Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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23.07.2019

Praxis

Eine bequeme Gitarre ist die Harley Benton CLD-10SCE-12BKS natürlich nicht. Dazu ist sie zu groß, und dazu besitzt sie zu viele Saiten. Aber wer eine 12-saitige Gitarre spielen will, der muss auch zupacken können, denn auch mit sehr leichten Saiten ist der Druck, den die Greifhand ausüben muss, deutlich höher als bei einer Sechssaitigen. Dazu kommt, dass die Saitenlage ruhig ein kleines bisschen niedriger hätte ausfallen dürfen.

Der Sound ist dann allerdings genau so, wie man sich eine 12-Saitige vorstellt. Ungeachtet der ganzen kleinerformatigen Gitarren dieses Typs, die in letzter Zeit so auf den Markt gekommen sind, ist es nämlich noch immer so, dass ein großer Body auch einen fetten Sound liefert. Und Bassgewalt ist genau das, was man benötigt, um der Übermacht der hohen Saiten Paroli zu bieten. Trau keiner 12er unter Jumbo - zumindest wenn du akustisch unterwegs bist ...

Dementsprechend ist der erste akustische Kontakt mit der CLD-10SCE mit einer gewissen Breitenwirkung verbunden: Die Tiefen sind satt im Klangbild vertreten, die Höhen schimmern und perlen, wie man sich das erwartet, und auch der Chorus-Effekt fügt sich phantastisch ins Klangbild ein - sofern man vorher richtig gestimmt hat, was bei jeder 12-Saitigen immer wieder zum Geduldsspiel ausartet. Das wird hier allerdings durch das hinreichend sauber arbeitende Stimmgerät unterstützt. Allerdings sollte man dabei darauf achten, dass man die jeweilige Oktavsaite abdämpft, sonst hat kein Stimmgerät der Welt eine Chance.

Mit dem Grundsound steht auch schon der bevorzugte Einsatzbereich der Gitarre: Akkordarbeit mit dem Pick ist die absolute Kernkompetenz der CLD-10SCE. Sei es mit einem dünnen Pick, das vor allem das Anschlaggeräusch in den Vordergrund stellt, sei es mit einem dicken Pick, das vor allem Ton erzeugt und auch die verschiedenen Anschlagregister plastisch herausarbeiten kann - hier kann die Harley Benton wirklich überzeugen, auch wenn materialbedingt die Dynamik nicht besonders ausgeprägt ist.

Was sie meiner Meinung nach nicht so gut beherrscht ist Fingerpicking. Zwar ist der Hals breit genug dafür, aber den einzelnen Noten fehlt es etwas an Kraft und Durchsetzungsvermögen. Auch Solospiel in den hohen Lagen funktioniert, wie bei allen 12ern, nur eingeschränkt. Insofern ist es eigentlich sinnlos, eine solche Gitarre mit einem Cutaway zu versehen. Es schadet aber auch nicht, und viele Gitarristen mögen die Optik.

Bleibt noch die Performance des Pickups. Hier gibt es keine Überraschungen. Das Fishman-System ist bestens bekannt. Es liefert eine solide Leistung und einen ausgewogenen Sound, kann jedoch seine Piezo-Natur nicht verbergen. Bei einer 12-Saitigen fällt das übrigens weniger ins Gewicht als bei einer Sechssaitigen. Der Grund sind die stärkeren Brillanzen der zwölf Saiten, die den Piezocharakter etwas verdecken.

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