Serie_Interview
Feature
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18.06.2009

Bonedo: Peter, Du repräsentierst zwei Firmen. Da ist zunächst RØDE, gegründet 1989. Wie habt Ihr es damals geschafft, dass Eure Mikrofone innerhalb kürzester Zeit weltweit so bekannt wurden?

Mein Vater war Tontechniker und begann in den 50er Jahren in London. Als ich in Stockholm geboren wurde, arbeitete er mit dem Dynacord-Vertrieb zusammen und 1966 zogen wir mit der Vertretung nach Australien. Obwohl RØDE offiziell 1989 gegründet wurde, liegt der Ursprung eigentlich um 1966 und noch früher. Ich war mein ganzes Leben lang von professionellen Audiotechnologien umgeben, es gibt Fotos von mir im Kinderwagen zwischen Verstärkern. Als wir mit RØDE auf den Markt kamen, begann gerade eine neue Ära: Das ADAT war erfunden und man konnte sich mit relativ geringen Mitteln ein gutes Studio aufbauen. Vorher waren preiswerte Aufnahmesysteme nicht professionell verwendbar. Mit dieser neuen Ära stieg auch der Bedarf an Mikrofonen, und die damals erhältlichen teuren Neumanns, AKGs und ähnliche kosteten teilweise um die fünftausend Dollar. Das war unsere Chance. Wir planten von Anfang an große Stückzahlen, denn je mehr wir herstellen und verkaufen konnten, desto günstiger wurde die Produktion. Wenn man im Monat zwei Mikrofone in Handarbeit zusammenbaut, dann sind die natürlich unglaublich teuer - wir produzieren in der gleichen Zeit etwa 5000. Als das Neumann U47 um 1969 erschien, dauerte es etwa drei Jahre, bis davon 1000 verkauft waren. Der Markt dafür lag ausschließlich bei professionellen Studios, und wenn nur 20 bis 30 davon im Monat den Besitzer wechseln, dann sieht der Preis halt so aus. Ich habe jede Menge in Forschung und Entwicklung investiert, weil wir im Wesentlichen die Kosten durch Massenproduktion niedrig halten wollen. Alleine unsere computergesteuerte Werkzeugmaschinen haben einen Wert von zehn Millionen Dollar. Mit ihnen lässt sich sehr hochwertige Qualität zu niedrigen Preisen realisieren. Wir haben über die ganze Zeit geforscht und dazugelernt, denn niemand zeigt Dir, wie man ein gutes Mikrofon baut. Es ist ein gut gehütetes Geheimnis und wir waren gezwungen, unsere eigenen Technologien zu entwickeln. Und weil wir bei Null anfangen mussten, haben wir speziell im Herstellungsbereich Verfahren entwickelt, die andere nicht kannten.

B: Wie auch immer, es ist trotzdem ein langer Weg von der Entwicklung über die Herstellung bis hin zum weltweiten Vertrieb eines marktfähigen Produktes. Wie habt Ihr von Australien aus Euer Vertriebsnetz aufgebaut?

Vielleicht klingt es ungewöhnlich, aber es hat gerade deshalb funktioniert, weil wir in Australien sitzen. Wir sind so weit weg von allen anderen und so klein – gerade einmal 20 Millionen Einwohner leben hier. Wir Australier wissen über andere Nationalitäten Bescheid, wir müssen liebenswert sein und härter arbeiten als andere. Auch die großen Rock‘n Roll Bands wie AC/DC oder NXS haben geschuftet und die harte Tour durch die hiesigen Pubs gemacht. Als dann der internationale Durchbruch kam, war es leicht für sie.

Wir reisen kontinuierlich nach Europa, Amerika und Asien, um unsere Produkte vorzustellen und warten nicht, bis die Leute zu uns kommen. Ich bin gerne unterwegs, ich mag Marketing und wir bemühen uns, die Kunden nicht alleine zu lassen. Wir haben auch etwa 60.000 Clicks pro Monat auf unserer Video-Tutorial-Website. Es reicht halt nicht, ein Produkt zu haben, man muss den Menschen davon erzählen. Und es war der exzellente Kundenservice, der uns sehr geholfen hat. Wenn Du ein Mikrofon von mir kaufst und in fünf Jahren hast Du ein Problem damit, dann repariere ich es umgehend und gratis. Das gilt auch, wenn Du ein gebrauchtes RØDE Mikrofon kaufst. So haben wir es von Anfang an gehalten, denn es hat mich selbst immer geärgert, wenn ich etwas gekauft habe und es gab ein Problem und es hieß dann, ich müsse einen Monat auf die Reparatur warten. Und gleichzeitig musste ich sehen, wie die gleiche Firma Millionen in Werbung butterte, anstatt sich um ihre Kunden zu kümmern. Ich bekomme E-Mails von Kunden wie „... ich kaufe nie wieder ein anderes Mikro als RØDE!“. Wir lassen sie halt nicht allein und helfen ihnen, und das ist die beste Werbung für uns.

B: Wie sorgt Ihr für den Kundenservice außerhalb von Australien?

Unsere Vertriebe müssen das genau so leisten. Aber wir investieren überdies enorm in Qualitätskontrollen, von denen jedes Mikrofon im Verlauf der Herstellung sechs bis sieben durchläuft und zum Schluss noch von einem Mitarbeiter akustisch überprüft wird. Ich kann also eine fantastische Garantieleistung anbieten, weil die Mikrofone nicht ausfallen. Wir investieren zwar viel Geld in Technik und Produktion, aber am Ende geht es allein um die Musik: Wir wollen Produkte, die gut klingen.

B: Gibt es einen spürbaren neuen Trend in der Mikrofonierung, jetzt, wo die ersten Mikros mit digitalen Schnittstellen erscheinen?

Ich habe natürlich die Markteinführung des Neumann Digitalmikrofons verfolgt und weiß ehrlich gesagt nicht, was die da tun. Es ist interessant und ich freue mich, dass sie es tun, aber eigentlich ist es die Lösung eines Problems, das niemand hat. Ich habe mich mit einigen hochklassigen Toningenieuren unterhalten und die verstehen es auch nicht. Bislang stehen die Vielfalt und die unterschiedlichen Charaktere von Mikrofonen beim Aufnehmen im Vordergrund. Ein einziges Digitalmikro kann das nicht ersetzen. Es mag das Frühstadium einer Entwicklung sein, aber ich denke, Mikrofone sollten analog bleiben. Vielleicht kann man mehrere in einer digitalen Elektronik miteinander verknüpfen, manipulieren und ähnliches. Aber meine ganze Forschung konzentriert sich auf Nebengeräuschfreiheit, auf einen großen Dynamikumfang, auf die Wärme des Röhrensounds ohne Nebengeräusche oder auf die Frage, welche Verzerrung angenehm ist – also auf all die wichtigen Dinge. Kein Mikrofon ist neutral, jedes hat seinen eigenen Charakter, denn schließlich geht es nicht um neutrale Messmikrofone. Im Prinzip bauen wir Musikinstrumente.

B: Es ist interessant, dass Du mit RØDE eine Firma aufgebaut hast, die sich ausschließlich damit beschäftigt, Schall zu erfassen. Mit EVENT hast Du jetzt eine Firma übernommen, die sich der Wiedergabe von Schall in Form von Studiomonitoren widmet. Du hast damit quasi das „In“ und „Out“ eines Signalweges zu Deinem Lebensinhalt gemacht.

Ich war schon in den frühen Tagen von Event in die Firma involviert, denn EVENT war gleichzeitig Vertrieb von RØDE in den USA und wir waren sehr gut befreundet. Ich liebe Lautsprecher und hatte schon früher damit zu tun, hauptsächlich bei der Installation von Beschallungsanlagen und während meiner Arbeit als Livemischer. Vor drei Jahren wollte das Management von Event sich anderen Aufgaben widmen und ich bekam die Gelegenheit, die Firma zu kaufen, was ich dann auch tat. Es folgten drei harte Jahre und vier Millionen Dollar Entwicklungskosten für die Event Opal Boxen, aber es ist sehr aufregend, denn was wir entwickelt haben, ist absolut einzigartig.  

B: Während man bei Event drei Jahre in die Entwicklung der OPAL Box investierte, wurde gleichzeitig die komplette bereits existierende Produktpalette vom Markt genommen. Das ist schon sehr ungewöhnlich.

Sicher, aber Event war vorrangig im mittleren Preissegment platziert und dort bekriegen sich bekanntermaßen eine Unzahl von Marken. Ich wollte wie bei RØDE ein Produkt von hoher Qualität und mit bestmöglicher Technologie entwickeln. Die existierenden Produkte waren o.k., aber ich wollte die Vertriebe und den Handel nicht mit einer riesigen Produktpalette überfluten. Ein bestimmtes Produkt sollte hohe Verkaufszahlen produzieren, anstatt ohnehin überfüllte Lager noch weiter zu strapazieren. Auch für den Kunden ist es weniger verwirrend, wenn es nur dieses eine Produkt gibt. Letztendlich war es gut, die alte Produktpalette auslaufen zu lassen und dann mit etwas revolutionärem neuen zu kommen. Der Name Event ist sehr bekannt und genießt einen guten Ruf und ich bin überzeugt, dass alle zufriedenen Kunden dem neuen Produkt gegenüber offen eingestellt sein werden. Ich erwarte eigentlich nur, dass sie es sich ansehen und anhören, dass sie davon überzeugt sind und mir bestätigen, dass es das ist, worauf sie gewartet haben, also quasi die nächste Ebene.

Ich behaupte, dass die Opal Boxen der beste Weg zur Verbesserung Eurer Aufnahmen sind. Wenn ich nicht exakt höre, was ich aufnehme oder an den Aufnahmen verändere, wird es immer wieder zu negativen Resultaten führen. Im eigenen Studio hört es sich fantastisch an, woanders furchtbar. Es klingt in solchen Fällen dann nie wie die eigentliche Produktion, weil die Lautsprecher die Aufnahmen nicht akkurat abbilden. Du brauchst präzise Monitore und das sind die Opal.

B: Keine Frage, eine gute Studioabhöre erspart Ärger und Stress. Wenn man beim Mastering Fehler im Mix hört, ist es generell zu spät.

Ich habe viel gelernt über die Jahre. Ich habe mit Ingenieuren zusammengesessen und ihnen erklärt, was ich will. Die Boxen selbst habe ich nicht designt, das waren Marcello Vicelli und Anabel Jussun, aber wir haben viel Zeit zusammen verbracht. Das Wichtigste bei der Wiedergabe ist vor allem die niedrige Verzerrung. Man kann viel über Technologie erzählen, aber letztlich muss jeder die Boxen hören, am besten mit den eigenen Mixes, damit er erkennt, welche Möglichkeiten der Verbesserung es gibt. Liefert eine Box zu wenig Bass, wird der Mix basslastig und mumpfig, weil man nicht exakt hört, was man hinzufügt oder wegnimmt. In einem solchen Fall nützt auch die teure Studioperipherie wenig.

B: Ich höre häufiger die Frage, für welche Musik die EVENT OPAL am besten geeignet sind.

Es ist vollkommen irrelevant, ob ich AC/DC, Hip-Hop, Klassik, Jazz oder was auch immer höre, es klingt immer ausgewogen. Man kann mit den OPAL bei niedriger Lautstärke mischen, ohne Bass zu verlieren. Die Frequenzabbildung bleibt über den kompletten Dynamikumfang gleich, und das wohlgemerkt ohne Prozessortechnik.

B: Bei drei Jahren Entwicklung und kontinuierlichen Hörsessions stellt sich eine letzte Frage: Wie bleibt man bei all dem noch neutral beurteilungsfähig?

Indem man sich zum entscheidenden Zeitpunkt ausklinkt und das beste neutrale Gehör entscheiden lässt. Wir haben uns dabei zum Beispiel unter anderem auf John Merchant verlassen. Er ist einer der besten Mixing-Engineers der Welt, arbeitete für die Bee Gees, Celine Dion, Toni Braxton, David Foster, er ist eine Legende. Er kam zu Listening-Sessions, gab Tipps und so kamen wir schrittweise zum Ziel.

B: Dann bleibt uns nichts mehr, als Dir mit den neuen EVENT OPAL und natürlich mit RØDE weiterhin viel Erfolg zu wünschen.

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