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Test
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02.11.2019

Initial Audio Master Suite Test

Mastering-Plugin

Anyone can master now?

Die Düsseldorfer Softwareschmiede Initial Audio, ehemalig Ignite VST, ist bekannt für ihre genrespezifischen Rompler und Softwaresynthesizer, deren Sounds auf Trap, Grime und Co. spezialisiert sind. Speziell mit der Nexus-Alternative Heat Up, dem Wavetable-Synth Sektor und dem 808-Studio will Initial Audio nun auch den Effekt-Plugin-Markt erobern.

Mit dem Slogan „Anyone can Master!“ bewirbt Initial Audio sein erstes Multieffekt-Plugin, das es speziell auf Masterings abgesehen hat. Laut Hersteller sollen Masterings damit in 30 Sekunden erstellt werden. Große Kenntnisse über generelles Mastering oder die einzelnen Effekte des Plugins benötigt man angeblich nicht, um schnelle Ergebnisse zu erzielen – Zeit also für einen Praxistest!

Details

Kompatibilität und Installation

Das Plugin gibt es für macOS als AU-Plugin in 64-Bit und als VST-Variante für macOS (64-Bit) oder Windows (32- und 64-Bit). Die Plugins können im Onlineshop via PayPal oder Apple Pay bezahlt werden, wonach ihr den Zugang zum Download erhaltet. Für die Master Suite liegt im Account eine Seriennummer bereit, mit der das Plugin freigeschaltet werden kann. Mit der Demoversion könnt ihr das Ganze vorab testen.

Masterings für jedermann?

Nach dem Recording und Mixdown eines Songs folgt das Pre-Masterig, umgangssprachlich auch „Mastering“ genannt. In diesem finalen Schritt einer Produktion  wird (unter anderem) dem Gesamtsound der letzte Schliff verpasst. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Songs zu mastern. Im Idealfall wird das Mastering von jemandem durchgeführt, der nicht an Beatproduktion, Arrangement, Aufnahme oder Mixdown beteiligt war. Somit ist gegeben, dass der Klang unvoreingenommen bearbeitet wird und derjenige sich nicht etwa an eventuelle Fehler im Mix gewöhnt hat. Für das Mastering von Songs braucht es viel Erfahrung und ein geschultes Gehör, um die Feinheiten herauszuhören, die es zu verbessern gilt. Unter anderem werden das Stereobild, das Frequenzspektrum, die Dynamik und die Lautheit eines Stückes unter die Lupe genommen.

Dazu benutzen Mastering Engineers nicht selten eine Kombination aus Effekt-Plugins und analogem Highend-Equipment, wie Equalizer, Multiband-Kompressoren und Co.  Mittlerweile tummeln sich auf dem Softwaremarkt nicht nur die großen Mastering Suites à la iZotope Ozone oder IK Multimedia IK Multimedia T-Racks, sondern auch eine Art von Channelstrip-Plugins, die mit wenigen Bedienelementen ausgestattet sind und dennoch die Basics des Masterings abdecken wollen. Dazu zählen Produkte wie Brainworx bx_masterdesk   oder auch IK Multimedia One. Und auch Initial Audio hat mit der Master Suite ein solches Plugin ins Leben gerufen, das verschiedene Prozessoren in einem Multitool vereint. Doch  „eierlegende Wollmilchsäue“ sind bekannt dafür, dass Qualität oft vernachlässigt wird – besonders dann, wenn es nur wenige Parameter gibt, obwohl viele Effektprozessoren im Hintergrund arbeiten. Schauen wir uns die Master Suite im Detail einmal genauer an.

Bedienoberfläche und Konzept

Der Vorteil solcher All-in-One-Plugins ist, dass sie sich einfach bedienen lassen und dadurch auch Einsteiger schnell ans Ziel kommen. In Anbetracht der diversen Module ist die Master Suite mit nur wenigen Parametern ausgestattet. So verfügt das Tool beispielsweise über einen Kompressor mit nur zwei Reglern – ziemlich grob für einen Mastering-Effekt. Mit diesen Reglern lässt sich die Kompression parallel hinzumischen. Mit „Soften“ lässt sich das Softknee, also die Kurve des Kompressors, regulieren, damit die Komprimierung mehr oder weniger sanft zupackt. 

Mit einem 3-Band-Equalizer könnt ihr Bässe, Mitten und Höhen um maximal 6 dB anheben oder absenken, die Frequenzen sind dabei leider nicht veränderlich. Eine Analyse mit Rauschgenerator und Spektrumanalyzer zeigt, dass die Tiefen ab etwa 500 Hz bearbeitet werden, der Mid-Regler sich um Frequenzen ab 1.000 Hz kümmert und die Grenzfrequenz des Höhenreglers etwa bei 6.000 Hz liegt. Letzterer bearbeitet das Signal ab diesem Punkt parallel. Sprich: Hebt ihr die hohen Frequenzen über 6.000 Hz an, wird alles darunter abgesenkt und umgekehrt. Daher sollte man mit dem EQ nur wenige Dezibel boosten oder cutten. Durch die parallele Bearbeitung kann das Material schnell dünn bzw. zu penetrant in den oberen Mitten werden. Eher unpraktisch finde ich auch, dass der Bassregler schon ab 500 Hz anhebt, was insgesamt einen eher mittenlastigen Gesamtsound ergibt. Gerasterte Grenzfrequenzen würden mehr Spielraum bei der Frequenzanpassung ermöglichen.Schließlich sind Songs zu verschieden, als dass man bei einem Drei-Band-Mastering-EQ mit jeweils einer Grenzfrequenz auskommen könnte.

Mit dabei ist außerdem ein Analog-Button, mit dem der Frequenzgang so geändert werden soll, dass der Gesamtsound „analoger“ klingt. Mit einem zusätzlichen THD-Regler könnt ihr dem Gesamtsound Obertöne in Form von Total Harmonic Distortion hinzufügen, was den Sound tatsächlich satter gestaltet. Dadurch wird der Sound mit harmonischen Verzerrungen angereichert, wodurch die wahrgenommene Lautheit schon mal erhöht werden kann.

Mach’ mal lauter!

Richtig laut wird es aber erst mit dem Loudness-Regler, unter dessen Haube ein adaptiver Limiter die Lautheit erhöht.  Dieser ist mit dem Kompressor gekoppelt, wodurch nicht nur die Lautheit, sondern auch die Komprimierung justiert wird. Möchte man den Kompressor deaktivieren bzw. nur leicht hinzumischen, greift man zum Mix-Regler.  Mit einem dazugehörigen LUFS-Meter könnt ihr die Lautheit unter Kontrolle halten. LUFS steht für „Loudness Units relative to Full Scale“. Dies ist ein Industriestandard zur Messung der wahrgenommenen Lautheit. In der Master Suite signalisiert dieses Meter mit grüner, gelber und roter Farbe, ob sich die Lautheit in einem akzeptablen oder kritischen Bereich befindet. So kann man beim lauter Drehen der Tracks nicht viel falsch machen. Mit Ceiling wird die gewünschte Lautstärke in dB angegeben, welche beim Mastering je nach Zielmedium meist zwischen -1 dB und 0,3 dB liegen sollte.

Den Schluss der Suite bildet eine Stereo-Image-Sektion, mit der sich die Stereobasis verbreitern lässt. Mit dem Monoregler „Frequenzen“ könnt ihr bestimmen, ab welcher Frequenz verbreitert werden soll. Alle darunter liegenden Frequenzen werden absolut mono, um beispielsweise die Bässe, die Kickdrum oder den „Bauch“ der Snare in der Mitte zu belassen, was für knackigere Verbreiterungen sorgen kann. Leider verbreitert der Stereoregler den Sound nicht nur, sondern er reichert das Signal auch mit hohen Frequenzen an, was schnell harsch klingt. Daher kam ich mit dem Stereoregler nicht immer zu zufriedenstellenden Ergebnissen.

Mastering für die schnelle Küche

In einem Demovideo zeigt Initial Audio, dass sich mit der Suite Tracks in 30 Sekunden mastern lassen. Das ist zwar möglich, doch am Ende zählt in den meisten Fällen nicht die Schnelligkeit, sondern das klangliche Ergebnis. Und genau das fällt im Vergleich mit ähnlichen Produkten nicht unbedingt überragend aus. Doch Initial Audio will uns hiermit sicherlich kein Produkt für absolute Highend-Masterings, sondern vielmehr für die „schnelle Küche“ an die Hand geben. Wer seine Tracks für Demozwecke schnell mal lauter, breiter und fetter machen möchte, bekommt mit der Master Suite ein entsprechendes Tool. Finale Masterings sollte man aber nach wie vor dem Profi überlassen. 

Davon abgesehen sollte man noch eine Sache im Hinterkopf behalten: Obwohl es sich bei diesem Plugin um ein Mastering-Tool handelt, könnt ihr es ebenso auf einzelnen Spuren oder Gruppen im Mix verwenden. Wenn das Tool im Masterkanal nicht zu den gewünschten Ergebnissen führt, da ihr nicht den ganzen Song, sondern zum Beispiel nur die Pads oder Bells verbreitern wollt, wisst ihr, was zu tun ist! 

In den folgenden Klangbeispielen habe ich die Master Suite gegen artverwandte antreten lassen. Ihr hört zunächst das unbearbeitete Material, dann Initial Audios Master Suite, IK Multimedia One und zum Schluss Brainworx bx_masterdesk. Im direkten Vergleich fällt auf, dass die bx_Konsole das Material breiter klingen lässt, als die anderen beiden Plugins, ohne dass die Stereobasis undefiniert wirkt. Mit IK Multimedias One erreicht man zwar den wärmsten Sound, der auch die Bässe richtig rund und satt klingen lässt, doch richtig laut bekommt man die Tracks damit leider nicht. Zudem wirkt das Master damit vergleichsweise plattgedrückt – auch bei subtilen Einstellungen. Mit Initial Audios Master Suite seit ihr in der Lage das Signal wirklich laut zu machen. Auch durch die Sättigung erscheint der Gesamtsound nochmals direkter. Da der THD-Regler besonders die hohen Frequenzen nach vorne drückt, solltet ihr es damit nicht übertreiben. Besonders dann, wenn ihr die Stereobasis extrem verbreitern wollt. Denn leider betont die Master Suite dabei hohen Frequenzen, was eher untypisch für eine reine Verbeiterung der Stereobasis ist. Nutzt man alle Regler in dezenten Einstellungen, kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Wenn Initial Audio in einem Update noch den EQ, wie bereits erwähnt, flexibler macht, erhält man für den Preis schon ein wirklich gutes All-In-One-Produkt, das sich vor der Konkurrenz wirklich nicht verstecken braucht!

Fazit

Initial Audios Master Suite kombiniert ein überschaubares Bedienkonzept mit schnellen Ergebnissen. Mit nur wenigen Handgriffen gelangt man zu einem Mastering-Sound, der zumindest für Demos ausreichend ist. Verglichen mit ähnlichen Produkten anderer Hersteller verfügt die Master Suite über wenige Parameter, wodurch die Eingriffe ins Klanggeschehen sehr grob ausfallen. Dem EQ fehlt es an änderbaren Grenzfrequenzen, die das Plugin nicht wirklich komplizierter gemacht hätten. Durch das rundum minimalistische Gesamtkonzept können auch Einsteiger nicht viel falsch machen. Richtige Masterings kann und will dieses Plugin ganz sicher nicht ersetzen.  Vielmehr sollte die Initial Audio Mastering Suite dann genutzt werden, wenn es mal wieder schnell gehen muss. Wer seine Tracks ohne viel zu schrauben lauter, satter und breiter machen möchte, ist hier richtig.

  • Pro
  • einsteigergerechtes Bedienkonzept
  • schnelle Ergebnisse
  • LUFS-Meter erleichtert „Lautmachen“
  • satter Sound mit Total Harmonic Distortion und Analog Mode
  • Contra
  • Master Suite ermöglicht nur grobe Klangänderungen
  • feste, unpraktische Grenzfrequenzen im 3-Band Master-EQ
  • Stereo Image der Master Suite klingt harsch
  • Features
  • Master Suite
  • Loudness-Regler inklusive LUFS-Meter
  • Total Harmonic Distortion Regler
  • Kompressor mit Mix- und Softknee-Regler
  • Analog Mode
  • Drei-Band-Equalizer
  • Stereobasisverbreiterung
  • unterstützt AU und VST
  • Systemvoraussetzungen: macOS mit AU- oder VST-fähiger DAW (64-Bit), Windows mit VST-fähiger DAW (32- oder 64-Bit), Internetverbindung
  • Preis
  • 171 Euro (UVP, am 31.08.19)
  • 42,- Euro (Einführungspreis am 31.08.19)

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