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Test
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19.12.2012

Golden Age Project PRE-73 DLX & EQ-73 Test

Preamp und EQ im Neve-Style

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm?

Clones von Neve-Klassikern wie dem 1073 und dem 1081 gibt es wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Während im preislichen Spitzenfeld um das letzte Quäntchen Originalgetreue gewetteifert wird, geht Golden Age Project mit Pre-73 DLX und EQ-73 bewusst einen anderen Weg: Hier geht es um die Essenz der Neve-Qualitäten zum Budgetpreis.

Vor rund einem Jahr hat mein Kollege Nick Mavridis bereits dem GAP Pre-73 MKII auf den Zahn gefühlt, einem voll diskreten Class-A-Micpreamp, der sich die Vorverstärkersektion des ehrwürdigen Neve-Channelstrips 1073 zum Vorbild genommen hat. Nun haben sich die Schweden dieses Thema noch einmal vorgenommen und schicken den PRE-73 DLX ins Rennen. Als gewissermaßen „aufgebohrte“ Version des PRE-73 MKII soll die neue Version dem begehrten Ziel noch etwas näher rücken. Und dazu gibt es dann noch den EQ-73, eine externe Einheit, die den Preamp um die EQ-Sektion der originalen Neve-Kassette ergänzt. Schwedisch, preisgünstig und Baukastensystem – das kennen wir doch irgendwoher...

Details Pre-73 DLX

An dieser Stelle sei für die allgemeinen Grundlagen zum Golden-Age-Vorverstärker noch einmal auf den Test der MKII-Version verwiesen. Hier wollen wir uns vorrangig die Neuerungen der DLX-Version anschauen, welche auf zwei unterschiedlichen Feldern liegen: Zum einen wurde der Funktionsumfang des Preamps beinahe dramatisch erweitert, und zum anderen gibt’s unter der Haube auch noch den einen oder anderen Schaltungskniff. Fangen wir einmal mit letzterem an. GAP hat dieser Version des Preamps Tantal-Kondensatoren spendiert, die dem Sound des Neve-Originals näher kommen sollen. Auch der DLX verfügt über die drei Übertrager des MKII, aber die Platinen wurden entsprechend vorbereitet, so dass diese auch in Eigenregie gegen die originalen Carnhill-Übertrager ausgetauscht werden können. Bitte bedenken: Die drei Übertrager alleine kosten kleines Vermögen! Die Schaltfunktionen des Pre-73 (Phasendrehung etc.) werden nun per Relais ausgeführt, was für einen kürzeren Signalweg im Gerät sorgt.

Daneben gibt es noch eine ganze Reihe funktionaler Neuerungen bzw. Erweiterungen, die die Einsatzmöglichkeiten des Preamps insgesamt auf eine andere Stufe heben. Zunächst hat der Preamp ein Hochpassfilter bekommen, das sich an den Eckfrequenzen 50, 80, 160 sowie 300 Hz einsetzen lässt. Standesgemäß handelt es sich dabei um ein sogenanntes LC-Filter auf Spulenbasis. Weiterhin gibt es nun eine schaltbare Pegeldämpfung, die hinter dem Ausgangsübertrager liegt. Damit ist dieses Bedienelement vergleichbar mit dem Kanalfader am Mischpult oder dem Ausgangspegelregeler eines 19“-Rackträgers für Neve-Kassetten. Der Clou: Der Ausgangsübertrager lässt sich nun bequem in die Sättigung fahren, ohne dass nachfolgende Geräte übersteuert werden – kein ganz unwichtiges Detail, werden doch die diskreten Neve-Channels vor allem auch für ihr Klangverhalten an oder jenseits der Übersteuerungsgrenze geschätzt.

Außerdem hat Golden Age dem Preamp noch ein paar kleine Helferlein spendiert. Das wichtigste darunter: Es gibt nun einen schaltbaren Insert, der alternativ auch als Signal-Splitter genutzt werden kann. Vor allem aber kann man den Preamp damit um die externe EQ-Sektion EQ-73 erweitern. Und das ist super, wird doch der EQ beim originalen 1073 mindestens ebenso geschätzt wie der reine Vorverstärker.

Details EQ-73

Zwar benötigt die EQ-Einheit ein eigenes Netzteil, aber sie lässt sich dennoch nicht standalone nutzen. Mittels mitgeliefertem Insertkabel wird der EQ in den Preamp eingeschleift, es handelt sich also um eine Erweiterung des Vorverstärkers, die sich mangels eigener Ein- und Ausgangsstufen nicht einzeln verwenden lässt. Eineseits ist das ein bisschen schade, andererseits hilft dieses Prinzip aber auch, Kosten zu sparen. Und zusammen sind beide Einheiten auf diese Weise außerdem näher an der Schaltungstopologie des Originals dran, als wenn beides Standalone-Geräte wären – auch kein ganz unwichtiges Kriterium!

Da das Hochpassfilter ja bereits direkt in den Preamp integriert wurde, reichen dem EQ-73 drei Bänder, um zusammen mit dem Vorverstärker dem klassischen 1073-System zu entsprechen. Die Frequenzanwahl erfolgt dabei jeweils per Drehschalter, während für die Filteramplituden drei mittengerasterte Potis zuständig sind.  Alle Bänder lassen sich separat aktivieren, dafür gibt es aber keinen globalen Bypass am EQ. Das macht aber nichts, denn das erledigt schließlich der Insert-Schalter am Preamp, der die EQ-Einheit bei Bedarf ganz aus dem Signalweg nimmt. Hier ist also trotzdem für maximale Flexibilität gesorgt.

In puncto Eckfrequenzen gibt sich der EQ-73 sogar etwas verspielter als das Original. In jedem Band bietet der Golden-Age-EQ deutlich mehr Optionen als das große Vorbild, das erweitert die Einsatzmöglichkeiten beträchtlich. So hat der „echte“ 1073 beispielsweise eine feste Eckfrequenz von 12 kHz im Höhenband, während der EQ-73 außerdem die Frequenzen 8, 10, 16, 20 sowie 24 kHz bietet. In den Mitten greift er bei 160, 240, 350, 500, 700 Hz sowie 1, 1,6, 2,4, 3,2, 4,8, 7 und 10 kHz. Das sind mit doppelt so vielen Centerfrequenzen wie beim 1073 eine ganze Menge, hier sollte man in der Praxis nichts vermissen. Sechs Eckfrequenzen bietet das Bass-Band: 20, 33, 55, 100, 175 und 300 Hz (im Original 35, 60, 110 und 220 Hz). Während die LF- und MF-Bänder beide Anhebungen und Absenkungen von bis zu 15 dB erlauben, hat das HF-Band ganze 18 dB „Hub“. Wenn das mal nicht reichen sollte, dann gibt es sehr wahrscheinlich an anderer Stelle ein gravierendes Problem...

Schaltungstechnisch setzt Golden Age auch beim EQ-73 auf Tantal-Kondensatoren. Im  MF-Band kommen zwei Spulen zum Einsatz, und auch diese können auf Wunsch gegen die Carnhill-Originale getauscht werden.

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