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Fostex MC10S Test

Praxis

Nicht nur ein stabiler Koffer ist beim mobilen Einsatz von Mikrofonen von Vorteil, sondern auch, dass die Mikrofone selbst nicht unbedingt aus Porzellan sind und ihre Existenz infrage stellen, wenn man sie nur etwas zu stark anschaut. Die beiden Fostex machen das genau richtig, denn am Gehäuse wurde nicht gespart: Es ist aus stabilem Messing. Das Frontgitter ist zwar feinporig, doch auch stabil genug und ein Stückchen tiefer in die Front eingelassen, sodass auch hier nicht viel zu befürchten ist.

Fotostrecke: 3 Bilder Fostex MC10S im Praxistest

Von einem Mikrofonpärchen dieser Preiskategorie erwartet man keine Höchstleistung und ist auch durchaus auf negative Eigenschaften gefasst. Die quasi omnipräsente Problemzone nicht allzu teurer Mikrofone sind bekanntlich die absoluten Höhen. Die Kompensation seitens der Ingenieure gestaltet sich meistens so, dass im etwas tiefer liegenden Bereich leicht angehoben wird (das ist technisch keine große Schwierigkeit), um einen höhenreichen Eindruck zu erwecken. Das kann mechanisch-akustisch oder elektrisch gemacht werden, wobei im Regelfall der ersten Lösung der Vorzug gegeben wird. Eine ausgefuchste Membranabstimmung und Resonanzbereiche (durch bestimmte Luftvolumina, Öffnungen in der Backplate und vieles mehr) sind dabei die Waffen der Wahl. Die Ergebnisse können sehr unterschiedlich sein, bei den beiden MC10 – ihr ahnt es vielleicht bereits – ist es nicht ganz so gelungen wie bei vielen teureren Vertretern. Die Höhen klingen etwas künstlich und “modelliert”, durchaus blechern, resonierend, nachschwingend. Natürlich geht das Signal dadurch nicht wirklich kaputt und lässt sich in vielen Produktionen hervorragend verwenden, doch bei auf Natürlichkeit bedachter Aufzeichnung fragiler Akustikinstrumentenklänge würde ich von den beiden Fostex eher Abstand nehmen. Als Standard zum Aufnehmen der schrebbeligen Schlaggitarre, der Hi-Hat, der Overheads, Percussion und dergleichen wird man die MC nicht verschmähen müssen – da gibt es deutlich schlechtere Wandler auf dem Markt. Im Tiefen- und Mittenbereich wirkt der Sound der Mikros ein wenig löchrig und phasig, aber hier halten sich die negativen Eigenschaften im Rahmen; am ehesten fällt das etwas quetschende Dynamikverhalten auf. Insgesamt sorgt die nicht so präzise Auflösung natürlich auch für kein zwingend klares Stereobild, wie man es mit Koinzidenzstereophonie (zu dieser gehört beispielsweise das XY) üblicherweise hinbekommen kann. Auch wichtig: Das subjektive Eigenrauschen hat man bei Fostex unter Kontrolle, die Pegelfestigkeit ist auch in der Praxis gut – und die Unterschiede zwischen den beiden Mikrofonen halten sich absolut im Rahmen. Im Vergleich mit dem Referenz-Set fallen die genannten Punkte anhand der Akustikgitarre auf, doch für sich gesehen “funktioniert” das Fostex-Stereoset natürlich ebenfalls:

Audio Samples
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Fostex MC10S Referenz Schoeps CMC-64

Es ist zwar nett, dass Fostex außer mit dem schönen und stabilen Koffer auch noch mit elastischen Halterungen für die Mikrofone punkten will, doch kann ich im konkreten Beispiel bestätigen, dass diese nicht nur positive Eigenschaften auf den Klang haben. Wenn also kein wirkliches Trittschallproblem vorhanden ist, wie es durch manche Untergründe oder nicht ordnungsgemäße Stativaufstellung (Füße berühren andere Stative etc.) auftreten kann, sollte man seinen Ohren vertrauen: Dann wird man darauf im Regelfall verzichten und handelt sich nicht noch Probleme durch die schwingenden Aufhängungen ein. Also: Auf ein vernünftiges Stativ montieren und auf einen festen Untergrund stellen – fertig.

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