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Test
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29.12.2017

Lewitt LCT 540 Subzero Test

Großmembran-Kondensatormikrofon

Rauschen unter Null

Ich möchte dieses Review mit einer kleinen Entwarnung beginnen: Das Lewitt LCT 540 Subzero bezieht sich mit seinem Beinamen eindeutig nicht auf Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und ganz sicher auch nicht auf einen entsprechend kalten Klang – für ein Studiomikrofon wäre das wohl auch nicht besonders förderlich! Vielmehr möchte der österreichische Hersteller mit der Namensgebung auf das geringe Eigenrauschen des Schallwandlers hinweisen, das sozusagen „unter dem Nullpunkt“ der menschlichen Wahrnehmung liegen soll.

Ein Mikrofon, das nicht rauscht. Das klingt natürlich interessant! Ganz neu ist die Idee aber auch bei Lewitt nicht. Der direkte Vorgänger, das LCT 550, warb ebenfalls mit ultra-geringem Rauschen und allgemein hervorragenden technischen Daten. Da dies aber offensichtlich nicht an der Beliebtheit des noch älteren LCT 540 Authentica rütteln konnte, bringt der Hersteller mit dem LCT 540 Subzero (auch LCT 540 S genannt) nun eine neue Variante des Mikrofons, die sich vornimmt, die guten Specs des einen mit dem charaktervollen Klang des anderen zu vereinen. Nun, mal sehen, was der Hersteller so feiner Mikrofone wie dem LCT 440 Pure diesmal anbietet.

Details

Erdbebensichere Verpackung

Das Lewitt LCT 540 Subzero ist wohl das am sichersten verpackte Mikrofon, das ich jemals zum Test im Studio hatte. Es kommt in einem großen Case aus Kunststoff, das von außen betrachtet durchaus als das Behältnis eines kleinen Schlagbohrers durchgehen könnte – und dementsprechend stabil ist das Teil auch. Das Innere ist dick mit Schaumstoff gepolstert, in dessen Aussparungen das Mikrofon selbst, eine Spinne, ein passender magnetischer Popfilter und ein Windschutz gelagert sind. Zudem finden sich im Koffer ein Täschchen aus Kunstleder und ein kleiner Gummiring, dessen Zweck sich mir anfangs nicht ganz erschließen wollte. Auf Rückfrage beim Vertrieb wurde mir aber bestätigt, dass es sich tatsächlich um ein Armbändchen handelt. Durchaus kleidsam!

Feste Nierencharakteristik, zweistufiges Pad und Lowcut-Filter

So wie es bei einem Auto wichtig ist, dass die Seite mit den Reifen unten ist, ist es natürlich auch bei einem Mikrofon mit fester Nierencharakteristik wichtig, dass es von der richtigen Seite besprochen wird – und beim Lewitt LCT 540 S kann es durchaus vorkommen, dass man sprichwörtlich einmal nicht mehr weiß, wo hinten und vorne ist. Die Bedienelemente, die man grundsätzlich gerne auf der Rückseite vermuten würde, befinden sich nämlich auf der Vorderseite. Um Verwirrungen in dieser Hinsicht auszuschließen, hat der Hersteller dem Mikrofon bei Auslieferung eine kleine Manschette aus Papier umgebunden, die darauf hinweist, von welcher Seite es gerne besprochen werden möchte.

Über die Bedienelemente lässt sich zum einen ein zweistufiges Pad zuschalten, um den Eingangspegel um 6 dB oder 12 dB abzusenken. Zum anderen gibt es ein ebenfalls zweistufiges Lowcut-Filter, das wahlweise bei 80 Hz oder 160 Hz ansetzt. Damit Sänger und Sängerinnen im Aufnahmeraum nicht „versehentlich“ die Einstellung verändern, findet sich in der Mitte ein dritter Taster für eine Hold-Funktion, die man über einen anhaltenden Tastendruck aktiviert oder deaktiviert.

Extra-Features: Clipping-History und automatische Pegelabsenkung

Das LCT 540 S bietet einige mehr oder weniger versteckte und durchaus hilfreiche Zusatzfunktionen, die damit zusammenhängen, dass das Mikrofon in der Lage ist, zu bemerken, wenn interne Übersteuerungen auftreten. Im Moment eines Clippings blinkt das üblicherweise weiße Logo auf der Vorderseite rot auf, und da man dieses oft nicht durchgehend im Blick haben wird, lässt sich über einen langen Druck auf den Taster für das Lowcut-Filter die Clipping-History aktivieren. In diesem Modus blinkt das Logo auch nach einer Übersteuerung weiter. Das Subzero sagt damit sozusagen in seiner Sprache, dass ihm bei der letzten Aufnahme alles ein wenig zu laut war und man das Pad um eine Stufe nach unten regeln sollte.

Auf Wunsch kann das LCT 540 S das Anpassen der Vordämpfung auch selbst übernehmen – nämlich über die automatische Pegelabsenkung. Nach einem anhaltenden Druck auf den Taster für das Pad leuchtet das Logo dauerhaft rot, und sobald eine Übersteuerung auftritt, wechselt das Mikrofon selbständig zur nächsthöheren Vordämpfung. Gut zu wissen: Es bleibt dabei beschränkt auf die beiden Optionen von -6 dB und -12 dB und macht keine feineren selbständigen Anpassungen.

Außergewöhnlich gute technische Daten

Im Grunde dürfte internes Clipping beim LCT 540 S ohnehin kaum zum Thema werden. Der maximale Schalldruckpegel wird bereits ohne aktiviertes Pad mit stattlichen 136 dB SPL (bei 0,5 % THD) angegeben, und das ist laut genug, um auch Gitarrenverstärkern oder Drums richtig auf die Pelle zu rücken. Einen triftigeren Grund für eine Pegelabsenkung im Mikrofon liefert die außergewöhnlich hohe Empfindlichkeit von 41 mV/Pa. Dies hat einen hohen Output zur Folge und kann prinzipiell dafür sorgen, dass man das Pad aktivieren muss, um einen angeschlossenen Preamp nicht zu überfahren – wobei das natürlich auch vom Verstärkungsbereich des Preamps selbst bzw. dessen Ausstattung mit einem Pad abhängt. Mit zu leisen Signalen und zu wenig Power im Vorverstärker wird man dagegen kaum Probleme bekommen.

Die Kombination der hohen Schalldruckverträglichkeit mit dem geringen Eigenrauschen von 4 dB (A) sorgt dafür, dass das LCT 540 S mit einem hohen Dynamikumfang von 132 dB (A) aufwarten kann. Zudem wird jedes Mikrofon vor der Auslieferung einer Serie von Messungen unterzogen, um dafür zu sorgen, dass es keine bedeutsamen klanglichen Abweichungen zwischen einzelnen Modellen gibt. Laut Hersteller sind also alle Subzeros ohne weiteres Matching dazu geeignet, im Stereo-Verbund zu arbeiten. Insgesamt verhält sich das Mikrofon auf dem Papier wirklich hervorragend und beinahe wie ein kleines Wunderkind. Ob es dabei auch gut klingt, steht auf der nächsten Seite.

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