Gitarre
Test
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14.02.2016

Friedman BE-100 Test

Röhrenverstärker-Topteil

Plexi für Fortgeschrittene

Das Friedman BE-100 Röhrentopteil ist handverdrahtet, kommt mit drei Kanälen, Mastervolume und einigen weiteren Schmankerl und wird von seinem Hersteller als Ultimate Modded Plexi beschrieben. Seine 100 Watt sollen mit britischem Klangcharakter überzeugen und dem Gitarristen auf der Suche nach dem Heiligen Gral des Rock-Tons weiterhelfen. Dave Friedman ist der Mann hinter den Amps und hat, wie so viele andere, ursprünglich mit dem Reparieren und Modifizieren von Amps begonnen. Wie vor Jahrzehnten Jim Marshall, der ebenfalls auf die Wünsche von Gitarristen einging und primär Fender-Amps zu höheren Zerrgraden verhalf, versucht auch Dave Friedmann seit über 25 Jahren einer erlesenen Kundschaft (u.a. Eddie Van Halen, Steve Stevens, etc.) zum optimalen Gitarrensounds zu verhelfen. Seine Hauptaufgabe lag sehr häufig darin, Marshall Plexis (Jim Marshalls Ur-Amp) aufzurüsten und ihnen zum gewünschten Sound zu verhelfen.

Im BE-100 steckt nun all seine Erfahrung im Modifizieren dieses Verstärkers. Dass ein solches Gerät kein Schnäppchen ist, sollte klar sein, für den handverdrahteten Boutique-Amp werden runde 4.000 Euro fällig.

Details

Gehäuse/Optik

Der BE-100 bekennt sich rein äußerlich unverkennbar zu seinem Vorbild, die Marshall-Optik wurde, wenn auch leicht verändert, recht deutlich übernommen. So ist das goldfarbene Frontpanel nicht mittig angebracht, sondern mehr nach rechts gerutscht, der Schriftzug ist links oben an der Frontseite zu finden. Das Gehäuse ist mit schwarzem Tolex überzogen und auch der goldenen Keder am Rand und in der Mitte der Front ist dem Vorbild entsprechend. Alles in einer guten Qualität und sehr sauber verarbeitet. Der Amp steht solide auf vier großen Gummifüßen und lässt sich am Kunstledergriff gut transportieren. Mit einem Eigengewicht von 19,5 kg sind längere Strecken allerdings kein Vergnügen. Auf der Ober- und Rückseite sind große Öffnungen im Gehäuse mit Lochblechen abgedeckt, damit für Kühlung gesorgt ist, denn die acht Röhren im Inneren erzeugen einiges an Wärme. Hier arbeiten vier 12AX7 in der Vorstufe und vier EL34 in der Endstufe. Der Amp ist wirklich sehr sorgfältig verarbeitet - nicht umsonst gibt Dave Friedman eine lebenslange Garantie, selbstverständlich nicht auf Verschleißteile wie zum Beispiel Röhren.

Bedienfeld

Das Frontpaneel ist im Vergleich zu einem Standard-Plexi etwas dichter besiedelt, neben Power- und Standby-Schalter finden wir hier neun schwarze Regler und drei Miniswitches. Beim Input war Dave Friedman sparsam, es gibt lediglich einen. Der Amp hat drei Grundsounds, die mit einem Mini-Switch (CLN-BE-HBE) auf dem Bedienfeld angewählt werden können. Für den Clean-Channel stehen Volume, Bass, Treble und Presence zur Verfügung sowie ein dreistufiger Bright-Switch. Dabei wirkt Presence gobal auf alle Kanäle, Treble, Bass und Bright-Switch arbeiten exklusiv für den Clean-Kanal. Wird auf BE oder HBE umgeschaltet, sind die Regler für den zweiten Kanal im Einsatz. Hier haben wir Presence, Bass, Middle und Treble zum Einstellen der Klangfarbe, Master und Gain sorgen für die Endlautstärke und den Zerrgrad. Der Unterschied zwischen BE und HBE ist lediglich, dass der HBE etwas mehr Gain und ein erhöhtes Kompressionsverhalten hat. Er ist eine Ecke heißer, sehr gut für Leadsounds geeignet. Bei den beiden Zerrkanälen hat man außerdem einen Voice-Schalter zur Verfügung. In der linken Position sorgt er für einen wärmeren Sound mit stärkeren Mitten, rechts gibt es etwas mehr Bass und Höhen.

Rückseite

Alle zusätzlichen Anschlüsse sind wie gewohnt auf der Rückseite geparkt. Es gibt zwei Speaker-Outputs mit wählbarer Impedanz (4, 8, 16 Ohm) per Rasterpoti. Zusätzlich hat Dave Friedman seinem Amp einen regelbaren Line Out gegeben, über den eine weitere Endstufe oder Effektgeräte angesteuert werden können. Hier wird allerdings kein frequenzkorrigiertes Signal für Aufnahmezwecke ausgegeben. Einen schaltbaren Effektloop gibt es auch und wenn dieser aktiviert ist, wird der Master Volume-Regler automatisch umfunktioniert und arbeitet nun als Send-Regler für den Loop, der Return-Regler auf der Rückseite übernimmt dann den Part zum Einstellen der Endlautstärke. Mit der Konzeption kann ich mich nicht so recht anfreunden, denn ich finde es außerordentlich praktisch, schnellen Zugriff auf den Master-Regler zu haben.

Am Footswitch-Anschluss findet der mitgelieferte Fußschalter Anschluss, der mit seinen zwei Schaltern zwischen Clean und BE (Clean) oder HBE (Boost) umschaltet. Zusätzlich warten drei Mini-Kippschalter, mit denen der Grundsound des Amps leicht modifiziert werden kann. Der Fat-Schalter sorgt, wie der Name schon sagt, für einen fetteren Sound, der laut Hersteller für Singlecoil-Gitarren sehr gut geeignet ist. Für den BE/HBE-Kanal gibt es einen C45-Switch, ein Custom Voicing von Dave Friedman, und den SAT-Switch, der für mehr Sättigung und ein erhöhtes Kompressionsverhalten sorgt. Der Klangunterschied beim C45-Switch liegt eher im feinen Bereich, der SAT-Switch macht sich schon deutlicher bemerkbar, denn hier geht auch der Pegel etwas zurück, der Sound wird komprimierter. Will man den Amp bei geringeren Lautstärken betreiben, ist das eine gute Wahl. Bei den Audio-Beispielen im Praxisteil habe ich die drei Features nicht eingesetzt.

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