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Test
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21.11.2014

Moog Sub 37 Tribute Edition Test

Analoger Synthesizer

Der beste Phatty aller Zeiten?

Der Sub 37 Tribute Edition ist der neueste monophone bzw. duophone Analogsynthesizer aus dem Hause Moog. Ein gutaussehendes Kerlchen mit wahrlich prachtvollen Genen. Obwohl mittlerweile viele Funktionen und vor allem Bedienelemente hinzu gekommen sind, ist er mit den Synthesizern der Phatty-Reihe verwandt, trägt also das Erbgut des Little Phatty, Slim Phatty und Sub Phatty.

Aber sorgt der Sub 37 – wie einige seiner Vorgänger – am Ende für ein eher zwiespältiges Moog-Erlebnis? Oder ist er ein würdiger Kronprinz, gesegnet mit allem, was wir an Moog lieben? Mit dieser Frage im Hinterkopf haben wir den neuesten Moog getestet.

Details

Erster Eindruck

Als ich die ersten Bilder des Sub 37 sah, setzte sofort und heftig der Habenwollen-Reflex ein. Da ich schon einen Moog Voyager besitze (und eine ganze Reihe anderer schöner monophoner Analogsynths), hatte die erhöhte Pulsfrequenz definitiv nichts damit zu tun, dass mir etwas in meiner Sammlung fehlte. Im Gegenteil, wann immer sich vorher der reich gedeckte Tisch der analogen oder virtuell-analogen Monosynths mit einer weiteren Leckerei gefüllt hatte, winkte ich mild lächelnd ab. Beim Sub 37 aber muss man sich eingestehen: Er sieht einfach sensationell aus, und diese fein designte Hülle weckt gleich die wildesten Wünsche und Vorstellungen, welche Sounds man so etwas Schönem wohl entlocken kann. Einer seiner direkten Vorgänger, der Little Phatty, war, seien wir ehrlich, vor allem sexy, weil Moog darauf stand. Ansonsten sprach sein nüchternes Design eher die Atomphysiker unter den Keyboardern an. Ganz anders der Sub 37, der fast verschwenderisch viele dieser urschönen Moog-Drehregler aufbietet und in kompakter Form das verkörpert, was man eben bei Plug-ins nicht findet: Sound zum Anfassen.

Am äußeren Erscheinungsbild und an der Herstellungsqualität des Sub 37 hat man, wie kaum anders zu erwarten, gleichermaßen seine Freude. Die hölzernen Seitenteile, die funky Metallrückseite, beleuchtete Pitch- und Modulation-Wheels, die grundsoliden, schönen Moog-Regler, hintergrundbeleuchtete Buttons, in angenehmem Gelb blinkende LEDs: Dieser Nicht-Phatty ist eine Sinfonie höchster Qualität und geschmackvoller Gestaltung. Dass dies von einer gut spielbaren und – im Gegensatz zum Sub Phatty – wohldimensionierten Tastatur abgerundet wird, überrascht nicht.

Und jetzt haue ich es einfach gleich am Anfang mal raus: Der Sub 37 ist für mich im Grunde der perfekte Synthesizer. Nicht nur ist er eine Zierde für jedes Setup, und beim Klang weiß man ohnehin, was man von Moog erwarten darf. Nein, er trifft wirklich den Nagel auf den Kopf bei praktisch allem, was man sich von einem monophonen Analogen erhofft. Du liebst das 24 dB Ladder-Filter, aber Abwechslung wäre auch schön? Kein Problem, 6 dB, 12 dB und 18 dB sind beim Sub 37 auch im Angebot. Der Grundsound ist toll, aber ein wenig Verzerrung wäre das Salz in deiner Suppe? Dann fahre doch die Oszillatoren in die Sättigung, speise das gemischte Signal über den Feedbackregler noch mal ein oder drehe am „Multidrive“-Knopf! Eine einfache ADSR-Kurve ist fein, aber raffinierter wäre auch nicht schlecht? Bitte schön: Delay, Hold und sogar Envelope-Loop sind an Bord. Nervig, dass der coole Attack deines Lieblingssounds beim Legato-Spiel nicht zu hören ist? Envelope-Multitriggering, check! Selber spielen ist hervorragend, aber wilde, programmierte Lines sollen her? Arpeggiator und Sequencer, check! Beim Live-Spielen ist das Synchronisieren immer ein Problem? Tap-Tempo ist dein Freund. Dein MS-20 ist wunderbar, aber du kommst nicht damit klar, dass immer die untere von zwei gleichzeitig gehaltenen Tasten Vorfahrt hat? Stell die Key Priority nach deinem Gusto ein. Du willst auf der Bühne gerne die Sounds vorhören, ohne dass das Publikum etwas davon mitbekommt? Dann mute doch den Hauptausgang und verwende den separaten Kopfhörerausgang dazu.

Der Sub 37 rangiert auf der Moog-Website unter der Familienüberschrift „Phattys“, was zwar etwas Fettes suggeriert, aber letztlich in Form des Little Phatty und des Sub Phatty irgendwie auch für „Moog des kleinen Mannes“ zu stehen schien, also für abgespeckte Versionen des großen Bruders Voyager. Der Sub 37 hingegen ist nicht nur einfach weniger als der Voyager, er ist eben auch mehr. Und er scheint perfekt zu verkörpern, was sich der Keyboarder von einem Synth für Studio oder Bühne wünscht. Aber der Reihe nach.

Aufbau

Wer sich für einen Moog dieser Art interessiert, der weiß natürlich, was ihn grundsätzlich erwartet. So basiert der Sub 37 wenig überraschend auf dem Prinzip der subtraktiven Klangsynthese, bei der in diesem Fall die Signale zweier Oszillatoren, eines Suboszillators, eines Noise-Generators und, wenn gewünscht, einer externen Klangquelle gemischt und sodann durch ein Filter geschickt werden, wobei zwei Envelopes für die Formung des Filters und des VCA sowie diverse Modulationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Der Sub 37 erfreut zudem mit einem Arpeggiator und einem 64-Step-Sequencer und bietet gleich zwei Modulationmatrizen im direkten Zugriff. Über das kleine, aber wohl dimensionierte Display lässt es sich leicht durch die Presets und die (kaum nötigen) Untermenüs navigieren. Bei den Anschlüssen finden sich natürlich Audio Out und In sowie weitere Klinkenbuchsen für Pitch CV-, Volume CV-, Filter CV- und Keyboard-Gate-Inputs. MIDI gelangt über entsprechende Buchsen rein und raus (aber nicht „thru“), und über einen USB-Port lässt sich der Sub 37 mit einem Rechner verbinden, so dass der Moog über USB-MIDI kommuniziert – USB-Audio schickt er allerdings nicht. Wie beim Voyager und Little Phatty ist wohl ein Editor Plug-in geplant, das aber zur Zeit noch nicht zur Verfügung steht. Auf der Frontseite befindet sich ein Kopfhörerausgang, der sich im Gegensatz zum Little Phatty mit einem separaten Poti in der Lautstärke regeln lässt. Der Mainoutput kann über einen Button stumm geschaltet werden, was sehr praktisch sein kann. Bizarrerweise ist der Kopfhörerausgang in seiner Lautstärke abhängig von der Hauptlautstärke. Hier sollte Moog nachbessern und es machen wir beim Voyager, bei dem beide Lautstärken unabhängig sind. Fährt man nämlich den Sub 37 beim Hauptvolume mal mit nur halber Kraft – was ja je nach Setup Sinn machen kann, z. B. wenn man ihn durch alte Bodeneffekte schickt, die nicht viel Pegel vertragen –, dann wird es selbst bei voll aufgedrehtem Kopfhörer-Poti eventuell schon eng, zumal in einer lauten Bühnensituation.

Die Lautstärke lässt sich pro Preset abspeichern und zwar in Form einer Prozentzahl. Hierzu muss man ausnahmsweise mal ein Menü bemühen. Das ist etwas umständlich, aber man kann nachvollziehen, dass Moog hierfür nicht noch ein weiteres Poti vorsehen wollte. Praktisch ist die Sache aber allemal, denn so kann man seine Presets lautstärkemäßig ausbalancieren. In diesem Punkt scheint mir die Bedienungsanleitung etwas verwirrend zu sein, denn sie behauptet, über eine weitere Einstellung im Global-Menü könne man bestimmen, ob die Lautstärke eines Presets entweder der im Programm gespeicherten oder der beim Hauptvolume gewählten entspricht. Das suggeriert, das sei irgendwie unabhängig voneinander, was natürlich sinnvollerweise nicht der Fall ist. Mit dem Volume-Regler bestimmt man die Gesamtlautstärke und über die im Preset gespeicherte Prozentzahl kann man das Preset leiser machen – wobei sich diese Funktion allerdings auch abschalten lässt, so dass das Gerät das Presetvolume ignoriert.

Ansonsten muss ich das Handbuch sehr loben. Ich habe, was ich mir zur Gewohnheit gemacht habe, gleich die PDF-Datei von der Herstellerseite heruntergeladen. Dort gibt es nur die englische Bedienungsanleitung. Dem Gerät selbst liegt aber, wie ich später feststellte, auch eine deutsche Anleitung bei, was heutzutage ein großes Extralob verdient. Lustigerweise kann man die deutsche Version wiederum online nirgends finden (man muss das Papier also hüten wie einen Schatz). Wie dem auch sei, das Handbuch ist mit viel Liebe zum Detail geschrieben und versorgt den unerfahrenen Käufer sogar mit schönen Exkursen zu den Grundlagen, also zur subtraktiven Klangsynthese, der Architektur einer Hüllkurve etc. Wunderbar!

Bedienfeld und Klangerzeugung

Der Sub 37 ist zweifellos ein Instrument mit sehr vielen Möglichkeiten. Dennoch geht seine Bedienung sehr leicht von der Hand, was nicht zuletzt an einem hervorragend gestalteten und maximal effizient ausgenutzten Bedienpanel liegt, das eine stattliche Zahl von Bedienelementen aufweist. Diese sind zudem in logische Sektionen gruppiert, so dass man nie am falschen Ort nach etwas sucht.

Ganz links beginnt der Reigen mit der Sektion "Programming", in der das Display sowie diverse Basisfunktionen untergebracht sind. Das gut lesbare, hintergrundbeleuchtete Display ist keinesfalls üppig, kommt aber seinen Informationsverpflichtungen zu vollster Zufriedenheit nach. Direkt darunter finden sich zwei Pfeil- und eine Cursortaste, mit deren Hilfe die Navigation recht flott von der Hand geht. Der Sub 37 verfügt über 256 Programmspeicherplätze, die in 16 Bänken angeordnet sind. Die Presets lassen sich sämtlich überschreiben (fein!) und können mit Hilfe der Pfeiltasten angewählt werden – hält man eine Pfeiltaste gedrückt, scrollt man ziemlich schnell durch die Sounds. Hierbei produziert der Sub 37 leider ab und zu Soundfragmente, ein Bug, den ein Firmware-Update hoffentlich bald behebt. Viel schneller geht die Preset-Wahl allerdings mit Hilfe der 16 beleuchteten Buttons vonstatten, die direkt oberhalb der Tastatur residieren. Diese Funktionalität werden sicher viele zu schätzen wissen, die auf schnelle, präzise Programmwechsel angewiesen sind, denn dabei geht bekanntlich nichts über die zahlenmäßige Anwahl. Darüber hinaus geben die Buttons durch ihre Beleuchtung zusätzliches Feedback, in welchem Programm man gerade ist. Top! Ich persönlich mag beim Voyager die Möglichkeit, auch über einen Poti Programme anzuwählen, dort erledigt das der Lautstärkeregler für externe Signale, sofern kein solches anliegt. Aber es liegt tatsächlich nicht auf der Hand, welcher Regler beim Sub 37 dafür hätte herhalten sollen, und dafür schwächelt der Voyager bei der etwas mühseligen Bankanwahl.

Bei der Vielzahl an Funktionen spare ich mir mal die offensichtlichen. Also, dass man Presets speichern kann oder dass der Sub 37 über einen Fine Tune-Regler verfügt, davon kann man ja ausgehen. Erwähnenswert in der linken Hemisphäre des Panels finde ich allerdings zweierlei. Zum einen gibt es dort einen Taster „Panel“, mit dem man das gewählte Preset verlässt und auf die aktuellen Stellungen der Regler und Schalter auf dem Panel umschaltet. Das ist eine sehr schöne Funktion, mit der man z. B. sehr leicht in einem Song zwischen einem festen Preset und einem sich frei weiterentwickelnden Sound hin- und herschalten kann. Weitere, vom Voyager-Besitzer neidisch beäugte Beachtung verdienen zwei Buttons, mit deren Hilfe man die Tastatur schnell über zwei Oktaven nach unten und oben transponieren kann.

Auf dem Weg von links nach rechts über das Bedienpanel schließt sich nun die Arpeggiator-Sektion an. Sie wird dominiert von einem „Rate“-Drehregler, über den man das Tempo wählt, was auch gleich von einer blinkenden LED signalisiert wird. Das Tempo lässt sich natürlich zu einer MIDI-Clock synchronisieren und sogar eine Tap-Funktion gibt es. Alle Funktionen, die man benötigt, sind auch hier direkt anwählbar, so die Range des Arpeggios oder die diversen Laufrichtungen („up“, „down“, „back-forth“, „order“, „random“ sowie – interessant – „invert“, bei dem ein Ton gemäß der „Range“-Einstellung erst oktaviert wird, bevor der nächste erklingt). Natürlich lässt sich über „Latch“ bestimmen, ob das Arpeggio automatisch gehalten wird oder nur läuft, solange man Tasten drückt. Der Arpeggiator teilt sich sein Zuhause mit dem 64-Step-Sequencer, eine logische Wahl, da sie sich Funktionen wie das Tempo teilen. Der Sequencer lässt sich sehr einfach programmieren, indem man auf „Rec“ geht und nacheinander entweder Töne drückt oder eine Pause wählt. Zudem lassen sich Töne (oder Pausen) über Steps hinweg verbinden, so dass längere Töne (oder Pausen) entstehen. Die Länge der Sequenz bestimmt man schlicht über die Anzahl der programmierten Schritte, sie ist also zwischen 1 und 64 beliebig wählbar. Beim Abspielen des Patterns markiert dann der auf der Tastatur gespielte Ton den Grundton rsp. ersten Ton der Abfolge, so dass man das ganze Ding leicht live transponieren kann. Sequenzen werden übrigens mit dem Preset gespeichert und zwar eine pro Programm. In der Arpeggiator-Sektion gibt es lustigerweise eine Beschriftung, die sich mir nicht erschlossen hat. Sie deutet an, dass irgend etwas geschehe, sobald man „Latch“ und „Bank“ gleichzeitig drückt. Das Handbuch schweigt jedoch dazu. Eine kurze Internet-Recherche brachte zutage, dass diese Funktion wohl in einem kommenden Software-Update enthalten ist und es ermöglichen wird, einzelne Steps individuell zu bearbeiten. Den Fall hatte ich auch noch nicht, dass schon etwas auf dem Gerät stand, aber erst mit zukünftigem Update überhaupt funktioniert …

Die „Glide“-Sektion ist nicht sonderlich erklärungsbedürftig, illustriert aber sehr schön, dass man beim Sub 37 wirklich fast 100 Prozent der Funktionen im direkten Zugriff hat. Klar, auf Legato an/aus oder Glide-Time kann man in aller Regel auch bei anderen Synths sofort Einfluss nehmen. Aber beim Sub 37 kann man zudem sofort bestimmen, ob sich das Ganze auf Osc 1, 2 oder beide auswirkt, welcher Art der Glide ist (linear, mit konstanter Zeit oder exponentiell), dass der Glide nur bei gedrückten Tasten weitergeht („gated“) oder ob er nur dann passiert, wenn man legato spielt. Dies zeigt auch etwas anderes: Bei meinem Voyager habe ich derlei nicht vermisst. Aber jetzt, wo es der Sub 37 vormacht, denkt man schon, stimmt, Glide ist bei einem Mono-Synth eine wichtige Sache, und es ist großartig, hier so viele Möglichkeiten zu haben und sie auch noch unmittelbar beeinflussen zu können.

Die Reise durchs Sub 37-Land führt uns nun in die Sektionen „Mod 1“ und „Mod 2“, die sich nur dadurch unterscheiden, dass Modulation 1 gemäß den Standardeinstellungen zu 100 Prozent abhängig ist von der Stellung des Modulation-Wheels (etwas, das man aber natürlich in den Einstellungen des Presets ändern kann). Beide Modulationsmatrizen folgen vom Prinzip her dem Vorbild des Voyager, indem sie eine Verbindung zwischen einer Modulationsquelle und einem oder mehreren Modulationszielen herstellen. Auch hier dient eine blinkende LED als optisches Feedback für den Output des Modulators. Hauptmodulator ist erwartungsgemäß ein LFO, der Sinus, Rechteck, zwei Sägezahnformen und Sample&Hold produziert. Der LFO kann per „High Range“-Taster auch bis in hörbare Frequenzbereiche getrieben werden. Außerdem lässt er sich natürlich zu MIDI oder zur internen Clock des Sub 37 synchronisieren, welche über die Geschwindigkeit des Arpeggiators vorgegeben wird. Ist Sync aktiviert, legt der Rate-Drehregler das Teilungsverhältnis zwischen Sync-Quelle und eigener Geschwindigkeit fest. Mit Hilfe des Tasters „Keyboard Reset“ bringt man den LFO dazu, bei jedem Tastenanschlag seinen Zyklus neu zu beginnen. Über den Drehregler für die Modulationsquelle kann man aber nicht nur die verschiedenen Schwingungsformen des LFO anwählen, sondern es gibt noch eine sechste Position, die in der Standardbelegung die Filterhüllkurve als Modulator bestimmt. Allerdings lässt sich diese Belegung in einem Menü ändern, so dass noch eine Anzahl anderer Quellen herangezogen werden kann, unter anderem so spannende Gestalten wie die Tonhöhen des Sequencers. Apropos Menü: In diesem kann auch eingestellt werden, ob und wie stark sich ModWheel, Velocity oder Aftertouch (oh, den hatte ich noch gar nicht erwähnt) auf die Modulationsintensität auswirken. Bei den Modulationszielen haben zwei prominente Vertreter ihren eigenen Platz im Layout: die Tonhöhe der Oszillatoren, wahlweise für einen oder beide, und die Cutoff-Frequenz des Filters. Über zwei dedizierte Drehregler lassen sich hier negative oder positive Modulation einstellen. Zusätzlich zu diesen beiden Zielen lässt sich in beiden Modulationssektionen noch ein drittes wählen, wobei ich hier aus der Vielzahl der Möglichkeiten vor allem die Modulation der Schwingungsformen der Oszillatoren erwähnen möchte. Da – dazu gleich mehr – die Oszillatoren Moog-typisch übergangslos zwischen Schwingungsformen überblenden können, sind mit dieser Option spannende Effekte zu erzielen, nicht zuletzt natürlich eine Pulsbreitenmodulation.

Herz eines jeden Analogsynths sind selbstverständlich die Oszillatoren. Der Sub 37 besitzt deren zwei, wobei eine Oktave unterhalb von Osc 1 ein Suboszillator seinen Dienst versieht, der mit einer Rechteckschwingung nötigenfalls für Bassfundament sorgt. Wie von anderen Moog Geräten bekannt, werden die Schwingungsformen der Oszillatoren nicht etwa per Schalter gewählt, sondern es lässt sich mit einem Drehregler stufenlos zwischen ihnen überblenden, was einen entsprechenden Klangreichtum zur Folge hat. Die Fußlagen werden per Drehschalter eingestellt und liegen zwischen 16' und 2'. 32' könnte man hier vermissen, was allerdings durch das Vorhandensein des Suboszillators und vor allem aufgrund der leichten Transponierbarkeit der Tastatur nicht wirklich von Belang ist. Oszillator 2 kann man wenig überraschend in Bezug auf Oszillator 1 verstimmen und zwar plus/minus sieben Halbtöne. Schaltet man „Keyboard Reset“ ein, starten die Schwingungsformen bei jedem Keyboard Trigger ihren Zyklus erzwungenermaßen von vorne. Natürlich ist auch ein „Hard Sync“-Feature an Bord, das die Oszillatoren in den Gleichschritt nötigt. Weniger üblich ist die Funktion „Beat Frequency“. Bei dieser stellt man per Poti einen konstanten Verstimmungsabstand zwischen den Oszillatoren her. Nun könnte man sich fragen, wozu das nötig ist, da ja das Detune bereits mit dem Tuning-Regler von Oszillator 2 hergestellt wird. Verstimmt man die Oszillatoren zueinander (und die erzeugten Frequenzen liegen relativ nah beieinander), so entsteht in der Regel eine kombinierte Schwingung, die eine rhythmisierte Schwebung hat, so dass eben eine Art „Beat“ wahrnehmbar ist. Das Tempo dieses Beats ist allerdings abhängig von der gespielten Tonhöhe – bei einem Intervall von einer Oktave verdoppelt sich die Geschwindigkeit. Über den Regler „Beat Frequency“ hat man nun aber die Möglichkeit, diese Verstimmung und also das Tempo der Schwebung über die ganze Tastatur konstant zu halten, was eben einen homogeneren Sound produziert. Ein weiteres großartiges Feature der Oszillatorsektion ist die Duophonie. Wird diese aktiviert, gehen die Oszillatoren jeweils eigener Wege und man kann zweistimmig spielen. Dabei kann über einen Taster festgelegt werden, ob Oszillator 2 die höchste oder tiefste angeschlagene Note produziert. Auch lässt sich einstellen, dass Oszillator 2 einen konstanten, also keyboardunabhängigen Ton erzeugt, wobei sich der Umfang des „Frequency“-Reglers auf plus/minus drei Oktaven erweitert.

In der Mixersektion laufen wie immer die Fäden zusammen. Die Signale der Oszillatoren, des Noise Generators und einer externen Klangquelle lassen sich ein- und ausschalten bzw. in ihrer Lautstärke regeln. Die vom Minimoog bekannten Kippschalter sind hier runden, hintergrundbeleuchteten Buttons gewichen, die diesen gegenüber den großen Vorteil haben, dass sie ihren Status gemäß Preset anzeigen können. So lässt sich leicht erkennen, welche Klangquelle überhaupt aktiv ist. Zwei Features dieser Sektion verdienen eine besondere Erwähnung, und beide haben mit Sättigung zu tun. Diese stellt sich nämlich ganz sanft ein, sobald man die jeweiligen Lautstärkeregler über die Mittelposition hinaus aufdreht. Und zusätzliche Würze lässt sich erzeugen, indem man den Regler für den Pegel des externen Signals betätigt. Liegt ein solches nämlich nicht an, fungiert das Poti – wie vom Model D bekannt – als Feedbackregler, mit dessen Hilfe der Output des Mixers noch einmal dessen Eingang zugeführt wird. Als Voyager Besitzer muss man an dieser Stelle kurz schlucken, da dem großen Bruder des Sub 37 diese Möglichkeit fehlt und man sich mit haarsträubenden Verkabelungstricks behelfen muss.

Auch beim Filter ist der Sub 37 bestens aufgestellt und bietet weitaus mehr Möglichkeiten als der Little Phatty. Die Filtergüte ist nämlich in gleich vier Stufen wählbar (und zwar per Taster auf dem Panel und nicht wie beim Voyager und Little Phatty in einem Menü) und kann auf 6 dB, 12 dB, 18 dB oder 24 dB pro Oktave eingestellt werden. Dies erzeugt gleich eine große Bandbreite an Soundmöglichkeiten. Unabhängig davon ist das Filter selbstoszillierend. Eine schöne Überraschung in der Filtersektion bereitet der vom Sub Phatty bekannte Regler „Multidrive“. Streng genommen handelt es sich dabei gar nicht um eine Funktion des Filters, sondern um ein eigenes Verzerrungsmodul, das zwischen Filter und Verstärker angesiedelt ist. Mit seiner Hilfe lässt sich etwas hinzufügen, das von sanfter, röhrenartiger Verzerrung bis hin zu Bissigem reicht. Offenbar beschränkt sich die Funktion des Multidrive aber nicht auf eine einfache Verzerrung, sondern das Ganze interagiert, wie im Klangbeispiel zu hören, auch mit der Filterresonanz, der Oszillator-Schwingungsform und dem Oszillator-Pegel. Insofern ist dieser Anheizer funktional durchaus sinnvoll in der Filtersektion untergebracht.

Neben der Output-Sektion, die wie erwähnt einen Regler für die Hauptlautstärke, einen Mute-Schalter sowie Kopfhörerpegel und -ausgang bietet, bleiben uns die Hüllkurven für Filter und Verstärker. Diese lassen zunächst eine gewöhnliche ADSR-Architektur vermuten, präsentieren sie sich doch mit vier entsprechenden Drehreglern. Allerdings wird einiges mehr geboten, wie diverse weitere Buttons zeigen. Über einen Taster lassen sich nämlich die sekundären Funktionen der Regler einschalten, so dass eine Delay-Zeit vor Einsetzen der Attack-Phase eingestellt und ein Hold-Intervall vor dem Decay festgelegt werden kann. Somit lassen sich die Kurven zu einer komplexen DAHDSR-Form aufpumpen. Darüber hinaus können Keyboard-Track und Velocity-Abhängigkeit eingestellt werden. Damit nicht genug, bieten die Envelopes die Möglichkeit des Multitriggerings. Dieses bewirkt, dass die Hüllkurven beim Legatospiel bei jedem Ton neu gestartet werden, so dass der Attack des Sounds immer erhalten bleibt. Zusätzlich können die Hüllkurven über einen „Reset“-Schalter dazu gebracht werden, bei jedem Tastenanschlag von Null zu starten und nicht, wie es üblich ist, bei dem Attack-Wert weiterzumachen, den sie gerade erreicht hatten. Weiterhin lassen sich die Hüllkurven synchronisieren, wobei man im Edit-Menü des Presets ein Teilungsverhältnis hierfür festlegen kann. Durch das Einschalten des „Loop“-Buttons wird bewirkt, dass die Hüllkurve nicht nur einmal durchlaufen wird, sondern bei gehaltener Taste durch die Stationen Delay, Attack, Hold, Decay und Release loopt. Dies verwandelt die Envelopes faktisch in eine Art komplexer LFOs. Schließlich: Über den Button „Latch“, der im Handbuch leider vergessen wurde, wird die Release-Zeit auf unendlich geschaltet, so dass der gespielte Ton, zumindest im Falle der Verstärker-Hüllkurve, dauerhaft erklingt.

Wer sich bravourös durch die zurückliegenden Absätze gekämpft hat, wird verstanden haben, dass der Sub 37 eine für einen so kompakten Synthesizer erstaunliche Fülle an Möglichkeiten bietet. Dabei sind in den Untermenüs sogar noch einige Details versteckt, die ich dem eigenen Entdeckerdrang des Lesers überlasse. Die Frage, die sich natürlich stellt: Wie lassen sich diese ganzen Features bedienen?

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