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Test
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22.02.2017

Moog Minimoog Model D Test

Analoger Super Mono Synthesizer

Shut up and take my money!

Lang` habe ich gewartet und die Vorfreude war entsprechend riesig. Nun steht er endlich vor mir: Der Minimoog, Model D – von Moog, logisch. DER Synth schlechthin, quasi die Blaupause für jeden anderen, musikalischen Monosynth. Denn der Haupterfolg des schicken Holzkastens fußt nicht nur auf seinem Klang, sondern vor allem auch auf seinem äußerst logischen und vor allem sehr pragmatischen Aufbau, sodass ihn vor allem Musiker – und nicht nur Atomphysiker –  zum Leben erwecken können. Signalfluss von links nach rechts, zwei Oszillatoren, ein dritter als Modulator nutzbar, Rauschen, Mixer, Filter, Hüllkurve, dicke Knöpfe. Und halbwegs bezahlbar – damals. 

Nun hat Moog ein sogenanntes Reissue, eine Neuauflage, herausgebracht: Fast 50 Jahre später und sehr zum Ärger aller Vintage-Sammler, denn Angebot und Nachfrage bestimmen bekanntlich den Preis. Dafür wurden sogar extra Bauteile gefertigt, die wie zu alten Zeiten in Handarbeit auf dicke Durchsteck-Platinen gepfropft wurden – nix SMD!

Ein paar Extras wurden dennoch verbaut und auch ein paar kleine Abweichungen zum Original gibt es – allerdings alles im Sinne des Erfinders und der Nutzbarkeit. Und dass sollten wir uns doch auch einmal im Detail anschauen!

Details

Once there was a Moog

Der Moog Minimoog Model D ist eine Neuauflage des Synth-Klassikers schlechthin, welcher von 1970 bis 1982 gefertigt und verkauft wurde. Model D deswegen, weil es vorher die Prototypen A, B und C gab, bis der Minimoog mit dem Model D seine endgültige Form erhielt, für die er heute berühmt ist.

Der Minimoog war quasi einer der ersten „vorverkabelten“ Synths, also nicht modular. Er war so konzipiert, dass Musiker schnell und einfach musikalisch nutzbare Klänge erzeugen können. Der Rest ist Geschichte – und dabei belassen wir es jetzt auch. Die ganze Entstehungsgeschichte der Moog Synthesizer hat mein Kollege Sebastian Berweck in seinem Feature Geschichte der elektronischen Musik #9 aufgeschrieben.

Drei Oszillatoren und ein Fünffach-Mixer

Überspringen wir zunächst die Controller und die Modulationssektion und gehen direkt zur „Oscillator Bank“ des rund 15 kg schweren und äußerst massiven Okolyten aus Holz und Blech über. Der Minimoog besitzt drei Oszillatoren, jeder mit sechs Fußlagen inklusive Low-Frequency ausgestattet sowie mit je sechs Wellenformen gesegnet, als da wären: Dreieck, Dreieck/Sägezahn-Mischung, Sägezahn, Rechteck (50/50), weites Rechteck und enges Rechteck. 

Oszillator 2 und 3 können relativ zu Oszillator 1 um ca +/- 7,5 Halbtöne verstimmt werden. Ferner kann Oszillator 3 vom Keyboard-Pitch entkoppelt werden, um ihn auch als Modulator nutzbar zu machen. Außerdem verfügt dieser über einen umgekehrten Sägezahn anstatt des Dreieck/Sägezahn-Mischsignals.

Anschließend geht es signalflusstechnisch in den Mixer, wobei jeder OSC über einen eigenen Volume-Regler und auch ON-Schalter verfügt, welcher durchaus auch sehr musikalisch nutzbar ist. Außerdem können Rauschen (weiß oder pink) und ein externer Eingang hinzugemischt werden. 

Ist nichts an den externen Eingang angeschlossen, wird das Ausgangssignal zurückgeführt, wodurch der Mixer überfahren werden kann, um leichte Overdrive-Farben bis hin zur massiven Distortion hinzuzufügen. Fährt der Mixer ins Clipping, so leuchtet entsprechend das Overload-Lämpchen. 

Soviel vorweg: Es klingt sehr schön, wenn der Moog verzerrt! Dazu ein kleines Video, das das Rechteck mit den parallelen Fußlagen 16', 8' und 32' sowie ein paar Modulationen zeigen soll.

Moog Filter, zweimal ADS und clevere Output-Sektion

Nachfolgend geht es in den VCF und VCA. Aber Halt: Nicht in irgendein Filter – Nein! - in DAS Filter schlechthin; der heilige Gral der subtraktiven Synthese, der Quell des typischen Moog-Sounds: Das 24 dB/Oct Moog Ladder Tiefpass-Filter, was so heißt, weil der Schaltplan an eine Leiter erinnert. Manchmal wird es aber auch Moogsches Kaskadenfilter genannt, aber das nur am Rande. Fest steht: Keine Filterschaltung wurde und wird so häufig kopiert und nachgeahmt wie diese hier.

Es gibt ein einstellbares Cutoff und natürlich die Resonanz, hier Emphasis genannt, sowie eine simple ADS-Hüllkurve inklusive „Amount of Contour“, einen Intensitätsregler für den Envelope. Der Amp, hier „Loudness Contour“ genannt, verfügt ebenfalls über eine ADS-Hüllkurve. Und das war es auch schon an Envelopes bzw. „Modifiers“. Reicht aber auch.

Rechts außen befindet sich die Output-Sektion inklusive Volume-Regler und Output-ON bzw. -OFF Schalter. An sich nichts besonderes, möchte man meinen, dennoch zeigt bereits dieses Feature, wie sehr Herr Robert Moog schon damals an den Musiker dachte, damit dieser seinen Synth vom Speaker nehmen kann, während er auf der Bühne den nächsten Sound einstellt. Selbstverständlich braucht es dafür auch einen Kopfhörerausgang inklusive einem eigenen Regler, der sich entsprechend darunter befindet. Ein 440 Hz Testton Schalter zum Kalibrieren und der Hauptschalter runden den ersten Überblick ab.

Blau vs. Rot

Jetzt haben wir bereits alle blauen Schalterchen besprochen, welche für Klangeinstellungen zuständig sind. Acht sind es an der Zahl, es kommen jedoch noch fünf orangene dazu, wiederum allesamt für Modulationseinstellungen. Und nun geht es ans Eingemachte, fangen wir diesmal aber der Einfachheit halber rechts an. Keyboard Control 1 und 2: Diese beiden definieren das Key-Tracking, ergo ob das Filter bei höheren Notenwerten weiter geöffnet wird, und dies von „Kein Tracking“ zu „1/3 Tracking“ (1=On, 2=Off), zu „2/3“ (1=Off, 2=On) oder zu „1“ ( 1=On, 2=On) geschieht. Ist indes Filter-Modulation = On wird das Filter-Cut-Off auch von der Modulationsquelle beeinflusst. 

Gleiches gilt selbstverständlich für die Oscillator-Modulation, wobei hier natürlich der Pitch der OSCs beeinflusst wird. „OSC. 3 Control“ indes deaktiviert die Pitch Steuerung des dritten Oszillators, sodass dieser als ein weiterer Modulator nutzbar wird, dessen Frequenz also nicht vom Keyboard beeinflusst wird.

Modulation und Controllers

Und damit wären wir bei der Modulation, für die es fünf Quellen gibt: Oscillator 3, Filter Envelope, Noise und LFO. Fünf deshalb, weil statt Noise hinten auch ein CV-Eingang namens „Mod.Source“ genutzt werden kann. Das ist neu, genau wie der LFO. Beides hat es beim alten Moog nicht gegeben. Ein äußerst sinnvolles Update. Die Ziele haben wir indes bereits betrachtet (Oscillator Modulation, Filter Modulation). 

Gemixt werden können die Quellen mit „Modulation Mix“. Zu beachten ist, dass dabei entweder OSC3 oder Filter EG bzw. entweder Noise/Mod.Source oder LFO zur Verfügung stehen. Die beiden korrespondierenden, schwarzen Umschalter sind unter dem Mix Regler beheimatet und beim alten Minimoog nicht vorhanden gewesen. Das erklärt auch, warum diese schwarz und nicht orange gehalten sind, da sie so dem Laien nicht sofort ins ungeübte Auge fallen. Ein Tune- und ein Glide-Regler runden die „Controllers“ ab.

Neben der Tastatur befindet sich auch die „Performance“ Sektion mit dem Pitch- und dem Mod-Wheel sowie dem Glide und Decay-Schalter, wobei mit letzterem die Ausschwingphase abgeschaltet werden kann. Einziger Wermutstropfen: Die Fußschalter-Buchsen für die zusätzliche Aktivierung von Decay und Glide fehlen.

Originalgetreu, aber sehr altertümlich ist indes die äußerst starre Fixierung des Pitch-Wheels in der Mittelposition, an der sich schon seit Generationen die Geister scheiden. Neu ist wiederum der LFO-Rate-Regler, weil ja auch der LFO an sich neu ist. Besonders clever dabei: durch leichtes Herausziehen kann hier zwischen Dreieck- oder Pulse-Welle umgeschalten werden. Die Positionierung des LFO-Reglers neben dem Pitch und Mod-Wheel ist aus Performance-Sichtweise genial. Und einmal mehr wird klar: Das hier ist kein Nerd-Synth, nein das hier ist ein Musiker-Synth! 

Internal Control Outputs

Ein paar Detail-Unterschiede habe ich bereits erklärt, dabei handelt es sich meist um Dinge, die einige Nutzer teilweise auch schon vorher als Modifikationen selber eingebaut haben oder einbauen lassen haben. Der grundsätzlich wichtigste Unterschied ist aber die Klaviatur. Diese stammt von Fatar und ist im Prinzip vom Rest des Synths entkoppelt, sodass dieser genauso analog und vintage sein kann, wie früher. 

Digital inklusive MIDI-Trio ist also nur das „neue“ Klaviatur-Modul und selbst das kommuniziert mit dem Synth wie auch früher auch nur via „CV/Gate“. Möchte man also auch den Aftertouch und die Velocity der wirklich sehr guten 44-Tasten-Klaviatur nutzen, so muss man dies zunächst rückseitig patchen. Zur zusätzlichen Abschwächung gibt es ein paar Stift-Trim-Potis. Ebenfalls gut, statt S-Trigger kommt nun V-Trigger zum Einsatz.

Wie man dem XLR-artigen Stromstecker ansehen kann, gibt es kein internes Netzteil, was durchaus ungeil ist, da das mitgelieferte Netzteil nicht gerade zu einer weit verbreiteten Spezies gehört. Es werden durch diese externe Bauweise sicherlich auch Einstreuungen vermieden, ein modernes High-Tech Netzteil mit interner Behausung hätte meiner Einschätzung nach an dieser Stelle sicherlich nicht geschadet. Sei es drum.

External Control Outputs

Wenn man mit extra Signalen aus dem Synth heraus kann, sollte man natürlich auch wieder rein können. Am Ur-Moog gab es dafür nicht soviele Eingänge, zumindest nicht im Werkszustand. Hier war man bei der Neuauflage spendabler. An die Steuermöglichkeiten eines modernen Synths kommt der Minimoog dennoch nicht ran, was aber absolut nicht schlimm ist. Man bedenke, dass ein oftmals gehörter Kritikpunkt am Moog Voyager jener war, das man durch dessen digitale Bedienelemente das Stepping auf den Modulationen durchaus hören konnte. Lange Rede, kurzer Sinn: Es gibt Loudness-, Filter-, Oscillator- und Mod.Source-Eingänge sowie einen external V-Trigger Input.

Es bleibt zu sagen, dass es auch einen Line-Eingang, sowie zwei Ausgänge für unterschiedliche Loads, sprich Speaker (Low) oder Line-Out (High), gibt. Etwas unglücklich ist der Umstand, dass sich die Audio I/Os zwischen Internal und External Controls befinden, aber nun gut.

Die Oberseite lässt sich außerdem fünfstufig anwinkeln, wobei die Mechanik äußerst rustikal ist. Vier Schrauben und ein Stück Blech zum drunter keilen. Naja. Blöd nur, dass es keine Fixierung für die Tieferlegung gibt, sodass der Transport etwas fragwürdig wird, auch, weil es keinen Tragegriff oder ähnliches gibt. Soviel Vintage hätte nicht unbedingt sein müssen.

Da ich aber nicht mit Genörgel in die Praxis übergehen möchte, noch etwas richtig Positives: Die Verarbeitung ist ein Traum in Echtholz! Die Potis fett und massiv, mit genügend Platz dazwischen. Alle Schalter schalten sich solide und erwecken Urvertrauen. Ein echter Rock ´n Roller eben, der Minimoog!

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