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12.07.2017

MasterSounds Radius 4 Test

Rotary DJ-Mixer

Bezahlbarer Vierkanal-Boutique-Mixer mit Filter

Kennt ihr auch die Film-Plakate, wo „Von den Machern von ...“ oder „Vom Produzententeam von ...“ draufsteht, um einem eher uninteressanten Film mit unbekannten Schauspieler dem unentschlossenen Kinopublikum näherzubringen. Das geht auch mit Mixern. Und zwar so: Master Sounds Radius 4 – vom Vater der legendären Allen & Heath Xone-Serie. Vom Co-Designer des Richie Hawtin-Mixers PLAYdifferently Model 1. Na, habe ich euer Interesse? Zu Recht, also bitte weiterlesen!

Details

Die Familie der edlen Rotary-Boutique-Mixer bekommt weiteren Zuwachs: Master Sounds Radius 4 ist die vierkanalige Version des im November 2016 vorgestellten zweikanaligen DJ-Mixer Radius 2, der viel Lob einheimste. Wie schon die kleine Vorhut ist der große Bruder in schwarzem und silbernem Finish erhältlich, verfügt über einen analogen Signalweg für minimale Verzerrungen, niedriges Grundrauschen und hohen Headroom und wird in England komplett in Handarbeit gefertigt.

Sämtliche vier Kanäle warten mit Phono- und Line-Eingängen auf. Die beiden ersten verfügen zusätzlich über Mikrofoneingänge, sodass man beispielsweise auch zwei Turntables und zwei Kondensatormikrofone anschließen könnte. Der Mikrofonbetrieb wird durch Druck auf einen dünnen rückseitigen Schalter aktiviert. Gleichzeitig muss als Eingang auf der Mixeroberfläche „RIAA“ für Phono geschaltet sein.

Die vier Kanäle sind stilecht spartanisch bestückt: Die extragroßen und schön linearen Rotary-Lautstärkeregler fühlen sich super an – „smooth mixing“. Sie erreichen 0 dB Unity Gain bei vollem Rechtsanschlag. Man darf und soll also, anders als bei manchem Rotary-Kollegen, den kompletten Regelweg nutzen. Zur Anpassung werden die Gain-Regler genutzt. Darüber befindet sich jeweils ein kreisrunder Cue-Button zum Vorhören des Kanals, der mit einem rot illuminierten Ring Status meldet.

Die nächste Besonderheit ist das 12-dB-Hochpassfilter, mit dem sich die Bässe und Mitten schön organisch von 15 Hz bis 2 kHz herausdrehen lassen, sodass bei voller Rechtsdrehung ein silbrig klingender Höhenanteil erhalten bleibt. Das Filter ist sehr resonanzarm, fiese Frequenzen bleiben aus. Man kann das Filter zwar nicht aus dem Signalweg herausnehmen, aber es klingt einfach toll und immer sehr angenehm.

Über dem HPF findet sich ein kleiner Metallkippschalter, der zwischen Phono- („RIAA“) und Line-Input auswählt. Transformen kann man damit nicht, aber der Radius 4 ist ja auch kein Scratch-Mixer. Der Gain-Regler (hier „Trim“ genannt) hebt das Signal nach rechts gedreht bis um 10 dB an, ganz nach links gedreht wird das Signal komplett gekillt.

Auf der Mixeroberfläche befindet sich zudem ein Poti für den Aux-Send, der sich via Taste pre oder post Rotary-Regler schalten lässt. Die kreisrunden VU-Meter sind ein weiterer Hingucker des Radius 4. Sie sehen nicht nur schön klassisch aus, sie erlauben auch eine intuitive Pegelkontrolle.

Ist kein Cue-Schalter aktiv, zeigen sie den linken und rechten Pegel der Pre-Master-Summe an. Mit eingeschaltetem Vorhörsignal dient das linke VU-Meter als Cue-Indikator, das rechte zeigt nach wie vor das Pre-Master Mix-Signal an. Im Split-Modus sind beide VU-Meter den entsprechenden Signalen im Kopfhörer zugeordnet.  Auch schön: Wenn Cue oder Master mit +6 dB übersteuern, leuchten die VU-Meter blutrot. Schaut toll aus!

Unter dem linken VU-Meter befindet sich der dreibändige Master-EQ/Isolator. Nach rechts gedreht wird um 12 dB geboostet und nach links gedreht das jeweilige Frequenzband vollständig isoliert. Sind alle drei EQ-Potis nach links gedreht, ist das Ausgangssignal gekillt. Die Crossover-Frequenzen sind mit 350 Hz und 3,5 kHz musikalisch sinnvoll gewählt. Leider lässt sich auch der Dreiband-EQ nicht aus dem Signalweg herausschalten.

Ganz rechts dann die Regler für den Masterausgang, die Monitorlautstärke und den Kopfhörerausgang, der mittels rot hintergrundbeleuchtetem Taster gesplittet werden kann: Das Livesignal liegt dann rechts und das Cue-Signal links an. Achtung: Der Kopfhörerausgang ist der mit Abstand lauteste, den ich seit langem an den Ohren hatte. 

Moment mal: Highpass-Filter im Kanal, Dreiband-EQ in der Summe, Aux-Sends mit Pre/Post-Option, das hatten wir doch gerade neulich erst. Und ja, Richie Hawtins PLAYdifferently Model 1 Mixer kommt mit einem ähnlichen Basis-Konzept (angereichert mit Lowpass-Filter, semiparametrischem EQ, Drive-Regler und anderen Finessen).

Der Aha-Moment kommt, wenn man weiß, dass der Mann hinter beiden Mixern der frühere Allen & Heath Xone-Chefdesigner Andy Rigby-Jones ist. Er hat die analoge Elektronik des Radius 4 persönlich entworfen, die sich durch einen sehr sauberen, offenen und dynamischen Klang auszeichnet. Gebaut wird das Innenleben des Mixers bei Union Audio, Andys Firma. Das Mixergehäuse wird in der Metallverarbeitungsfabrik der Familie von Master Sounds Gründer Ryan Shaw: hergestellt, der auch für das Layout und die Qualitätskontrolle verantwortlich zeichnet.

Backpanel

Auf der Rückseite findet man alle Anschlüsse, die ein Clubmixer so braucht: Phono- und Line-Eingänge pro Kanal, zwei XLR-Mikrofonanschlüsse, zwei gut bedienbare Masseschräubchen, Booth-Out in Klinkenausführung, Record-Out in Cinch-Ausführung und den Master-Out in XLR. Zusätzlich gibt es zwei Aux-Outs und zwei Return-Eingänge, die alternativ als Inserts schaltbar sind, um beispielsweise Kompressoren und andere Effekte in den Masterweg einzuschleifen. Der Powerschalter befindet sich ebenfalls auf der Rückseite, etwas ungewohnt mittig jedoch, aber das ist reine Gewöhnungssache.

Die Stromzufuhr erfolgt über das mitgelieferte externe Netzteil, das mit dem landestypischen mitgelieferten Kaltgerätekabel angeschlossen wird. Übermäßige Wärmeentwicklung ist übrigens kein Thema: Der Radius 4 bleibt auch bei stundenlanger Dauernutzung cool.

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