Hersteller_Moog
Test
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17.10.2013

Praxis

Sound

Kann ein Moog Synthesizer schlecht klingen? Eigentlich nicht, und auch Moogs Neuling klingt erwartungsgemäß ziemlich ordentlich. Nicht zuletzt dank des Suboszillators hat er ein rundes und gleichmäßiges Bassfundament, das Filter klingt wieder mal top und aufgrund der möglichen, niedrigeren Flankensteilheit sind bissigere Klänge mit mehr Obertonpräsenz möglich, als man vielleicht erwartet. Der Sub Phatty hat bei Bedarf ein sehr cleanes Signal und klingt tendenziell eine Messerspitze aggressiver als ältere Moog-Modelle (O-Ton aus der Moog-Werbung: „the grittiest Moog Synth ever“).

Die folgenden Audiobeispiele sind mit Ausnahme eines kaum eingreifenden Limiters auf der Summe und etwas Hall in Audiobeispiel 5 frei von Effekten. Ich habe den Sub Phatty mit einem Apogee Duet und großzügigem Headroom ohne Soft-Limit aufgenommen. Bei der Erstellung habe ich mich an den Audiobeispielen im Test zur Novation Bass Station II orientiert, weil die beiden Synths – trotz des großen Preisunterschieds – eine ähnliche Ausstattung aufweisen und daher durchaus als Konkurrenten gelten dürfen. Daher möchte ich eine Möglichkeit zum Vergleich bieten, ohne jedoch die Sounds bis ins letzte Detail aneinander anzugleichen.

In Audiobeispiel 1 habe ich versucht, eine tonale Bassdrum, eine Hihat und eine Snaredrum zu programmieren, um im Overdubverfahren ein kleines Drum-Arrangement zu gestalten, ein für meinen Geschmack nicht unterzubewertender Einsatzzweck analoger Synthesizer.

Viel mehr war für mich aus Hihat und Snare nicht herauszuholen, womit Audiobeispiel 1 einen Schwachpunkt des Sub Phatty entlarvt. Der rumpelige Rauschgenerator ist meines Erachtens nicht wirklich zu gebrauchen. Es ist mir ein Rätsel, warum hier kein universell einsetzbarer Rauschgenerator mit Weißem Rauschen verbaut wurde. Vielleicht eine beabsichtigte Abgrenzung zu anderen Produkten? In diesem Punkt hat die Bass Station die Nase jedenfalls eindeutig vorn.

In den Audiobeispielen 2 und 3 werden Bass-Sequenzen dezent von Apple Loops flankiert. Während in Beispiel 2 mehrere Preset-Sounds angespielt und teilweise Filter-moduliert werden, habe ich in Beispiel 3 den Multidrive großzügig verwendet. Einen eindeutig deklarierten Overdrive-Regler VOR dem Filter wie bei der Bass Station II gibt es nicht, ein vergleichbares „Überfahren“ des Filters geht allerdings schon, indem man im Mixer die Lautstärke der Oszillatoren über die 12Uhr-Position hinausregelt. 

In Audiobeispiel 4 durchläuft eine „Ostwestfalen-funkige“ Phrase verschiedene Lead Sound Presets und erstirbt jedes mal im Vollanschlag des Modulationsrades. Ein extern erzeugtes Arpeggio ist in Audiobeispiel 5 zu hören. Hier habe ich es mir dann doch nicht nehmen lassen, ab etwa der Hälfte ein Hall-Plug-In automatisiert „reinzufahren“. In Audiobeispiel 6 hören wir verschiedene kurze Effektsounds des Sub Phatty.

Einen Sweep durch die variablen Wellenformen von Oszillator 1 (440Hz) hören wir in Audiobeispiel 7, gefolgt vom Suboszillator (55Hz) und dem Rauschgenerator bei offenem Filter mit eingestellter Flankensteilheit von 6dB pro Oktave.

Das nächste Beispiel könnte man für eine LFO-Modulation des Filters halten. Was wir hier hören, ist jedoch die (verborgene) Repeat-Funktion der Hüllkurven, in diesem Fall der Filterhüllkurve. Wie der Name verrät, wird quasi ein Cycle über die Hüllkurve gelegt, die auffällige Modulation resultiert aus Änderungen der Release-Zeit.

In Audiobeispiel 9 wird das Rauschsignal mit verschiedenen Filtereinstellungen nach folgendem Ablauf bearbeitet:

1.) Filter (24dB pro Oktave) geöffnet / Resonanz auf Minimum
2.) Resonanz auf Maximum mit anschließendem Sweep der Filterfrequenz
3.) Multidrive auf Maximum mit anschließendem Sweep der Filterfrequenz

Dieser Ablauf wiederholt sich bei einer Flankensteilheit von 6dB pro Oktave

Die Verwendung des externen Audioeingangs zum Verfremden eines Drum Pattern vom Teenage Engineering OP-1 ist im nächsten Beispiel zu hören. 

Der Sub Phatty klingt großartig und deckt mit Ausnahme von Rauschgenerator-abhängigen Drumsounds den Bereich ab, den ich von ihm erwartet habe. Im direkten Vergleich zu der meines Erachtens etwas facettenreicheren Bass Station II wirkt er auf mich etwas konservativer oder anders formuliert „mehr Oldschool“. In Bezug auf kompromisslose Bass Sounds liegen die beiden Neulinge nach meiner Einschätzung auf Augenhöhe.

Bedienung

Eine kleine Mogelpackung ist er schon, der Sub Phatty. Zwar ist es natürlich positiv zu werten, dass ein derart kompakter und für Moog-Verhältnisse erschwinglicher Analog-Synthesizer mit einer Fülle von Features gesegnet ist. Dass ein nicht unwesentlicher Teil davon im „Verborgenen“ liegt, ist bei einem Analog-Synth, dessen Antlitz etwas anderes suggeriert, aber gewöhnungsbedürftig. Eine Reihe von Funktionen sind als sogenannte „Shift-“ oder „Hidden“-Funktionen nur über Betätigung verschiedener Tastenkombinationen direkt am Synthesizer zu bearbeiten. Diese sind dem Bediener allerdings ohne Dokumentation bzw. fotografisches Gedächtnis nicht ersichtlich. Hätten wir es ausschließlich mit „freakigen Nerd-Funktionen“ zu tun, wäre die Sache halb so wild, allerdings handelt es sich auch um wesentliche Features, wie beispielsweise die Flankensteilheit des Filters. Die folgenden beiden Abbildungen aus der Bedienungsanleitung sollten einen Einblick über das Ausmaß und die praktische Vorgehensweise liefern. 

Auf dem zweiten Bild sieht man die, in diesem Fall noch relativ simple, Vorgehensweise zur Anpassung der Flankensteilheit. Andere Shift-Funktionen erforden das Drücken der Buttons „Active Panel“ und „Bank 4“ wodurch verschiedene Drehregler ihre verborgenen Parameter beeinflussen. Das Ganze hat etwas von mysteriösen Grabkammern oder Geheimtüren in verwunschenen Häusern. Gibt es eine Lösung? Ja, die gibt es und sie nennt sich Sub Phatty Editor!

Nach erfolgter Registrierung des Synthesizers wurde mir umgehend ein Downloadlink zum Herunterladen der aktuellen Firmware 2.0.1 und des inzwischen verfügbaren Editors (1.0.3) per E-Mail zugeschickt. Das Firmware-Update gestaltete sich etwas umständlich und zäh (das war schon bei den anderen Phattys nicht ganz ohne), aber Dank konkreter Anweisungen erfolgreich. Die Installation des Sub Phatty Editors verlief ohne Probleme.

Der Software-Editor läuft Stand-alone oder als Plug-In innerhalb einer DAW. Die Einbindung als Plug-In in einer Instrumentenspur von Logic Pro X als „MIDI gesteuerter Effekt“ funktioniert tadellos. In der Software sind sämtliche Parameter sichtbar, editierbar und auch bequem automatisierbar. Der Umgang mit dem Editor erinnert stark an die DAW-integrierte Arbeitsweise mit einem Access Virus TI (wohlgemerkt ohne Audiointegration!). Außerdem werden in der Library des Editors eine Vielzahl weiterer Preset-Sounds bereitgestellt und der Im- und Export von Patches zwischen Editor und Sub Phatty ermöglicht. Das funktioniert alles prima und gerade im Hinblick auf die am Instrument nur umständlich zu bedienenden "verborgenen" Funktionen ist der Editor eine große Hilfe.

Studiotauglichkeit

Aufgrund der soeben erwähnten fantastischen Möglichkeiten zur DAW-Einbindung über USB-MIDI, Editor und der damit verbundenen umfassenden MIDI-Implementierung integriert sich der Sub Phatty bestens in bestehende Studio-Setups. Wohlwissend, dass einige Konkurrenzprodukte wie Arturias MiniBrute und die Neuauflage des Korg MS-20 gänzlich ohne Soundspeicher auskommen müssen, empfinde ich die Speichermöglichkeit von lediglich 16 Patches (ohne Editor bzw. Anschluss an eine DAW) dennoch als etwas grenzwertig. Wo man schon einen Patch-Speicher eingebaut hat, hätte dieser durchaus etwas umfangreicher ausfallen dürfen – schließlich bieten auch die beiden Phatty-Kollegen Little Phatty und Slim Phatty deutlich mehr Speicherplätze.

Die Synchronisation des LFO zur MIDI-Clock ist für meinen Geschmack zum einen etwas unpraktisch in der Handhabung, zum anderen ist sie recht instabil und „buggy“. Hoffentlich schafft ein zukünftiges Firmware-Update hier Abhilfe. Im Vergleich zu allen meinen anderen Klangerzeugern funktionierte die Synchronisation zur MIDI-Clock beim Sub Phatty jedenfalls deutlich weniger zuverlässig.

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