Test
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15.01.2016

Hypersynth Xenophone Test

Monophoner Analogsynthesizer

Der Exot aus dem Morgenland

Als monophoner, analoger Desktop-Synthesizer hat sich der Hypersynth Xenophone (fast möchte man „das“ Xenophone sagen) nicht unbedingt eine Marktlücke ausgesucht. Der Kleine lässt allerdings nicht nur durch seine ungewöhnliche Herkunft aufhorchen, sondern möchte auch durch einen riesigen Umfang an Features zu einem recht vernünftigen Preis punkten. Im Test haben wir dem Hypersynth Xenophone auf den Zahn gefühlt.

Es passiert nicht häufig, dass ein Testgerät zumindest einen Hauch von Geheimnis mit sich bringt. In der Regel kennt man den Hersteller und weiß weitgehend, was einen erwartet. Mit dem Xenophone ging es mir anders, denn der Hersteller Hypersynth – ein Name, der deutsche Ohren leider an sehr schlimme Musik denken lässt – war mir nicht geläufig. Und tatsächlich ist dieser Desktopsynth auch der erste Schritt der Firma in den Hardwarebereich, während sie dem einen oder anderen unter anderem für den SIDzer, eine Software-Emulation des berühmt SID-Prozessors, sowie einige Software-Editoren bekannt sein könnte. Meinem hartnäckigen Interesse zum Trotz ließ sich auf der Website nicht finden, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Einige Posts im Netz ließen vermuten, dass es doch etwas Exotischeres sein musste. Als ich aus technischen Gründen (dazu später mehr) mit den Hypersynth-Leuten mailen musste, konnte ich mir doch nicht verkneifen nachzufragen, und es kam die Antwort: "We are based in Persia." Iran also, nicht gerade bekannt für eine lange Tradition an Synthesizer-Herstellern. Um so bemerkenswerter, dass die Firma offenbar einen seriösen Vertrieb in mehreren Ländern gefunden hat, unter anderem eben in Deutschland.

Details

Während Firmen wie Moog, Dave Smith oder auch Indies à la MFB auf Jahrzehnte an Expertise zurückblicken und in der Regel auch entsprechende technische Masterminds in ihren Reihen haben, dürfte es für eine kleine Firma wie Hypersynth ein ziemlicher Kraftakt gewesen sein, etwas wie den Xenophone zu entwickeln und herzustellen, zumal als allererstes Hardware-Produkt. Da ist es schon etwas überraschend, dass das Gerät so stilvoll, seriös und wertig daherkommt und ihm äußerlich wirklich keinerlei DIY anhängt. Dass man es hier nicht ausschließlich mit der geschnörkelten Performance eines Mainstream Produktes zu tun hat, merkt man aber zum Beispiel, wenn man die neueste Firmware aufspielen möchte. Das wird eben nicht vom eigens gelieferten Programm übernommen oder sonst wie komfortabel abgewickelt. Vielmehr muss man, einer recht präzisen Anleitung folgend, zweierlei Softwares auf seinem Rechner installieren, die Firmware herunterladen und über USB an den Xenophone übermitteln. Wer eine Hexadezimal-Allergie hat, sollte davon lieber Abstand nehmen. Und prompt funktionierte das Ganze bei mir auch nicht. Die Beschreibung wies freundlicherweise darauf hin, dass man mit der Prozedur in keinem Fall den Synth schädigen kann, es blieb eben nur ein Gerät ohne Betriebssystem zurück, mit dem man herzlich wenig anfangen konnte. Hier nun also waren die freundlichen Perser gefragt, die sich sehr schnell und nett auf meine Anfragen zurückmeldeten. Am Ende stellte sich heraus, dass es am USB-Kabel lag, ein Teil, von dem ich bis dato dachte, dass es entweder funktioniert oder ausfällt, nicht aber, dass es auch nur teilweise funktionieren kann.

Apropos Beschreibung: Das Handbuch des Xenophone liegt zum Download in Englisch und Deutsch vor, wobei die deutsche Übersetzung nicht etwa von Herrn Google vorgenommen wurde, sondern von einem echten Menschen, der zudem des Deutschen absolut mächtig ist. Das hat mir deshalb sehr gefallen, weil es zeigt, dass man bei Hypersynth offenbar sorgfältig arbeitet und es der Firma für den ja nicht kleinen deutschen Markt wichtig war, eine ordentliche Bedienungsanleitung vorlegen zu können. Nicht so begeistert war ich von der Idee, einige Funktionen nur in der Kurzanleitung zu erklären. Eine solche dient ja in der Regel dazu, dass der Ungeduldige schnell loslegen kann und in kompakter Form alles Wesentliche serviert bekommt. Deshalb dann elementare Details in der Hauptanleitung wegzulassen, finde ich sträflich, und es hat bei mir zu einiger Verwunderung und zu Haareraufen geführt, bis ich – ziemlich spät – mal einen Blick in den Quick Guide geworfen habe.

Ihrer Firmenhistorie entsprechend, hat die iranische Firma dem Xenophone auch eine Editor-Software zur Seite gestellt, die als VST-Plug-in funktioniert und sich kostenlos herunterladen lässt. Durch das VST-Format kann der Synth demnach nicht nur komfortabel programmiert, sondern, wie man es mittlerweile von einigen Hardwaresynths kennt, ähnlich einem Softwaresynthesizer in die DAW-Umgebung eingebunden werden. Sehr schade nur, dass dieses Privileg bis dato den Windows-Nutzern vorbehalten bleibt. Eine Mac-Version ist wohl in Arbeit, aber auf Nachfrage schien die Firma der Auffassung zu sein, dass der Editor nur eine kleine Kirsche auf der Torte sei – was nicht danach klingt, als arbeite man mit Hochdruck daran, auch Mac-Usern dieses, wie ich finde, nicht unwichtige Feature anbieten zu können.

Aufbau

Versuchen wir mal, einen Überblick über die Funktionen des Xenophone zu bekommen. Sehr zentral: Es handelt sich um einen monophonen Synthesizer mit einem hundertprozentig analogen Signalweg. Lediglich die Effektsektion ist teilweise digital, wird aber laut Diagramm erst an den Ausgängen hinzugemischt und kann natürlich bei Digitalunverträglichkeit auch komplett zum Schweigen gebracht werden. Die Klangerzeugung erfolgt wenig überraschend nach den Regeln der subtraktiven Klangsynthese, zu der drei Oszillatoren, zwei Suboszillatoren, ein Rauschgenerator und ein Multimodefilter beitragen. Zur Modulation stehen nicht weniger als drei Envelopes und drei LFOs zur Verfügung, wobei sich mit Hilfe einer achtzeiligen Modulationsmatrix auch komplexere Modulationen einrichten lassen. Abgerundet wird das Portfolio von einer Arpeggiator/Sequencer-Sektion.

Bei den Anschlüssen finden sich eine Köpfhörerbuchse, Ausgänge für linken und rechten Kanal, ein Audioeingang sowie eine Buchse für Gate/CV-In und -Out, allesamt als 6,3 mm-Klinke. MIDI-In und Out dürfen natürlich nicht fehlen, ebenso wenig wie der USB-Anschluss, der beim Xenophone für Systemupdates verwendet wird, allerdings auch MIDI über USB empfangen kann (dieses Feature ist beispielsweise nur in der Kurzanleitung erwähnt).

Die heutige Design-Standardformel lautet: edel-analog gleich Holz. Insofern liegt die hölzerne Einfriedung der Stahlkiste im Trend, was nicht heißt, dass man sich nicht an ihr erfreuen darf. Dem Testgerät lagen zusätzlich die optional erhältlichen "angled" Seitenteile bei, mit denen man den Synthesizer pultartig aufstellen kann. Sehr schön!

Das Layout des Panels ist, je nach Geschmack, auf eine gute oder weniger gute Art neutral. Ich finde es insofern gelungen, als es die ja nicht unerheblichen 26 Drehregler und 27 Knöpfe sowie etliche LEDs und das Display so arrangiert, dass man auf dem wenigen Platz stets den Überblick behält und alles recht logisch angeordnet ist. Optisch anziehend dürfte das allerdings eher auf den technisch Interessierten wirken. Wer sich verschiedene Bilder des Xenophone ansieht, wird feststellen, dass die Drehregler unterschiedliche Optiken haben können. Manchmal werden die Potis von weißen Ringen gekrönt, was sehr chic aussieht, in anderen Fällen – wie bei meinem Testgerät – fehlen diese, so dass etwas plump wirkende schwarze Plastikregler zurückbleiben. Keine Ahnung, wie es zu diesem Unterschied kommt. Vielleicht spekuliert man darauf, dass die Geräte mit weißen „Kronen“ mal begehrte Sammlerstücke werden. Jedenfalls würde ich sehr dafür plädieren, alle Geräte mit der schönen Variante der Potis auszustatten.

Klangerzeugung

Mit seinen drei Oszillatoren und zwei Suboszillatoren plus Rauschgenerator und Ringmodulator sticht der Xenophone sicherlich aus der Masse der analogen Monophonen heraus. Das ist schon eine beeindruckende Ausstattung. Zudem erzeugen die vom Funktionsumfang identischen Oszillatoren 1 und 2 nicht nur die üblichen Schwingungsformen. Neben Sägezahn, Rechteck und Dreieck steht nämlich auch Komplexeres zur Verfügung: eine Kombination aus Sägezahn und Rechteck, eine aus Dreieck und Rechteck sowie eine aus Rechteck/Rechteck. Mit Hilfe des Shape-Reglers lässt sich bei kombinierten Schwingungsformen stufenlos zwischen der einen und anderen morphen. Natürlich kann für Rechteck die Pulsbreite eingestellt werden (was bei der doppelten Rechteckform nur eine der beiden verändert), auch eine Verschiebung der Phasenlage ist möglich. Zudem ist ein analoger Ringmodulator vorhanden, der (fest verdrahtet) die Rechteckformen von Osc 1 und 2 zusammenführt. In diesem Szenario bleiben die anderen Schwingungsformen von Oszillator 2 dennoch nutzbar. Die beiden ersten Klangerzeuger lassen sich in der Grundfrequenz über stattliche zehn Oktaven einstellen, und für beide kann das Keytracking auch deaktiviert werden, womit sie nicht mehr auf einkommende Steuerspannungen oder MIDI-Noten reagieren. Außerdem verfügen sie je über einen Suboszillator, der eine Rechteckform mit 50% Pulsbreite ausgibt. Diese kann wahlweise eine oder zwei Oktaven unterhalb der Grundfrequenz des Hauptoszillators liegen. Damit aber nicht genug: Den Suboszillatoren ist alternativ ein ringmoduliertes Signal zu entlocken, das zwei oder vier Oktaven tiefer erklingt. Dabei ist die Lautstärke der Subs stufenlos regelbar.

Oszillator 3 ist von einfacherer Natur. Er kann lediglich Rechteck erzeugen und ihm wurde begreiflicherweise auch kein weiterer Suboszillator zur Seite gestellt. Außerdem muss er seinen Platz mit dem Rauschgenerator teilen, so dass nur eine von beiden Optionen gewählt werden kann. Der Rauschgenerator wiederum strebt offenbar nach Höherem: Er kann weißes, rosa und rotes Rauschen von sich geben sowie ein weiteres, welches die Herzen der 80er-Freunde höher schlagen lässt, heißt es doch „C64“. Gemeint ist damit jenes Rauschen, das der eben schon erwähnte (und im Commodore 64 verbaute) SID-Chip erzeugt. Dessen Besonderheit liegt darin, dass es an der Grundfrequenz von Oszillator 3 betonte tonale Elemente hat, so dass sich Tonhöhenänderungen bemerkbar machen und man diesen Sound also über die Tastatur spielen kann.

Bezüglich der Oszillatoren lassen sich auch einige generelle Einstellungen vornehmen. So soll zum Beispiel „Detune“ die Verstimmung zwischen den Oszillatoren bestimmen, indem die Funktion Osc 1 nach oben verstimmt, Osc 2 nach unten und Osc 3 unberührt lässt und dies offenbar unabhängig von den Einstellungen, die man für die Feinstimmung der beiden ersten Oszillatoren vorgenommen hat (letzteres ist übrigens eine Funktionalität, die unseligerweise keine eigenen Potis bekommen hat, sondern über die multifunktionalen Potis unterhalb des Displays eingestellt werden kann). Jedoch ließ sich der Wert für „Detune“ bei meinem Testgerät komischerweise nicht ändern und blieb stur bei 0. Über einen weiteren Wert kann bestimmt werden, wie stark Oszillator 1 von 2 moduliert wird (FM), und es können sowohl Hardsync als auch Phasenreset (Oszillatoren beginnen bei neuem Tastenanschlag ihren Zyklus immer gemeinsam neu) eingeschaltet werden. Weiterhin sehr interessant ist die Funktion „Drift“, mit der man bestimmen kann, wie konsistent das Tuning der Oszillatoren ist. Da der Xenophone mit DCOs arbeitet, sind die Klangerzeuger normalerweise perfekt in tune. Möchte man das aber gerade nicht, hat man über „Drift“ die Möglichkeit, einen Algorithmus ins Spiel zu bringen, der die Schwankungen analoger Schaltkreise emuliert und das Tuning im Mikrocent-Bereich verändert. Über den Wert für „Drift“ kann man somit stufenlos von der perfekten bis zur vintagemäßig schiefen Stimmung gelangen – eine sehr schöne Funktion.

Wie bei derlei Synth-Architekturen üblich, werden die Signale der verschiedenen Oszillatoren auch beim Xenophone in einem Mixer zusammengeführt, bevor sie das Filter erreichen. Dies geschieht bei diesem Desktop-Synth genauso unspektakulär wie bei vielen anderen. Allerdings hält er auch hier einen kleinen Trumpf im Ärmel. Es lässt sich nämlich nicht nur über ein Poti eine externe Klangquelle hinzumischen, sondern der Signalfluss erzeugt, ist am Eingang des Xenophone nichts angeschlossen, über dieses Poti eine Feedbackschleife, indem das Signal hinter dem Mixer abgegriffen und diesem am Eingang wieder zugeführt wird. Dadurch entsteht ein druckvollerer, oft auch leicht angezerrter Sound, der bei Übertreibung auch schon mal zur dunklen Seite der Macht führen kann. Die Beliebtheit dieser Klangformungsmöglichkeit ist auch anderen Herstellern nicht verborgen geblieben, so dass diese Funktionalität absolut kein Novum ist. Allerdings ändert das nichts daran, dass man diese Option als Pluspunkt für den Perser werten muss und als Voyager-Besitzer etwas neidisch ist, dass das auch ohne abenteuerliches Kabelstecken möglich ist.

Beim Filter haben sich die Entwickler für ein wirklich potentes Multimodefilter entschieden, das als Lowpass, Highpass (beide wahlweise mit einer Güte von 12 dB, 18 dB und 24 dB), Bandpass, Notch (beide 12 dB) oder als vorkonfigurierte, serielle Kombinationen aus 18 dB Lowpass mit 6 dB Highpass oder 12 dB Lowpass mit 6 dB Highpass arbeiten kann. Einige der Schaltungen sind bei entsprechend hohen Einstellungen für Resonance selbstoszillierend. Weiterhin lässt sich für die Grenzfrequenz stufenlos Keytracking einstellen – und es funktioniert einwandfrei, so dass sich die Selbstoszillation bei 100% Tracking wunderbar spielen lässt – und auch eine Frequenzmodulation durch Oszillator 1 ist zuschaltbar.

Der Xenophone besitzt drei Hüllkurvengeneratoren. Die ersten beiden sind, wie üblich, fest mit dem VCA sowie dem Filter verbunden, die dritte kann hingegen frei verwendet werden. Bei allen handelt es sich um DAHDSR-Envelopes, sie bieten also neben den üblichen Parametern Attack, Decay, Sustain und Release noch zwei weitere, nämlich Delay, womit ein Zeitwert angegeben wird, der bis zum Start der Attackphase vergeht, und Hold, eine Periode gleich nach der Attackphase vor Einsetzen des Decays. Zudem verfügen die Hüllkurven über verschiedene Charakteristiken. Im linearen Modus sind die Attack-, Decay- und Release-Verläufe völlig gerade – eben linear –, während sie in den anderen Modi nicht-linear funktionieren. Der sogenannte „RC“-Modus, den es in zwei Intensitätsstufen gibt, ahmt dabei das Lade-/Entladeverhalten eines Kondensators nach, wodurch beispielsweise die Attackkurve zunächst steil ansteigt und dann sanft ausläuft. Im vierten Modus, der in der Bedienungsanleitung „Expotential“ heißt, vermutlich gemeint war „Exponential“, ist es gerade umgekehrt: Der Attack steigt zunächst sanft, dann aber immer stärker an. Außerdem können die Envelopes auf verschiedene Arten getriggert werden. Mit der Einstellung „always“ erreicht man, dass dies bei jeder gespielten Note der Fall ist – etwas, das auch schon mal „multitrigger“ heißt – bei „legato“ hingegen läuft die Hüllkurve bei einer legato gespielten zweiten Note einfach weiter. „Analog1“ imitiert ein klassisches Verhalten, bei dem zwar durch den zweiten Ton die Hüllkurve neu gestartet wird, diese jedoch nicht bei Null anfängt, sondern beim dann aktuellen Spannungswert weitermacht. „Analog2“ schließlich entspricht „Analog1“, nur in der Legato-Version. Direkt im Envelope-Menü kann sehr leicht eingestellt werden, wie groß der Einfluss der Anschlagsstärke auf die Hüllkurven ist. Und es gibt noch zwei kleine Besonderheiten: Stellt man die Release-Zeit auf null, so gehen die Hüllkurven in einen Loop-Modus, bei dem die Attackphase immer wieder beginnt, sobald die Decayphase durchlaufen ist. Wählt man beim Release dagegen das Maximum, so befindet man sich im Hold-Modus, so dass immer die maximale Steuerspannung ausgegeben wird. Dies ist insbesondere praktisch, wenn man ein externes Signal bearbeiten möchte, da es so immer und nicht nur bei Tastenanschlag hörbar ist. Wie man es von digitalen Hüllkurven erwarten würde, sind sie pfeilschnell.

Drei LFOs hat der iranische Desktopsynth im Gepäck, deren Geschwindigkeit über ein eigenes Poti geregelt und auch mit Hilfe einer blauen LED optisch mitgeteilt wird. Dabei teilen sich LFO 1 und 2 jedoch ihre Bedienelemente. Immer gut: Die LFOs sind zum Tempo synchronisierbar, wobei in diesem Fall der Geschwindigkeitsregler die Teilungsrate festlegt. Möglich sind 1/32 bis 1/2t. In freier Fahrt erzeugen die LFOs bis knapp 100 Hz, reichen also in den hörbaren Bereich hinein, wenn auch nicht besonders weit. An Schwingungsformen werden geboten Sinus, Dreieck, Sägezahn, Rechteck, Sample&Hold sowie Sample&Glide. Ein kurzes Wort zu den beiden letzteren. Eine klassische Sample&Hold-Schaltung funktioniert so, dass an ihrem ersten Eingang ein beliebiges Signal anliegt, dessen momentanen Wert sie festhält (sampelt), sobald sie am zweiten Eingang ein Triggersignal erhält, und zwar so lange, bis ein weiterer Trigger kommt, woraufhin sie den dann aktuellen Wert von Signal 1 ermittelt. Man kann sich das gut wie getriggerte Schnappschüsse vorstellen. In der Regel wird als zu sampelndes Signal ein Rauschen verwendet, um möglichst unterschiedliche Werte zu bekommen, und die Trigger werden beatsynchron abgefeuert. Dadurch entsteht so etwas wie ein rhythmisch laufender Zufallsgenerator. „Sample&Glide“ bezeichnet das Gleiche wie Sample&Hold, nur dass die Werte sich nicht sprunghaft ändern, sondern – wie beim Portamento – von einem zum nächsten gleiten.

Effekte

Da man die Sounds von Analogsynths, abgesehen von Bass-Sounds, häufig nicht ganz trocken verwendet, gehört es mittlerweile zum guten Ton, den Geräten auch eine Effektsektion zu gönnen. Das Mindeste ist hier ein einfaches Delay, Hypersynth hat sich aber für eine etwas umfangreichere Variante entschieden, die analoge Verzerrung und digitale Hall- und Delay-Programme bietet – übrigens eine Kombination, wie man sie auch im Alesis Andromeda findet, wobei dieser auch Modulationseffekte zur Verfügung stellt. Die Verzerrung kann interessanterweise nicht stufenlos eingestellt werden, sondern anhand der vorgegebenen Härtegrade „light“, „dirty“, „harsh“ und „massive“. Die digitalen Effekte wiederum bilden eine sinnvolle Palette aus Room, Hall, Cathedral, Gated (Reverb), Plate, Delay (links und rechts getrennt regelbar), Pingpong-Delay und einer Kombi aus Reverb und Delay. Über das Menü im Display können in der Regel drei Parameter zu den Effekten eingestellt werden, bei den ersten Hallprogrammen zum Beispiel Predelay, Hallzeit und Dämpfung. Damit lassen sich zwar keine differenzierten Effekte bauen, dennoch hat man alle wichtigen Parameter im Griff. Die Effekte sind zum Tempo des Arpeggiators/Sequencers – oder zu einem externen Sync-Signal – synchronisierbar, und selbstverständlich ist ein Dry/Wet-Poti vorhanden.

In der Bedienungsanleitung ist die Effektsektion unter „Hauptelemente“ verbucht, wo die Sprache auch auf den Volumeregler kommt. Deshalb ein kurzes Wort dazu: Auf dem Bedienfeld des Xenophone findet man das Lautstärkepoti oben rechts. Da alle Potis identisch sind, hebt es sich optisch oder haptisch nicht von den anderen ab, liegt aber, zumindest für Rechtshänder, günstig und exponiert. Allerdings handelt es sich mitnichten um den Hauptlautstärkeregler, sondern lediglich um die Einstellung für die Lautstärke des jeweiligen Presets. Die Hauptlautstärke muss man mit Hilfe eines – recht kleinen und wenig griffigen – Potis regeln, das sich links auf der Rückseite befindet. Während die Trennung von Gesamt- und Preset-Lautstärke sicher sinnvoll (und ja auch üblich ist), finde ich dieses Arrangement ziemlich unglücklich. Ganz abgesehen davon, dass ja immer mal ein Feedback aus dem Ruder laufen kann, möchte man doch das Gesamtvolume unbedingt stets im Blick und im Griff haben, so dass das entsprechende Poti für mich eindeutig gut sicht- und greifbar auf die Bedienoberfläche gehört.

Modulationsmatrix

Seit Oberheim sie erfunden hat, ist die Modulationsmatrix in der einen oder anderen Form ein gesetztes Feature jedes Analogen, der etwas auf sich hält. Auch der Xenophone macht hier keine Ausnahme. Acht Zeilen bietet seine Matrix – keine ausufernde, aber sicher in der Regel eine ausreichende Zahl –, in denen jeweils eine Modulationsquelle mit einem Modulationsziel verbunden und die Intensität der Modulation festgelegt wird. Die Auswahl insbesondere der Modulationsquellen ist erstaunlich umfangreich. Jenseits der üblichen Optionen wie LFO1 oder Modulationshüllkurve finden sich nämlich auch diverse MIDI-Ereignisse und Kombinationen aus Quellen, zum Beispiel LFO1 kombiniert mit ModWheel oder LFO1 mit LFO2. Darüber hinaus gibt es so schöne Dinge wie eine unipolare oder bipolare (nicht Störung, nein) Zufallsspannung oder die Möglichkeit, den Pitch der Oszillatoren in Oktavsprüngen zu modulieren.

Arpeggiator und Sequencer

Das letzte große Feature des Xenophone ist sein Arpeggiator beziehungsweise Sequencer. Beide Optionen stehen nur alternativ zur Verfügung, also entweder Arpeggiator oder Sequencer, und sie teilen sich Einstellungen wie Tempo, Gate (Tonlänge) oder Div (Notenwert). Wie man bestimmt, ob Arpeggiator oder Sequencer zur Arbeit gebeten wird, ist einigermaßen kurios: Auf der zweiten Menüseite gibt es den Parameter „Span“, mit dem man für den relativ schlichten Arpeggiator festlegt, in welcher Reihenfolge er die gespielten Töne abliefert: up, down, up/down oder in der gespielten Abfolge. Zu diesem Parameter kann (oder muss) man weiterhin nicht nur greifen, wenn man die Arpeggiator/Sequencer-Sektion ausschalten möchte („off“), sondern sollte hier das Zauberwort „step“ eingeben, wenn man den Sequencer aus dem Dornröschenschlaf wecken möchte. Darauf muss man erst mal kommen!

Läuft der Sequencer mal, dann entpuppt er sich doch als einigermaßen mächtiges Werkzeug. Nicht weniger als vier Spuren mit jeweils 16 Steps werden geboten, wobei Spur 1 die Tonhöhe bestimmt, Spur 2 die Anschlagshärte und Spur 3 und 4 frei zuweisbar sind, Letzteres geschieht, soweit man das im Chaos der Menüs (dazu später mehr) erkennen kann, im Rahmen der Modulationsmatrix. Die Bedienungsanleitung schweigt dazu.

Die Programmierung erfolgt, indem man Step für Step die jeweiligen Werte eingibt. Dabei sind auch Pausen und gehaltene Noten/Werte möglich. Man kann eine Sequenz auch per MIDI-Tastatur eingeben, indem man quasi die Aufnahme aktiviert und nacheinander die entsprechenden Töne spielt, wobei der Sequencer von Step zu Step springt. Zur Sequenz können außerdem einige Einstellungen vorgenommen werden. So ist die Länge von 1 bis 16 frei wählbar, und die Notenlänge kann, wie erwähnt, per „Gate“ verändert werden. Zudem kann das Keytracking deaktiviert werden, so dass die Sequenz nicht transponiert wird, je nachdem, welche Taste ich zum Triggern drücke. Auch kann man festlegen, dass die Steps nicht mit dem Velocity-Wert der zweiten Spur wiedergegeben werden, sondern sich allesamt nach der Anschlagsstärke der Trigger-Note richten. Schließlich gibt es auch für das Triggerverhalten Wahlmöglichkeiten: Der Sequencer kann entweder bei jeder gespielten Note neu starten oder unabhängig vom Trigger weiterlaufen.

Die Bedienungsanleitung spricht davon, dass man wahlweise einen analogen, vierspurigen 16-Step-Sequencer oder einen digitalen, vierspurigen 16-Step-LFO nutzen könne. Was der technische Hintergrund sein soll, also warum nun das eine analog, das andere digital ist, bleibt mir schleierhaft. Fest steht, dass es für den Sequencer auch zwei LFO-Betriebsmodi gibt, einen als „freerun“ und einen, bei dem der Sequencer/LFO bei jedem Tastendruck beim ersten Step beginnt. In beiden Fällen sind die Spuren 1 und 2 von ihrer festen Verdrahtung mit Tönhöhe und Anschlagsstärke entbunden. Klar, wenn ich den Sequencer unabhängig von gespielten Tönen frei laufen lasse und die von ihm erzeugten Steuerspannungen per Modulationsmatrix verschiedenen Zielen zuordne, habe ich im Ergebnis eine Art frei programmierbaren (gerasterten) LFO. So schön das ist, hätte man sich doch vielleicht ein paar klarere Worte dazu in der Bedienungsanleitung gewünscht. Schade ist, dass der Xenophone nicht über eine Tap-Tempo-Funktion verfügt. Diese ist nicht ohne Grund bei der Konkurrenz meist anzutreffen, ermöglicht sie doch im Live-Betrieb auch ohne externes Clock-Signal eine einigermaßen genaue und intuitive Anpassung des Tempos.

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