Test
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31.08.2009

Istanbul Agop Artist-Rides Test

Rides von Cindy Blackman und Lenny White

Istanbul Agop hat nicht nur eine Reihe neuer Top-Endorser, sondern für diese auch eigene Serien entworfen. Die OM-Serie von Cindy Blackman und die Epoch-Serie von Lenny White beispielsweise sind noch so neu, dass sich auf der Internetpräsenz des Herstellers nur auf untergeordneten Seiten einige spärliche Informationen dazu finden lassen.

 

Vorab war immerhin zu erfahren, dass man sich bei der Konzeption der neuen Cymbals an den Zildjian-K's von Tony Williams orientiert hat.
Der Istanbul Agop Vertrieb Fentex aus den Niederlanden hat uns freundlicherweise vorab mit diesem „Hot Stuff“ versorgt. Und nicht nur das! Von den beiden neuen Serien liegen uns sogar gleich jeweils zwei Cymbals vor. Dass das nicht nur sehr nett, sondern auch sehr sinnvoll ist, kann man schon erahnen, wenn man einen optischen Vergleich anstellt

 

CINDY BLACKMAN 22“ OM RIDE (Dark)

Was sofort ins Auge fällt ist die Tatsache, dass ein Cindy Blackman 22“ OM Ride beileibe nicht gleich einem Cindy Blackman 22“ OM Ride ist. Unterschiedlicher können Zwillinge nicht sein. Dabei sollte die Suche nach dem Nachfolger der Tony Williams K's eine relativ klare Marschrichtung haben, die große Unterschiede zwischen den einzelnen Becken eigentlich nicht zulässt. Oder? Ich habe die vier Testmodelle gleich mit ins Studio genommen, um zu sehen, ob die Suche nach dem Gral ein Ende hat!

DETAILS
Sound: Den Zildjian-K Becken von Tony Williams ähnlich, sehr trocken, viele Mitten und großer Tieffrequenz-Anteil
Stick-Definition: sehr breiter, trockener Anschlag
Kuppel: 11 cm klein, guter, passender Bell-Sound
Rand: minimal waschig
Sustain: sehr kurz
Volume: soft-medium
crashfähig: nein
Gewicht: 2330 g

PRAXIS
Das Becken klingt super trocken und lädt sofort zu High-Speed Ride Patterns à la Tony Williams ein. Es klingt total erdig und im wahrsten Sinne des Wortes dreckig. Denn in den ersten Wochen ist es tatsächlich kaum möglich, die Becken auch nur auf die Ständer zu hängen, ohne anschließend mit schmutzigen Händen dazustehen. Ein Griff in den Kompost hinterlässt ähnliche Spuren. Patina ist zwar schön und gut, aber in diesem Fall sollte man am besten vorab mit einem Lappen den gröbsten „Dreck“ sanft abwischen.

Interessant ist das schöne und butterweiche Spielgefühl, das als „Buttery Feel“ bezeichnet wird. Die Kuppel des Beckens ist mit elf Zentimeter Durchmesser extrem klein geraten und erinnert an die Glocken der Mini Cup Rides von Zildjian. Sie besticht durch einen erstaunlich klar definierten Sound, der sehr harmonisch zum Becken passt, auch wenn ich etwas Mühe hatte, die Bell wegen ihrer geringen Größe exakt zu treffen.

Außer für Jazz passt dieses Becken perfekt zu elektronischer Musik, weil es sich überhaupt nicht aufschaukelt - eine fast schon elektronisch anmutende lineare Patternführung ist garantiert. In jedem Fall haben wir es hier mit einem sehr speziellen Becken zu tun, auf das bestimmt viele Drummer gewartet haben. 

 

FAZIT

Es ist sofort klar, wonach bei der Produktion dieses Beckens gesucht wurde.  Seit Generationen gilt Tonys Ride als Referenz für Jazzbecken, und zurzeit ist ein perfektes Zildjian K aus den Fünfzigern ungefähr 3500-5000 US-Dollar wert. Das kann man jetzt etwas preisgünstiger haben, auch wenn es nicht genau das Gleiche ist, aber immerhin eine gute Alternative. Das Becken klingt schon sehr nach Miles Davis' „Four and More“... Hat Istanbul es geschafft, diese Beckensounds wiederzubeleben?

Bei diesem Testbecken würde ich sofort sagen: Ja!

Das Becken ist mit 2330 Gramm kein Schwergewicht, wodurch das bereits beschriebene herrliche „Buttery Feel“ entsteht, und genau darum geht es: Die guten alten K´s haben ein einzigartig anderes Spielgefühl, das sich hier in ähnlicher Form wiederfindet.

Dabei handelt es sich um Unikate, die von Hand gefertigt werden und deren Klang daher stark variiert. Keine Becken von der Stange also, und wer mit einem solchen liebäugelt, der muss sich schon persönlich in einen Musikladen begeben und dort seinen Favoriten quasi ertesten. Trotzdem steht Eines fest: Wer den Tony-Sound sucht, hat große Chancen, mit einem der handgehämmerten Schmutzbleche glücklich zu werden. Ein handwerklich hervorragend gearbeitetes Becken, beide Daumen hoch für meinen Testkandidaten!

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