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Test
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28.11.2014

iZotope Ozone 6 (Advanced) Test

Mastering-PlugIns

Weniger ist manchmal mehr!

Vor rund drei Jahren haben wir uns bereits iZotope´s Ozone 5 (Advanced) gewidmet, heute liegt uns aber die neueste, generalüberholte und vor allem sichtlich gestraffte Version Nummer 6 vor. Und diese hört selbstverständlich auf den Namen „Ozone 6“.

Wie auch in der Version zuvor gibt es zwei Ausbaustufen, die sich vor allem preislich deutlich unterscheiden. Und so werden für die kleine Version rund EUR 200,- und für die große „Advanced“ Version hingegen rund EUR 800,- an der Theke des Vertrauens fällig. Wo liegen die Unterschiede zwischen beiden Versionen? Was sind die Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger? Und für wen lohnt sich welche Version? Diese drei Fragen gilt es im Folgenden nun zu beantworten! 

Details

Zwei sich preislich deutlich unterscheidende Ausbaustufen

Ozone 6 wird wieder in zwei Ausbaustufen angeboten. Zum einen als günstige "Standardversion" für EUR 195,- (UVP) und zum anderen als "Ozone 6 Advanced" für EUR 799,- (UVP). Die Hauptunterschiede beider Varianten sind - neben kleineren Detailunterschieden -  der neue „Dynamic EQ“, das ältere Metering-Tool „Insight“ und das Vorhandensein von individuellen Einzelinstanzen. Das Alles gibt es nur in der teuren „Profi-Version“.

Die große Suite umfasst - neben dem "All-In-Plugin" – also auch noch Einzel-PlugIns, die sich in ihrer Funktionalität prinzipiell nicht anders darstellen, als es die Teilmodule der Ein-Fenster-Lösung tun. In der einfachen und günstigen Variante sind diese Prozessoren entsprechend nur als Module in dem Ein-Fenster Ozone 6 PlugIn zu finden. Es gibt folgende Prozessoren bzw. "Extra-PlugIns": Dynamic EQ, Equalizer, Dynamics, Exciter, Stereo-Imager und Maximizer. Vieles davon natürlich auch als „Multiband-Variante“.

Aus Alt mach Neu

Das Metering-Tool „Insight“ aus der Version 5 wird hingegen unverändert mit der neuesten „Advanced“-Version gebundled, sodass man hier auch noch die alte „5er“ GUI bestaunen kann, die ein wenig an einen Boardcomputer aus Mad-Max erinnert. Der Reverb aus Version 5 hingegen wurde ersatzlos gestrichen, genau wie einige Details bzw. „ältere“ Algorithmen.  Doch dazu später noch etwas mehr. 

Neue, frische Benutzeroberfläche (GUI)

Der auffälligste Unterschied ist am dem grafischen Userinterface (GUI) zu erkennen. Es kommt nun nicht nur in einem frischen, moderneren und neuem Grau daher, sondern wurde auch etwas größer, breiter und vor allem übersichtlicher gestaltet. Beispielsweise lassen sich die bis zu sechs möglichen Teilmodule bzw. Prozessoren nun direkt von der Hauptansicht aus in ihrer Reihenfolge verändern und verschieben sowie natürlich auch by-passen, solo schalten, etc.

Die Intensity-Regler zur globalen Anpassung der Prozessoren sind hingegen dem Rotstift zum Opfer gefallen. Unverständlicherweise kann man auch weiterhin nur ein Modul von jeder Art gleichzeitig laden, sodass es beispielsweise unmöglich wird, den Kompressor zweimal - zum Beispiel einmal vor und einmal nach dem EQ - zu benutzen. Der EQ ist immerhin doppelt vorhanden und deswegen auch etwas „redundant“ als Pre und Post EQ bezeichnet.

Mit den einzelnen PlugIns der Advanced-Version kann man sich natürlich auch weiterhin an dem Signalfluss der DAW orientieren und damit beliebig viele Instanzen öffnen – je nach Rechner-Power versteht sich. Ein Pluspunkt für die teure Version, könnte man sagen. Ich möchte allerdings lieber folgende Formulierung wählen: Dicker Minuspunkt für die „Alles-Drinnen“-Host-Variante, wo eben gewisse Einschränkungen beim Routing hingenommen werden müssen.

Coole Stand-Alone-Variante

Apropos Ho(r)st: Beide Versionen verfügen nun zusätzlich über eine Art Stand-Alone Variante, welche aus meiner Sicht vor allem erst mal für Einsteiger interessant sein dürfte. Aber auch Alteingesessene dürften sich schnell für diese Art des „einfachen Masterings“ begeistern, da der Fokus vor allem auf einer schnellen, stylischen Bearbeitung von mehreren, verschiedenen oder auch identischen Stereo-Files liegt. 

Mit Tabs kann man hier - wie bei einem Browser - für eine verbesserte Vergleichbarkeit mehrere Files gleichzeitig laden, bearbeiten und auch alternativ abhören. Um zwischen zwei Stereo-Files bei Betrieb umzuschalten, bedarf es dabei lediglich nur eines Klicks!  

Damit wird beispielsweise das Setzen des letzten, finalen Limiters - um alle Stücke eines Albums auf gleiche Lautstärke zu bekommen -  ein Leichtes. Allerdings gilt auch hier dieselbe Einschränkung wie bei der PlugIn-Host-Variante: Maximal sechs Module pro Track und manche Prozessoren eben nur einmal pro Instanz. Es können aber auch andere VST- und AU-Effekte geladen werden, wozu natürlich auch das Ozone 6 Plugin zählt. Zur Not kann man also in den sechs Slots der Stand-Alone-Variante auch sechsmal das Ozone-Plugin laden. Da dieses ja auch jeweils sechs Prozessoren beherbergt, kann man mit diesem kleinen Trick bis zu 36 Prozessoren gleichzeitig pro Track verwenden. Ganz so übersichtlich wird das zwar nicht, es soll aber keiner sagen, dass es (theoretisch) nicht doch möglich wäre. 

 

Besonders effektive Signalketten lassen sich weiterhin abspeichern und mittels Presets verwalten. Änderungen lassen sich hingegen mittels Undo-History nachvollziehen. Hinzu kommt ein „Single / All- Track“ Export mit iZotope SRC Samplerate-Wandlung sowie Start und End-Fades mit unterschiedlichsten Formen. Eine Funktion fürs Überblenden, Schneiden oder gar zum CD-Brennen bzw. “Red-Book Image“-Erstellen habe ich hingegen (noch) nicht gefunden. 

Mehr Advanced Features auch in der Einsteigerversion

Hinzu kommt die Überarbeitung einzelner Module, wobei ich hier kaum Erweiterungen feststellen konnte. Ganz im Gegenteil: Offensichtlich wurden sogar einige Algorithmen  entfernt, was iZotope versucht, uns unter dem Deckmantel „Workflow-Improvment“ schmackhaft zu machen, woraufhin es im Netz bereits so manchen „Shit-Storm“ entfachte. 

Allzu voreingenommen wollen wir natürlich nicht sein, und so möchte ich bereits an dieser Stelle den Hinweis geben, dass es auf der anderen Seite viele Algorithmen - die es bisher nur in der Advanced-Version gab – nun auch in der kleinen und günstigen Variante zu finden gibt. Bestes Beispiel hierfür: Die IRC I, II und III Algorithmen des Maximizer genannten Limiters, welche meiner Meinung nach zu den Besten der Besten zählen. Die Kehrseite dieser Medaille ist natürlich der immense CPU-Missbrauch dieser Prozessoren, sodass einige sicherlich, die „alten, nicht ganz so tollen“ - dafür aber umso CPU-schonenderen – Algorithmen durchaus vermissen werden. Wer jedoch neu einsteigt, wird hingegen kaum etwas vermissen können, was er nicht kannte.

Einige Entschlankungen sind auf der anderen Seite natürlich wirklich zu begrüßen und so sind viele der Dither-Algorithmen ebenfalls entfallen. So bleibt nur noch der automatische MBIT+ Prozessor übrig, den es meines Wissens bisher auch nur in der Advanced-Version gab. Hier profitieren die Leute mit dem kleineren Geldbeutel also abermals. Genauso verhält es sich auch mit der Transient Emphasis des Maximizers, welche nun ebenfalls in der Einsteiger-Variante zu finden ist, um scharfe Attacks auch bei maximaler „Loudness“ zu gewährleisten.

Zusätzliche „freigeschaltete“ Optionen umfassen den Triode und Dual-Triode Mode des Exciters, den ich vor allem seiner Tape-Saturation wegen sehr mag. „Stereoize Control“ umschreibt ein ebenfalls von mir sehr geschätztes Feature des Stereo-Imagers der alten „Advanced“-Version, welches sich nun auch in der neuen Einsteigerversion findet und die Möglichkeit bietet, sowohl Mono als auch zu flach geratene Stereo-Aufnahmen aufzublasen und pseudo-stereomäßig zu verbreitern, ohne dabei Phasenprobleme bei einer Monosummierung zu provozieren.

Auch der Kompressor der Einsteigerversion wurde nun auf die volle Größe aufgeblasen und bietet nun eine „Variable Knee Compression“, die es ebenfalls so vorher nur in der teureren Variante gab. Hinzukommen API-Thrust inspirierte Tilt-Filter, die für einen analogeren Compression-Style sorgen sollen, sowie die sogenannten „True Envelope Detection Modes“ für eine RMS-orientierte Kompression.

Da wir uns im Prinzip alle Module bereits im Test der Version 5 detailliert angeschaut haben, möchte ich mich vor allem auf die Neuerungen konzentrieren. Und da der Dynamic EQ die einzige, „echte“ Neuerung an Prozessoren darstellt, möchte ich umgehend zu diesem übergehen. Wie allerdings bereits festgestellt, gibt es diesen nur in der „Advanced“-Version zu bestaunen.

Neuer Dynamic EQ in Ozone 6 Advanced

Ein dynamischer EQ ist eigentlich nichts neues und viele kennen ihn bereits - allerdings unter einem anderen Namen: Ein De-Esser beispielsweise ist auch ein dynamischer EQ, allerdings einer mit nur einem Band. Manch einer wird jetzt sagen, aber das ist doch eigentlich ein Kompressor mit Filtern im Sidechain. Stimmt genau, im Prinzip ist beides dasselbe, es kommt nur auf den Betrachtungswinkel an. Konkret: Erst wenn ein gewisser Schwellwert in einem bestimmten Frequenzbereich überschritten wird, wird dieser Frequenzbereich abgesenkt. Anders gesprochen, je mehr der Sänger lispelt, umso mehr „S-Frequenzen“ (5-8 kHz) zieht der EQ aus dem Material. 

Solch ein Technik hat natürlich auch ganz andere Einsatzgebiete und ist in Verbindung mit der klar strukturierten Oberfläche bei der iZotope-Variante vor allem besonders leicht zu bedienen. So lässt sich beispielsweise das Dröhnen einer gewissen Note bei einem Bass gezielt bedämpfen, ohne dass alle anderen gespielten Noten ebenfalls gedämpft werden müssen. Dazu später auch ein paar Beispiele.

Neue EQ-Formen

Der Dynamic EQ ist natürlich, wenn man es ganz genau nimmt, nur eine Weiterentwicklung des „normalen“ EQs. Aber auch dieser hat in Version 6 ein paar Updates erhalten bzw. stehen diese nun auch den „Nicht-Advanced“-Usern zur Verfügung. 

Dazu gehören verschiedene „Analog-Hardware“ orientierte Filter sowie mit  „Surgical Mode“ versehene, digitale Varianten, die mit Linear-Phase Algorithmen für besonders präzise Eingriffe angedacht sind. Hinzukommt eine regelbare Phasenkontrolle und und und. Kurzum: Mehr, als man jemals wirklich brauchen wird!

That´s not all 

Weitere Verbesserungen umfassen die Vergleichsmöglichkeiten bei besserem Gain-Staging. Zum einem gibt es das neue „Seamless Bypass“, bei dem das unbearbeitete Audio dem prozessierten Audio in der Lautstärke angeglichen wird („gain matching“), sodass bessere Vergleichsmöglichkeiten für A/B-Tests gegeben sind. Das wird im Video auch später zu sehen sein, in den Bildern könnt ihr bereits ein kleines Ohrsymbol neben dem Haupt-Bypass-Schalter entdecken. Hinzukommt die „Module Gain Meters“, die dem Nutzer aufschlussreich jede Gainänderungen entlang aller Prozessoren visualisiert, sodass man Level-mäßig nicht unnötig „hin und her schaukeln“ muss. Konkret: Fügt man Gain hinzu, zeigt das Modul von der Mitte aus einen Gain-Ausschlag nach oben hin an. Diese Mitte ist quasi als „Nulllinie“ zu betrachten. Verliert man in diesem Prozessor hingegen Gain, schlagen die Stereobalken von der Mitte aus gesehen nach unten. Clever.

Außerdem gibt es gänzlich neu designte Presets, die natürlich vor allem auch die neuen Features nutzen und wie gewohnt bei Bedarf gleich zum Start hin angezeigt werden können. Ob man diese nun nutzen und gegebenenfalls anpassen möchte oder lieber gleich den Browser meidet, um beherzt eigene Kreationen zu schaffen, sei nun jedem selbst überlassen. Sicherlich hat die letztgenannte Variante die steilere Lernkurve zu bieten – aber wie heißt es so schön: „Übung macht den Meister“. Und damit übergebe ich an die Praxis.

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