Test
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07.09.2020

JTS CS-8 und CS-4 Test

Automatische Mikrofonmischer

Automixer für vier bis acht Kanäle

Wer als Tontechniker einmal versucht hat, eine Podiumsdiskussion mit mehreren Tischmikrofonen auszubalancieren, der kennt das Problem. Ungeübte Sprecher, variierende Sprechabstände und mehrere Redner, die sich teils gleichzeitig mitteilen wollen. Das ist Stress für den Tontechniker, der stets mehrere Finger an den Reglern haben muss. Doch es geht auch einfach, um nicht zu sagen: automatisch! Zumindest versprechen das die Automatikmixer aus dem Hause JTS. Die Modelle CS-8 und CS-4 sollen die Aussteuerung von Mikrofonen wie von Geisterhand erlauben. Der Mähroboter für Tontechniker? Wie gut die Kandidaten tatsächlich abschneiden, haben wir für euch getestet.  

Details

Automatikmixer sind in der Tontechnik keine neue Erfindung. Das erste professionelle Automixer-System stellte der Amerikaner Dan Dugan 1974 auf der AES Convention in New York vor. Dan Dugan war seinerzeit für das Sound-Design des Musicals „Hair“ zuständig und konnte während der Proben feststellen, dass die Tontechniker doch erhebliche Mühe hatten, die für die damalige Zeit respektable Anzahl von 35 Mikrofoneingängen unter Kontrolle zu bringen.

Bei einer Podiumsdiskussion mit vielen Teilnehmern ist das Problem noch größer. Teilweise variieren die Sprechabstände stark, genau wie die Lautstärken der einzelnen Sprecher und im Gegensatz zum Musical weiß man bei Gesprächsrunden nie genau, wer gerade dabei ist, das Gespräch zu führen. Sprechen mehrere Leute gleichzeitig, ist es im Grunde unmöglich für den Techniker, zeitnah zu reagieren und den Mix auszubalancieren. Doch genau für diese Aufgabe gibt es Automatikmixer, die dem Techniker dabei zur Hand gehen.

Die Grundlegende Idee stammt zwar von Dan Dugan, doch mittlerweile sind die meisten seiner Patente ausgelaufen und weitere Hersteller bieten ihre eigenen Interpretationen zu dem Thema „Automixer“ an.

Einer davon ist die Firma JTS, die den Autor mit den Modellen CS-8 und CS-4 bemustert hat. Diese analogen Automixer sollen einen selbständigen Mix von Sprachmikrofonen erlauben und das zu einem moderaten Preis. Schauen wir uns die Kandidaten im Einzelnen an.

JTS CS-4 Mikrofonmischer

Das Gerät erreichte mich in einem Karton mit praktischem Tragegriff. Mixer und Zubehör sind in einer Tüte verpackt und durch eine dicke Schaumstoffpolsterung gut geschützt. Der Lieferumfang kann sich sehen lassen: Neben dem Mixer selbst entdecke ich noch eine deutsche Bedienungsanleitung, ein externes Netzteil und zwei 19-Zoll Rack-Schienen für den Einbau in ein Standard-Roadcase. Der Mixer selbst fühlt sich in der Hand sehr wertig an. Ein massives Metallgehäuse (9,5 Zoll) mit einem Gewicht von 1,4 kg hinterlässt einen vertrauenerweckenden Eindruck. Die Bedienelemente fallen für den komplexen Mix-Job nicht sehr zahlreich aus, was Vorteile bei der Bedienung bedeuten könnte. Dazu mehr im Praxisteil.

Neben dem obligatorischen Power-Taster befindet sich ein Threshold-Poti, das die Pegelschwelle definiert, ab wann die Mikrofone scharfgeschaltet sind. Dreht man das Poti ganz nach links, ist die Automix-Funktion deaktiviert und der CS-4 lässt sich als herkömmlicher Mixer verwenden. Der Gesamtpegel wird über das Output-Level-Poti definiert. Zur Unterstützung zeigt eine fünfstellige Meteranzeige den Pegel des Summenausgangs an.

Das CS-4 und das CS-8 verfügen über drei unterschiedliche Betriebsmodi. Neben dem Automatik-Modus und der Verwendung als einfach Audiomixer, können über ein Mäuseklavier gezielt einzelne Kanäle priorisiert werden. Es folgen vier Volume/Gain-Potis für die vier am Gerät vorhandenen Mikrofoneingänge. Jedes Poti wird von einer LED begleitet. Leuchtet die LED, dann ist der besagte Kanal aktiv. Die Rückseite ist mit dem Notwendigsten ausgestattet. Vier XLR-Armaturen dienen zum Anschluss von Mikrofonen, während eine XLR-Male-Buchse den Mix aus diesen vier Mikrofonen an entsprechende Endstufen o. ä. weiterleitet. Damit ist klar: Der CS-4 ist ein Monogerät.

Neben der Mix-Out-Buchse befinden sich zwei weitere mit „Link in & Link out“ bezeichnete Buchsen. Diese dienen dazu, mehrere CS-Mixer zu einem größeren Automatikmixer zu vereinen, falls die Gesprächsrunde einmal größer ausfällt. Oberhalb der Link-Buchsen sind Schraubklemmen für die Bereitstellung einer Steuerspannung angebracht und zwar für jeden der vier Mikrofonkanäle. Damit lassen sich bei Bedarf externe Geräte wie Warnanzeigen, Kameras oder Lautsprecher triggern. Letzter Anschluss ist für das externe 18-Volt DC-Netzteil. Leider ist weder der Stecker verriegelbar, noch gibt es eine Zugentlastung.

JTS CS-8 Mikrofonmischer

Die gleiche Problematik des nicht verriegelbaren Netzsteckers trifft auch für den großen Bruder namens CS-8 zu. Auch sonst haben die beiden Geräte viel gemein. Der CS-8 kommt mit Netzteil, Gebrauchsanweisung, Link-Kabel und passenden Rack-Winkeln, denn der CS-8 ist ein 19-Zoll-Gerät, mit 1-HE und ist  doppelt so breit wie der CS-4-Mixer.

Die Bezeichnung CS-8 verrät es schon: Der Kandidat verfügt über gleich acht Mikrofoneingänge, die ebenfalls einzeln mittels Potis regelbar sind. Auch hier finden wir ein Mäuseklavier für die Prioritätsschaltung sowie das Threshold-Poti für die Automatik-Funktion wieder. Das Mix-Level-Poti wird dieses Mal von acht Gain-Potis begleitet.

Neu ist allerdings ein zuschaltbarere Stereo-Cinch-Eingang für des Einspielen von Hintergrundmusik oder für den Ton von Bildbeiträgen (z. B. Image-Filme, Werbespots usw.). Die Cinch-Buchsen dafür befinden sich auf der Rückseite des Gerätes. Werden die Cinch-Buchsen mittels Taster aktiviert, dann ersetzten diese die Mikrofoneingänge 1 und 2. Das sollte man stets bedenken, ebenso wie die Tatsache, dass ein anliegendes Stereosignal durch die einzelne Mix-Out XLR-Buchse zwangsläufig mono summiert wird. Der Rest der Ausstattung ist wie beim CS-4 (Link-Buchsen, Trigger-Ausgänge). Das Gehäuse des CS-8 verfügt allerdings über größere Standfüße, die an ein Hi-Fi-Gerät erinnern. Sollte JTS CS-8 in ein 19-Zoll-Rack verfrachtet werden, dann lassen sich die Füße natürlich abschrauben. 

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