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Test
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30.01.2015

Gibson Les Paul Studio 2015 Desert Burst Test

E-Gitarre

Rock-Lady ohne Schminke

Die Gibson Les Paul Studio 2015 Desert Burst in unserem aktuellen bonedo-Test ist ebenfalls ein Beleg dafür, dass Gibson auch im Modelljahr 2015 bei seinen E-Gitarren-Klassikern nicht an Neuheiten, Updates und zum Teil überraschenden Innovativen spart. Deshalb hebt sich auch unsere Testkandidatin nicht nur durch ihr Desert Burst Finish aus der Masse hervor.

Überhaupt drängt sich der Eindruck auf, dass man bei Gibson in diesem Jahr etwas intensiver an den Klassikern geschraubt hat. Wo bei unserer Probandin der Hebel angesetzt wurde, wird der folgende Test verraten.

Details

Optik/ Verarbeitung:

Geliefert wird das gute Stück in einem güldenen Rechteckkoffer, der für sich schon mächtig Eindruck schindet, und niemand, der im Testzeitraum bei mir war, verzichtete auf einen positiven Kommentar. Wie bei den Studios üblich, lässt auch das in Desert Brust lackierte Instrument Oberflächlichkeiten wie Bindings oder Schlagbrett gänzlich außen vor, und das steht ihr, wie ich finde, ausgezeichnet. Auch gewichtsmäßig hinterlässt die Gitarre einen guten Eindruck: 3562 Gramm kann man sich getrost auch während eines längeren Gigs um die Schulter hängen. Grund dafür ist ein sogenanntes Modern Weight Relief, also mehrere in den Korpus gefräste Hohlräume, die für signifikant weniger Masse sorgen. Aus wie vielen Teilen Mahagoni der Korpus letztendlich besteht, ist leider nicht auszumachen, da die Rückseite fast deckend lackiert ist - in der Produktbeschreibung heißt es dazu lediglich "multi". Die tadellos lackierte Decke aber besteht definitiv aus zwei Teilen "B Grade"-Ahorn.

Ein 57 Classic Humbucker am Hals und ein 57 Plus Humbucker am Steg sorgen für die Wandlung der Saitenschwingungen, geregelt wird klassisch mit vier Potis, zwei sorgen für die Lautstärke und zwei justieren den Klang. Schwarze "Supreme Grip Speed Snobs" garantieren den nötigen Grip auch bei schweißtreibender Arbeit am Instrument. Die Volumen Potis sind Push/ Pull-fähig und splitten bei Bedarf die Doppelspulen. Wie gewohnt wird mithilfe eines Dreiwegschalters zwischen den Tonabnehmer gewählt, dieser befindet sich an altbekannter Stelle oberhalb des Griffbrettendes.

Die Saiten werden klassisch über eine Tune-o-matic Brücke mit passendem Stop Bar Tailpiece geführt, und eine Besonderheit ist das Material, aus denen die Hardware bei dieser Gitarre gefertigt ist. Sie besteht aus Zamak, einer Legierung aus Zink Aluminium, Magnesium und Kupfer. Das Finish nennt sich Satin Steel und findet sich auch bei den Pickup-Kappen wieder. So entsteht ein stimmiges Bild, das mit den cremefarbenen Pickup-Rähmchen eine gelungene Einheit bilden.

Ein Blick auf die Rückseite zeigt Altbekanntes und auch die üblichen zwei Ausfräsungen für den Dreiwegschalter und die Elektronik dürfen nicht fehlen. Der Blick wandert weiter nach oben in Richtung Hals, der tadellos mit dem Korpus verleimt ist, keinerlei unschöne Leimreste oder ähnliches ist zu sehen.

Der Hals besteht wie der Korpus aus Mahagoni und trägt ein geöltes Palisandergriffbrett, das mit 22 perfekt eingesetzten und bearbeiteten Jumbo-Bünden bestückt ist.

Die Mensur von 628mm hat klassische Les Paul Maße und bedarf, was das angeht, keinerlei Umgewöhnung. Gewöhnen muss man sich allerdings an die Breite des Halses, denn der hat spürbar zugelegt. Mit einer Sattelbreite von 45,99 mm anstelle der üblichen 42,8 mm (bei einer 59 Reissue beispielsweise) hat man schon ganz ordentlich was in der Hand. Eine weitere Neuerung ist der Sattel an sich, denn Gibson hat in die 2015-Serie eine sogenannte "Zero Fret Adjustable Nut" verbaut, also einen sogenannten Nullbund, der allerdings zusätzlich höhenverstellbar ist. Das macht es möglich, mithilfe von zwei Schrauben und dem mitgelieferten Werkzeug den Sattel so hoch zu legen, dass selbst Slide-Spieler auf ihre Kosten kommen. Eine fantastische Idee, wie ich finde, denn so schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe und muss das Instrument gegebenenfalls nicht erst umbauen lassen.

Trapez Inlays aus Perloid weisen den Weg auf dem Griffbrett, ebenso die passenden weißen Pünktchen an der Griffbrettkante. Die Kopfplatte, oder besser gesagt, der Les Paul Schriftzug, wird in diversen Foren teils sehr emotional diskutiert. Mir gefällt er definitiv nicht, er passt für meinen Geschmack so gar nicht in das sonst sehr stimmige Erscheinungsbild der Studio und wirkt irgendwie "unfertig". Zum Glück sind Geschmäcker ja verschieden, von daher, wem's gefällt ... Die Kopfplatte setzt wie üblich angewinkelt an, um den Saitendruck auf den Sattel zu erhöhen, und unter der schwarzen Plastikglocke mit der "Studio"-Aufschrift verbirgt sich der Halsstab.

Die sicherlich interessanteste Neuerung ist aber das G Force Tuning-System, der Nachfolger des Mini E-Tune. Hierbei handelt es sich um ein sich selbst stimmendes System mit motorisierten Mechaniken. Die Bedienung ist recht einfach, es müssen lediglich der On-Knopf gedrückt und alle Saiten angeschlagen werden. Eine Maßnahme, die man ruhig öfter anwenden sollte, da so die Stimmgenauigkeit erhöht wird. Saiten, die nicht hundertprozentig stimmen, werden rot dargestellt, gestimmte Saiten grün. Ist das Resultat nicht zufriedenstellend, lässt sich auch ein langsamer Modus durch längeres Drücken des On-Button einschalten. Über das Für und Wider solcher Gadgets lässt sich sicherlich streiten, klar ist aber, wer mit unterschiedlichen Stimmungen spielt, wird das G Force Tuning System als wahren Segen sehen. Gibson hat für diesen Zweck das Gerät bereits mit unterschiedlichen Tunings bestückt, die sich über Links/ Rechts-Taster auswählen lassen, per Up/ Down Taster erreicht man die jeweilige Preset Bank. Natürlich kann das Instrument auch ganz normal per Hand gestimmt werden, dafür muss das G Force Tuning System ausgeschaltet sein.

In der folgenden Grafik seht ihr eine Übersicht der möglichen Stimmungen.

Das mitgelieferte Netzteil dient zum Aufladen der Batterie der Stimmmechanik. Dafür muss der Stromgeber entnommen und in das Ladegerät gesteckt werden. Im aufgeladenen Zustand sollen bis zu 1000 Stimmvorgänge möglich sein.

So weit, so gut, es wird Zeit für den Praxisteil.

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