Serie_Interview
Feature
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01.04.2015

Gear-Chat und Interview: Peter Wanitschek

Der Tim Bendzko Schlagzeuger zeigt sein Setup

24.03.2015 im Essener Colloseum Theater: Tim Bendzko + 4 macht Station auf der „Mein Wohnzimmer ist dein Wohnzimmer“ Tour. Am Drumset sitzt Peter Wanitschek, der seit Beginn der Karriere des Sängers die Trommeln bedient. Große Bühnen wurden für diese Tour gegen bestuhlte Hallen getauscht, und mit vorwiegend akustisch angehauchtem Instrumentarium werden die Songs in kleinerer Besetzung den Fans präsentiert. 

Bevor sich der sympathische und bodenständige Berliner Trommler meinen Fragen stellt, darf ich noch der Probe des Xavier Naidoo Songs „Bei meiner Seele“ beiwohnen, den Bendzko speziell für diesen Abend ins Programm genommen hat. An jedem Tag der Tour spielt die Band auf Wunsch des Frontmanns ein neues Stück, wobei es auch weniger bekanntes Liedgut von Interpreten wie Christian Steiffen schonmal in die zweieinhalbstündige Setlist der Band schafft. Bei der Probe kann ich Peter auf die Hände und Füße schauen, er trommelt ausgesprochen locker und schön auf den Punkt. Auch der Sound seines Drum-Kits integriert sich wunderbar stimmig in den Klang der Band.

Hi Peter, erklär doch mal kurz dein Setup.

Mein Drumset ist auf dieser Tour ein etwas kleineres Yamaha Oak Custom in den Größen 20 x 17,5 Bass Drum, 12 x 9 Tom und 16 x 16 Floortom mit einer 14 x 6,5 Sensitive Maple Snare. Meine Becken kommen alle von Meinl aus der Byzance Serie. Da hätten wir eine 14er Byzance Jazz Thin Hi-Hat, ein 6 Zoll Splash auf einem 18er Jazz Thin Crash, und auf der anderen Seite ein Benny Greb Sand Ride in 20 Zoll und ein 18er Extra Dry Thin Crash. Für das Starten der Clicktracks benutze ich ein Yamaha DTX-Multi 12.

Dann sehe ich, du hast auch ziemlich viel zum Schütteln dabei?

Genau, verschiedene Shaker, Tambourines und anderen Small-Percussion Kram, allesamt von Meinl Percussion.

Was machst du mit dem Laptop?

Der Laptop ist nur für meinen Monitor, darauf läuft RME TotalMix. Neben der In-Ear-Summe vom FOH kann ich mir den Click, die Bass Drum und den E-Bass noch separat dazu regeln.

Damit du im laufenden Gefecht noch besser eingreifen kannst?

Genau. (lacht)

Dein Set ist neben den dünnen Becken auch auf den Trommeln offensichtlich für den akustischen Sound präpariert? 

Ja, ich benutze diesen speziellen Leder Beater von Masshoff / Bag Beat und spiele vor allem mit Hot Rods und Broom Sticks. Auf den Trommeln habe ich kleine Handtücher befestigt, mit denen ich je nach Song die Dämpfung anpassen kann. 

Passt du denn die Dämpfung auch von Bühne zu Bühne unterschiedlich stark an?

Nein, da kann ich nicht so stark drauf reagieren, manchmal ist die Akustik trockener, manchmal nicht. Für die Becken benutze ich die Cympads zum Drunterlegen, die es in unterschiedlichen Größen gibt. Damit kann ich diese zumindest ein bisschen leiser machen.

Gibt‘s einen Grund, warum du im Vergleich zum ersten Teil der Tour weniger Percussion spielst?

Beim ersten Teil saß ich auf einer Cajon, die ich gleichzeitig auch als Bass Drum benutzt habe, dazu verwendete ich aber eine „echte“ Snare, also mehr eine Fusion aus Percussion und Drum Set. Jetzt sind einige Songs aus dem Programm gefallen, wo die Cajon mehr Sinn gemacht hat, so ist es auch etwas einfacher für den Backliner. 

Auf welches Instrument stehst du am meisten, wovon kannst du als Trommler nie genug haben?

Ich bin auf jeden Fall ein kleiner Shaker-Fetischist (lacht), davon habe ich sehr, sehr viele. Becken kann man auch nie genug haben, gerade für Studio-Einsätze, und Snare Drums habe ich natürlich auch ein paar.

Hast du auch Vintage-Zeugs? Du bist doch ein loyaler Endorser? ;-)

Auf Vintage Kram stehe ich auch, gebe ich zu und habe auch einiges davon am Start. 

Du lebst in Berlin, der Stadt mit der wahrscheinlich höchsten Musiker-Dichte in Deutschland. Das stell ich mir nicht so leicht vor, da immer noch neue Musiker da hin ziehen?

Ja, ist schon schwierig. Dadurch dass ich schon so lange da bin, kenne ich natürlich sehr viele Leute. Ich hatte also nicht das Problem, dass ich von außen komme und komplett neu anfangen musste. Aber deswegen bin ich auch immer in Berlin geblieben. (lacht) Das Miteinander in Berlin ist eigentlich ganz cool, man kennt sich und ist auch nicht so... (überlegt) Ich glaube, es gibt andere Ecken, wo es sicher noch härter vom Umgang zugeht. Aber einfach ist es auch in Berlin nicht. 

Mit Tim Bendzko spielst du ja quasi von Anfang an, oder?

Seit 2008/2009, im Prinzip seit der der ersten Stunde. Und ich bin sehr froh, das alles bis jetzt mit ihm erlebt zu haben und auch die verschiedenen Stadien seiner Karriere zu begleiten. Und gerade diese Wohnzimmer-Tour macht sehr viel Spaß und ist auch was ganz anderes, intimer und musikalisch auch fast noch anspruchsvoller für uns.

Im Vergleich zu den großen Bühnen?

Ja, es ist direkter so, man muss durch die Instrumentierung noch viel mehr aufeinander hören, ist geil!

Du spielst auch für andere Projekte?

Genau, momentan sind es besonders viel Studio-Sachen zum Beispiel für Emphraim Juda, oder die Sängerinnen Micky Rose und Janin Johannsen. Ich würde auch gern wieder mit anderen Projekten mehr auf die Bühne gehen, aber gerade ist es mehr Studio-Arbeit. Und dann gebe ich auch noch einen Tag Unterricht pro Woche in einer privaten Musikschule in Berlin-Pankow.  

Übst du denn noch?

Ja, gerade an den stilistisch unterschiedlichen Studio-Geschichten lerne ich viel im Prozess, und bin da tief eingetaucht. Diese Materie interessiert mich sehr. Bei welchem Style klingen welche Dinge gut, usw.

Das heißt, du übst nicht irgendwelche Licks?

Eher Sachen aufzunehmen und dabei lernen, Sachen gut einzufangen. Dabei lernt man sehr viel. Wäre auch ein wichtiger Tipp für alle jungen Drummer: Nehmt euch auf und hört euch an.

Apropos Tipp, hast du noch einen abschließenden Ratschlag für alle Drummer, die für einen Popstar trommeln wollen? Warum klappt das bei einigen, bei anderen nicht?

Oh, schwere Frage. Das kann ich gar nicht so richtig sagen. Klar, musikalisch denken, weniger an sich selbst denken. Und lieber hören, was die Musik verlangt? Das sind natürlich die Sachen, die jeder jetzt sagen würde, aber es stimmt leider. Kontakte sind wichtig, auch Glück zu haben, ich habe leider nicht die definitive Formel...  

Auch ein netter Typ sein?

(lacht) Ja, das wäre gut, ist glaube ich nicht so schlecht. (lacht) Wenn man auf Tour eine gute Zeit hat und nicht A***loch ist. Und natürlich gut vorbereitet sein!

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