Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
1
22.06.2020

Praxis

Trotz des kantigen Designs lässt sich die EX-76 ausgesprochen komfortabel im Sitzen wie auch im Stehen am Gurt bespielen, was nicht zuletzt an der guten Werkseinstellung liegt. Hier schnarrt und rappelt nichts, die Saitenlage würde ich als guten Durchschnitt bezeichnen, also weder zu flach noch zu hoch. Das hat zur Folge, dass die Saiten gleichmäßig ausschwingen können und den Korpus spürbar zum Mitschwingen anregen.
Trocken angespielt kommt ein punchiger, trockener Klang zustande, der sich in den Mitten prominent zeigt. Ich bin gespannt, ob sich das auch am Verstärker bemerkbar macht, und aktiviere zu diesem Zweck meinen Marshall JVM 410, der eine Universal OX Box antreibt, bei der ich ein 2x12" Cabinet mit V30 Speakern anwähle.

Los geht es mit dem Clean-Kanal des Marshalls, dabei schalte ich durch alle drei Positionen des Wahlschalters und beginne mit dem Hals-Humbucker.

Auch verstärkt liefert die EX-76 warme, druckvolle Sounds. Dabei zeigen sich die typischen Merkmale einer mit Humbucker bestückten Mahagoni-Gitarre. Hier dominieren die Mitten, die für einen dicken Sound sorgen, wobei die drei Positionen des Wahlschalters die bekannten Klänge liefern. Der Hals-Pickup tönt warm und rund, die Mittelposition mit beiden Pickups zeigt sich wesentlich knackiger und besitzt mehr Draht im Sound, und beim Steg-Humbucker dominieren die oberen Mitten. Dabei werden die Attacks in allen drei Positionen deutlich übertragen, was natürlich für Definition sorgt.

Weiter geht es mit dem Crunch-Kanal des Amps. Dabei schalte ich wieder durch alle drei Stellungen des Wahlschalters.

Auch am zerrenden Amp zeigen sich die Klangmerkmale aus den Beispielen zuvor, jedoch nicht ganz so ausgeprägt wie am cleanen Amp. Für meinen Geschmack sind hier die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Stellungen des Wahlschalters nicht deutlich genug herauszuhören. Gerade am angezerrten Amp lassen sich relativ schnell gute von nicht so hochwertigen Pickups unterscheiden, dabei spielt der Preis nach meiner Erfahrung aber keine Rolle. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein anderer Satz Tonabnehmer für mehr Klangvariationen sorgen dürfte. An dieser Stelle möchte ich aber noch einmal auf das bereits erwähnte Preisschild hinweisen.

Ich schalte nun in den nächsthöheren Zerrkanal des Marshalls.

Hier macht die Harley Benton eine ziemlich gute Figur und kann mit druckvollen Rock/Metal-Sounds in allen drei Positionen des Wahlschalters überzeugen. Dabei überrascht mich der Hals-PU, der ein mehr als ordentliches, klar definiertes Brett abliefert. Und auch der Kollege am Steg trumpft hier auf, der dank seiner ausgeprägten Mitten für Durchsetzungskraft sorgt.

Im nächsten Beispiel drehe ich die tiefe E-Saite auf D herunter und erhöhe den Zerrgrad am Amp. Dabei schalte ich auf den Steg-Pickup.

Auch hier werden die tiefen Töne durchschnittlich gut übertragen und ermöglichen einen authentischen Rock/Metal-Sound für modernere Spielweisen. Mir fehlt es aber auch hier insgesamt an Frische und Knackigkeit.

Ein Beispiel im Lead-Kanal des Amps darf natürlich auch nicht fehlen, los geht es mit dem Hals-Pickup, dann schalte ich auf den Steg-Doppelspuler.

Dank der guten Werkseinstellung und dem druckvollen Sound im High-Gain-Kanal des Amps liefert die EX-76 einen überzeugenden Solosound in beiden Positionen des Wahlschalters. Die Töne besitzen Durchsetzungskraft und Definition, was dem Solieren sehr entgegenkommt.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare