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Workshop
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19.07.2015

Mixing #5 - Dynamik-Bearbeitung

Wie benutzt man einen Kompressor?

In der letzten Folge dieser Workshop-Reihe habt ihr die Grundlagen für das EQing kennengelernt. Nun kann es aber sein, dass trotz des Ordnungschaffens in den Frequenzbereichen lautstärkemäßig immer noch nicht alles passt.

Vielleicht ändert sich die Lautstärke eines Instruments im Song, vielleicht kommen nach und nach andere Signale hinzu, was eigentlich ständiges Nachregeln erforderlich macht.

Kompressoren verdichten - wie der Name schon sagt

Es gibt ein Effektgerät (natürlich auch als Plug-In in eurer DAW), welches sich "Kompressor" nennt und die Unterschiede zwischen den leisen und den lauten Passagen eines Signals kleiner macht. Dieser Unterschied wird "Dynamik" genannt, diese Dynamik wird durch den Kompressor zusammengedrückt (komprimiert). Das Tolle ist, dass ein solcher Kompressor das nicht nur im Laufe eines Songs tut, sondern ziemlich schnell reagieren kann. So kann der Kompressor beispielsweise den recht lauten Beater-Attack einer Bassdrum und den nachfolgenden "Wumms" zusammendrücken. Dadurch ändert sich bisweilen ganz extrem der Soundcharakter: Kompressoren sind nämlich bestimmt nicht nur technische Hilfsmittel, sondern auch ganz eindeutig "Klangformer".

Eine Frage des Startlevels - Threshold

Wie derartige Kompressoren arbeiten, ist von der Art des Geräts oder der Software abhängig, aber meist funktionieren sie wie folgt: Oberhalb eines Pegels, der von euch eingestellt werden kann, verringert der Kompressor seinen Output. Dies tut er umso stärker, je lauter das Signal ist. Dieser wichtige Punkt, ab dem der Kompressor tätig wird, nennt sich Threshold (engl. für "Schwellwert"). Solltet ihr diesen Threshold vergebens suchen, dann ist er fest voreingestellt. In diesem Falle könnt ihr dennoch mit "Input Gain" bestimmen, welcher Signalanteil darüber und wie viel darunter liegt.

Eine Frage des Verhältnisses - Ratio

Wie stark der Kompressor oberhalb des Thresholds verdichtet, bestimmt die Ratio. Genau betrachtet wird hier das Verhältnis von Eingang- zu Ausgangspegel bestimmt. Was ihr euch merken müsst: 1,5:1 und 2:1 ist eine sanfte bis mittelmäßige Kompression, 4:1, 8:1 oder gar 12:1 eine schon recht starke. Und 1:1 ist dementsprechend? Genau: Gar keine Kompression.

Eine Frage der Zeit(en) - Attack und Release

Die beiden Parameter Attack und Release sind enorm wichtig. Attack ist die Zeit, die der Kompressor benötigt, bis er nach Threshold-Überschreitung des Signals auf die eingestellte Ratio heruntergeregelt hat. Ist die Attackzeit kurz eingestellt, dann macht der Kompressor dies so schnell, wie er kann. Bei längeren Attackzeiten lässt das Gerät noch etwas vom eigentlichen Einschwingvorgang passieren. Das macht bei Anschlagssounds eines Schlaginstruments einen riesigen Unterschied, aber auch bei Vocals und allen anderen Instrumenten ist diese Einstellung nicht unerheblich. Doch Vorsicht: Bei allzu schnellem Herunterregeln durch sehr kurze Attackzeit kann es zu unschönen Knacksern kommen!

Mit Release wiederum stellt man ein, wie lange der Kompressor benötigt, um nach Unterschreiten des Thresholds seine Pegeländerungen zurückzufahren. Auf Maximum gestellt, bedeutet dies oft, dass der Kompressor ständig verdichtet, auf Minimum regelt er so schnell wie möglich nach. Viele Signale, beispielsweise Drums, will man regelrecht "aufblasen": Mit der Release kann man z.B. einstellen, wie "lang" oder "breit" eine Bassdrum ist. Doch auch hier lauert eine Gefahr, besonders bei hohen Ratios: Eine kurze Regelzeit kann ein "Zucken" zur Folge haben, eine etwas längere ein "Pumpen", also einen deutlich nachvollziehbaren Regelvorgang, bei dem man merkt, wie das Signal wieder "auf Normal hochgezogen" wird.

Eine Frage des Make-Ups

Oberhalb des Thresholds verdichtet ein üblicher Kompressor im eingestellten Verhältnis, was er jedoch genau betrachtet macht, ist: er verringert den Signalpegel, macht also leiser! Aus diesem Grund findet man eigentlich immer eine nachgeschaltete Möglichkeit, diesen Verlust wieder auszugleichen und das Signal anzuheben. Make-Up Gain oder Output-Level nennt sich das. Wenn ihr mit dem Kompresor arbeitet und das Make-Up so viel hochzieht, dass das Level-Meter im Kanalzug den gleichen Maximalwert anzeigt wie im Bypass, dann erfahrt ihr noch eine weitere wichtige Konsequenz des Komprimierens: Das Signal wirkt lauter, weil es dichter geworden ist! Unserem Gehör ist nämlich nicht ein Spitzenwert wichtig zur Beurteilung von Lautstärke, sondern ein Durchschnittswert - und der steigt bei Kompression.

Kennenlernen benötigt Zeit

Es ist wie mit eine Beziehung: Um einen Kompressor gut kennenzulernen, benötigt man viel gemeinsame Zeit. Es geht dabei nicht nur um die Erfahrung beim Einstellen von Ratio, Threshold, Attack, Release (und der eventuell weiteren Parameter), sondern auch darum, zu hören, was die Settings bewirken. Probiert zunächst einmal mit mittleren Settings herum, also 2:1 oder 4:1 mit einem Signal, das ständig über den Threshold springt und wieder zurück.

Hier findet ihr ein Beispiel zum Einsatz eines Kompressors:

Extreme

Neben dem Kompressor gibt es noch weitere Effekte zur Bearbeitung der Dynamik. Der Expander macht das Gegenteil eines Kompressors, das Noise-Gate, in Teil 3 dieses Kurses kurz angesprochen, sperrt beim Unterschreiten des Thresholds komplett. Wichtig ist noch der Limiter, der eine Art extrem eingestellter Kompressor ist. Seine Ratio ist sehr hoch, 12:1, 20:1 bis hin zu ∞:1, sein Threshold ist ebenfalls sehr weit oben angesiedelt und seine Zeitwerte Attack und Release äußerst kurz. Hier werden Signalspitzen geradezu "abgesäbelt". Das kann eine höhere Aussteuerbarkeit ermöglichen, ohne dass man ein "Over" oder "Clipping" erhält - dies dient nicht zuletzt auch dem Erhöhen der Lautheit. Allerdings sollte man auch hiermit vorsichtig sein: Schnell bekommt man unnatürliche oder gar zerrende Attacksounds, und rückgängig machen lässt sich das nicht!

Die nächste Folge behandelt ein nur vermeintlich banales Thema: Delays! 

 

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