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09.09.2019

FoH-Ratgeber - welche DI-Boxen braucht eure Band?

Wer sich nach Monaten im Proberaum das erste Mal auf eine größere Bühne wagt, kommt fast unweigerlich mit ihnen in Kontakt: DI-Boxen. Der Techniker vor Ort steht mit kleinen Metallkistchen vor dir, in die du dein Keyboard, deinen Bass oder die Akustikgitarre mit Hilfe eines Klinkenkabels andocken sollst. Warum ist das notwendig?

Was bedeutet DI-Box?

Der Begriff ist ein Akronym und steht für „Direct Input Box“ oder „Direct Injection Box“ und beschreibt im Grunde den Vorgang, der bei solch einem Gerät integral ist: Mann schließt sein Instrument ohne Umweg, also direkt an diese Box an.

Warum braucht man eine DI-Box?

Für Außenstehende scheint eine DI-Box einfach ein klobiger Klinke-auf-XLR-Adapter zu sein. Da Standardausführungen auf einer Seite zwei Klinkeneingänge und auf der anderen Seite einen XLR-Ausgang besitzen, ist diese Vorstellung gar nicht mal so falsch. Aber die kleinen Metallkisten machen noch mehr: Das unsymmetrische Instrumentensignal wird durch die DI-Box in ein symmetrisches Signal umgewandelt, das bei langen Kabelwegen (Bühne zu Mischpult) deutlich unempfindlicher auf Störeinflüsse reagiert.

DI-Box – was geht up?

Das Instrumentensignal wird nicht nur symmetriert, sondern zusätzlich von hoch- auf niederohming transformiert. Klingt seltsam, ist aber einfach erklärt. Jeder Audioausgang (z. B. Pickup der A-Gitarre, Klinkenbuchse am Bass) hat einen bestimmten Widerstand, der in Ohm gemessen und Impedanz genannt wird. Je hochohmiger ein Signal und je länger das eingesetzte Kabel, desto anfälliger ist es für Einstreuungen und Klangverfärbungen. Daher schließt man hochohmige Instrumente mit möglichst kurzen Klinkenkabeln an eine DI-Box an, die das Instrumentensignal in ein niederohmiges, symmetrisches Signal wandelt. Das übersteht dann auch längere Reisen von der Stagebox zum entfernten FoH-Mixer ohne Klangeinbußen oder Einstreuungen.

Kostenlose Zusatzleistungen

Wenn man Pech hat, kann das DI-Signal trotzdem Nebengeräusche wie Brummen oder Sirren aufweisen. In den meisten Fällen haben wir es dann mit einem „Pin-1-Problem“ zu tun: Bei einem dreipoligen XLR-Stecker ist der Pin1 masseführend. Trennt man die Signalmasse über den Pin1 auf, verschwindet in der Regel das Gebrumme. Diesen Job übernimmt souverän der Ground-Lift-Schalter, der an jeder DI-Box zu finden ist. Zur Grundausstattung einer DI-Box gehört außerdem eine schaltbare Abschwächung (Attenuator), die extrem hohe Eingangssignale (z.B. Keyboards) in mehreren Schritten (0 dB, -20 dB, -40 dB) auf handzahme Pegel stutzt.

Aktiv oder Passiv?

Ok, das Prinzip der DI-Box hat dich überzeugt und du möchtest dir eine eigene DI-Box für Live- und Studiojobs zulegen. Im Laden stellt man dir die Frage: Aktiv oder passiv?

Passive DI-Boxen wie die Palmer PAN 01 benötigen keine Versorgungsspannung, ermöglichen eine galvanische Massetrennung und sind somit denkbar einfach anzuwenden. Allerdings dämpft eine passive DI-Box das Eingangssignal, weshalb gerade Instrumente mit schwachen Ausgangssignalen (z. B. eine Akustikgitarre mit einfachem Piezo-Pickup) besser mit einer aktiven DI-Box verheiratet werden.

Aktive DI-Boxen wie die BSS AR-133 benötigen zwar eine Spannungsversorgung (+48 Volt vom Mischpult oder über eine Batterie), verursachen dafür aber keinen Pegelverlust und generieren besonders im Tiefbassbereich weniger Klirranteile.

Als Faustregel gilt: Instrumente mit solidem Ausgangspegel harmonieren gut mit einer passiven DI-Box. Ausgangsschwache Instrumente und Tieftongeneratoren sind besser mit einer aktiven DI-Box versorgt.

Media-DI-Box, Re-Amping und Lautsprechersimulation

In den letzten Jahren wurde der Funktionsumfang von DI-Boxen deutlich erweitert. Media-DI-Boxen erlauben zum Beispiel den Anschluss von Laptops via USB, haben Cinch-Eingänge oder Bluetooth. Daher sind diese DI-Boxen oft zweikanalig (zwei DI-Boxen in einem Gehäuse) ausgelegt und perfekt für Stereo-Eingangssignale. Ein Beispiel ist die Palmer PAN 04.

Eine passive DI-Box wie Radial Engineerings Pro RMP eignet sich zudem gut zum Re-Ampen. Dabei wird ein zuvor aufgenommenes cleanes E-Gitarren- oder E-Bass-Signal aus einer DAW über eine DI-Box ausgespielt. Das DI-Signal füttert einen Bass oder Gitarrenamp, der mit einem Mikrofon aufgenommen wird. So kann man so lange am Sound drehen kann, bis es passt, ohne dass der Gitarrist oder Bassist anwesend sein muss. Bei Konzerten kann man zudem auf DI-Boxen mit eingebauter Lautsprechersimulation wie Hughes&Kettner Redbox 5 zurückgreifen, falls man die herkömmliche Mikrofonabnahme umgehen möchte.

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