Software
Test
10
19.12.2018

Praxis

Fantastische Bedienbarkeit

Es sind die kleinen Dinge, die das Leben leichter machen. Und das merkt man beim Pro-Q 3 an jeder Ecke. Um einen EQ-Punkt zu setzen, muss man nur mit der Maus entsprechend in das Spektrum greifen und schon wird ein EQ-Punkt aktiviert. Eine Verständlichkeit, möchte man meinen – es gibt aber genügend schlechte Beispiele, wo Bänder erst angelegt bzw. aktiviert werden müssen, bevor man sie nutzten kann …

Klickt man außerdem weit außen ins Spektrum, wird automatisch ein Shelving-Filter angelegt, klickt man noch weiter außen, wird ein entsprechendes Cut-Filter erzeugt. Ansonsten werden natürlich standardmäßig Notch-Filter erzeugt. Danke Jungs, ihr habt wirklich mitgedacht!

Tolle Visualisierung, flexibler Analyzer

Individuelle Gain-, Frequenz- und Güte-Einstellungen können aber auch mit drei schön großen Reglern „traditionell“ und ohne Umschweife eingestellt werden. Hierbei wird immer nur ein Band dargestellt und farblich dezent illuminiert, was das Ganze wirklich übersichtlich macht. Gleichzeitig werden Anpassungen auch im Analyzer wunderbar animiert. Nicht zu vergessen: Die Skalierbarkeit der Ansicht sowie ein neuer, praktischer Full-Screen-Mode – und das alles nun auch mit Optimierung für Retina-Displays. Mac-Fans: Es sieht lecker aus!

Ebenfalls praktisch: Lässt man die Maus im unteren Analyzer-Bereich ruhen, geht das Plugin in den Analyzer-Fokus, blendet entsprechend EQ-Kurven aus und zeigt uns nun nur etwaige Peaks bzw. Ausreißer mit konkreten Frequenzen. Hilfe-Bubbles, Undo-Möglichkeiten, A/B-Varianten und reichlich Presets runden die User-Experience gebührend ab.

Neu, Neu, Neu

Das wichtigste neue Feature dürfte der optionale Dynamic-EQ-Mode für Bell- und Shelf-Bänder sein. Dynamisch bedeutet, dass es zusätzlich zum Gain einen Threshold gibt und seinen Überschreitungen entsprechend dynamisch den Gain herunter- bzw. heraufregelen. Beispielsweise lassen sich so schrille Cymbals nur im Moment ihres Auftretens in einem Mix entschärfen oder gar Kickdrums zeitlich isoliert boosten.

Dazu gibt es auch einen zuschaltbaren Auto-Threshold sowie auch einen Linear Phase Mode, wobei sich das Attack/Release-Verhalten hierbei noch minimal ändert. Apropos: dedizierte Regler für Attack, Release oder Ratio gibt es nicht - braucht es meiner Meinung nach aber auch nicht. 

Ebenfalls nicht unwichtig sind die neuen „Per Band Processing“ Optionen: Damit lassen sich pro Band Einstellungen auch nur für linkes, rechtes bzw. Mid oder Side Signal vornehmen. Ferner lassen sich die Spectrum Visualisierungen aller geöffneten Instanzen nun auch in einer GUI anzeigen, sodass sich überlagernde Probleme unterschiedlicher Spuren besser visuell erkennen lassen. Hierzu gibt es außerdem noch eine Collision Detection und einen Match-EQ.

Neu ist außerdem die Surround Unterstützung bis Atmos 7.1.2 sowie die neuen Brickwall Slopes für das LP- und HP-Filter. Hinzu kommt verbessertes MIDI Learn mit Optionen für das aktuell ausgewählte Band sowie die Unterstützung üblicher Pro Tools Hardware Control Surfaces. Alles in allem ein solides, umfassenden Update.

Klang

Klanglich gibt es nichts zu vermelden. Der EQ klingt sauber und präzise, einen Charakter entfaltet er nicht. Außerdem ist er äußerst sparsam auf der CPU. Wat willste mehr? Hierzu ein paar Beispiele eines Mixes mit dezenten Anpassungen und dann noch ein etwas drastischeres Edrum Beispiel. In beiden Fällen habe ich Natural Phase, Zero Latency und Linear Phase ausprobiert. Kleinere Unterschiede sind wahrzunehmen, mir gefällt hier besonders der Natural Phase Mode. Im Maximum Quality Mode des Linear Phase gibt es übrigens keine dynamischen Bänder mehr. Okay, ist halt so – na und?

Kritik

Zu meckern gibt es faktisch nichts. Das einzige Manko war – wenn überhaupt – nur ein kleiner, aktuell vorhandener Bug, wonach die GUI kurz verschwand. Ich gehe davon aus, dass dies zeitnah behoben wird. Ferner könnte man noch bemängeln, dass es wenig Nerd-Features wie Filtertyp-Wahl, Analog Distortion oder dedizierte Pre-Ringing-Optionen gibt. Aber ehrlich gesagt: Brauchen tut man es auch hier an dieser Stelle nicht.

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