Test
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24.01.2012

Hercules DJ Control AIR Test

2-Deck-DJ-Controller mit Infrarotsensor

Neu in den Verkaufsregalen - Hercules DJ Control Air!
Wohl keine Käufergruppe wird derzeit schneller und umfangreicher mit neuen Produktideen versorgt, als die ebenso auflege- wie kauffreudige Klientel der Laptop-DJs. Dass die Motivation dahinter nicht nur das Wohl des Musikdienstleisters, sondern auch die Verkaufszahlen-Maximierung ist, dürfte Hobbyisten ebenso klar sein wie Vollprofis: Jeder ist DJ - sprich Käufer - und wer es noch nicht ist, der kann es ja noch werden. 


Dabei verwischen die Grenzen zwischen Tool und Toy immer mehr – was ist noch Spielzeug, was schon ernstzunehmendes Arbeitsgerät mit addiertem Spaßfaktor. Genau so ein Grenzgänger ist der neue DJ-Control Air von Hercules.

DETAILS

Der Hercules DJ Control Air ist ein Zweikanal USB-Controller mit zwei integrierten Stereo-Audioausgängen, zwei drucksensitiven 10-Zentimeter-Jogwheels, acht Trigger-Pads und einem Infrarotsensor, der zur Steuerung eines Parameters herangezogen werden kann. Von ihm stammt auch die Namensgebung, die von Hercules als „Adjustment by InfraRed“ betitelt wird. Ferner verfügt er über Bedienelemente zur Navigation, Loop-, Effekt- und Sample-Steuerung sowie einen 3-Band-Equalizer, Kanal- und Crossfader nebst Taster und Fader zur Pitch- Transport- und Cue-Steuerung. 

Auspacken 
Aus der Verpackung entnehme ich den Controller selbst, eine CD mit Treibern und der Software Djuced sowie eine mehrsprachige Layout-Karte, die Auskunft über die Bedienelemente der Software und des Controllers gibt. Mit seinen fast schon als niedlich zu bezeichnenden 35 Zentimetern in der Breite, 22 in der Tiefe und gerade mal drei Zentimetern in der Höhe bringt der DJ Control Air schlanke 1,4 Kilo auf die Waage. Ein handliches Leichtgewicht also, das in jeder Laptoptasche Platz findet und Rücken oder Schulter nicht weiter belastet. Das diätische Gewicht resultiert fraglos aus der Abwesenheit jeglicher metallischer Gehäusebauteile: Alles an diesem Controller ist aus Kunststoff gefertigt. Das fühlt man, das sieht man – nein, schmecken tut man das nicht, irgendwo endet auch der Erkenntniswille des Testers.

Aufbau 
Der visuelle Kontrollgang über die Bedienoberfläche zeigt ein aufgeräumtes Bild: An den äußeren Schenkeln residieren Zehn-Zentimeter-Jogwheels, die sich geräuschlos und leichtgängig in ihren Achsen drehen. Allein beim Thema Drucksensitivität liegt die Betonung etwas mehr auf „Druck“ als auf „Sensitivität“, denn um den damit abgerufenen Scratch-Modus zu aktivieren, muss man die Rädchen schon mit einer gewissen Verbindlichkeit niederdrücken. Das nicht etwa, weil sie so viel Widerstand leisten, sondern einfach, weil sie einen gewissen Hub haben, ab dem der Umschaltvorgang stattfindet. Eine kleine blaue LED-Leiste am Rand der Jogwheels gibt dabei ein visuelles Feedback über den Betriebszustand. 

Flankiert werden die Jogwheels im Norden von zwei Search-Tastern, im Süden von dem bewährten Duo Play/Pause und Cue. In den oberen Gehäuseecken haben es sich der zeitgemäße Sync- sowie die Nudge-Taster nebst einem 45-Millimeter Pitchfader bequem gemacht. Daneben schmiegt sich ein kleines Display, das Auskunft über den Betriebszustand (Loops, Effects, Samples) der vier darunter liegenden Pads gibt. Je nach Modus lassen sich dann mit den Pads Loop-In und Out, Länge und Retrigger (Loop-Modus), die vier Effekte (Flanger, Echo, Delay und Chorus – auch Parallelbetrieb möglich) oder die vier Klangschnipsel in den Sample-Slots der Software abfeuern.  

Die zentrale Mix-, EQ- und Navigations-Sektion ist im Gegensatz zu den mattierten äußeren Schenkeln mit einer hochglänzenden Pianolack-Oberfläche versehen, was der Ablesbarkeit der Bedienelemente Prinzip bedingt nicht unbedingt zuträglich ist. Die Mix-Sektion startet im Norden mit dem Infrarotsensor, dessen gerade empfangener Parameterwert über eine achtsegmentige LED-Kette visualisiert wird. Darunter hat eine zweireihige LED-Kette ihren Platz gefunden, deren vier Segmente für jeden Kanal die Schläge anzeigen und somit als visuelle Kontrollinstanz für das Beatmixing dient.  

Ein Stück darunter folgen drei Taster zur Anwahl des Pad-Betriebszustands (Loops, Effects, Sample), die von Dreiband-Kanal-EQs (Treble, Mid, Bass) flankiert werden, deren Kappen mit ihrer verhältnismäßig großen Bauhöhe zunächst etwas ungewohnt wirken. Zudem sind sie zur Spitze hin flach zulaufend. Haptisch hat das aber den angenehmen Effekt, dass man auch mit nordeuropäischen Wurstfingern und trotz des geringen Platzangebotes einen sehr sicheren Zugriff auf die Equalizer-Bänder hat. Nachteil hierbei ist, dass es einem nicht gelingt, ohne Umgreifen den kompletten Regelweg von voller Anhebung bis maximale Absenkung zu drehen. 

Im Zentrum des Controllers sitzt ein Navigations-Kreuz, mit dem sich die File-Hierarchien des angeschlossenen Rechenknechtes durchstöbern lassen. Etwas tiefer sind die unverzichtbaren Track-Load und Cue-Taster nebst Kanalfader angebracht. Dazwischen haben drei Knöpfe ihr Zuhause gefunden, die mit den Funktionen Record (Aufnahme), Magic (Splitte Loops in Samples – dazu später mehr) und Scratch (an/aus) betraut sind. Den Abschluss nach unten bildet ein 45-Millimeter Crossfader, der eine für die Preisklasse übliche Haptik liefert.

Anschlüsse 
Auf der Vorderseite des Control Air findet sich ein Standard-Klinken–Kopfhörerausgang nebst Tastern zur Festlegung, ob man das Cue- oder Main-Signal auf den Ohren haben möchte. Daneben zwei Taster, mit denen sich die Lautstärke justieren lässt. Taster wirken hier zwar zunächst ungewöhnlich, haben aber den unbestreitbaren Vorteil, dass dadurch die Bruch-Gefahr konventioneller Potis in der Laptoptasche elegant umgangen wird. Im Auflege-Stress hat der schnelle Griff zum Drehregler aber meiner Meinung nach doch die Nase vorn.  

Die Rückseite ist schnell erklärt: Eine Aussparung für ein Kensington-Lock nebst einem Mini-Klinken-Main-Out und einem Drehrädchen zur Helligkeitsregelung der Beat-Anzeige sind alles, was man hier untergebracht hat. Dass sich die Entwickler bei Hercules entschlossen haben, den Kopfhörer-Ausgang als Standard-Klinke auszuführen, den Main-Out hingegen als Mini-Klinke, wirkt auf den ersten Blick sicherlich seltsam. Der mutmaßliche Gedanke dahinter wird wohl gewesen sein, dass die Heim-Anlage bei Hobbyisten ohnehin auf den Anschluss eines Rechners hin ausgerichtet ist und der verfügt oftmals über Miniklinken-Buchsen. Einen Punktabzug rechtfertigt das also nicht, denn im Ergebnis dürfte diese Lösung für Einsteiger am praktischsten sein – professionell wirkt es dann aber leider nicht. Ebenfalls an der Rückseite wird das USB-Kabel aus dem Gehäuse geführt, das nur durch eine Plastik-Manschette zugentlastet ist. Dadurch sind Kabelbrüche, die durch das häufige Abknicken beim Transport entstehen, fast schon vorprogrammiert. Eine Buchsen-Lösung hätte mir an dieser Stelle folglich weitaus besser gefallen und dürfte in der Produktion auch nicht wesentlich teurer sein – dafür gibt’s im Ergebnis einen halben Minuspunkt.

Software 
Hercules legen dem DJ Control Air eine Vollversion ihrer Software-Eigenentwicklung namens „Djuced“ für PC und Mac bei. Auf dem Papier handelt es sich dabei um eine durchaus leistungsfähige Dual-Deck DJ-Lösung - die Feature-Liste reicht von Basics wie der grafischen Wellenformdarstellung und automatischen BPM-Erkennung, über zeitgemäße Standard-Funktionen wie Beat-Sync, Effekte und Loop-Steuerung bis hin zu Finessen wie einem integrierten 4-fach Sample- und einem vierspurigen Pattern-Player. 

Effekte 
Mit insgesamt vier in der Djuced-Software gerechneten Effekten, die auch parallel betrieben werden können, lässt sich das Audiomaterial der beiden Decks getrennt voneinander verwursten. Geboten werden hier Flanger, Echo, Chorus und Reverb. Seltsamerweise klingen Echo und Reverb sowie Flanger und Chorus derartig ähnlich, dass man fast schon vermuten möchte, dass hierfür derselbe Algorithmus zuständig ist – das Reverb klingt jedenfalls nicht wie ein Hall, sondern eher wie ein Slapback-Delay. Verzichtet wurde dann ärgerlicherweise auf den Brot- und Butter-Effekt beim Auflegen, nämlich einen Lowpass-Filter was gerade in Verbindung mit dem Infrarot-Sensor durchaus effektvoll hätte sein können – schade und im Ergebnis ein halber Minuspunkt. Wo wir schon beim Infrarotsensor sind: Mit ihm ist es möglich einen spezifischen Effektparameter zu steuern – welcher das ist, weiß man im Vorfeld nicht, denn die virtuellen Potis verfügen über keine Beschriftungen. Beim Betrieb muss ich gleichzeitig den Effects-Button gedrückt halten und in der Luft rumwedeln. Der Hersteller gibt an, dass es sich hierbei um eine „Sicherheitsvorkehrung“ handelt, um versehentliches Betätigen zu verhindern. In der Praxis sind dann entsprechend beide Hände beschäftigt, nur um beispielsweise ein bisschen an der Delay-Zeit rumzufummeln. Das ist nicht nur unpraktisch, sondern aufgrund der eher konservativen Effektauswahl auch weitestgehend unspektakulär, sodass der Spaß- wie auch der Nutzfaktor hierfür eher als gering einzustufen ist. 

Ebenfalls mit an Bord von Djuced sind ein Sampler und ein einfacher Sequenzer. Ihren Weg in einen der vier Sample-Slots finden Klangschnipsel entweder direkt via Drag’n’Drop aus dem File-Browser oder aber vermittels des Magic-Button. Betätigt man ihn, wird ein gerade laufendes Loop automatisch in vier gleiche Teile zerschnibbelt und auf die Pads gelegt – sehr schön. Nicht so überzeugend ist der Sequenzer gelungen: Er verfügt lediglich über ein einziges, nicht speicherbares Pattern und ließ sich im Test nicht dazu bewegen, synchron mit dem zugehörigen Deck zu laufen, was den Nutzwert deutlich einschränkt. 

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