunterricht also, ähnlich einem Experimentierkasten für Synthesizer-Begeisterte. Nach besagtem Moog Fest war die Nachfrage so groß, dass Moog Music beschloss, dieses Modell auch regulär auf den Markt zu bringen. Dafür wurde das Kit leicht modifiziert, sodass man nun nicht einmal mehr einen Lötkolben zum Zusammenbauen braucht.

Details

Im Produktkarton findet man die Einzelteile des Moog Werkstatt-01: die Platine, geschützt durch eine antistatische Plastikhülle, Schrauben, Kappen, Gummifüße, zwei Gehäuseteile aus dickem, schwarz lackiertem Blech und ein paar Patch-Kabel. Darüber hinaus werden ein externes Netzteil, eine Bedienungsanleitung und ein Plan fürs Zusammenbauen mitgeliefert.

Ich blättere zunächst im Handbuch herum und erfahre, dass sich auf der Platine unter anderem „Jumper“ befinden. Das sind kleine, auf die Platine gelötete Drähte. Sie verbinden dort zwei Kontakte. Um einen Jumper zu lösen bzw. zu versetzen, benötigt man einen Lötkolben. Der Moog Werkstatt-01 funktioniert natürlich auch ohne Modifikationen an den Jumpern, dieses Feature wendet sich an „Circuit Bender“ und Bastler. Darüber hinaus ist von Testpunkten die Rede, an denen man Spannungen messen kann und von einem Steckfeld mit 16x6 Lochbohrungen. Dieses als „Experimenter’s Pads“ bezeichnete Feld ist dazu vorgesehen, eigene Schaltungen zu entwickeln und in den Signalfluss des Werkstatt-01 zu integrieren. Ein Schaltplan kann auf der Moog-Website herunter geladen werden.

Moog Werkstatt-01 zusammenbauen

Ehrlich gesagt: Ich hatte mehr Kleinkram im Sinne eines Modellflugzeug-Bausatzes erwartet. Das Handbuch beschreibt in übersichtlich gestalteten Schritten, wie man den Werkstatt-01 montiert. An zusätzlichem Werkzeug benötigt man einen kleinen Kreuzschraubenzieher und einen Seitenschneider.

Im ersten Schritt werden die Gummifüße an der Gehäuseunterseite befestigt, indem sie in die dafür vorgesehenen Löcher hinein gedrückt bzw. hinein gedreht werden. Danach muss man mit dem Seitenschneider ein kleines Segment aus einem Plastikring heraus knipsen. Dieser Plastikring dient später zur Isolierung der Platine vom Gehäuse und wird auf die Buchse für den Audioausgang gesteckt.  

Dann wird die Platine mit dem Gehäuseboden verschraubt. Das Handbuch nimmt einen hier ganz väterlich an die Hand. Man solle möglichst vorsichtig mit der Platine umgehen, die darauf befindlichen Kontakte nicht mit den Händen berühren und sich selbst vor der Montage statisch entladen (Griff an den Wasserhahn oder die Heizung).

Bis zu diesem Zeitpunkt sind keine fünf Minuten vergangen. In Schritt 4 wird man nun aufgefordert, einen LED-Test durchzuführen: Netzteil anschließen und überprüfen, ob die LED auf der Platine rhythmisch aufleuchtet. Das tut sie in meinem Fall.

Jetzt können die Kappen der Knopftastatur montiert werden. Die 13 „Plastikhütchen“ werden auf die Taster gesteckt, die auf der Platine schon vormontiert sind. Im letzten Schritt wird noch die obere Gehäuseplatte mit vier Schrauben auf der unteren befestigt, dann steht der Moog Werkstatt-01 fertig und einsatzbereit vor mir. Gesamte Montagezeit: keine zehn Minuten. Auch ohne große Bastler-Vorkenntnisse kommt man in wenigen Minuten zu einem Erfolgserlebnis.  

Diesen letzten Schritt der Montage wird so manch geneigter Käufer dieses Instruments vielleicht gar nicht durchführen, nach dem Motto „Warum das Beste unter einer Deckplatte verbergen?“ Nichtsdestotrotz hier die Beschreibung des Moog Werkstatt-01 in ganzer Zusammengebautheit.

Bedienfeld und Klangerzeugung

Auf dem Panel des Werkstatt-01 findet man die üblichen Sektionen eines monophonen, subtraktiven Synthesizers, nur alles etwas spartanischer ausgeführt. Links oben befindet sich die Abteilung VCO, in der man die Grundstimmung des Werkstatt-01 bestimmen, zwischen Puls- und Sägezahnschwingung auswählen und nach Bedarf Pulsbreitenmodulation (PWM) hinzu schalten kann. Der einzige VCO des Werkstatt-01 kann über einen Bereich von neun Oktaven gestimmt werden. Er ist analog aufgebaut und basiert auf derselben Technologie wie der Minimoog Voyager und die Moog Phatty Serie rund um Little Phatty, Sub Phatty und Sub 37.

Unterhalb der VCO-Sektion wurden die Modulationsmöglichkeiten für ebendiese platziert. Als Modulationsquellen können der LFO oder die Hüllkurve (EG) dienen. Als Ziele stehen PWM oder die VCO-Frequenz zur Wahl. Die Intensität der Modulation ist stufenlos regelbar. Links unten befindet sich die LFO-Abteilung. Hier kann die Frequenz gewählt sowie die Schwingungsform des LFO (Rechteck oder Dreieck) bestimmt werden.

Zwei Armaturen zur Einstellung des Kaskaden-Filters mit 24dB Flankensteilheit wurden im oberen, mittigen Bereich des Panels platziert: Filter-Eckfrequenz (Cutoff) und Resonanz. Darunter befindet sich die VCF MOD Sektion, die zwei Möglichkeiten zur Modulation des Filters bereithält. Die Hüllkurve (EG) oder der LFO stehen als Quellen zur Auswahl, wahlweise mit positiver oder negativer Polarität (Inversion). Die Intensität der Modulation ist auch hier stufenlos regelbar.

Im Kästchen rechts oben findet man einen Mode-Schalter für den VCA. Zwei Modi stehen zur Auswahl: EG und ON. Im Modus EG arbeitet der VCA abhängig von der Hüllkurve, also mit einem dynamischen Verlauf. Im Modus ON ist der VCA immer „an“, der Werkstatt-01 erzeugt hier also einen Dauerton. Auch an dieser Stelle macht der Synthesizer keinen Hehl aus seiner Bestimmung zum Experimentier-Objekt.

Rechts unten erhält man Zugriff auf drei Parameter der Hüllkurve (EG): zunächst einmal Attack und Decay als Potis. Aktiviert man „Sustain“ per Schalter, setzt das Decay (Abklingphase) erst nach dem Loslassen einer Keyboardtaste ein.

Glide und „Tastatur“

Im unteren Bereich des Panels sei noch das Glide-Poti erwähnt, mit dem man stufenlos und in verschiedenen Intensitäten ein Gleiten (Portamento) zwischen verschiedenen Noten herbeiführen kann. Und dann wären dort natürlich auch noch die 13 Knopftasten, die eine Oktave von C-C repräsentieren. Diese Taster sind weder anschlagdynamisch, noch verfügen sie über Aftertouch, aber das hat nach dieser Anmoderation wohl auch niemand erwartet. Die Tastatur arbeitet mit Low-Note Priority, das heißt, werden zwei oder mehr Tasten gleichzeitig gedrückt, so erklingt immer der tiefste Ton. Sollte die Stimmung der Tastatur in sich einmal aus dem Ruder laufen, also Intervalle wie zum Beispiel eine Oktave nicht mehr rein klingen, lässt sich die Tastatur auf der Platine kalibrieren.

 

Patch-Feld und Anschlüsse

Kommen wir zum äußerlich sichtbaren Sahnehäubchen des Werkstatt-01, der Patchbay. Hier lassen sich jede Menge zusätzlicher Modulationen realisieren. Verschiedene CV-Spannungen wie KB CV, TRIG OUT, VCF OUT können per Patchkabel auf Ziele wie VCA IN, VCF IN, VCO oder LFO IN geroutet werden, um nur einige zu nennen. Auch ein doppeltes Abgreifen einer CV-Quelle ist möglich, die CV Ausgänge sind zweifach ausgeführt. Die Verbindung/Synchronisierung mit externen CV-Geräten lässt sich theoretisch ebenfalls über die Patchbay realisieren. Die dafür notwendigen Kabel muss man allerdings selbst basteln, denn das Steckfeld besteht nicht aus genormten Buchsen und die mitgelieferten Patch-„Kabel“ sind eher dickere Drähte, wie man sie in einem Elektronik-Experimentierkasten findet. Zu viele Verbiegungen sollte man ihnen nicht zumuten, sonst könnten sie brechen. Optional ist die Aufsteck-Erweiterung Werkstatt-01 CV/Gate Expander erhältlich, die die Patch-Anschlüsse als Miniklinkenbuchsen bereitstellt. Die Steuerspannungsempfindlichkeit des Eingangs VCO EXP IN kann man mit einem auf der Platine dafür vorgesehenen Trimmer kalibrieren. Die Werkseinstellung ist das gängige Schema 1V/Oktave.

Auf der Rückseite sind eine Klinkenbuchse als Audioausgang (mono, unsymmetrisch) und der Power-Anschluss untergebracht. Auf einen An/Aus-Schalter wurde genauso verzichtet wie auf eine MIDI- oder USB-Schnittstelle. CV/Gate über die Patchbay oder die optionale CV-Erweiterung ist also der einzige Weg, um den Werkstatt-01 extern anzusteuern.

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