Gitarre Hersteller_Marshall
Test
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26.02.2019

Marshall Studio Classic SC20H & SC212 Cabinet Test

Vollröhren-Gitarrentopteil und Box

Geschichtsbewusst rocken

Der Marshall Studio Classic SC20H lässt einen Amp wieder auferstehen, der wie kaum ein anderer den Sound dieser britischen Traditionsfirma und die Rockmusik der Endsiebziger bis heute geprägt hat, den Marshall JCM800. Dieser Amp hatte bereits unter dem Namen JMP2203 eine große Anhängerschaft, weil er in puncto Gain eine ganze Schippe auf die alten Plexis legen und damit die Nachfrage einiger Gitarristen nach stärker verzerrten Sounds abdecken konnte.

In den 80er kam es dann zu einem Gehäusewechsel und aus dem JMP wurde der JCM 800, der jedoch immer noch die Bezeichnung 2203 für die 100-Watt- und 2204 für die 50-Watt-Version trug. Da dieser Amp nur noch als Reissue oder auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich ist und dort als JMP, JCM horizontal Input oder JCM vertical Input stolze Gebrauchtmarktpreise erzielt, entschloss sich Marshall kurzerhand dazu, das Erfolgsmodell neu aufzulegen. Und das kommt jetzt nicht nur als 20-Watt-Topteil-Lösung mit FX-Loop und passender 2 x 12" Box, sondern auch als Comboversion.

Das Topteil mit Cabinet steht nun zum Test bereit und ich kann es kaum erwarten, die hoffentlich altvertrauten Klänge wieder zum Leben zu erwecken.

Details

Gehäuse/Optik

Head

Das Topteil präsentiert sich optisch im abgerundeten Look der JCM-Modelle, wie er seit Anfang der 80er Jahre erhältlich war und die Optik der JTMs und Plexis ablöste. Das Holzgehäuse ist mit schwarzem Tolex überzogen und besitzt, im Gegensatz zum 100W-Original, die schlanken und handlichen Maße von 50 x 23,5 x 23,5 cm. Kleiner Funfact am Rande: Marshall führte bereits 1986 ein 2204S Minitopteil ein, das aber nur ein Jahr später wieder aus dem Programm flog.

Die Front ist im oberen Drittel mit schwarzem Grillcloth bespannt, in dessen Mitte das Marshall-Logo thront. Darunter zeigt sich das goldene Bedienfeld mit den linksseitig angebrachten On/Off bzw. Standby/Wattmode-Schaltern, den sechs Potis in der Mitte und zwei Klinkeneingängen rechts außen. Alle Bedienelemente sind in der typischen Marshall-Optik und wirken robust und zuverlässig.

An der Rückseite versammeln sich alle Anschlüsse außer der Kaltgerätebuchse in Form von 6,3 mm Klinkenanschlüssen. Den Anfang machen fünf verschiedene Speakerausgänge, die folgendermaßen bestückt werden sollen:

  • Speaker Out 1: 16 Ohm
  • Speaker Out 2 und 3: wahlweise 1x8 Ohm oder 2x16 Ohm
  • Speaker Out 4 und 5: wahlweise 1x4 Ohm oder 2x8 Ohm

Daneben zeigt sich ein DI-Ausgang und der schaltbare Effekt-Einschleifweg, auf den ich weiter unten näher eingehen werde.

Über dem Anschlussfeld befindet sich eine gelochte Metallplatte, die Einblicke in das Innenleben des SC20 zulässt. Hier sieht man die Trafos und die Marshall-gelabelten Röhren in Form von zwei ECC83 Vorstufenröhren, einer ECC83 Phasen-Splitterröhre und zwei EL34 Endstufenröhren. Auf dem Topteil befindet sich mittig ein Tragegriff, an dem sich die kompakten 9,4 kg sicher transportiert lassen. Unter dem Amp sind vier Gummifüße angebracht und acht Eckenschoner bewahren das Topteil vor größeren Macken. Zum Lieferumfang gehört ein Kaltgerätekabel, ein drei Meter langes Gitarrenkabel sowie ein mehrsprachiges Manual.

Box

Die 2 x 12" Box SC212 kommt in einem abgeschrägten Gehäuse mit den Maßen 75 x 53,5 x 32 cm und ist damit, wie üblich, einen Hauch breiter als das dazu passende Topteil. Die Speaker sind exakt übereinander platziert und nicht versetzt. Auch hier finden wir die klassische post-1981-Marshalloptik mit schwarzem Tolex, weißem Piping und schwarzem Grillcloth. Seitlich sind die schwarzen Kunststoffschalen für die Griffe platziert und rückseitig zeigt sich ein einzelner Mono-Speakereingang, der 8 Ohm Widerstand bietet und bis 140 Watt RMS ausgelegt ist. Die Klinkenbuchse ist schlauerweise tief im Boxeninneren versenkt, sodass kein Klinkenstecker überstehen und abgebrochen werden kann.

Für die Speaker fiel die Wahl auf Celestion V-Type-Modelle, die bereits einem eingehenden Bonedo Test unterzogen wurden und im Prinzip eine Zwischenform aus Vintage 30 und Greenback darstellen. Unter dem Cabinet finden sich vier Gewinde für die optional erhältlichen Marshallrollen, die eine extreme Transporterleichterung darstellen, denn die SC212 bringt stolze 23,8kg auf die Waage.

Bedienung

Der Amp wird am Power-Button angeworfen und mit dem Standby-Schalter aus dem Winterschlaf geholt. Hier stehen dem User entweder die vollen 20 Watt zur Verfügung, wenn dieser nach unten in den High Mode versetzt wird, oder leistungsreduzierte 5 Watt, wenn er in die obere Position platziert wird. Als Eingangsbuchse steht jeweils ein High- und ein Low-Eingang zur Verfügung, je nach Output der Gitarre.

Das Bedienpaneel stellt vier Potis für das EQing bereit. Presence regelt die Hochfrequenzen der Endstufensektion, Treble die darunter angesiedelten Höhen, Middle die Mitten und Bass die tieferen Frequenzen. Pre-Amp-Volume regelt die Leistung der Vorstufe und damit den Zerrgrad, sprich Gain des Amps. Master-Volume bestimmt die Lautstärke der Endstufe und war damals die große Besonderheit des 800er Tops gegenüber seiner Vorgänger, die ohne Mastervolumen auskommen und damit ordentlich laut gedreht werden mussten, um an mehr Gain zu kommen.

Rückseitig wird die Box angeschlossen, wobei in meinem Testaufbau die Wahl auf den 8-Ohm-Ausgang fallen muss, da wir das passende Cabinet gleich mittesten.

Der DI-Ausgang ist mit einer analogen Speakersimulation versehen, falls einmal direkt ins Pult gespielt werden soll. Aber Achtung! Auch bei Verwendung dieses Ausgangs muss zwingend eine Last am Speaker-Out anliegen!

Ein Novum gegenüber dem Ur-2203 ist sicherlich der Einschleifweg, der beim Studio Classic sogar manuell geschaltet werden kann und so im Off-Betrieb aus der Signalkette entfernt wird. All dies funktioniert tadellos und ohne Lautstärkedifferenzen!

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