Gitarre Hersteller_Hughes&Kettner
Test
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02.05.2018

Hughes & Kettner ERA 2 Test

Akustik-Combo

Der zweite Streich

Mit dem Hughes & Kettner ERA 2 präsentiert sich die zweite Version eines Akustik-Combos, der unter der Bezeichnung ERA 1 im Sommer 2017 vorgestellt wurde. Es war der erste Verstärker dezidiert für akustische Instrumente, den die im saarländischen St. Wendel beheimateten Amp-Spezialisten vorstellten, die sich in den letzten Jahrzehnten vor allem wegen ihrer innovativen Herangehensweise an die Verstärkung von E-Gitarren einen internationalen Namen gemacht haben.

Die neueste Errungenschaft, der ERA 2, basiert hinsichtlich Aufbau, Technologie und Sound auf dem gleichen Konzept wie der ERA 1. Man könnte aber behaupten, dass der neue Combo an seinen Aufgaben gewachsen ist, zumindest, wenn man den Leistungsumfang mit dem ERA 1 vergleicht. Der neue ERA 2 unterscheidet sich vor allem durch die größeren Abmessungen, einen zusätzlichen Mitteltöner und eine leistungsstärkere Endstufe von seinem kleinen Bruder.

Details

Chassis

Das Chassis aus schichtverleimtem Birkenholz macht nicht nur auf den ersten Blick einen edlen und wertigen Eindruck. Das quaderförmige Gehäuse mit den Abmessungen 350 x 475 x 290 mm (B x H x T) bringt satte 14,10 kg auf die Waage, lässt sich aber am integrierten Schalengriff an der Oberseite auch im Alleingang transportieren. Auf dem Weg zum Gig wird das Gehäuse mit einer gepolsterten (im Lieferumfang befindlichen) Hülle geschützt. Allerdings werden die empfindlichen Gehäuseecken nicht durch Protektoren verstärkt. Das mit einer schwarzen Stoffbespannung überzogene Metallgitter an der Vorderseite macht dagegen einen robusten Eindruck und schützt nachhaltig die Speaker, zwei 8" Custom Made Mitteltieftöner und einen 1" Kalottenhochtöner. Das Gitter kann allerdings nicht entfernt werden, sodass das bei Wartungsarbeiten der Zugang von dieser Seite versperrt ist. Ein stabiles Case dürfte langfristig zur Werterhaltung des Combos beitragen, zumal der zwar gut verpackt, aber lediglich im Karton ins Haus kommt.

Auf vier Gummifüßen steht er wackelfrei und rutschfest und nimmt mit einem an der Unterseite integrierten Flansch mit 35 mm Durchmesser auch auf einem Hochständer Platz. Wer den Verstärker in bestimmten Situationen gewinkelt aufstellen möchte, der benutzt den im Lieferumfang eingeschlossen Schrägsteller, ein Bügel aus Metall, der in zwei Einsteckhülsen an der Rückseite seinen Halt findet. Die Elektronik findet in einem schwarzen Metallgehäuse Platz, das von der Rückseite in das Combogehäuse eingelassen ist. Die Speaker entfalten ihre Wirkung in einem Frequenzbereich zwischen 70 Hz und 15 kHz und werden dabei von einer leistungsstarken Custom-Made-Class-D-Endstufe mit einer Ausgangsleistung von 400 Watt unterstützt.

Überblick

Die Bedienelemente an der Oberseite sind in einer Reihe auf dem eingeschobenen und tiefer gesetzten Paneel angeordnet. Der Combo kann deshalb auch z.B. im Laderaum gestapelt werden, ohne dass Potis oder Schalter beschädigt werden. Das Angebot mit 15 Reglern, acht Tastern und neun LEDs suggeriert reichlich Potential. Neben den Bedienelementen für die beiden Hauptkanäle 1 und 2 findet man oben auch das Poti für den Aux-In, der als Kanal 3 ausgezeichnet ist, sowie rechts daneben zwei Regler in der Master-Sektion. Die Bedienelemente sind auf schwarzem Grund gut lesbar in Weiß beschriftet, und zwar für den Spieler, der sich vor der Lautsprecherfront aufhält. Die Zuordnung sollte also auf Anhieb gelingen. Sämtliche Ein- und Ausgänge haben an der Rückseite des Gerätes Platz genommen, sodass Stecker und Regler im Prinzip räumlich getrennt sind. An der Rückseite findet sich allerdings noch der FX-Loop, der als vierter Kanal ausgewiesen wird. Dazu unten mehr.

Die Kanäle 1 und 2 für Instrumente und/oder Mikrofone

Instrumente und Mikrofone werden an die beiden XLR-Kombibuchsen an der Rückseite des Combos angeschlossen. Die Regel- und Schaltmöglichkeiten Kanal 1 (links) und 2 (rechts) findet man, wie schon erwähnt, an der Oberseite. Da die Kanalzüge identisch ausgelegt sind, können idealerweise Lautstärke, Klang, Effekt und Effektanteil für jedes angeschlossene Mikro/Instrument unabhängig eingestellt werden.

Vielleicht ist es überflüssig, aber ich möchte trotzdem noch darauf hinweisen, dass man die beiden Kanäle bei einem Akustikcombo generell nicht umschalten kann. Der ERA 2 arbeitet eher wie ein zwei bzw. dreikanaliges Mischpult. Auch produziert der Combo keine Zerrsounds, denn das Signal einer Akustikgitarre soll jederzeit klar, natürlich und unverfälscht wiedergegeben werden.

Wir nehmen die Controller eines Kanalzuges genauer unter die Lupe. Den Reigen eröffnet der Gain-Regler, der auch mit der Clip-Anzeige (links oben) zusammenarbeitet. Um Übersteuerungen zu vermeiden, sollte bei andauernder Aktivität dieser LED die Eingangsempfindlichkeit z.B. mit dem -10dB-Taster oder mit dem Gainregler zurückgefahren werden.

Nicht nur auf der Bühne kann sich der kleine Mute-Taster bezahlt machen, der jeweils für Kanal 1 und 2 separat ein- und ausschaltbar ist. Wer mit zwei Akustikgitarren unterwegs ist und möglichst geräuschlos das Instrument auf der Bühne wechseln möchte, wird den Wert dieser Schaltung zu schätzen wissen. Aber noch viel bequemer lassen sich die Kanäle mit dem optionalen Fußschalter FS-2 muten, dessen Eingang sich an der Rückseite befindet. Bei aktiver Stummschaltung liegt das Signal nur noch am Tuner-Ausgang an, sodass auf der Bühne auch stumm gestimmt werden kann. Ist ein Kanal stummgeschaltet, wird das durch eine entsprechende LED angezeigt. Bei angeschlossenem Pedal lässt sich nur über dieses stummschalten, die Mute-Taster am Amp sind dann ohne Funktion.

Mit einer originellen Klangreglung kann sich der ERA 2 flexibel auf wechselnde Raumcharakteristiken, Instrumente und Stimmen einstellen. Der Basisklang wird mit dem altbewährten Trio bestehend aus Bass, Mid und Treble eingestellt. Die drei Regler rasten in der 12-Uhr-Position ein und geben dann ein lineares Signal aus. Bass und Treble heben oder senken ihren Frequenzbereich um 10 dB, Mid um 6 dB.

Der Combo ist zwar nicht mit einem parametrischen EQ gesegnet, aber dafür mit der Mode 2-Taste, mit der die Charakteristik des EQs umgeschaltet werden kann. Laut Bedienungsanleitung bedient Mode 1 eher die Frequenzen einer Stahlsaitengitarre bzw. beim Anschluss eines Mikrofons die einer dunkleren Männerstimme, während Mode 2 sich eher auf Gitarren mit Nylonsaiten und höhere Frauenstimmen auswirkt.

Der Klangunterschied zwischen den beiden Modes wird aber erst hörbar, wenn die Regler die lineare 12-Uhr-Position verlassen. Im EQ-Mode 2 zeigt eine entsprechende LED den Betriebszustand an und zwar in beiden Kanälen. Darüber hinaus kann die Klangcharakteristik mit einem Druck auf die Shape-Taste ebenfalls modifiziert werden. Die Frequenzen im Mittenbereich werden etwas abgesenkt, sodass die Bässe mehr in den Vordergrund rücken. Gleichzeitig wird der Hochtonbereich angehoben. Der Shape-Modus ist aktiv, wenn die entsprechende LED aufleuchtet. Selbstverständlich können beide Tasten Mode 2 und Shape auch gleichzeitig in Betrieb genommen werden. In der Kombination werden die Klanggestaltungsmöglichkeiten wirksam erweitert.

Das integrierte digitale Multi-Effektgerät verleiht der Akustikgitarre bei Bedarf noch mehr Raum und Farbe. Die beiden Effektwahlschalter (FX Preset) für Kanal 1 und 2 beinhalten 16 ausgewählte Digitaleffekte. Mit Reverb Room, Reverb Hall, Reverb Church und diversen Delays-, Chorus- und Flanger-Effekten bis hin zu Kombinationen von beispielsweise Chorus und Delay oder Flanger und Reverb bietet der ERA 2 reichlich Auswahlmöglichkeiten. Da jeder Kanal über ein eigenes Effektprogramm verfügt, leidet auch die Stimme nicht unter dem Chorus der Gitarre oder die Gitarre unter dem Hall der Stimme. FX Vol regelt die Lautstärke des ausgewählten Effektprogramms. Auf Linksanschlag werden die Effekte aus dem Signalweg genommen. Der Effekt lässt sich natürlich auch mit dem FS-2 an- und abschalten, sodass zum Beispiel die Ansage zwischen Titeln trocken übertragen wird.

AUX-In /Kanal 3

Über die Aux-In Stereo-Minibuchse an der Rückseite kann der Musiker ein Smartphone, einen MP3-Player oder ein ähnliches externes Gerät einschleifen. Die Lautstärke des angeschlossenen Zuspielers wird mit dem Aux-In-Regler an der Oberseite (rechts) festgelegt, weitere Einstellmöglichkeiten dafür gibt es nicht.

Natürlich dient der Eingang auch dazu, Playbacks einzuspeisen und in den Spielpausen mit Beiträgen aus der Konserve zu unterhalten.

Die Mastersektion

Da die beiden Instrumentenkanäle bereits großzügig mit separaten Funktionen für die individuelle Soundgestaltung ausgestattet sind, bleibt in der übergeordneten Mastersektion (ganz rechts) nur noch Platz für die Regler Notch und Volume, auf die beide Kanäle zugreifen. Mit Volume wird das Summensignal für beide Kanäle gepegelt und das Notchfilter eliminiert störende Frequenzen, Rückkopplungen oder Resonanzen. Durch Drehen des Reglers werden diese in einem Bereich von 40 - 180 Hz gesucht und eliminiert. Gibt es keinen Grund für einen Einsatz, ist das Filter bei Linksanschlag inaktiv. Hier würden meiner Meinung nach separate Filter für beide Kanäle deutlich mehr Sinn ergeben.

Anschlüsse und Schaltmöglichkeiten an der Rückseite

Außer dem obligatorischen Ein-Ausschalter und der Kaltgerätebuchse finden sich an der Rückseite diverse weitere Anschlüsse sowie Regel- und Schaltmöglichkeiten.

  • AUTO SLEEP Ist dieser versenkte Taster aktiviert, schaltet sich der ERA 2 nach 90 Minuten Inaktivität selbsttätig ab.
  • FACTORY RESET Der zweite versenkte Taster setzt den Amp nach fünf Sekunden Drücken in den Auslieferungszustand zurück.
  • OPTICAL OUT Der Optical Out ist ein optische S/PDIF-Toslink-Audioausgang, der das Summensignal an Geräte mit entsprechenden Eingängen schickt, wozu unter anderen zum Beispiel auch Soundkarten und Digitalmischpulte gehören.
  • PHONES Der 6,3 mm Kopfhöreranschluss liefert das Summensignal und schaltet beim Einstecken des Kabels die Speaker automatisch stumm.
  • LINE-OUT Der Line Out entlässt ein unsymmetrisches Stereosignal aus der Vorstufe mit sämtlichen Kanälen und Effekten an ein Mischpult oder sonstige Audio-Empfänger. Das Line-Out-Level-Poti bestimmt unabhängig vom Master-Volume den Line-Out-Ausgangspegel.
  • DI-Out Die symmetrischen DI-Out-Buchsen leiten das Vorverstärker-Signal der beiden Kanäle 1 und 2 ohne interne und externe Effekte zu PA oder Recording-Pult. Allerdings kann per Pre/Post-Taster entschieden werden, ob das Signal des DI-Out vor oder nach der Klangreglung abgegriffen wird. Der daneben liegende Ground-Lift-Taster trennt bei Bedarf die Masseverbindung und hilft so, Brummschleifen zu vermeiden.
  • CH3 Input Wie schon erwähnt, wird hier eine externe Audioquelle angeschlossen, deren Lautstärke auf dem Bedienpaneel mit dem CH3-Regler Aux In justiert wird.
  • TUNER Für den Anschluss eines Stimmgeräts steht ein separater Klinkenanschluss an der Rückseite bereit, sodass auch in den Spielpausen gestimmt werden kann.
  • FOOTSWITCH Mit dem Fußschalter lassen sich beide Kanäle stumm- bzw. die Effekte ein- und ausschalten.
  • FX-LOOP/CH 4 Der FX-Loop ist ein paralleler Effektweg, in den Effektgeräte eingeschleift und über den unsymmetrischen FX-Send mit dem Vorstufensignal gefüttert werden. Über die Loop-Input-Buchse geht es aus dem Effektgerät zurück in den Amp. Genau wie der FX-Send auch als Ausgang verwendet werden kann, lassen sich über den Loop-Input auch andere Audiosignale in die Endstufe einspeisen. Mit dem danebenliegenden Level-Poti wird dieses Eingangssignal gepegelt.
  • INPUT CH 1 und CH 2 Instrumente und Mikrofone werden an die Kombibuchsen (Klinke/XLR) an der Rückseite angeschlossen. Der Era 2 erkennt automatisch, ob der Eingang mit einer 6,3 mm Klinke für Instrumente oder XLR-Buchse für Mikrofone belegt wird und aktiviert den entsprechenden Vorverstärker. Bei Verwendung eines Klinkensteckers verwandelt sich die Buchse in einen unsymmetrischen Eingang für Instrumente mit passiven oder aktiven Tonabnehmern. Kommt ein XLR-Stecker ins Spiel, ist die gleiche Buchse ein symmetrischer Eingang für dynamische und Kondensatormikrofone. Für Letztere wartet jeweils ein Schalter neben jedem Eingang, der die Phantomspeisung aktiviert. Eine LED zeigt den Betriebszustand an.
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