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06.08.2019

Mischpult-Kanalzug verstehen und benutzen

Ein einzelner Channel eines Mischpults Stück für Stück erklärt

Bestandteile eines Audiomischpults

Auch große Audiomischpulte sind gar nicht so kompliziert, wie es vielleicht den Anschein hat. Im Artikel "Mischpulte verstehen" wurde klar: Bei analogen Mischern erkennt man einen sich häufig wiederholenden, vertikal ausgerichteten Teil. Das sind die so genannten Kanalzüge, in welchen meist ein Signal bearbeitet und „verschickt“ wird. Teil für Teil betrachtet, ist die gesamte Technik einfach verständlich und nachvollziehbar.

Prinzipieller Aufbau eines einzelnen Kanalzugs (Channel Strips)

So ganz stimmt es meist nicht, aber ganz prinzipiell durchläuft ein einzelnes Signal einen Kanalzug von oben nach unten. Oben befindet sich damit die Eingangswahl, unten der Ausgang, im Regelfall als Fader („Flachbahn-Pegelsteller“) erkennbar.

Die typischen Bestandteile eines Mischpult-Kanalzugs sind

  • Meter
  • Eingangssektion und Vorverstärker
  • Filter und Equalizer
  • Aux-Abgriffe
  • Insert(s)
  • Solo- und Mute-Funktionen
  • Routing
  • Fader und Pan/Balance

Einige Mischpult-Kanalzüge bieten darüber hinaus

  • Dynamikfunktionen
  • Off-Tape-Signalführung mit „kleinem“ Routing, diversen „Flip“-Möglichkeiten und eigenem Fader/Mute/Solo
  • Automationsfunktionen

Die einzelnen Kanalzug-Bestandteile

Meter

Das Meter ist eine Pegelanzeige, die bei vielen Mischpulten etwas oberhalb angebracht ist, manchmal auch nur zentral oder auch nur spartanisch vorhanden. Hier wird der Pegel angezeigt, meist jener des Eingangsmoduls für die korrekte Wahl der Vorverstärkung und der des Ausgangs am Fader (umschaltbar). Meter können auch sehr gute Hilfen bei der Fehlersuche sein. #Audio-Metering Basics

Eingangssektion und Vorverstärker

Die Inputsektion eines Kanalzugs an einem Audiomischpult kann durchaus komplizierter sein als es den Anschein hat. Typisch ist es in jedem Fall, hier zwischen Line- und Mikrofonsignalen auswählen zu können und mit Gain, Polarity und Phantomspeisung die typischen Settings vorzufinden. Manchmal kann an dieser Stelle aber noch gewählt werden, welches Signal von welchem Eingang denn überhaupt in den Kanalzug geleitet werden soll. Manche Digitalmischpulte sind besonders flexibel und erlauben in Kanal 1, das Signal des analogen Line-Eingangs 4, in Kanal 2 das des Mikrofoneingangs 16 und in Kanal 3 die beiden ADAT-Signale 7 und 8 durchlaufen zu lassen.  

Filter und Equalizer

Hier unterscheiden sich analoge Mischpulte in Qualität und Ausstattung voneinander. Aber meist gibt es zumindest eine Regelung mit semiparametrischen Mittenbändern, High- und Low-Shelf sowie zumindest einem Hochpassfilter. Es sind jedoch auch sehr üppig ausgestattete Pulte zu finden. Besonders Digitalpulte können diesbezüglich natürlich aus dem Vollen schöpfen. Mehr Information zur EQ-Sektion findet ihr im Artikel „Die 10 größten Fehler beim Equalizing“. 

Aux-Abgriffe

"Aux-Sends", „Behelfswege“ oder „Zusatzabgriffe“: Mischpulte können Signale nicht nur zusammenmischen, sondern auch verteilen. Die Aux-Sektion ermöglicht es, Signale für Kopfhörermischungen abzugreifen oder an Effektgeräte zu versenden. Wichtig ist die Unterscheidung des Abgriffortes, meist einfach nur als „Pre/Post“ bezeichnet. Manchmal gibt es auch andere Begriffe, etwa „Cue“ für die Kopfhörermischungen oder „FX“, wenn Effektgeräte im Mischpult direkt eingebaut sind. Im speziellen Artikel zu Aux Sends findet ihr alle weiteren notwendigen Informationen!

Insert(s)

Anders als Auxe greifen Inserts (eigentlich: „Insert-Send-Return“) das Signal an einer Stelle im Kanalzug ab und erwarten es an der gleichen Stelle zurück. Das wird beispielsweise gemacht, um komplette Signale mit einem externen Effektgerät zu bearbeiten.

Solo- und Mute-Funktionen

Arbeitet man mit vielen Signalen, möchte man auch mal welche einzeln hören oder manche gar nicht. Solo-Funktionen erlauben genau das. Bei manchen Pulten kann das aber ganz schön kompliziert werden!

Routing

Das Routing ist die Abteilung, in welcher man festlegt, wohin das Ausgangssignal des Kanalzugs gesendet wird. Fehlt diese Möglichkeit, dann handelt es sich wahrscheinlich um ein kleines, einfaches Mischpult. Alle anderen besitzen neben dem „Hauptausgang“, über den die meisten Signale zusammengemischt das Mischpult verlassen, noch andere Möglichkeiten. Verbreitet sind die Busse/Subgruppen, zu welchen Signale geschickt werden (Artikel: Subgruppen erklärt). Genutzt wird das für die gemeinsame Bearbeitung verschiedener Signale, aber auch, um Signale aus dem Kanalzug auf einen bestimmten Eingang eines Audiointerfaces oder einer Bandmaschine routen zu können, ohne ein Kabel umstecken zu müssen. Wie diese Busse genau funktionieren, wird später erklärt.

Manche Pulte besitzen zusätzlich auch „Direct Outs“, also eigene Ausgangsbuchsen, an denen das Ausgangssignal des Kanalzugs anliegt. Routingschalter befinden sich bei Analogpulten in vielen Fällen zwischen den Fadern ganz unten, bei einigen aber auch etwas weiter oben oder ganz oben über der Eingangssektion. Digitalpulte haben meist Menüsteuerungen für diesen Vorgang.

Fader und Pan/Balance

Der lange Fader hat sich als Hauptpegelsteller für den Mischpult-Kanalzug durchgesetzt. Nur selten sieht man stattdessen Drehregler. Den Fader muss man wohl kaum erklären, er regelt den Pegel, der zum eingestellten Routingziel geschickt wird (Allerdings gibt es hier durchaus technische Unterschiede.).

Über ihm findet man ein Poti, welches entweder den Namen „Panorama“ („Pan“) oder „Balance“ trägt. Der Unterschied: Panorama gilt für Monosignale, Balance für Stereosignale. Wird ein Monosignal auf den Stereobus (also den „normalen Ausgang“) geschickt, wählt man mit Panorama die Position zwischen Links und Rechts. Es geht auch anders, wie man in „Pan ohne Pan-Regler“ lesen kann! Ist aber ein Routing auf einen bestimmten Bus eingestellt, macht der Panoramaregler etwas anderes: zwischen Odd und Even unterscheiden. Routet man also auf „Bus 3-4“ kann man bei Linksanschlag des Panpots Bus Nummer 3 auswählen.

Besondere Channels und Features

Manche Pulte besitzen Stereokanäle, die zwei Signale tragen können, nämlich „L“ und „R“. Sie verfügen im Gegenzug meist nicht über Mikrofonvorverstärker und haben eine eingeschränkte EQ-Sektion. Oftmals sind in einem Pult nur eine wenige Channels stereo ausgeführt.

Eine Besonderheit sind „Inline“-Pulte, bei welchen das Signal aus dem Aufnahmeraum („To-Tape-Signal“) und das Signal vom Aufnahmesystem zurück („Off-Tape-Signal“) im gleichen Kanal liegen. Dann werden die Dinge flexibel, aber durchaus kompliziert. Es muss mit Schaltern entschieden werden, ob der EQ nun für das To-Tape- oder das Off-Tape-Signal gilt. Ebenso muss ein derartiges „Flip“ oder „Reverse“) für die einzelnen Aux-Sends, manchmal sogar für die großen Fader, ja sogar die Insertpunkte geschaltet werden. Und nicht selten lässt sich in der Mastersektion der Gesamtzustand der beiden Signale invertieren. Beispiel: Ein „Master-Status“ Mixdown legt die Equalizer in den Off-Tape-Weg, weil man ja beim Mischen nicht mehr das Signal aus dem Aufnahmeraum, sondern das des Aufnahmesystems bearbeiten will. Ein Inline-Pult kennen zu lernen, dauert ein wenig, eröffnet aber sehr tolle Möglichkeiten!

Manche Pulte besitzen auch Dynamikfunktionen. Das sind im Regelfall Digitalpulte, die ja nur ein wenig Rechenleistung und Code bereitstellen müssen. Manche mittelgroßen analogen Mischpulte besitzen Einfachst-Kompressoren, einige Großpulte punkten mit umfangreichen Channel-Kompressoren, teilweise sogar mit Gate-/Expanderfunktionen, Channel-Link oder der Möglichkeit, Teile des EQs in den Sidechain zu schalten oder zu de-essen.

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