Gitarre Hersteller_Mooer
Test
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03.03.2020

Mooer SD75 und SD30 Test

Modelling-Comboverstärker mit Bluetooth für E-Gitarre

Taschengeld-Modeller

Mit den Mooer SD75 und Mooer SD30 Modelling-Amps vereint die chinesische Company das Beste aus beiden Welten: Zum einen bieten die beiden Verstärker Mooers digitale Modelling-Technologie und ein mehr als nur üppiges Effektarsenal, und zum anderen sind die Combos mit echten Gitarren-Speakern ausgestattet.
Das heißt, hier kommen keine FRFR (full range flat response) Lautsprecher zum Einsatz, weil echtes Amp-Feeling aufkommen soll, ohne auf Speakersimulationen ausweichen zu müssen. Die größere SD75 Variante ist mit einem 12", das kleinere SD30 Modell mit einem schnuckeligen 8" Cabinet ausstaffiert, und beide verfügen sogar über einen Looper und einen integrierten Drumcomputer - und sie warten auf einen eingehenden Praxischeck.

Details

Gehäuse/Optik

Die beiden Mooer-Amps kommen im Combogehäuse mit grau-weißem Tolex bezogen, das sehr futuristisch und edel wirkt und tadellos verarbeitet wurde. Der SD75 besitzt die Maße 56,5 x 44,5 x 27,5 cm und bringt 16 kg auf die Waage, während der kleinere Bruder mit den Maßen 42 x 35,5 x 21,5 cm und einem Kampfgewicht von 8,3 kg zu Buche schlägt.
Die Frontbespannung ist schwarz-weiß und verbirgt den 8-Ohm-Mooer-Custom-Lautsprecher, der in einer 12" Variante beim SD75 und in der 8" Version beim SD30 vorliegt. Diese sind fest an die Endstufe angeschlossen und lassen sich nicht abstecken. Die Ausgangsleistungen der Amps liegen, wie die Bezeichnungen vermuten lassen, bei 75 bzw. 30 Watt.

Die Bedieneinheit ist auf der Oberseite angebracht. Hier finden sich beim SD75 sieben Potis, ein Endlos-Drehwähler, 16 Taster und ein LCD-Display. Außerdem warten der Input als 6,3 mm Klinkenbuchse sowie Kopfhörer und Aux-In im Miniklinkenformat. Der SD30 muss sich mit fünf Potis, einem Endlos-Drehwähler und 14 Taster begnügen, während die Buchsen und auch das LCD-Display identisch zur großen Version sind. Vor dem Bedienpaneel ist ein Tragegriff aus Kunstleder befestigt, an dem man die handlichen Amps sicher transportieren kann.

Die Rückseite offenbart weitere Anschlüsse, darunter einen Einschleifweg, einen USB-Eingang, einen Speaker-Out, der für zusätzliche Cabs zwischen 8 und 16 Ohm ausgelegt ist und den internen Lautsprecher umgeht, einen XLR-Out und die Kaltgerätebuchse für die Stromversorgung. Dazu der Netzschalter sowie ein Groundlift-Schalter gegen Brummprobleme. Die Spannung lässt sich auch für Gigs in Übersee von 220/240V auf 110/120V umschalten. Beim SD30 entfällt leider der XLR-Out samt Groundlift.
Interessanterweise sind die Cabinets auch hinsichtlich ihrer Rückseite unterschiedlich konzipiert: Der 75-Watter kommt mit offenem, der 30 Watter mit geschlossenem Gehäuse. Der Boden ist bei beiden Combos mit vier Gummifüßen ausgestattet, die für Kratz- und Rutschsicherheit sorgen.
Zum Lieferumfang gehören ein kleines Manual, der Kaltgerätestecker und im Falle des SD75 der C4 Bluetooth-Fußschalter mit seinen vier Buttons, auf den weiter unten noch eingegangen wird.

Mooer SD75 - Rückseite

Mooer SD30 - Rückseite

Bedienung

Die Mooer SDs sind als digitale Modelling-Amps mit Class AB Transistorendstufe ausgelegt. 40 Presets stehen dem User zur Verfügung, die in 10 Bänken (Bank 0-9) zu je vier Voreinstellungen organisiert sind.

Presetschaltung

Anwählen kann man die Presets entweder über den Value-Drehwähler oder über die vier Preset-Taster, die links neben dem Display angeordnet sind. Beim SD75 lassen sich die Bänke über separate Taster durchsteppen, beim SD30 dreht man lediglich mit dem Endlospoti durch alle Presets. Auch per Fuß kann man zwischen den Programmen innerhalb einer Bank schalten. Mooer bietet hierzu den C4 Airswitch an, dessen Besonderheit die kabellose Verwendung ist, denn die Anbindung über Klinkenstecker zum Schalten ist nicht vorgesehen. Dies ist sicherlich innovativ, inwieweit es allerdings sinnvoll ist, dies für den strapaziösen Live-Alltag als einzige Schaltoption anzubieten, mag fraglich sein. Nicht vergessen darf man jedoch den Preis und auch die Zielgruppe dieser Amptypen, die sich eher im Gitarrenneuling-, Schüler- und Hobby-Bereich bewegen dürfte.
Um den Fußschalter mit dem Amp zu verbinden, muss lediglich eine Tastenkombination gedrückt werden, während der Amp bootet, und schon ist man im Rennen. All das verlief im Test ohne Probleme. Der C4 hat eine Reichweite von ca. fünf Meter und arbeitet ausschließlich mit einem 9V-Block, besitzt also keinen Netzteilanschluss. Beim SD75 ist der Fußschalter inkludiert, während er beim SD30 optional erworben werden muss.

Mooer SD75 - Bedienpanel

Mooer SD30 - Bedienpanel

Editierung

Alle Presets lassen sich selbstverständlich bearbeiten und auch überschreiben. Zur Auswahl stehen fünf Effektblöcke: OD/DS für Overdrives und Zerrpedale, Amp für die gängigen Verstärkermodelle, Mod für Modulationseffekte, Delay (mit Tapfunktion am Panel) und Reverb. Interessanterweise wurde kein Kompressor in den Effektreigen aufgenommen.
Nichtsdestotrotz verfügen die SDs über ein üppiges Arsenal an Effekten. So stehen 25 Ampmodelle, 8 Verzerrer, 9 Modulationseffekte, 5 Delays mit Tap-Tempo und 6 Reverbs zur Verfügung. Ein spezielles EQ-Modul gibt es nicht, aber im Amp-Modul findet man einen Bass-, Mitten-, Treble- und Präsenzregler. Auch ein Noise-Gate ist dort integriert, das auch Amps bei höheren Gainsettings in Bezug auf ihre Nebengeräusche etwas zu zähmen vermag.

Die Editierung ist kinderleicht: Man drückt auf den gewünschten Modultaster, wobei zweimaliges Drücken das Modul gänzlich deaktiviert, und kommt von der Play- auf die Editierebene. Mit dem Value-Endlospoti navigiert man zum gewünschten Parameter, der nach einmaligem Drücken des Potis auch über dieses verändert werden kann. Wer es gerne haptisch traditionell mag, kann die Ampeinstellungen auch an den schwarzen Kunststoffpotis vornehmen. Mit dem Save-Taster lassen sich die Voreinstellungen auf auswählbare Speicherplätze ablegen und auch mit Preset-Namen versehen.

Tuner

Auch ein Stimmgerät ist an Bord, zu dem man über den Tuner-Taster gelangt. Hier kann sowohl die Kalibrierung eingestellt als auch festgelegt werden, ob der Amp beim Stimmen stummgeschaltet wird oder in den Bypass-Modus geht.

Looper/Drum-Computer

Der Jam-Modus führt zu einem Looper, der insgesamt eine Looplänge von 150 ms anbietet. Auch ein Drumcomputer mit 40 Groove- und 10 Metronom-Pattern ist in den SDs enthalten, die sich sogar mit dem aufgenommenen Loop so synchronisieren lassen, dass Groove und Loop gleichzeitig starten. Hierzu muss man im Modul den Bar-Loop-Modus (im Gegensatz zum Free-Loop-Modus) aktivieren, für den auch eine Einzählfunktion vorhanden ist.

Externe Geräte

Zum häuslichen Üben, Rekorden oder direktes Spielen in ein Mischpult sind die SDs mit einem Kopfhörerausgang oder im Falle des SD75 mit einem zusätzlichen XLR-Out ausgestattet. Hier liegt eine aktivierbare Speakersimulation an, die jedoch fix ist und nicht verändert werden kann. Das heißt, dass unterschiedliche Lautsprecher oder gar das Laden von Impulsantworten nicht vorgesehen ist. Der XLR-Ausgang des SD75 erlaubt jedoch das Deaktivieren der Cabsim, sodass in der DAW mit diversen Optionen gearbeitet werden könnte. Ist der XLR-Out verbunden, bleibt der interne Speaker dennoch aktiv, was den Vorteil mit sich bringt, dass man live in ein Pult spielen und den SD75 trotzdem als Monitor verwenden kann. Für leise oder stumme Recordings in Mietwohnung beispielsweise wird man wohl auf den Kopfhörerausgang ausweichen müssen. Externe Audiogeräte, wie mp3 Player, Handys etc, lassen sich entweder über die Miniklinkenbuchse oder aber via Bluetooth verbinden, wobei die SD-Amps als "MOOER SDAMP" angezeigt werden.

System Im Systemmenü lassen sich grundlegende Einstellung vornehmen wie z.B. das Ein- und Ausschalten der Bluetooth-Verbindung oder der Verbindung des Fuß-Controllers. Auch das Zurücksetzen des Systems samt Presets auf Werkseinstellung erfolgt hier.
Beim SD75 lässt sich in diesem Unterpunkt noch festlegen, ob der XLR-Ausgang global für alle Presets mit einer Speakersimulation belegt ist.

Der USB-Anschluss ermöglicht die Anbindung an einen Computer, allerdings nur zum Updaten der Firmware. Ein Editor ist zum Testzeitpunkt (Januar 2020) nicht vorgesehen und auch zum Aufspielen von Updates gab die Website keine Informationen.

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