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Test
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30.06.2017

Praxis

Die Bedienung des EQP-KT

Es kommt Freude auf, beim ersten Praxis-Check des Klark Teknik EQP-KT. Alle Potentiometer des passiven Equalizers laufen sehr leichtgängig und haben eine feine Rasterung, was einen genauen Recall von Einstellungen erlaubt (vorausgesetzt, man zählt und notiert sich die genauen Schritte - mühsam, aber machbar). Die Drehschalter wiederum haben einen knackigen Schaltpunkt und machen einen dauerhaft robusten Eindruck.

Allerdings hat Klark Teknik beim EQP-KT die Chance verpasst, die Bedienelemente sinnvoller anzuordnen: An die Pultec-typische, aber nicht gerade übersichtliche Aufteilung muss man sich auch hier gewöhnen. Welcher Regler zu welchem EQ-Band gehört, ist nicht intuitiv erkennbar. Überhaupt: Die Regler auf der Front machen einen etwas hingeklatschten Eindruck, das Ganze ist nicht symmetrisch angeordnet. Das Bass-Band nimmt fast die Hälfte der Fronplatte ein, während sich die Bedienelemente der Höhen-Bearbeiter auf der rechten Seite drängen. Originalgetreu ist ja schön und gut, aber die schlechten Eigenheiten muss man ja nicht zwingend nachbauen.

Pultec-typischer Breitband-Sound

Der EQP-KT ist kein Sound-Skalpell, hier geht es gröber zur Sache - oder im Audio-Jargon ausgedrückt: Der Klark-Teknik-EQ arbeitet mit kleinen Q-Werten, also sehr breitbandigen Absenkungen oder Anhebungen. Resonanzen rauszufiltern ist nicht sein Ding, das Andicken am unteren und das "Aufmachen" am oberen Ende des Frequenzspektrums dagegen schon. Man könnte sagen, hier geht es um musikalisches EQing und nicht um technisches - deswegen heißt er auch "Program Equalizer" - weil er das gesamte Programm-Material weiträumig beeinflusst.

Während man bei anderen Equalizern in der Regel an den Bedienelementen ablesen kann, was der EQ tut, klappt das beim EQP-KT nicht. Hier arbeitet ja jeder Cut- oder Boost-Regler mit anderen dB-Werten. Somit ist man dazu gezwungen, genau hinzuhören. Bei Equalizern mit grafischer Darstellung vernachlässigt man das leicht und tendiert stattdessen dazu, "optisch" zu mischen.

So wundert es mich am Ende nicht, dass mir bei der Arbeit mit dem EQP-KT immer wieder Einstellungen unterlaufen, die ich an einem "normalen" EQ nicht wagen würde.

Bass und Pultec: eine gute Verbindung!

Ich hatte gerade eine Bass-Spur aufgenommen und die jage ich nun durch den EQP-KT. Ich starte mit aktiviertem Bypass und verglichen mit dem direkten Original-File aus dem Rechner ist das Signal, das den Klark Teknik durchlaufen hat, etwas griffiger, wobei ich zugeben muss: Der Unterschied ist subtil.

Mit dem LF-Boost-Regler schiebe ich die 100 Hz nach oben und es passiert die Pultec-Magie: Es drückt, ohne dass der Sound schwammig wird. Bass und Pultec, das war schon immer eine gute Verbindung!

Im nächsten Schritt hebe ich die 4 kHz mit dem parametrischen HF-Band an, das bringt etwas mehr Präsenz in den Sound. Weil mir der 100-Hz-Boost etwas zu wenig Bauch hat, schalte ich den LF-Boost auf 200 Hz hoch und aus den 4 kHz mache ich 10 kHz (die 4 kHz waren mir zu zisselig). Dann bin ich zufrieden: Der eigentlich schon gute Bass-Sound wird noch durchsetzungsfähiger.

Der Bandwidth-Regler ist wenig griffig

Beim Bandbreiten-Regler des HF-Boost-Bandes fällt mir auf, dass dieser auf der ersten Hälfte seines Regelweges eigentlich nicht hörbar arbeitet. Erst über den Wert "5" hinaus macht sich eine Änderung bemerkbar, vorher höre ich wenig bis gar nichts. Ich weiß nicht, ob das beim originalen Pultec auch so ist. Auf jeden Fall habe ich festgestellt, dass dieser Regler währen meiner Testphase seine Endposition eigentlich immer weit jenseits der Mittelstellung fand.

Der Pultec-Trick

Natürlich muss ich den Pultec-Trick ausprobieren. Ich habe mir eine Bassdrum geschnappt und dann mal bei 30 Hz den Boost-Regler aufgedreht. Da fängt es dann ordentlich an zu rumpeln. Jetzt den Cut-Regler ebenfalls hochgedreht und sofort klingt das alles aufgeräumter, allerdings ist das Ergebnis deutlich schwächer im Pegel. Ich habe die entsprechenden Audio-Beispiele nicht normalisiert, damit ihr das hören könnt.

Wie ich so an der Kick-Drum rumschraube, merke ich: Ich hätte gerne eine Möglichkeit, die Ausgangslautstärke des EQP-KT zu regeln. Und am besten gleich noch eine Gain-Regelung für die Verstärkungsstufe. Der EQP-KT zeigt sich nämlich etwas lax, was ein "proper gain-staging" angeht. Schon im Bypass-Modus ist der Eingangspegel nicht gleich Ausgangspegel. Letzterer ist ein paar dB höher, bei meinem Setup sind das knapp 3 dB. Wird jetzt mächtig geboostet (was mit einem Pultec schon mal passieren kann), braucht es einen AD-Wandler, der ordentlich Pegel an seinem Eingang verträgt, oder man landet im roten Bereich der digitalen Verzerrung. Ein Output-Regler böte hier eine schnelle Lösung.

Pultec und E-Gitarre: passt ebenfalls zusammen!

An einem verzerrten Gitarrenriff - gespielt und aufgenommen von Gitarrist Michael Reiß für seine CD-Produktion "Detached" - lässt sich super demonstrieren, wie man mit dem EQP-KT den Sound formen kann, ohne den Grundcharakter des Signals zu verändern. Die unbearbeitete Aufnahme könnte etwas Aufräumarbeiten in den unteren Mitten und ein wenig mehr Griffigkeit in den Höhen vertragen. Ein Pultec-EQ ist für diese Klangarbeiten geradezu prädestiniert! Ich starte mit einer leichten Absenkung der unteren Mitten bei 200 Hz und einem ausgeprägten Boost bei 5 kHz. Jetzt klingt das Signal schon frischer, allerdings treten die Höhen unschön zutage. Dafür ist das HF-Cut-Band da. Bei 20 kHz dämpfe ich die Höhen wieder moderat ab, der HF-Cut-Regler steht am Ende auf Position 2. Das Ergebnis: Das Riff klingt knackig, hat Biss und mulmt nicht mehr so sehr.

Zu guter Letzt habe ich noch ein kurzes Vocal-Schnipsel der Jazz-Sängerin Sylwia Bialas, aufgenommen mit einem Brauner VM-1 über eine Sound-Skulptor MP73 Vorstufe (ebenfalls ein Clone, in diesem Fall des Neve 1073 Preamps) in ein RME Fireface 400.

Und wieder zeigt sich, wie breit der EQP-KT arbeitet, eine Absenkung bei 200 Hz lässt die Aufnahmen ganz schon dünn klingen. Aber nach ein wenig Nachregeln kann der EQ erneut seine Klasse ausspielen: Mit dem LF-Cut-Regler wird bei 100 Hz leicht ausgedünnt und wie bei der E-Gitarre mit dem HF-Boost etwas Frische ins Signal gebracht.

Ergebnis der Klangarbeit: Der Klark Teknik EQP-KT ist wie sein Vorbild, der Pultec EQP-1A, kein Problemlöser. Aber Signale, die schon gut klingen, erhalten durch die Besonderheit des passiven Pultec-EQ-Netzwerkes definitiv eine Aufwertung. An die Bedienung muss man sich erst gewöhnen, am Sound hat man schnell Gefallen gefunden!

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