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03.05.2016

Futuresonus Parva Synthesizer: Story und Interview

Parva-Entwickler Brad Ferguson im Gespräch

Der Futuresonus Parva ist ein achtstimmig polyphoner Analogsynthesizer, der durch eine Kickstarter-Kampagne finanziert wurde. Mittlerweile ist die Produktion in Austin angelaufen und die Kickstarter-Unterstützer haben ihre Exemplare erhalten. Wir haben den Entwickler Brad Ferguson in seiner Werkstatt in Austin, Texas besucht und uns ein Bild von der Produktion des Futuresonus Parva gemacht. Nachdem ich per E-Mail mit Brad Kontakt aufgenommen hatte, lud er mich in seine kleine Werkstatt ein, die sich in einem Lagerhaus am Rand von Austin befindet.

In bester Garagenfirma-Tradition setzt der sympathische Entwickler den Synthesizer in einem winzigen, fensterlosen Raum zusammen, der bis unter die Decke mit Kisten voller Platinen, Gehäusen und Bauteilen vollgestopft ist. In einer Ecke ist gerade Platz für einen kleinen Tisch, auf dem eine Lötstation und ein Macbook stehen. Hier wird jeder einzelne Parva von Brad Ferguson persönlich endmontiert und getestet.

Die Eckdaten des Futuresonus Parva können sich definitiv sehen lassen: Acht Stimmen Polyphonie, pro Stimme drei digital überwachte, analoge Oszillatoren (DCOs), zwei Multimode-Filter sowie je vier Envelopes und LFOs. Hinzu kommt eine üppige Modulationsmatrix. Der Parva ist achtfach multitimbral und bietet für jede Stimme einen Einzelausgang (vier Stereobuchsen), sodass er bei Bedarf bis zu acht unabhängige, monophone Sounds produzieren kann. Trotz dieser durchaus beachtlichen Featureliste ist er kein teurer Boutique-Synthesizer, sondern mit einem angepeilten Verkaufspreis von rund 1000 US-Dollar sehr günstig für einen achtstimmig polyphonen Analogen.

Brad: Innen gibt es acht Voice-Boards, die über PCIe mit dem Mainboard verbunden sind. Wie beinahe alles im Parva bestehen sie aus gängigen Standard-Bauteilen, deshalb kann ich ihn auch so günstig bauen. Jedes der acht Voice Boards ist im Prinzip ein vollständiger Synthesizer. Das Mainboard ist dafür zuständig, ankommende MIDI-Daten und die Bewegungen der Bedienelemente zu erfassen und sie an die Voice Boards zu verteilen, in den Voice Modes polyphon, unison oder monophon. Die Multitimbralität ist so konzipiert, dass man jedem Voice Board ein anderes Patch zuweisen und es einzeln spielen kann, auf verschiedenen MIDI-Kanälen oder indem man das Keyboard acht mal splittet. Man kann fast alles machen, Splits, Schichtungen oder alles gleichzeitig. Und es gibt einen Spread-Parameter, der die Stimmen Oberheim-mäßig im Panorama verteilt, und eine Detuning-Funktion.

Wie Brad mir erzählt, lässt er die Voice-Boards in China nach seinen Plänen fertigen. Die Mainboards werden von seinem Assistenten in Austin mit Bauteilen bestückt. In Brads Werkstatt erfolgen schließlich die Endmontage, das Debugging und die Kalibrierung. Die Prototypen baute er noch zu Hause, aber für die Serienfertigung musste dann doch eine Werkstatt her, um den häuslichen Frieden zu wahren, wie er augenzwinkernd berichtet.

Was war die Inspiration für den Futuresonus Parva?

Brad erzählt, dass er zuvor hauptsächlich an Gitarreneffekten bastelte. Auf Dauer wurde ihm das aber zu langweilig und der klangliche Horizont der Gitarrenwelt erschien ihm als zu eng und zu wenig experimentierfreudig. Deshalb verlegte er sich auf Synthesizer. Der Anstoß für die Entwicklung des Parva war dann der Mutable Instruments Shruthi, ein kleiner, monophoner Hybridsynthesizer mit jeder Menge DIY-Charme. „Das kann ich auch,“ dachte sich Brad, und begann mit der Entwicklung seines eigenen Synths, die dann schnell in Richtung analog und polyphon ging.

Brad: "Der Parva teilt einige technische Ansätze mit den DCO-Synths der Achtziger, wie zum Beispiel den Roland Junos oder dem Oberheim Matrix. Die Stimmenarchitektur ist aber etwas anders. Er ist kein Klon eines anderen Synths, sondern eher eine Kombination von Dingen, die ich an anderen Synthesizern mag. Ich habe mich damit beschäftigt, was ein Prophet 08 oder Prophet 12 kann, was ein Alesis Andromeda kann, was ein Waldorf kann, und mir überlegt, welche Features mir wichtig und welche mir eher unwichtig sind. Der Andromeda kann zum Beispiel so viel, dass es beinahe überwältigend ist. Ich hätte auch einen superteuren Synth entwerfen können, der alles kann, und hätte am Ende vielleicht 100 Stück davon verkauft. Ich baue aber lieber einen Synthesizer, der vielleicht nicht jedes Feature und jeden erdenklichen Knopf hat, aber doch vieles gut macht. Und ich wollte keine Menüs, die länger als zwei Seiten sind.

Als ich anfing, habe ich zuerst versucht, den Parva super-clean klingen zu lassen, fast Hi-fi-mäßig. Dann habe ich Soundbeispiele gepostet und einige fanden den Sound zu sauber. Also habe ich ihn rauer gemacht, aber das mochten dann auch wieder nicht alle. Im Internet kann man halt einfach nicht gewinnen! [lacht] Jetzt ist es so: In der Standard-Einstellung ist es leicht, den Oszillator-Mixer zu übersteuern, wodurch dann auch das Filter übersteuert wird. Es gibt aber ein Setting, das alles im Pegel reduziert, sodass man nicht mehr so leicht in die Overdrive-Zone kommt."

Was für Filter hat der Parva? Basieren sie auf den berühmten Designs der Synthesizergeschichte, oder hast du dein eigenes Ding gemacht?

Brad: "Naja, es gibt nun mal ein paar bewährte Arten, wie man Operationsverstärker arrangieren kann, um ein Filter zu bauen. Der Parva hat pro Stimme zwei 12dB-Filter auf OTA-Basis in Reihe, mit Schaltern und Routing dazwischen und separaten Resonanzwegen. Zwei 12dB-Tiefpassfilter in Reihe ergeben ein 24dB-Filter, wenn sie auf dieselbe Frequenz eingestellt sind. Und wenn man einen Highpass mit einem Lowpass kombiniert, erhält man ein Bandpassfilter. Das Resonanz-Poti ist so kalibriert, dass das Filter früher in die Selbstoszillation geht als bei vielen anderen Synths. Gerade an der Schwelle zur Eigenschwingung gibt es viele interessante Sounds. Ich wollte nicht, dass das alles erst in einem engen Bereich ganz am Ende des Regelwegs stattfindet, und habe stattdessen den Regelbereich in der Mitte erweitert. Bei vielen Synthies passiert ja bei der Resonanz zwischen null und 50% nur recht wenig. Das Filter des Parva kann man gerade an der Schwelle zur Selbstoszillation sehr fein justieren. Wenn man zum Beispiel mehrere Oszillatoren hat, die nicht phasengleich schwingen, kann man das Filter so fein einstellen, dass es „anspringt“, wenn sich die Schwingungen kreuzen."

Mit je vier Envelopes und LFOs pro Stimme und der üppigen Matrix verspricht der Parva umfangreiche Modulationsmöglichkeiten. Brad erklärt, was möglich ist:

Brad: "Envelope 1 ist fest mit dem VCA verbunden und Envelope 2 mit dem Filter. Sie können zusätzlich in der Matrix auch anderen Zielen zugewiesen werden. Die Hüllkurven 3 und 4 sind frei verwendbar, es gibt etwa 50 verschiedene Modulationsziele. Man kann interessante Sachen machen. Zum Beispiel kann ich Envelope 3 ihren eigenen Attack modulieren lassen. Wenn eine lineare Hüllkurve eine lineare Hüllkurve moduliert, kommt zum Beispiel eine logarithmische oder exponentielle heraus. Das ist eine sehr interessante Weise um andere Hüllkurvenformen zu bekommen. Es gibt außerdem ein globales Setting für die Charakteristik der Envelopes, exponentiell oder linear. In der nächsten Version wird das für jede Hüllkurve einzeln verfügbar sein. Die vier LFOs pro Stimme sind alle über ihre jeweiligen Menüs frei zuweisbar. Dann gibt es noch die Matrix, in der man die Quellen wie Envelopes, LFOs, Velocity, Aftertouch, Modwheel oder Breath Controller den Zielen zuweisen kann. In einem der nächsten Updates wird es auch einen vom Benutzer definierbaren MIDI-CC als weitere Quelle geben."

Welches Konzept steckt hinter der Bedienoberfläche des Parva?

Brad: "Ich mag es nicht, wenn die Parameter, die ich viel benutze, in Menüs versteckt sind. Zuerst hatte ich vor, viel mehr Regler einzubauen. Aber dann habe ich den Preis dafür kalkuliert und für all die Hardware, die zum Auslesen der Potis nötig gewesen wäre, und habe mich schließlich für weniger entschieden. Die meistbenutzten Parameter jeder Sektion haben ihre eigenen Knöpfe, die restlichen Einstellungen findet man in den Menüs. Beim Filter gibt es zum Beispiel eigene Regler für Cutoff und Resonanz, im Menü findet man dann noch Filtertyp, Keytracking, FM und so weiter. Außerdem sieht es so einfach schick aus, weil es zufällig genau dieses gleichmäßige Pattern ergab. Ich gebe zu, den untersten Knopf hier [zeigt auf den Encoder B] habe ich eigentlich nur aus optischen Gründen hinzugefügt, zunächst hatte ich ihn nicht eingeplant. Aber jetzt er hat eine Funktion. [lacht]

Ich glaube, das Panel ist ziemlich intuitiv. Die Knöpfe sind in Reihen angeordnet: Oszillator-Sektion, Envelopes, LFOs und Filter. Die beiden unteren hier sind zur Navigation in den Menüs. Alle silbernen Knöpfe auf der linken Seite sind Drehencoder, durch Drücken erreicht man zusätzliche Einstellungen. Die schwarzen Knöpfe rechts sind direkte Controller für ihre jeweiligen Parameter, zum Beispiel Attack, Decay, Sustain und Release. Wenn man daran dreht, während man gerade hier links im Menü etwas einstellt, springt das Display zu diesem Parameter und nach einer Weile wieder zurück zum Menü. Die Werte rechts sind also immer im direkten Zugriff. Wenn man zum Beispiel zu einer anderen Envelope wechselt, holt man den Wert mit dem Regler ab, es gibt aber auch einen Jump Mode."

Analoge Klangerzeugung, digitale Steuerung

Die Klangerzeugung des Parva arbeitet analog, die Steuerung erfolgt hingegen digital, wodurch sämtliche Parameter des Desktop Synths über MIDI steuerbar sind. Wem die Bedienoberfläche zu wenig Regler bietet, der kann den Parva also vollständig von einem Controller oder einem anderen Synth fernsteuern. Der Clou: Der Parva bietet einen USB Host Port, an den man beliebige Controller und Keyboards direkt über USB anschließen kann (class compliance vorausgesetzt).

Brad: "Hier habe ich zum Beispiel ein CME Xkey zum Testen angeschlossen, hauptsächlich weil es wie der Parva polyphonen Aftertouch unterstützt. Es funktioniert mit jedem „class compliant“ USB-Keyboard, also fast allen. Einige meiner ersten Kunden verwenden einen Access Virus als Controller, auch der lässt sich direkt per USB anschließen. Ein anderer benutzt einen Radical Accelerator."

Hast du einen Vertrieb für den Parva, oder machst du auch den Verkauf komplett selbst?

Brad: "Viele Vertriebe haben angefragt. Aber ich habe da ein paar Erfahrungen machen müssen und möchte ihn lieber direkt vertreiben. So kann ich einen achtstimmig polyphonen Analogsynth für 1000 Dollar anbieten. Wenn ich die normalen Vertriebswege nutzen würde, läge der Endpreis bei mindestens 1500, wenn nicht 1800 Dollar, weil jeder seinen Anteil haben möchte. Ich verkaufe ihn lieber selbst, zu einem vernünftigen Preis."

Was sind deine nächsten Pläne, wie geht es nach dem Parva weiter?

Brad: "Die nächsten Sachen werden auf der gleichen Plattform basieren. Ich denke über eine Keyboardversion nach und bin noch auf der Suche nach einer geeigneten Tastatur mit polyphonem Aftertouch. Außerdem könnte man aus diesen Voice Boards natürlich auch recht einfach eine kleine, günstige, monophone Version bauen. Wir werden sehen!"

Wer einen Futuresonus Parva sein eigen nennen möchte, kann ihn auf der Website von Futuresonus bestellen.

Einen ausführlichen Test zum Parva findet ihr in Kürze hier auf bonedo!

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