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19.07.2017

Gemini MDJ-500, MDJ-600 und MDJ-900 Test

DJ-Mediaplayer

Allerhand auf und unter der Haube

Gemini hat mit dem MDJ-500, MDJ-600 und MDJ-900 drei neue DJ-Mediaplayer im Sortiment: Für gerade mal 199 Euro bringt die kleinste Ausgabe bereits – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – Farbbildschirm, MIDI-Modus, USB-Audiointerface und USB-Mediaplayer mit, wobei die BPM- und Peak-Analyse „on the fly“ oder im Vorfeld via „vCase Library Management Software” erfolgen kann. Kreative Bordmittel wie Loops, Hotcues und Slip laden zu mehr als dem bloßen Mixen zweier Tracks ein. Als MIDI-Controller arbeiten die MDJs nativ mit Virtual DJ zusammen, inklusive Library- und Waveformdisplay sowie Dual-Layer-Mode. Der 600er kostet 50 Euro mehr und kommt mit einem Slot-in CD-Laufwerk im Bauch. Das Flaggschiff MDJ-900 ist obendrein netzwerkfähig und kostet schlappe 349 Euro. Fühlen wir den Low-Budget-CDJs auf den Zahn und finden heraus, ob sie halten, was sie zu versprechen scheinen.

Details

Es wird ausgepackt: Je ein Player, Netz -und Audiokabel sowie ein Handbuch schälen sich aus dem bunten Karton, das war’s. Der 900er bringt dazu noch ein LAN-Kabel mit. Eine DJ-Software, beispielsweise Virtual DJ LE, ist nicht dabei. Die „kleinen“ Player messen 28 x 22 x 10 Zentimeter, der 900er fällt mit 33 x 30,5 Zentimetern breiter und tiefer aus und bietet dementsprechend mehr „Raum“ zum Arbeiten. Die Verarbeitung der Kunststoffgehäuse geht in Ordnung, messerspitze Stoßkanten und Grate sind nicht auszumachen. Einschaltknopf, USB-, Cinch- und Strombuchse finden sich auf der Rückseite eines jeden Laufwerks ein, ebenso ein paar Lüftungsschlitze (unten sind noch größere). Der digitale S/PDIF- und die LAN-Buchse wurden nur dem Spitzenmodell zuteil.

Die MDJs stehen fest auf vier Füßen und geben auf dem DJ-Tisch mit ihren ausgestanzten, seitlichen Gemini-Schriftzügen und dem schwarzen Finish eine durchaus attraktive Figur ab. Klar, darf man keine Verarbeitungsqualität wie bei einem CDJ-2000 erwarten, die Knobs und Navigationsencoder sind nicht wirklich griffig, der Jogwheel-Widerstandsregler ist ein widerspenstiger Geselle, bei den kleinen Playern schnarren die Jogwheels etwas und die Federung der Cue/Play-Tasten ist nicht mein Fall (zumal untereinander auch abweichend), was jedoch nicht bedeutet, dass man damit nicht arbeiten kann. Im Großen und Ganzen also okay.

MDJ-500 und MDJ-600

MDJ-500 und MDJ-600 sind nahezu identisch aufgebaut, mit der Ausnahme, dass Letztgenannter über ein Slot-in CD-Laufwerk verfügt und aufgrund der einhergehenden Modus-Taste der Aufruf der Settings auf die zweite Instanz des Back-Buttons links neben dem Display verfrachtet wurde. Das Layout ist weitgehend klassisch, orientiert sich am marktüblichen Design und nicht zuletzt an den Vorgängermodellen: Bedienelemente der Transportsteuerung wie Play, Cue, Spulen, Skip und Rückwärtslauf, dazu die Navigation bevölkern die linke Flanke, das mit Griffmulden besetzte, oberflächensensitive, leicht schnarrende 5-Zoll-Jogwheel und die Loops und Cues besiedeln die Mitte. Die Tempoabteilung logiert rechts: Hier trifft man auf einen 100 Millimeter langen, für meine Begriffe leicht schleifenden Tempofader. Darüber gleich die Pitch-Bend-Tasten zum Phasenabgleich, falls man nicht das Jogwheel nutzen möchte. Weitere Tasten aktivieren den Keylock, die Quantisierung und Scratch-Funktion, schalten den BPM-Modus um oder lassen DJ das Tempo manuell eintappen oder die BPM sperren. 

MDJ-900

Der MDJ-900 ist nicht nur breiter und tiefer, er besitzt zum Teil ein anderes Layout und mehr Features. So liegen die vier Hotcues wie beim Konkurrenten links oben, rechter Hand sind zwei zusätzliche Regler für die Start- und Stoppgeschwindigkeit auszumachen sowie eine Link-Taste für das Netzwerk. Der angewinkelte Displaybereich (nicht das Display selbst) hat ungefähr die Breite eines kompletten MDJ-600, daher wurden USB-Buchse, Shift und die Navigationselemente nachvollziehbarerweise dorthin ausgelagert. Die Autoloop-Sektion wartet mit gleich vier rechteckigen Tasten auf, die Loops und Rolls von 1/8 bis 16 Beats abfeuern. Zwei weitere Ingredienzien des Flaggschiff-Modells sind das bipolare Hoch/Tiefpass-Filter (!) und der Drehregler zur Justierung des Jogwheel-Widerstandes. Heavy ist hier wörtlich zu nehmen, in Light-Stellung ist der Teller für meine Begriffe etwas wackelig, da muss jeder sein eigenes Maß finden

Der Teller misst hier satte acht Zoll und lässt einen blauen Vinyl-Schriftzug im Zentrum aufleuchten, wenn die Scratch-Funktion aktiviert ist. Er verfügt über eine 36-stellige Nadelpositionsanzeige. Hier wäre es schön, würde sich die Startstellung mit dem Downbeat des Musikstücks abgleichen – ist aber nicht so.

Display

Ziemlich ansprechend für diese Preisklasse fallen die 4,3-Zoll-Displays aus. Sie zeigen Track-Infos und Laufzeiten, Tempo, Pitch-Range, Pitch-Wert und Autocue- und Quantisierungsstatus an. Hier kann man bezüglich der BPM-Anzeige zwischen dem Beatcounter (AUTO), dem ID3-Tag, Tap oder manueller Eingabe per Drehgeber (wobei man wunderbar erkennen kann, wie sich das Grid streckt und staucht) selektieren. Das Track-Display, der schmale Streifen ganz oben, ist umschaltbar: Song-Name, Artist-Name, Album-Title und Genre stehen zur Auswahl.

Darunter finden sich die monochrome Peak-Vorschau für den Track nebst grünem Fortschrittsbalken. Die untere Hälfte nimmt die vierfach zoombare Ausschnittsbetrachtung der Waveform ein (Minimum 3,2 Sekunden, maximum 24 Sekunden), wo optional das Taktraster eingeblendet werden kann. Während der Navigation auf dem Datenträger zeigt der Bildschirm Verzeichnisstruktur, Musikdateien, ID3-Infos und Cover-Art an. Die Navigation und Bedienung ist „straight forward“. Via Encoder gelangt man in die Musikbibliothek, drückt man ihn nieder, geht’s je eine Ebene tiefer bis hin zum Ladevorgang, mit Back springt DJ zurück.

Mittels Shift-Push („Search“) lässt sich der Inhalt eines Datenträgers indizieren und somit eine Datenbankdatei auf dem Stick oder der Platte erzeugen. Auch die Settings werden auf dem angeschlossenen Datenträger verewigt, sodass die eigenen Einstellungen am Set geladen werden können. Alternativ kann Geminis vCase Software diese Aufgaben übernehmen.

Ich habe dem Player daraufhin 300 Tracks mit 2,5 GB Datenvolumen untergeschoben und die Search-Funktion auf dem Gerät gestartet. Sie waren innerhalb von nur 30 Sekunden „indiziert“. Prima, wenn der Kumpel kurzfristig mit seinem brandaktuellen Promo-Stick anrauscht. Das alphabetische Durchforsten ist daraufhin nach Filename, Artist, Album, Title und Genre möglich. Ein Datenbank-Update, die Datei landet auf dem Stick im Ordner „Gemini“, lässt sich auch in wenigen Sekunden am Gerät vornehmen.

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