2012_Jahresrueckblick Workshop_Folge Software
Workshop
2
31.03.2015

Mixing-Fehler 1-5

Timing, Stimmung, Soundabstimmung, Phase, Arrangement

Wir helfen euch

Fehler 1: Ungenaues Timing und Stimmung

Wahrscheinlich die größte Schwäche hausgebrauter Mischungen: Heutzutage sind Hörer nun mal an unnatürlich „tightes“ Timing und perfekte Stimmung gewöhnt, egal ob man es mag oder nicht. Ein entspannntes Laid-Back Feel ist eine Sache, aber Schlampigkeit in dieser Abteilung ist einer der schnellsten Wege, euren Mix nach Demo klingen zu lassen. Über 90 Prozent der Amateur-Mixe, die ich zu hören bekomme, nehmen diese Hürde leider nicht. Während der Proben, der Aufnahme, beim Overdubben und Bearbeiten wird hier nicht sorgfältig genug gearbeitet.

Da man die verfügbaren Tools zur Bearbeitung sehr leicht falsch einsetzen kann, bleibt auch von den verbleibenden Home-Recordern, die hier erheblichen Aufwand betreiben, nur ein kleiner Teil mit wirklich guten Ergebnissen über. Na klar weiß ich, dass einige Leute solche Korrektivmaßnahmen vehement ablehnen, da sie die Emotion in der Musik „killen“ können. Meine Antwort darauf ist, dass eine gute Bearbeitung nur die der Musik im Weg stehenden Ungenauigkeiten beseitigt, aber nicht die, die ihr dienen. Oder anders gesagt: Nur weil ein paar Verrückte rumlaufen und Menschen niederstechen, bedeutet das nicht, dass Messer komplett verboten werden müssen! Selbstverständlich müsst ihr aufpassen, dass ihr eure Maßnahmen nicht zu weit treibt, aber meiner Erfahrung nach läuft der allergrößte Teil der hausgemachten Produktionen nicht Gefahr, hier über das Ziel hinaus zu schießen. Hier ein paar Tipps und Tricks die euch beim Aufräumen helfen:  

• Timing-Korrektur bedeutet nicht, alles ins Taktraster eures Sequenzers zu pressen und quantisieren. Es geht vielmehr darum, Unstimmigkeiten zwischen verschiedenen Instrumenten eures Arrangements zu beseitigen. Die Drum-Wellenform ist deshalb in der Regel eine bessere Referenz als das Taktraster eurer Software.

• Vollautomatische Tonhöhenkorrektur wird Genauigkeit und Musikalität fast nie akzeptabel kombinieren. Seid also darauf vorbereitet, Zeit dafür aufzuwenden, die Pitch-Correction-Werkzeuge manuell nachzujustieren.

• Für das Timing ist der Endpunkt einer Note fast so wichtig wie der Anfang, besonders bei Basslinien.

• Egal, ob ihr Timing oder Tonhöhe bearbeitet: Vermeidet die Versuchung, mehr auf die Augen als auf die Ohren zu vertrauen. Der Blick auf Wellenformen und Pitch-Displays beschleunigt natürlich die Bearbeitung, aber es kommt vor, dass das Display „korrekt“ anzeigt, es sich aber immer noch struppelig anhört (oder anders herum).

• Man verliert sehr leicht die Objektivität bei der Bearbeitung von Timing und Stimmung. Macht also regelmäßig Pausen und hört euch vor Abschluss eurer Arbeiten mindestens einmal den ganzen Track an (möglichst ohne auf den Bildschirm zu starren).

Beispielmixe (Klick auf Zahl öffnet Link): Obwohl ein Großteil der Einsendungen die Tonhöhe ziemlich unbearbeitet lässt, gibt es einige Mixe (17, 20 und 39 zum Beispiel), die hier einen guten Job machen. Keiner der Mixe macht das Timing tight genug für meinen Geschmack, was deutlich macht, wie wenig man sich über die Wichtigkeit bewusst ist – besonders für Rockproduktionen.

1 / 5
.

Verwandte Artikel

User Kommentare